Nicole Volkmann

manuskript

Ausflug ins Nirgendwo

 

Gespannt saß ich neben dir im Auto. Wohin würde uns die Reise führen?

Vor vier Tagen war ich ohne dich nach Karlsruhe gefahren zu einem guten Bekannten, hatte mich riesig darauf gefreut. Es würde mich von der Sehnsucht nach dir ablenken. Die neun Stunden Zugfahrt machten mir nichts aus, ich war es gewohnt, auch mal so lange Strecken auf mich zu nehmen. Und wie ich wusste gab es viele neue Leute kennen zu lernen. Schon als ich in Nürnberg angekommen war, hatte ich die Nummer eines netten jungen Mannes in meinem Handy, der bei mir aus der Nähe kam. Vielleicht würde ich ihn wiedersehen? Da ich relativ früh losgefahren war, kam ich noch vor abends um sechs in Karlsruhe an.

Es erwarteten mich vier Tage voller Spaß, Musik, neuen Menschen und auch ernsten Gesprächen. Ich fühlte mich wohl, auch wenn ich beim zu Bett gehen einen leichten Schmerz in Herzgegend bekam, weil du nicht neben mir weilen konntest...

Doch der Sonntag kam und ging, du trafst gegen sieben am Montagmorgen hier ein. Ich hatte am Fenster gewartet, dass ich dein Auto sehen würde. Als es endlich soweit war, sprang ich in meine Schuhe und rannte ohne Jacke aus seiner Wohnung hinaus zu dir. Wir fielen uns in die Arme und ich hoffte, du würdest zu mir sagen, dass ich dir gefehlt habe, doch nichts dergleichen verließ deinen Mund. Du streicheltest mir über die Arme, vielleicht weil du dachtest, ich würde frieren. Ich lächelte dich an, war froh, dass du endlich da warst. Ich wusste nichts zu sagen, so schwieg ich einfach und gab mich dem Herzklopfen hin, das du wohl nie hattest, wenn du mich ansahst. Ich wusste es nicht.

Doch innerlich weinte ich...

Wir fuhren weg, ich fühlte mich ein wenig verloren in der großen Welt. Gegen Mittag zog ich mich vor dir zurück und tauchte in Gedanken ein in meine eigene Welt. Ich sah aus dem Fenster und gab mich einer Welt hin, in der alles nicht nur in Ordnung schien sondern auch war. Gab mich einer Liebe hin, wie ich sie mir immer gewünscht, doch nie in dem Maße bekommen habe.

Wir saßen zusammen auf meiner Couch und sahen uns einen Film an, den ich nicht erkannte, weil der Fernseher im Nebel meines Traums versank. Er war unwichtig, es zählte nur, dass wir beide zusammen waren. Du küsstest mich zärtlich auf den Mund. Ich erwiderte deine Liebkosungen, lag zwischen deinen Beinen, auf deinem Brustkorb. Immer wieder sah ich dich lächeln. Im Licht des Films, weil wir keine Lampe angemacht hatten. Einfach nur dagelegen hatten, von unseren Gefühlen entmachtet. Du hieltest meinen Kopf in deinen Händen, streicheltest meine Wangen und ich war so glücklich. Ich brauchte die drei Worte nicht aus deinem Mund hören, ich wusste, dass du mich liebst. So sehr wie ich dich?

Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis wir uns kurz voneinander lösten, weil ich meine Lippen von deinen wegzog. Wir blickten uns tief in die Augen. Tränenlos. Langsam ergriff ich deine Hand und küsste jede einzelne Fingerkuppe sanft. Zeichnete mit meiner Nase deine Lebenslinie nach. Legte deine Hand an meine Wange, an den Hals. Bis ich dich wieder anschaute und dich führte. An meine linke Brust, die unter der schwarzen Bluse versteckt war. Nur noch zwei Millimeter trennten dich von ihr...

„Wir machen bald Pause, um Mittag zu essen.", verkündetest du laut im Auto.

Ich erwachte aus meinem Tagtraum und war mir nicht sicher, ob ich dir sauer sein sollte oder nicht. Erwiderte nichts auf deine Worte. Ich sah nur den Autofahrern zu, wie sie einander überholten. Manchmal sah ich mir die Menschen an, die in den Gefährten saßen. Wie sie redeten oder auch nicht. Ich fragte mich, was sie wohl dachten. Ob sie zufrieden waren mit ihrem Leben. Oder ob es für sie auch eine eigene Gedankenwelt gab. Wie meine.

Ich sah das Meer und spürte deine Hand in meiner. Zusammen liefen wir dem Sonnenuntergang entgegen und ließen das Wasser um unsere nackten Beine fließen. Die Wellen störten uns nicht, immerhin waren die nicht groß genug, uns wegzuspülen. Sie brachen sich an großen Felsen, weiter entfernt von uns. Ich erinnerte mich nicht, dass wir jemals im Hotel gewesen waren, vielleicht hatten wir die letzen Tage einfach hier am Strand verbracht und den wunderschönen Sonnenauf- und Sonnenuntergängen zugesehen. Ich stellte mich dir in den Weg und bedeutete dir mit Blicken, wie sehr ich die Landschaft und unsere Zweisamkeit genoss. Wir vereinigten uns in einem unendlichen Kuss, bis die Nacht uns eingehüllt hatte. Ich zog dich hinter mit her vom Wasser weg und zu mir hinunter in den Sand, in den ich mich setzte. Fuhr dir mit den Händen durch die Haare. Ich küsste deinen Hals und jeden Zentimeter Körper, den ich von dir erreichen konnte. Du warst mit freiem Oberkörper neben mir. Erst jetzt fiel mir auf, dass wir nur Badesachen anhatten, du eine blaue Badehose und ich den schwarzen Bikini. Waren wir zum schwimmen hier her gekommen um diese Uhrzeit? Es schein unwichtig. Ich erhob mich leicht und setzte mich auf deinen Schoß. Meine Hände strichen ganz zart über deine Brust. Ich genoss die Wärme, die von dir ausstrahlte. Sah dir in die Augen, auch wenn ich bei den schlechten Lichtverhältnissen das blau nur erahnen konnte. Ich presste mich eng an dich. Deine Hände legten sich an meinen Rücken. Ich bemerkte, wie du mein Oberteil versuchtest du öffnen und hinderte dich nicht daran. Ich stellte mich auf eine Nach voller Gefühl ein. So wie ich es mir immer wünschte. Wie selbstverständlich streichelte ich mich zum Bund deiner Hose vor, schob meine Hand hinein, um deine Männlichkeit zu berühren...

„So, da sind wir.", sagtest du zu mir und klopftest leicht auf mein Bein.

Wieder schreckte ich hoch. Zog die Stirn in Falten. Warum musstest du mich immer unterbrechen in meinen Gedanken? Gehorsam und zornig stieg ich aus und trottete hinter dir her, keine Hand an meiner. Kein Körper neben mir. Du sahst dich auf dem Rastplatz um, statt zu mir. Ich richtete meine Augen stur auf den Boden und achtete kaum mehr auf den Weg und die Personen um mich herum.

Wir setzten uns hin und aßen etwas, wobei ich den Geschmack gar nicht richtig wahrnahm. Ich hing meinen Gedanken nach, nun auch anderen. Wie sollte ich es dir sagen, ohne das du ausrastest oder eine Welt für dich zusammenbrach?

Zurück im Auto gabst du mir einen kurzen Kuss und startetest den Motor. Ich lehnte mich mit dem Arm an die Scheibe. Das kühle Glas tat mir gut. Aber meine Kehle war wie ausgetrocknet. Ich griff hinter deinen Sitz nach meinem Rücksack, öffnete ihn, nahm meine Flache Zitronenlimonade heraus und trank ein paar Schlucke. Es half nichts. Ich klappte meinen Mund auf, schloss ihn jedoch gleich wieder. Ich fand keine Worte.

