Hartmut Pollack

Katzen machen ihre Erfahrungen

 
 
Katzen machen ihre Erfahrungen
 
Eine der wichtigsten Katzentugenden ist die Neugierde. Hier erinnern sie stark an das Wesen der Frauen.
Herrchen öffnet seinen Kleiderschrank. Er will sich ein neues Hemd heraus- holen. Bevor seine Hand den Kleiderbügel erreicht, ist Mieze schon im Inneren des Schrankes. Der Innenraum wird erforscht, ein Weg nach oben gesucht. Hemden und Jacken hängen leicht zitternd an ihren Bügeln.
Welch eine interessante Welt für Katzenaugen, welche sich in der Dunkelheit ihre eigene Helligkeit entwickeln. Unter den Wintersachen am Boden des Schrankes gibt es weitere Entdeckungen zu machen. Dass dabei die vorhandene Ordnung im Schrank gefährdet ist, stört unsere Katze überhaupt nicht. Zuerst wird ihre Neugier gestillt.
Mühsam nur bekommen wir Mieze aus dem Schrank heraus. Eines Tages fehlt Mieze in der Wohnung, obwohl ein jammervolles Mauzen zu hören ist. Der Katzenjammer kommt aus dem Schlafzimmer. Herrchen sucht. Er richtet sich nach seinem guten Gehör. Mieze muss heimlich in Frauchens Schrankhälfte gehuscht sein und wurde aus Versehen eingeschlossen. Die Tür geht auf und eine ängstliche Katze huscht heraus. Die Jammerei hat ein Ende.
Frauchen will abwaschen. Sie lässt Wasser in die Spüle laufen. Katerchen hört das Rauschen des Wassers. Mit einem Satz ist er neben der Küchenspüle. Mit seiner Pfote versucht er den strömenden Wasserstrahl weg zu schlagen. Dabei zeigt er keinerlei Angst vor dem Wasser. Er scheut sich nicht einmal, mit seinen spitzen Zähnen in den Wasserstrom zu beißen. Als Frauchen das Wasser abstellt, schaut Katerchen erstaunt. Sein Kopf fährt hinunter zum Abflussloch. Jetzt sucht er das Wasser. Er begreift nicht, wo das Wasser geblieben ist. Immer wieder wiederholt sich das gleiche Manöver, wenn das Wasser in die Spüle läuft.
Mieze hat eine Vorliebe für den Kleiderschrank. Plötzlich hört Herrchen sie fauchen. Erstaunt geht er in das Schlafzimmer. Mieze steht mit gekrümmtem Buckel vor der Spiegeltür des Schrankes. Dort sieht sie eine zweite Katze. Sie ist wütend. Eine fremde Katze in ihrem Revier, das darf doch nicht wahr sein !
Beim Öffnen der Zimmertür hat sich der Spiegel leicht bewegt. Mieze versteht das als Angriff und springt sofort gegen das Spiegelbild.
Platsch ! Die Spiegeltür klappt zu. Es war kein Angriff. Mieze miaut leise. Sie dreht dem Spiegel ihr Hinterteil zu. Fast beleidigt verlässt Mieze das Schlafzimmer. Sie lernt aber sehr schnell, dass ein Spiegelbild keine fremde Katze ist. Herrchen allerdings konnte sich beim Beobachten ein Lachen nicht verbeißen.
Der Rasen ist ein beliebter Spielplatz für die jungen Katzen. Sie rangeln sich im Sonnenschein. Katerchen macht einen mächtigen Satz in Richtung Mieze. Bevor er sie erreicht, springt die Katze aus dem Stand hoch in die Luft und elegant über den am Boden gelandeten Kater hinweg. Sie geht sofort zum Gegenangriff über. Sie hat mehr Erfolg und springt auf Katerchens Rücken. Katerchen rollt sich herum und greift sich seine Spielkameradin. Er wirft sie mit seinen Pfoten ein wenig hoch, fängt sie wieder auf und schleudert sie auf den Rasen zurück.
Mieze ist aber sofort wieder da und das Spiel beginnt erneut. Minutenlang tobt sich die pure Lebensfreude unter der Sonne aus. Man meint, dabei beide Jungkatzen vor Vergnügen lachen zu hören. Die Strahlen der Sonne scheinen die Katzen zu kitzeln, so vergnügt geht die Rangelei weiter. Herrchen hört sie vor Übermut jubeln. Sie singen das Lied ihrer Jugend.
Ein weiteres Spiel in der strahlenden Sonne ist das Fliegenfangen. Die Eintagsfliegen genießen schwarmweise ihr kurzes Leben. Für diese winzigen Insekten ist ein Sonnentag ein Hochgenuss. Sie stören keinen und lieben und leben sich in dem schönen Wetter aus.
Die beiden Jungkatzen können das lustvolle Schwirren zwischen den Strahlen der Sonne gut sehen. Anfangs beobachten sie die kleinen Fliegen vom Boden her. Sie sind sprungbereit. Mieze macht urplötzlich einen Sprung in die Luft und schlägt mit einer Tatze zu. Der Schwarm der Fliegen reagiert blitzschnell und Mieze springt ins Leere. Mieze fällt zu Boden, die kleinen Fliegen schwirren unbeirrt weiter.
Katerchen hat dies aufmerksam verfolgt. Aus dem Stand macht er einen Satz nach oben in den Schwarm hinein und fährt seine Krallen aus. Es war auch bei ihm umsonst und er plumpst auf den Boden. Sein Versuch hat lediglich für einen Freudentaumel bei den Fliegen gesorgt, welche das Bemühen der Katzen eher als Spiel sehen.
Einige weitere Versuche können Frauchen und Herrchen noch beobachten. Sie lachen beide auf. Artistische Sprungversuche führen zu keinem erfolgreichen Ergebnis. Der Schwarm der Fliegen tummelt sich weiter in der Sonne.
Nach einigen Minuten haben beide Katzen begriffen, dass Fliegenfangen ein erfolgloses Spiel ist. Die Sprünge in die Luft lassen nach. Nur ab und an schlagen sie noch mit der Pfote durch die Luft. Doch immer bleiben die kleinen Fliegen die Sieger. Es gibt halt Lebewesen, welche noch geschickter als kleine Katzen sind. Diese Erfahrung müssen sowohl Katerchen als auch Mieze machen.
 
© pk 04 / 07

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Über den Tag hinaus zu schauen, heißt für mich, neben dem Alltag, dem normalen Alltäglichen hinaus, Zeit zu finden, um das notwendige Leben mit Gefühlen, Träumen, Hoffnungen, Sehnsüchten, Lieben, das mit Lachen und Lächeln zu beobachten und zu beschreiben. Der Mensch braucht nicht nur Brot allein, er kann ohne seine Träume, Gefühle nicht existieren. Er muss aus Freude und aus Leid weinen können, aber auch aus vollem Herzen lachen können. Jeder sollte neben dem Zwang zur Sicherung der Existenz auch das Recht haben auf romantische Momente in seinem Leben.

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