Thomas Lüthje

Sehnsucht

Es war einmal ein Junge, der verliebte sich in den Mond. Es verging keine Nacht, in der er nicht am Fenster saß und stundenlang in den Himmel starrte. Und wenn er dann irgendwann einschlief, träumte er davon, wie er zum Mond reiste um dem Mond ganz nah zu sein.

 
Seinen Freunden erzählte er nichts davon, aus Angst, sie würden ihn nicht verstehen. Doch seine Sehnsucht wurde mit jeder Nacht größer und ebenso der Schmerz.
 
Die Tage vergingen und eines Tages sah der kleine Junge einen Heißluftballon am Himmel. Er dachte: „Wenn so ein kleines Feuer einen Ballon bis in den Himmel heben kann, dann kann die Wärme meines Herzens einen Ballon bis zum Mond tragen“. Am nächsten Morgen fragte er all seine Freunde nach Bettlaken und in der kommenden Nacht stellte er aus diesen, ein paar Seilen und einem Wäschekorb einen Heißluftballon her. Er konnte es kaum abwarten, in diesen Korb zu steigen und bis zum Mond zu reisen. Über den Rückweg, darüber ob es überhaupt einen gab, machte er sich keine Gedanken, zu groß war die Sehnsucht.
 
Er trug seinen Ballon vorsichtig nach draußen, setzte sich in den Korb und öffnete das Hemd. Sein Herz glühte und der Ballon stieg in die Luft. „Ich komme“, sagte er, als er dem Mond entgegen flog, „endlich, ich komme.“ Der Mond wurde größer und größer, und um den Jungen herum wurde immer dunkler. Erst merkte er es gar nicht, aber als er den Mond endlich erreichte, war es ganz dunkel um ihn herum. „Der Mond leuchtet ja gar nicht“, stellte der Junge fest, „und hier ist es so furchtbar kalt.“ Seine Liebe schwand und ebenso die Wärme in seinem Herzen. „Ach wär’ ich doch zu Hause geblieben“, seufzte der Junge, „doch dann hätte ich noch immer diese Sehnsucht.“
 
Der Junge setzte sich auf einen Krater und fing an zu weinen. Und dann, ganz plötzlich, wurde es hell und warm. Der Junge sah die Sonne, wie sie sich ihren Weg durch die Dunkelheit bahnte. Sie blendete ihn so sehr, dass es in den Augen schmerzte und dann … wachte der Junge auf. Er saß noch immer am Fenster, ein Bettlaken auf dem Schoß. Und am Horizont ging die Sonne auf.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.04.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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