„Vielen Dank General, ich werde den Rückweg in einer Karawane mit anderen Händlern und Soldaten von Hotan antreten. Ich bleibe noch einige Wochen hier. Meine Schwester wohnt in einem Haus nahe dem Schloss.“, sagte Camoran als wir uns verabschiedeten. Ich hatte zwei Männer verloren, einen verletzt und nur noch sechs Mann für den Rückweg. „Lass uns auch ein paar Tage bleiben Oscar. Hotan ist eine schöne Stadt.“ Tand hatte uns eine Raststätte gesucht und den Soldaten ihren Lohn gegeben. Sie waren wahrscheinlich in einem Gasthaus trinken und spielen. „Ja, ein paar Tage...“, gab ich zu und ging zu meinem Zimmer. Ich konnte nicht schlafen und legte mich mit meiner Uniform ins Bett. Es war schon dunkel draußen, nur der Regen und der Wind brachten Geräusche ins Zimmer. Ich überlegte von General Fujagan einige Soldaten anzuheuern. Er war für Donwhang zuständig und am nächsten an der Königin. Hier war ihr Schloss und ich beschloss um eine Audienz zu bitten. Ich hatte die Königin erst dreimal in meinem Leben gesehen. Einmal zu meiner Ernennung als Leutnant. Dann als ich Assistent meines Vaters wurde und schließlich vor einem Jahr als mein Vater starb und der Generalstitel an mich weitergegeben wurden. Plötzlich klopfte es an der Tür und Tand kam ins Zimmer. „Wie geht es dir?“, fragte er und trat an mein Bett. „Wie sieht es aus?“, fragte ich zurück. „Beschissen.“, entgegnete er und setzte sich auf einen Stuhl. „Das Pferd musste getötet werden, es hatte zuviel Blut verloren.“ Tand war als Junge Stallknecht bei uns gewesen und mochte Pferde sehr gern. „Das tut mir Leid. Ich werde morgen zur Königin gehen und Fujagan fragen ob er uns zehn Soldaten geben kann. Ich hätte nicht gedacht, dass die Monster so stark sind. Deshalb gibt es so wenig Karawanen auf diesem Teil der Seidenstraße.“ Es tat gut zu reden, die Stille des Winds machte mich schon depressiv. „Ja, gute Nacht Oscar. Sehen wir uns morgen?“, Tand stand auf und ging zur Tür. „Ich weiß nicht, vielleicht am Abend. Bis dann.“, ich war noch immer nicht müde und hatte vor meinen Träumen angst. Reale Gegner kann man mit einem Schwert besiegen, aber womit besiegt man Träume?
Ich bin in einem Wald, der Wind singt in den Bäumen, es hört sich an als würden sie mit mir sprechen. Plötzlich höre ich einen Wolf heulen, ganz in meiner Nähe. Ich sah mich um, aber der Wald ist dunkel. Etwas hält mich an meinem Bein fest. Ich seh in zwei braune Augen, weiße Zähne blitzen mir ins Gesicht. „Nein! Wieder ein Traum.“ Meine Decke liegt neben dem Bett, der Stuhl auf den Tand gesessen hatte ist umgeworfen, mein Körper nass von Schweiß. So intensiv war der Traum noch nie. Ich sah aus dem Fenster, es war mitten in der Nacht. „Was soll ich nur machen? Die Träume hören nicht auf, werden sogar schlimmer.“ Seufzend setzte ich mich aufs Bett. Ich holte mir ein Buch und fing an zu lesen. Als ich die letzte Seite umblätterte dämmerte der Morgen.