Wieder waren wir am Meer. Nachts. In Badesachen. Aber diesmal steuerten wir geradewegs auf das Wasser zu. Wir rannten lachend auf den Sonnenuntergang zu. Im Wasser angekommen warfen wir uns hinein, tauchten unter und wieder auf. Zum ersten mal sah ich deine Haare, wenn sie richtig glatt waren, nicht vom Kopf abstanden wie sonst. Langsam schwamm ich auf dich zu, du standest wieder. Ich klammerte mich mit den Beinen an dich. Drückte dich an mich. Schüttelte meinen Kopf, um dich mit dem Nass meiner Haare zu treffen. Wir lachten gemeinsam. Tauchten um die Wette und hielten uns zeitweilig aneinander fest. Ich wünschte mir, dass es nie aufhörte. Hier mit dir zu sein. Allein. Ich tauchte um dich herum, du sahst mich nicht. Stellte mich hinter dich. Legte meine Hände von hinten um deinen Bauch. Ich küsste deinen nassen Rücken und spürte, wie du dich entspanntest. Meine Augen erfassten jeden Wassertropfen, wie sie von dem orangeroten Licht angestrahlt wurden. Deine Hand legte sich auf meine und schob sie weiter nach unten. Durch den Stoff deiner Badehose spürte ich deine Männlichkeit fest unter meinen Fingern. Langsam zog ich mit der anderen die Hose nach unten, bis ich merkte, wie sie über ihn hinweg war. Meine Hand legte sich um den Schaft...

„Nicky, nicht einschlafen!", fordertest du mich auf.

In der Realität. Du lächeltest mich an, als ob nichts wäre. Ich schüttelte den Kopf. Ob du jemals merken würdest, dass ich nicht redete? Was sollte ich dir auch sagen? Die Wahrheit? Nein, das ging einfach nicht, nicht jetzt und hier auf unserer Reise. Vielleicht nächste Woche. Oder noch später.

Ich lauschte ein wenig deiner Musik. Nicht mein Geschmack aber sie lenkte mich ab. Wir fuhren gerade eine Landstraße entlang und der Ausblick war toll. Ein paar Felder neben mir. Ein Dorf auf der anderen Seite. Weit und breit kein Auto zu sehen. Ich fragte dich, ob wir kurz anhalten können, weil meine Blase drückte. Was natürlich kein Problem war. Du fuhrst in einen Feldweg, um eventuell vorbeifahrende nicht zu blockieren.

Als ich wieder zu dir stieg, startetest du den Wagen nicht gleich. Wir sahen uns an, aber nur du hattest ein Lächeln auf den Lippen. Ich konnte nicht. Dich so fröhlich sehen. Du warst unwissend. Hätte ich es dir jetzt sagen sollen, wo du glücklich schienst? Dein Mund legte sich an meine Wange. Ich spürte, wie deine Arme meinen Bauch umfassten. Du warst von deinem Platz zu meinem hinübergerutscht. Mein T-Shirt schobst du leicht nach oben. Ich bewegte mich nicht. Ich hatte Angst. Du sahst mich an und legtest deine Hand ganz langsam auf meine Brust. Doch dann ... erblicktest du die Tränen in meinen Augen. Fragtest, was los sei. Ich antwortete nicht, mein Blick verschleierte sich und ich wirkte abwesend. Du wusstest nicht, dass meine Tränen etwas mit Schmerz zu tun hatte und nicht mit deinen Berührungen.

Du setztest dich wieder auf deinen Sitz und startetest dem Motor. Wieder ließ ich mich gegen das Fenster sinken. Ich wollte dir nicht weh tun. Oder das Gefühl geben, dass ich dich nicht mehr sexuell begehrte. Im Gegenteil, am liebsten hätte ich dich genau so angefasst wie du mich. Aber...

Wir waren in der Badewanne. Der Raum wurde nur durch eine Kerze erleuchtet, was dem ganzen eine romantische und entspannte Atmosphäre gab. Ich saß vor dir und lehnte mich gegen dich. In deiner Hand befand sich ein Schwamm, mit dem du mich nass machtest, da ich manchmal nur teilweise unter Wasser war. Schon öfters hatten wir so zusammen im Wasser gelegen, aber heute fühlte ich mich dir näher als sonst. Wir küssten uns über meine Schulter hinweg zärtlich. Der Schwamm überquerte meinen Bauch. Wanderte über meine Beine, so tief du kamst. Eine meiner Hände legte ich an deinen Hals, während wir uns küssten. Dann ließt du den Schwamm los und an seiner Stelle waren es deine Hände, die mich mit Wasser übergossen. Du umkreistest meinen Bauchnabel mit den Fingerspitzen. Weiter oben streichelten sich nun unsere Zungen, wurden schneller. Beide deiner Hände streichelten meine Beine entlang nach oben. Ich spürte ein Kribbeln, als sie die Innenseiten meiner Oberschenkel erreichten. Und noch ein Stück näher...

„Was ist nur los mit dir?", fragtest du mich.

Ich schreckte hoch, sah dich an. Du warst nachdenklich geworden, hast nicht mehr im Takt der Melodie mit gesummt. Ich sah draußen, wie sie Sonne unterging. Bald würde es dunkel werden und wir im Auto schlafen. Mein Gesicht spiegelte sich in deinen Augen. Aber du hattest wenig Zeit, mich anzusehen, weil wir immer noch fuhren. Vielleicht erwartetest du keine Antwort. Jedenfalls fragtest du nicht weiter.

Wir waren in deiner Küche. Das Abendbrot war gemacht. Der Topf dampfte noch leicht, als du den Inhalt auf zwei Teller verteiltest. Es war schon spät, ich sah den Mond, als ich aus deinem Fenster schaute. Vor meinem geistigen Auge durchlief ich den heutigen Tag mit dir. Er war so schön gewesen. In der Stube hörte Musik aus deinem Computer. Wir standen nah beieinander. Als die Teller gefüllt waren, legtest du die Kelle und den Kochlöffel weg und drehtest dich zu mir. Wir umarmten uns innig. Ich legte meinen Kopf auf deine Schulter. Fühlte mich beschützt von dir. Geborgen. Du hattest deine Hände in meine Potaschen vergraben. Das tatst du gern. Ich sah dich lächeln. Dann spürte ich, wie du mich sanft wegdrücktest. Nach hinten. Ich lief rückwärts bis zum Tisch, gegen den du mich drücktest. Ich setzte mich darauf und nahm dich mit meinen Beinen gefangen, als unsere Wangen aneinander rieben und ich unser beider Begehren merkte. Du zogst mein Oberteil aus. Küsstest meine Arme, meine Schultern. Hinter meinem Rücken wurde der BH geöffnet, ich fühlte deine Finger an dem Verschluss. Mich anlächelnd zogst du ihn über meine Arme weiter nach unten. Neben uns auf den Boden. Dein Mund wandte sich meinen Brüsten zu...

„Wollen wir hier übernachten?", fragtest du.

Es war schon dunkel um uns. Die Autouhr zeigte 22.00 Uhr an. Ich nickte, als du auf einen Wald deutetest. Konnte kaum glauben, wie schnell der Tag vergangen war. Wann waren wir am Rastplatz gewesen? Mir war, als wäre inzwischen nur eine halbe Stunde vergangen. Du reichtest mir einen Apfel, der wohl unser Abendbrot darstellen sollte. Aber ich legte ihn zurück in den Korb zu den anderen. Ich hatte keinen Hunger. Ich sah dir zu, wie du ihn mit kraftvollen Bissen verschlangst. Dann stiegen wir gemeinsam aus dem Auto und gingen nach hinten. Auf dein provisorisches Bett. Die Matratze auf der Rückbank des Kleinbusses. Nachdem ich mich unter der Decke umgezogen hatte, legte ich mich neben dich. Du legtest den Arm um mich. Meine Hand schob ich unter meinen Kopf. Ohne dir gute Nacht zu sagen oder auf andere Reaktionen zu warten, gab ich mich dem Schlaf hin...

Traumlos war meine Nacht, wahrscheinlich, weil ich am Tag zu viel geträumt hatte. Noch immer wusste ich nicht, wo wir waren, nur bemerkte ich, dass die Landschaft bergiger wurde. Du fragtest nicht mehr nach meinem Wohlbefinden. Warst so wortkarg wie den Tag zuvor und ich beließ es dabei. Nur ab und zu redeten wir zwei Worte miteinander. Oder sahen uns an. Diesmal versank ich nicht in meinen Tagträumen, sondern dachte nur nach, wie ich dir sagen konnte, was ich dir sagen musste. Einmal war ich dem weinen nahe, beruhigte mich jedoch schnell. Du solltest meine Schwäche nicht mitbekommen. Da es hier kälter war, bedeckte ich mich mit meiner Jacke. Irgendwann zeigtest du mir einen Berg, auf dem ein Schloss zu stehen schien. Du wolltest es dir ansehen und vielleicht Fotos von mir machen. Du nahmst die nächste Ausfahrt, dann ging es nur noch bergauf. Langsam kämpfte sich dein Kleinbus voran. Ich hatte Angst, wir würden rückwärts wieder hinunterrollen, doch das passierte nicht. Als wir fast bei der Burg waren, wurde der Weg schlimmer, steiniger, aber die Neigung normalisierte sich, wir fuhren nicht mehr bergauf. Du konntest beschleunigen. Ich griff nach deiner Hand. Wir lächelten uns kurz an. Uns konnte nichts passieren, solange wir nur beisammen waren. Doch du hattest nicht auf die Straße geachtet in diesem Moment, sahst den großen Stein nicht, auf den wir trafen. Statt weiter zu rollen rutschte das Auto ein Stück. Zu nah an den Abgrund. Ich sah, wie wir uns neigten. Und es hundert Meter in die Tiefe ging. Es war zu spät. Wir fielen. Und ich sah dich an.

„Ich hab unser Kind wegmachen lassen vor einer Woche...", flüsterte ich dir zu.

Das letzte, was ich sah, bevor wir aufschlugen, war die einzige Träne, die je über deine Wangen lief in unserer glücklichen Beziehung.

Der Streit

Es war das Wochenende, nach unserem Streit...

Du hast es nicht als Streit bezeichnet damals, meintest, es wäre nur eine Diskussion gewesen. Aber ich hatte dir wehgetan. Ich war sauer – nicht auf dich. Nur auf mich selbst.

Du warst auf Arbeit gefahren, hattest meine beiden sms ignoriert. Ich saß zuhause, habe überlegt, was ich dir noch schreiben könnte. Ich musste was von dir hören. Musste wissen, was du über mich dachtest, was du fühltest. Und ob du mir verzeihen würdest. Am Telefon hattest du gesagt, dass wir uns am Wochenende sehen würden. Warum war ich mir trotzdem nicht sicher, dass du kommen würdest...?

Es wiederholte sich, schon einmal war etwas ähnliches geschehen. Vor ungefähr einem Jahr verließ mich der Mensch, mit dem ich über fünf Monate zusammen war, wie du wusstest. Er hatte mich verlassen, weil ich so zu ihm war, wie zu dir. Seither hatte ich versucht, anders zu werden. Wie wir sahen, war ich kläglich gescheitert. Und nun sollte auf unsere Beziehung das gleiche Schicksal zukommen wie ein Jahr vorher. Ich konnte es kaum ertragen.

Ich zog mir wärmere Sachen über und ging los. Ging zur Brücke und überlegte, ob ich wohl sterben würde, wenn ich springen würde. Mir kam sie dafür zu niedrig vor. Ich hätte mich vor einen Laster werfen müssen, wenn ich mehr als ein paar Knochenbrüche erleiden wollte. Leiden. Wer will das schon? Aber ich quälte mich auch so. Ich besah mir die Autos unter mir. Der Fahrer eines roten BMW hupte mir zu, wohl in dem Gedanken, dass ich nur da oben stand um zu beobachten. Was ich wirklich wollte, konnte er aus der Entfernung nicht erahnen.

Als der Wind mir durch die Haare strich und an meiner Jacke zog, wurde es mir trotz Sonne zu kalt, ich begab mich auf den Weg von der Bücke hinunter. Vor mir erblickte ich nicht weit weg den Wald, in dem ich genau so gern nachdachte wie auf meinem alten Platz vor ein paar Minuten. Als ich auf gleicher Höhe mit dem Weg hinein war, beschloss ich, weiter nachzudenken. Ich ging, lief immer weiter, rannte weg, vor was, wusste ich nicht genau. Ich wollte nicht mehr denken, nicht mehr fühlen. Wahrscheinlich flüchtete ich mich vor den Menschen, die sauer auf mich waren, denen, denen ich wehgetan hab, vor dem Leben, das ich lieber beenden wollte und vor den Entscheidungen und Überwindungen, die vor mir liegen sollten, wenn ich doch wieder Mut fasste. Die Bäume zogen an mir vorbei. Kahle Bäume oder welche mit wenig Blättern. Die Natur hier ging langsam aber sicher kaputt. Wie ich. In diesem Moment fühlte ich mich mit ihnen verbunden.

Meine Beine trugen mich weiter durch diese traurige Gegend. Und alle meine Fehler wurden mir bewusster denn je. Wie konnte ich dir nur wehtun?

Am Telefon hattest du sogar noch gesagt, wie schön du die Geschichte findest, die ich dir ein paar Tage zuvor geschickt hatte. Doch ich hatte nicht die positiven Sätze von dir realisiert, sondern nur deine Kritik. Ich sah dich vor mir, wie du mir Vorschriften machen wolltest, die nur Vorschläge waren. Der Mensch dreht sich gern Sachen zurecht, wie er sie hören will. Das selbe passierte immer wieder mit mir.

Egal wie oft ich sagte, dass ich mich ändern kann, ich war mir dessen mal sicher, ich werde es nie schaffen, immer so bleiben und alle Menschen, die mir wichtig sind, verlieren. Ich war schwach und würde es ewig sein. Ausser ich würde endlich aufstehen und nach vorn blicken. Die Hände annehmen, die sich mit entgegenstreckten. Oder einfach mal meinen Mund halten, wenn es angebracht war. Was würdest du sagen, wenn du morgen herkommen solltest?

Inzwischen war ich auf einem alten Fußballplatz angekommen, der im Sommer immer von Herren besetzt war, die ihrem Hobby nachgingen. Ich beschloss, eine Runde darum zu drehen. Der Wind bewegte die morschen Äste und wenigen Blätter an den Bäumen neben mir. Sonne kam und ging. Über mein Gesicht hinweg, auf den Boden vor mir oder in weit entfernte Ecken. Ich konnte mich nicht mehr entscheiden, was ich lieber wollte, rennen oder stehen bleiben, springen oder leben, gefühllos sein oder weinen. Mein Körper zeigte mir seine Antwort. Der Weg vor mir verschwamm unter warmen Tränen, die über meine Wangen flossen, über meinen Hals, in meine Jacke hinein und von dieser aufgesogen wurden.

Als ich die andere Seite des Platzes erreicht hatte, schaute ich mir meine Umgebung genauer an. Sie war doch eigentlich wunderschön. Überall grün in allen Tönen. Strahlen bedeckten den Sand vor mir. Grasbüschel wuchsen um die Torpfosten herum, die sicher schon ein paar Jahre lang hier standen. Niemand kümmerte sich um das Unkraut. Fast wünschte ich mir, dass jemand mich hier sehen würde, wie ich da stand und weinte. Aber allein der Gedanke daran, vor jemandem Schwäche zu zeigen, brachte mich fast um. Ich wollte, dass mich jemand festhielt, mit durch die Haare strich und sagte, dass alles wieder gut wird. Dass ich nicht schlimmes gemacht hatte. Dass du mir verzeihen würdest.

Stattdessen stand ich hier und hatte niemanden. Mein Herz fühlte sich an wie aus der Brust gerissen. Weil ich es dir geschenkt hatte? Oder weil du dein eigenes wieder an dich nehmen würdest? Ich hörte das Lied der Vögel, die um diese Uhrzeit fröhlich und frisch klang. Der Frühling war da. Nur ich bemerkte nicht viel davon.

Mein Handy hatte ich nicht mitgenommen, doch jetzt wollte ich dir wieder eine sms schicken, mich tausendmal bei dir entschuldigen, selbst wenn es zu spät war. Die Arme um mich geschlungen, lief ich langsam weiter und ließ die vielen Eindrücke auf mich wirken. Die entspannte Atmosphäre. Die frische Luft. Meine Tränen. Mein schmerzhaftes Herzklopfen.

Ich verspürte den Drang, wieder nach Hause zu gehen, fühlte mich plötzlich nicht mehr wohl an dem schönen Ort. Wenn ich wollte, konnte ich später wieder hier her kommen. Mein Weg führte an einem kleinen See vorbei, den der Regen von vor ein paar Tagen gezaubert hatte. Ich fand ihn toll, auch wenn das Wasser irgendeine Farbe zwischen braun, grün und grau hatte. Leider sah ich keinen Pfad, der dorthin führte, überall nur Gestrüpp und ich wollte meine Jacke nicht zerreißen. Also ließ ich es bleiben.

Als ich halb aus dem Wald raus war, stolperte ich über ein paar eingegangene Pflanzen, die über meine Beine hingen. Es machte mich immer noch traurig, hier alles so leblos zu sehen.

Ich erreichte den Ausgang, ging über die Straße, auf der kein Auto fuhr. Ich stellte mir vor, wie du vielleicht jeden Moment hier vorbeifahren würdest, was verrückt war, da du zur Arbeit musstest. Und ausserdem erst zwei Stunden später hier angekommen wärst. Ein alter Mann kam mir entgegen, spähte kurz zu mir. Betrachtete meine schwarzen Kleidungsstücke. Was er wohl dachte? Dass ich zu einer Art Sekte gehörte? Dass ich ein Jugendlicher war, der eine Phase hatte, sich schwarz zu kleiden? Seit zwei einhalb Jahren. Oder er dachte, ich würde um jemanden trauern.

Mein Blick richtete sich auf den Boden, als der Alte vorbei war. Ich wollte niemanden mehr sehen. Ansehen. Mir keine Gedanken mehr darüber machen, was sie wohl über mich denken. Fast lachhaft war die Vorstellung, dass ich manchmal, wenn ich in der Stadt war, bald überschäumte vor Stolz, wenn ein Junge mich interessiert ansah. Diese Blicke waren nichts anderes als der Beweis, dass es Menschen gab, die sexuell etwas mit mir haben wollten. Ob mehr dahinter steckte, wollte ich nicht wissen. Ich wollte nur dich.

Vor Netto sah ich die Leute in wildem Tumult ihre Körbe einsortieren, die Autos voll stopfen, sich unterhalten und auch ein paar jüngere Kerle, die mit ihren Skateboards in der Sonne faulenzten. Ähnlich war es auf dem Sportplatz nebenan. So schnell wie möglich ging ich daran vorbei. Ich erwartete fast, meine Freundin an der Bushaltestelle nahe unserer Wohnstraße zu treffen, doch niemand saß dort. Als ich fast vor meinem Eingang stand, zog ich den Schlüssel aus meiner engen Tasche. Meine Tränen waren fast getrocknet, sodass ich das Schloss sofort fand. Im Haus angekommen leerte ich den Briefkasten aus. Kein einziger Brief für mich dabei, was mich nicht wunderte nach den Gefühlssausbrüchen, die ich immer hatte. Ich hätte sie so gern kontrollieren können.

Hastig stieg ich die Stufen bis zu unserer Wohnung hinauf. Schloss auch da schnell die Tür auf und trat ein. Mein Kater huschte mir um die Beine herum, wollte diesmal aber nicht flüchten. Das tat er nur abends, wenn meine Mutter von Arbeit kam. Was an dem Tag aber nicht der Fall sein sollte, weil sie bei ihrem Freund bleiben wollte. Ich würde die Nacht allein sein und es war Freitag. Alleine konnte ich niemals einschlafen, so beschloss ich in der Nacht dann das Licht in meinem Zimmer an zu lassen. Ich legte den Schlüssel im Korridor auf den Schrank und ging ins Bad, um mir Wasser einzulassen. Ich Drehte den Abfluss auf zu und drehte den Hahn auf. Dann gab ich Schaumbad hinzu, mir war egal wie viel. Vielleicht würde ich daran ersticken.

Als ich mich ausziehen wollte, ging ich in mein Zimmer und holte etwas aus dem Schreibtischkasten. Mein Cuttermesser. Ich hatte verdient, mich zu bestrafen.

Am Rand der Badewanne fand es seinen Platz.

Dann entfernte ich endlich meine Kleider und gab mich den Wellen hin, die sich sanft um meinen Körper bildeten, nachdem ich mich an das warme Wasser gewöhnt hatte. Leicht lehnte ich mich zurück und ließ noch mehr warmes hinein. Bis ich vollständig bedeckt war. Ich drehte den Hahn wieder zu, legte mich hin und dachte weiter nach.

Was du wohl tun würdest, wenn du jetzt hier wärst. Entweder du würdest mich beobachten, wie ich mit den Tropfen spielte oder dich zu mir gesellen. Beides gefiel mir, doch du warst nun mal nicht da. Unglücklich rieb ich mir mit einem Waschlappen über die Arme, ganz langsam.

Gleich würde es soweit sein. Ich griff nach meinem Cuttermesser...

Das Wasser färbte sich leicht rot, weil ich den Schnitt nicht darüber machen wollte.. Der Übergang von Wasser zu Blut konnte man kaum noch erkennen, es schien in kleinen Fäden von mir wegzuschweben. Es sah schön aus. Ein Schnitt.. Zwei Schnitte.. Aber was brachte das?

Nun war ich noch wütender auf mich selbst, weil ich immer so zu dir war. Es einfach nicht lassen konnte. Ich achtete nicht mehr auf die Anzahl der Schnitte sonder fuhr einfach den Arm entlang. Wenn ich nun in Ohnmacht fallen würde, war mir das auch egal. Ich wollte und konnte nicht aufhören. Als ich nur noch Schmerz spürte, war es vorbei. Ich war ausgelaugt. Mit den Nerven und den Körperkräften am Ende.

Ein neues Gefühl bahnte sich einen Weg durch meinen Kopf. Das Blut war ... wunderschön. Dieses rot. Meine Wut und Verzweiflung verwandelten sich aus unerklärlichen Gründen in Lust. Wenn du doch nur da gewesen wärst.

Auf einmal fühlte ich die Wassertropfen intensiver. Auch die Hitze um mich herum. Mein Herz begann zu klopfe, als ich nur meine Brust berührte. Ich umkreiste meine Brustwarze großflächig, wollte mich noch etwas zurück halten. Ich stellte mir die letzte Nacht mit dir vor. Ein schönes Erlebnis, an das ich mich gerne diese Woche erinnerte. Wie zart und gefühlvoll du dich in mir bewegt hast. Wie du mich dabei gestreichelt hast. Ganz leicht berührte ich jetzt meine Brustwarze und atmete laut auf. Es erregte mich, als hätte ich seit Monaten keinen Mann mehr gehabt. Meine zweite Hand glitt über meinen Bauchnabel, strich über das Piercing und ging dann weiter nach unten. Ich schloss die Augen und gab mich meinen Gefühlen hin. Dabei fragte ich mich, wie mein Gesicht wohl aussah, wenn ich das machte. War es ein von Verzückung verzerrtes oder ein ganz normales? Ich streichelte mich langsam an meiner empfindlichsten Stelle und umkreiste weiter meine Brustwarzen. Stellte mir vor, deine Zunge wäre an einen von beiden Körperteilen. Diesmal hätte ich nicht nein gesagt. Ich stellte mir vor, wie du an mir saugen würdest. Wie du meine Hände genießen würdest, wenn ich sie in dein Genick krallte. Wenn ich deine Hand über meinen Körper führe, abends, wenn wir nebeneinander liegen und uns spüren wollen.

Ich massierte mich schneller zwischen den Beinen und kam leicht über Wasser, um mich besser bewegen zu können. Dann drang ein Finger in mich, mein eigener, weil du nicht da warst. Und ich bewegte mich wie du. Fühlte wie ich in mir drin aussah. Das müsste dir gefallen, so schön glatt und weich. Rein und raus. In Gedanken verwandelte ich den Finger in deine Männlichkeit. Die gleichen Gefühle breiteten sich in mir aus, als ob du mit mir schlafen würdest. Ein wohliges Kribbeln, das langsam mehr wurde.

Ich hatte den Finger, der an meiner Brustwarze spielte, noch einmal kurz angefeuchtet, um deine Zunge zu imitieren. Es würde nicht mehr lange dauern und ich stellte mir vor, du würdest in diesem Moment in mein Ohr stöhnen. Ich stimmte mit ein, nicht nur in meiner Erinnerung sondern real. Mein Finger bewegte sich noch schneller, ich spürte, wie ich das Gesicht leicht verzerrte und kam. Wieder diese wundervollen Wogen. Das Kribbeln, dass sich nicht mehr beruhigen wollte. Das Muskelzucken an meinem Finger. Und dann ließ es einfach wieder nach.

Ich dachte daran, wie du mich immer festgehalten hast, brach einfach so in Tränen aus. Alle schönen Gefühle des eben erlebten Orgasmus waren vergessen. Nur warum weinte ich?

Kurze Zeit später wollte ich aus der Wanne steigen, wenn meine Beine nicht nachgegeben hätten und ich in Ohnmacht gefallen wäre..

Erst durch das Klingeln an der Tür wurde ich wach, alles um mich herum war schwarz. Wie lange war ich nicht da gewesen? Es war schon abends und mein Bad war am Nachmittag. Schnell stand ich auf und suchte den Lichtschalter, den ich auch schnell Fand. Ich zog mir einen Bademantel über und schaute verwirrt in den Spiegel. Mein Arm tat weh und das Cuttermesser lag noch immer neben der Badewanne auf dem Rand.

Es klingelte ein zweites Mal und mir fiel wieder ein, warum ich überhaupt aufgewacht war. Ich sah aus dem Küchenfenster und sah deinen Wagen vor unserem Haus stehen. Ergriff den Hörer der Anlage und machte dir die Tür auf, wie ich es immer tat, ohne zu fragen, wer da war. Immerhin hattest du als einziger in dieser Straße einen solchen Wagen.

Ich hörte, wie du die Treppen hochkamst. Ich hielt dir die Tür auf und das Herz schlug mir bis zum Hals. Was würdest du sagen? Würdest du mir einfach den Ring vom Finger reißen und fahren?

Als du vor der Tür warst, trat ich zurück uns ließ dich rein.

„Hallo meine Schnecke!", riefst du freundig.

Die Schatten – The moment of our love (Mein Leben mit dir)

Mein Atem ging flach und schnell. Ich spürte die warmen Schweißperlen auf meiner Stirn. Meine Hände waren klamm und kalt. Vor Aufregung bekam ich kaum Luft. Mein Mantel wehte hinter mir her, während ich zügig die Straße entlang lief. An einer Ecke blieb ich stehen. Stille. Konnte ich ihr trauen? Ein Rascheln ließ mich zusammenfahren. Sie waren tatsächlich noch hinter mir. Ein paar Hundert Meter bis zu meinem Hauseingang. Doch konnte ich es wagen zu rennen? Im Bruchteil einer Sekunde entschied ich mich...

„Niakyd, ist dir was passiert?", rief meine Mutter, „Ich hab mir Sorgen gemacht. Geht’s dir gut? Du bist etwas blass...!"

Sie legte mir ihre warme Hand auf dir Stirn.

„Ich bin immer blass, das weißt du doch. Und es geht mir auch wirklich gut. Sie hätten mich fast gekriegt...!"

Meine Stimme klang schrill und aufgekratzt. Ich atmete tief durch. Hier war ich in Sicherheit.

„Komm bitte das nächste Mal nicht im Dunkeln heim, ja?"

Ich schwieg. Mir gefiel es, wenn ich mich im Schatten bewegen konnte, doch in der Dunkelheit sind sie. Die traurigen Schattenwesen...

 

Am nächsten Tag in der Universität bemerkte ich die Blicke der Schattenmenschen in meinem Rücken. Sie beobachteten mich auf Schritt und Tritt. Am Tag konnten sie mir nichts antun, dafür sorgten meine Freunde.

Als ich auf dem Hof bei Stiffina stand, fiel mein Blick auf Olif. Kaum zu glauben, dass er mal eine Lichtgestalt war. Den Ledermantel hatte er fest um sich geschlungen, fast als würde er sich in ihm verstecken wollen. Für eine Sekunde hatten wir Blickkontakt.

Oh Olif...! Wie gut wir uns einmal verstanden hatten.

Er sah sofort wieder weg. Es war verboten, den Blick einer wie mir zu erwidern. Ich wollte ihn bei mir haben. Diese Sachen standen ihm außerordentlich gut. Meine Knie drohten nachzugeben. Ich sah auf den Boden unter mir und beruhigte mich langsam.

„Was ist denn los?", fragte mich Stiffina besorgt.

Eine Träne verließ mein Auge.

„Die Welt ist ungerecht geworden...!", flüsterte ich, „Es hat sich alles geändert. Früher konnten wir zu jeder Tageszeit raus gehen, und jetzt? Wir leben in Angst!"

Erneut schaute ich in Olifs Richtung. Warum nur gerade er...?

 

Auf dem Heimweg. Ich lief allein und dachte über mein Leben nach, als Olif aus der Nebenstraße vor mir kam. Niemand war bei ihm. Sollte ich es tun...? Hatte ich eine andere Wahl?!

„Olif, warum bist du zur dunklen Seite gewechselt?", sprach ich ihn an.

Er drehte sich um und sah mich kurz an.

„Wie kannst du es wagen, mit mir zu reden? Schlampe!"

Ich blieb stehen. Warum sagte er solche Dinge über mich...?

„Beschuldige mich nicht für Sachen, an denen du mit beteiligt gewesen bist...!", brachte ich hervor.

Tränen stiegen wieder in mir auf, doch ich hielt sie zurück. Er lachte auf.

„Ja, das könnte dir so passen. Bleib lieber bei der Geschichte oder es wird noch schlimmer für dich!"

Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.

„Reicht es dir nicht aus, dass deine Freunde mich mehr jagen als jeden Anderen aus dem Licht? Willst du, dass sie mich wirklich töten?", fragte ich.

Er überlegte, dann schüttelte er kaum merklich den Kopf.

„Nein, das nicht...!", sagte er leise und ging davon.

Ich sah ihm hinterher. Hatte ich jetzt endgültig alles kaputt gemacht? Ich hätte nichts sagen sollen. Immer machte ich diese Fehler...

 

Betreten kam ich zu Hause an. Eine neue Überraschung erwartete mich. Miraco. Auch nach unserer Beziehung hatten wir guten Kontakt.

„Hi! Wie Läuft es so?", wollte er wissen.

Ich brach in Tränen aus. Länger hätte ich sie nicht zurückhalten können.

„Entschuldige!", schluchzte ich und wandte mich von ihm ab, „Es läuft alles gut. Die Uni ... ist schön und sonst ist nicht viel los. Toll, dass du hergekommen bist!"

Miraco kam auf mich zu.

„Bist du dir sicher, dass ich bleiben soll? Es sieht aus, als ob du Zeit für dich brauchst...!"

Ich schluckte.

„Lass uns bitte raus gehen. Lenk mich einfach ab, okay?"

Wir setzten uns auf die Bank, nicht weit entfernt von unserem Haus.

„Was ist mit deinem Freund? Seid ihr endlich zusammen?", fragte er mich neugierig.

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich muss immer noch kämpfen, um ihr wieder zu bekommen...!"

Miraco sah zu Boden. Wir hatten eine kurze gefühlvolle Beziehung gehabt. Doch wir wussten beide, dass es nicht mehr so werden konnte. Weil ich alles kaputt gemacht habe. Wir vertrauten uns nicht mehr, weil ich fremd gegangen war. Mit Olif. Noch ein Fehler von mir...

 

Wir unterhielten uns über unsere gemeinsame Zeit. Noch immer fühlte ich meine Zuneigung ihm gegenüber. Es war keine Liebe mehr. Schwache Andeutungen von Gefühlen. Ich wusste, wohin mein Herz gehörte. Wenn ich für ihn sterben musste, dann würde ich das auch tun.

„Warum sind die Schatten eigentlich genau hinter dir her?", fragte Miraco nach einer Weile.

„Das weißt du doch...!", antwortete ich bedrückt.

„Nur deswegen wollen die dich fast umbringen?"

Er wirkte geschockt. Verstand er denn nicht? Es war verboten, mit ihnen in Kontakt zu treten, sie nur anzusehen. Was ich getan hatte, war ein Verbrechen. Ich fragte mich, warum ihre Gesetze nicht auch seine Bestrafung beinhalteten. Er hatte freiwillig mitgemacht. Ich habe ihn nie zu irgendwas gezwungen. Im Gegenteil, alles ging von ihm aus.

Während ich rätselte, lief Pitraky schnellen Schrittes auf uns zu. Er war der Anführer der Schatten in unserer Stadt. Nur er durfte mit Lichtgestalten sprechen. Er setzte sich mit gefühlsstarrer Miene neben mich. Und begann zu reden.

„Du kannst froh sein, dass ich meine Leute gestern nicht auf dich gehetzt habe. Du warst langsam, es wäre ein Leichtes gewesen, dich einzuholen. Das weißt du sicherlich auch. Aber heute wird es anders sein. Ich helfe dir nicht noch einmal. Du wirst leiden."

Es platzte aus mir heraus.

„Warum geht ihr nur auf mich los und nicht auf Olif? Er hat es gewollt, er liebt mich!"

Pitraky überlegte. Lange.

„Sprich nicht über Dinge, die du nicht verstehst. Du willst wie wir sein. Vor ein paar Wochen hätte ich dich auch aufgenommen. Du hättest warten müssen. Als Lichtgestalt ist es dir nicht erlaubt, mit einem der Unsrigen zusammen zu sein. Ich gebe dir die Chance, dich mit ihm auszusprechen. Kurz vor Sonnenuntergang morgen wirst du wieder an dieser Bank sein und mit ihm reden dürfen. Ich werde dabei sein und wenn du frech wirst, halte ich meine Freunde auch am Tag nicht mehr zurück. Tschüss!"

Was sollte diese Aktion? Ich sah ihm sprachlos hinterher, wie er, fast schwebend, die Straße überquerte und verschwand...

 

Miraco und ich blieben noch ein bisschen auf der Bank sitzen und dachten über das eben gehörte nach.

„Was hatte das nur zu bedeuten?", fragte er und riss mich aus meinen Gedanken.

„Kannst du dir das nicht denken? Die Typen sind gefährlich. Kannst du mich heimbringen, wenn sie Nacht anbricht? Ich hab echt Angst...!", bat ich ihn.

Und er nickte. Zum Glück. Pitraky hatte zwar gesagt, dass er seine Leute nicht auf mich hetzt, aber konnte ich ihm glauben? Er hasste mich.

„Hast du Majajo mal wieder gesehen? Ich hab lange nichts von ihm gehört...!", wollte ich wissen, als wir uns langsam auf den Heimweg machten.

„Nein, tut mir leid. Aber wir hatten auch nie ein so gutes Verhältnis wie ihr beiden. Er hat eine komische Seite an sich, finde ich. Wenn ich ihn sehe, soll ich ihm ausrichten, dass er bei dir vorbei kommen soll?"

Ich nickte zustimmend, immer noch in Gedanken. Vor drei Wochen hatte Majajo mich abends nach Hause gebracht. Wir hatten uns toll unterhalten und ich hoffte, ihm irgendwann einmal danken zu können.

„Man hat mir da was gesagt...!", deutete Miraco an, „Dass zwischen euch etwas laufen soll...!"

Ich lächelte.

„Bist du etwa neidisch?"

„Nein – doch ... ein bisschen. Ich – wollte es nur von dir hören. Also, was ist?", wollte er wissen.

„Nein, ich habe ihn sowieso nicht mehr gesehen...!", gestand ich wahrheitsgetreu.

Für Majajo hatte ich absolut keine Gefühle. Aber was wusste ich schon...? Liebe war ein unbekanntes Wort für mich. Würde ich je erfahren, was sie wirklich ist...?

 

Meine Schritte beschleunigten sich, wir schwiegen. Vor uns ging die Sonne unter, färbte die Wolken rot und orange, und wir sahen nur endlose Neubaublöcke.

„Oh Nein...!", stöhnte ich auf, als ich die schwarzen Gestalten erblickte.

Was sollten wir tun?

„Ich beschütze dich schon...!", versprach Miraco und legte leicht den Arm um mich.

Wir sahen uns in die Augen. Dann gingen wir weiter. Ich flüsterte vor mich hin.

„Aber ... Pitraky hat doch gesagt, dass sie mich bis morgen in Ruhe lassen...!"

Doch hatte er das wirklich? Ich konnte mich nicht erinnern, ob er etwas dergleichen von sich gegeben hatte.

„Wenn sie uns was tun...!"

„Ich pass schon auf...!", wiederholte mein Beschützer.

Wir kamen ihnen immer näher. Ich sah sie sich böse Blicke zuwerfen. Waren sie sauer, weil sie mir nichts tun durften? Schon fast auf Augenhöhe teilte sich die Menge, um uns hindurch zu lassen. Mit flauem Gefühl im Magen lief ich noch schneller, spürte Miracos Hand stärker den je auf meiner Schulter. Die Schatten zischten mir Bemerkungen, Beleidigungen zu. Ich musste sie einfach missachten. Auch wenn es wehtat. Hätte ich etwas erwidert, wären sie sicher auf uns losgegangen.

So ließen sie uns passieren. Als wir an ihnen vorbei waren, drehte ich mich noch einmal um, doch sie waren verschwunden...

 

Miraco brachte mich nicht nur heim, er beschloss auch, diese Nacht bei mir zu bleiben. Mom kam heute nicht, sie wollte bei ihrem Freund übernachten. So war es natürlich lieb von ihm, mir Gesellschaft zu leisten. Ich konnte allein nämlich nicht einschlafen.

Wir aßen schnell Abendbrot, hatten nach all der Aufregung enormen Hunger. Wegen der Schatten machten wir uns keine Gedanken mehr. Ich weiß, eigentlich hätte es uns beschäftigen müssen, aber nun, da wir in Sicherheit waren, konnte uns keiner etwas tun.

Wir legten uns nebeneinander auf das Sofa und sahen fern. Auf einem Sender blieb ich hängen. STV. Steht für Shadow-television. Der Kanal für Schatten aus aller Welt. Toll, was?! Ich hielt nur deswegen an, weil ich mein eigenes Gesicht im Fernsehen erblickte. Ein Sprecher, um die 30 Jahre, mit schwarz-roten Haaren und stark geschminkten Augen, kommentierte auf Englisch, sodass ich nur wenig verstand. Trotzdem konnte ich nicht weiterschalten.

„Was soll das...?", flüsterte ich mit erstickter Stimme.

„Niakyd...!", stotterte Miraco, „Bist du dir sicher, dass du nur mit Olif rumgeknutscht hast? Die machen eher einen Aufstand, als hättest du ihn abgeschlachtet...!"

Ich sah ihn hilflos an.

„Tust du mir einen Gefallen und nimmst mich in den Arm...?", fragte ich vorsichtig.

Meiner Bitte folgeleistend öffnete er seine Arme für mich. Ich legte mich sachte hinein, lehnte meinen Kopf gegen seine Schulter und weinte leise vor mich hin. Würde diese Qual jemals ein Ende haben...?

 

„Na, was war gestern bei dir los?", wollte Stiffina von mir erfahren.

„Nichts weiter. War mit Miraco draußen und dann wie immer nur noch drinnen. Wusstest du, dass ein Foto von mir bei STV gezeigt wird?"

„Nein!", sagte sie erstaunt, „Das ist aber nicht das, worauf ich hinaus wollte. Jemand hat gesehen, wie Miraco und du zusammen zu dir gegangen seid und er erst heute morgen nach Hause geeilt ist...! Und ihr habt euch mit einem Kuss verabschiedet! Läuft da wieder was?"

Ich stöhnte laut auf. Konnte ich nicht jemandem so Tschüss sagen, ohne eine Beziehung angehangen zu bekommen? Ich antwortete nicht auf ihre Worte, schaute lieber zu Olif hinüber. Wie immer wich er meinem Blick aus, widerstand der Versuchung, zu mir zu sehen. ER unterhielt sich gestikulierend mit seinen Schattenfreunden. Seine Bewegungen wirkten noch nicht kühl wie die der Anderen. Man merkte, dass er noch nicht lange dazu gehörte. Wenn diese Hände mich doch nur noch einmal berühren könnten...! Nur an ihm lehnen, einen letzten Kuss von seinen Lippen erhalten. Träume, die ich immer habe. Jede Nacht, seitdem wir...! Ich schluckte schwer, spürte den berüchtigten Klumpen um Hals. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieses Gespräch heute Abend irgendetwas ändern konnte...

 

Ich saß alleine auf der Couch und wartete. Darauf, dass es endlich später wurde. Aber je mehr ich mir den Sonnenuntergang herbeisehnte, desto langsamer schien die Zeit tatsächlich zu vergehen. Es war kurz vor halb sechs. Noch zwei Stunden. Mit fiel nichts ein, was ich hätte tun können, um mich abzulenken. So blieb ich einfach sitzen. Spielte mir meine Uhr einen Streich? Der Minutenzeiger bewegte sich doch gar nicht, oder? Ich verstand es nicht. Wenn Miraco doch nur hier wäre. Er würde die Situation entlasten.

Plötzlich klingelte das Telefon und ließ mein Herz für einen Augenblick aussetzen. Langsam ging ich darauf zu, ergriff den Hörer.

„Hallo?", flüsterte ich unsicher.

„Hi Niakyd! Ich bin’s: Majajo! Hab gehört, dass ich mich bei dir melden soll. Gibt’s was bestimmtes?"

Nette Stimme...! Atemlos brabbelte ich weiter.

„Ach, nein. Ich wollte nur wissen, ob du noch lebst. Hast mir nicht mal ne sms geschickt. Ich habe mir fast Sorgen gemacht."

„Na dann...!", sagte er leise, „Hättest du dir aber nicht machen brauchen. Hab nur kein Geld mehr auf dem Handy. Du, ähm ... geht’s dir soweit ganz gut?"

„Es geht so. Warum fragst du?"

„Na ja...!", zögerte er, „Ich sah einen Bericht im Fernsehen...!"

„Ach den...! Ja, den hab ich auch geschaut. Muss mich heute mit Olif aussprechen, dann ist das Theater hoffentlich vorbei...!"

„Da wünsch ich dir mal viel Glück. Muss jetzt Schluss machen, okay? Ruf mich nachher an und sag, wie es gelaufen ist...!"

„Mach ich!", versprach ich Majajo, „Bis dann!"

Ich legte auf. Mann, was für ein Typ! Und endlich war ein bisschen Zeit vergangen. Immerhin 10 Minuten. Besser als gar nichts.

Oh, ich hatte seine Telefonnummer gar nicht! Also könnte ich ihn später leider nicht zurückrufen...!

 

An der Haustür angekommen blieb ich kurz stehen und atmete durch. Es wird alles gut. Puh, einatmen. Ausatmen. Immer mit der Ruhe.

Ich schaute in Richtung Sportplatz. Zur Bank. Pitraky und Olif waren anscheinend schon da. Ich sollte mich beeilen. Schnell überquerte ich die Straße, die uns drei trennte und rannte auf meinen Freund zu. Seine Grünen Augen strahlten mir entgegen. Weich und fröhlich. Als Pitraky jedoch zu sprechen begann, wurden sie wie auf Kommando wieder hart und gefühllos.

„Du bist also tatsächlich hergekommen. Dachtest du etwa, ich ändere extra für dich die Regeln?"

Bevor ich etwas erwidern konnte, spürte ich, wie kalte starke Hände mich packten. Ich wurde von den beiden weggezogen und auf den Boden geschubst. Schatten tauchten um mich herum auf. Sie bildeten einen Kreis.

„Hast du Angst?", fragte Pitraky mich.

Ich schüttelte den Kopf.

„Das ist mutig, aber auch töricht von dir...!"

Er schnippte mit dem Finger, ich wurde aufgerichtet. Der Anführer ging auf mich zu. Als er vor mir angekommen war, blieb er stehen.

„Du willst also zu uns gehören. Schön. Vielleicht hast du schon von der Aufnahmeprüfung gehört...!"

Ich war überrascht. Alles hatte ich erwartet – alles, außer das. Ich öffnete meinen Mund, doch da mir nichts einfiel, was ich sagen sollte, schloss ich ihn gleich wieder. Ich kannte die Prüfung. Ich musste mir von einem der Schattenwesen das Pentagramm einritzen lassen. Mit einer heißen Nadel.

Ich nickte.

„Du willst also ernsthaft einer von uns werden? Du müsstest ein Leben komplett ändern...!"

„Ich würde alles tun, um mit Olif zusammen zu sein...!", sagte ich und sah die entsprechende Person an.

Er hielt meinem Blick stand.

„Meister, darf ich sprechen?", fragte er laut, ohne wegzusehen.

„Nur kurz, dann beginnen wir mit der Zeremonie!", entgegnete Pitraky.

Olif trat einen Schritt vor.

„Du tust das nur für mich?", wollte er wissen, „So groß ist deine Liebe?"

Ich nickte, unfähig etwas zu sagen. Ein leichtes Lächeln umspielte seinen Mund. Er trat zu mir, doch ein paar andere Schatten schnitten ihm den Weg ab.

„Erst muss sie dir Prüfung bestehen!", rief der Meister.

Ab heute musste ich ihn wohl auch so nennen.

Ich nickte. Die Zeremonie begann. Man gab Olif die mit Feuer erwärmte Nadel.

„Bist du bereit?"

Erneut nickte ich.

Der heiße Gegenstand näherte sich meiner Haut. Als er sie berührte, durchzog ein nie zuvor gekannter Schmerz meinen Körper...

 

Ich biss mir auf die Zunge, bis diese Blutete. Meine Hände waren zu Fäusten geballt. Bei jedem Millimeter, den die Nadel bewegt wurde, überfluteten Wellen des Schmerzes mein Herz. Mein Oberarm, wo die Markierung gesetzt werden sollte, schimmerte rot. Die Hälfte hatte ich schon hinter mir. Ein kleines Rinnsal hellroten Blutes bahnte sich den Weg meinen Arm hinunter. Olif sagte etwas.

„Nachdem du nachher deine Zähne geschärft bekommen hast, solltest du dir nicht mehr auf die Lippe beißen...!"

Ich lächelte gequält. Noch einen Zentimeter...

Ich hatte es geschafft. Nun war ich ein Schattengeschöpf. Und konnte mit Olif zusammen sein. Gerade wollte ich ihn umarme, als mir einfiel, dass er mir jetzt noch die Zähne anspitzen musste.

Ich öffnete meinen Mund und wartete. Dann fühlte ich die Feile an meinem Eckzahn. Langsam führ sie hin und her. Anscheinend hatte Olif schon Übung darin...?

Er hörte auf und ich fuhr mit meiner Zunge vorsichtig mein Gebiss entlang. Es war ein schönes Gefühl, mit diesen Vampirzähnen.

„Und, hab ich dir wehgetan?", erklang Olifs Stimme dicht hinter meinem Ohr.

„Es gibt schlimmeres...!", flüsterte ich zurück und drehte mich zu ihm.

Zögernd streckte ich meine Hand aus, berührte sanft seinen Hals. Ein leises Keuchen entwich meiner Kehle. Seine Arme umschlossen mich fest, schützend. Ich schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete, waren wir in meinem Zimmer...

 

Ich erschrak.

„W – was?", stotterte ich verwirrt.

„Du hast jetzt die selben Fähigkeiten wie wir. Kannst dich teleportieren und bist schneller als der Wind...!"

Ich lehnte mich stärker an Olif.

„Hab keine Angst, am Anfang ist es ungewohnt, aber das legt sich. Komm, wie ziehen in unser neues Zuhause ein!"

Er ergriff meine Hand und teleportierte uns an einen anderen Ort. Wir waren im Schlafzimmer. Auf dem Boden standen Kerzen. Schwarze und rote. Ich spürte Olifs warmen Körper neben mir stehen.

„Gefällt es dir?", fragte er leise.

Ich nickte.

Er hielt meine Hand immer noch in seiner und zog mich jetzt langsam im Richtung Bett. Schritt für Schritt gingen wir durch das Kerzenmeer. Ich setzte mich an den Rand des Bettes. Olif ging zu einem er zwei Nachtschränke und zog die Schublade auf. Er holte etwas heraus. Ich erkannte, dass es ein Kondom war. Mein Magen zog sich zusammen, ich zitterte. Jetzt schon? Er steckte er in seine Hosentasche. Ich tat so, als hätte ich nicht davon bemerkt. Er kam zu mir und setzte sich neben mich.

„Wollen wir uns nicht hinlegen?", schlug er vor.

Langsam bewegte ich mich aufwärts, zum Kissen hin. Er tat das Gleiche, stütze sich mit einem Arm neben mir a, lag seitlich zu mir da. Seine andere Hand legte er auf meinen Bauch. Er küsste meinen Hals. Ich lag einfach nur da, legte meine Hand auf seine. Er löste sich von mir, um mich nun auf den Mund zu küssen. Ich vergaß alles um uns.

Nach ein paar Minuten merkte ich, wie Olif sich auf mich legte. Ich atmete jetzt flach, panischer.

„Bitte nicht...!", presste ich hervor, „Ich will das nicht so früh...!"

„Komm, das gehört zu einer Beziehung dazu...!", versuchte er mich leise umzustimmen.

„Nein...! Ich will nicht! Bitte lass mir ein bisschen Zeit...!", flehte ich fast.

Erst dachte ich, er würde nicht auf mich hören, dann glitt er von mir runter und nahm mich in den Arm.

„Natürlich!"

 

Wir lagen lange so da. Ich wurde schläfrig. Meine Augen fielen zu...

Nach nicht allzu langer Zeit wachte ich auf, weil Olif mich wieder küsste. Ich erwiderte seine Berührungen. Er versuchte erneut, sich auf mich zu legen.

„Ich – hab dir doch gesagt, dass ich nicht will. Lass das!", wisperte ich.

„Eigentlich musst du dich aber an unsere Gesetze halten, das ist dir klar, oder?"

„Was hat unser Liebesleben mit den Schattengesetzen zu tun?", fragte ich.

„Nun ja, es steht geschrieben, dass ein Partner die sexuellen Wünsche des Anderen erfülle soll...!"

„Das heißt, dass ich eigentlich mit dir schlafen muss??", wollte ich schockiert wissen.

Er nickte, küsste mein Ohr, meinen Hals und fuhr mit seiner Hand unter mein Shirt.

Ich überlegte rasch.

„Aber wenn du mich wirklich liebst, solltest du akzeptieren, dass ich jetzt noch nicht möchte...!"

Er stockte, offenbar überrascht über meine Reaktion. Dann legte er sich neben mich, seufzte und lächelte.

„Na gut, dann will ich mal nicht so sein!"

Ich hob den Kopf, gab ihm einen dankbaren Kuss.

„Und jetzt...", sagte ich, „schlafen wir endlich!"

Ich zog ihn an mich heran. Er sollte meine Decke für diese Nacht sein. Ab morgen würde der Tag für mich zu Nacht werden. Ich würde wenn es dunkel ist, durch die Straßen ziehen. Mit Olif!

War das Liebe? So toll, wie immer gesagt wird, fühlte sie sich aber nicht an...

 

„Morgen! Hast du gut geschlafen?", begrüßte Olif mich.

„In deinen Armen kann man einfach nur toll träumen...!", antwortete ich lächelnd.

Mein Herz klopfte beim Anblick seiner Augen, die mit schwarzem Kajal verziert waren, wie es sich gehörte. Ich ging zu ihm, legte meinen Kopf auf seine Schulter. Er griff mach meiner Hand.

„Wollen wir was essen?", fragte er sachte.

Ich nickte, blieb aber in diese Position. Seine Hand drückte mein Gesicht leicht hoch. Wir sahen uns an. Er beugte sich ein Stück zu mir hinunter und küsste mich.

Ich empfand Gefühle jetzt besser als noch gestern. Das gehörte wohl auch mit dazu. Und es war gut. Echt gut.

Wir setzten uns endlich hin und frühstückten. Das letzte richtige Frühstück meines Lebens. Bald gab es für mich nur noch die Dunkelheit.

„Also, wir gehen heute nicht in die Uni. Ich sag dir mal so viel: lernen wirst du nichts mehr dort. Wir schlafen einfach da. Als Tarnung. Das wissen dir Lichtmenschen nicht. Heute kannst du noch nicht schlafen um die Uhrzeit, das wäre sinnlos. Deswegen gehen wir nicht. Aber morgen. Wir können ja trotzdem wieder ins Bett gehen...!", deutete er an.

Ich nickte, sah ihn dabei aber nicht an. Hoffentlich würde er nicht wieder versuchen mich rumzukriegen...

 

Ich sah aus dem Fenster. Eine unbekannte Landschaft erstreckte sich vor unserem Haus. Wo waren wir? Es war ungemütlich hier- So kalt, einsam. Dunkel. Irgendwie taten mir die Schatten leid, auch wenn ich nun einer war. Ich verstand, warum wir die Lichtmenschen verfolgen, ihnen Angst machen wollten. Wir wollten in Ruhe gelassen werden. Nicht wir sind die Brutalen sondern die Lichter, die unseren inneren Frieden zerstören wollten. Ich berührte mit meinen Fingerspitzen das Fensterglas.

„Was ist los mit dir?"

Olif stand hinter mir. Ich ließ die Hand sinken, spürte, wie er von hinten die Arme um mich schlang.

„Es ist schwierig, oder?"

Ich nickte, schluckte schwer. Eine Träne sickerte aus meinem Auge.

„Vor allem, weil die Erinnerungen an meinen Vater wieder hochkommen in dieser nachdenklichen Welt...!", sagte ich.

„Was war denn mit deinem Vater?"

Ich stockte. Stimmt, ich hatte ihm nichts weiter von mir erzählt...!

„Ähm...!", überlegte ich, „Das ist nicht wichtig. Ich muss meine Vergangenheit vergessen. Du bist jetzt meine Zunkunft..!"

Ich atmete tief durch. Niemals konnte ich so etwas zu jemandem sagen. Und jetzt rutschte es einfach raus. Nichts war mehr wie es einmal war und das war gut so. Endlich hatte ich ein neues Leben...

Er sollte nicht erfahren, was ich Jahrelang mit Dad durchgemacht hatte. Seine Anfälle, wenn er zur Flasche griff. Die endlosen Anrufe beim Arzt, die ich für ihn machen musste. Dass ich seine Leiche gesehen habe. So friedlich. Im Bett. Damals wusste ich nicht, dass er tot war. Ich hatte nur diese Vorahnung. Erst jetzt, viele Jahre später, wurde mir bewusst, wie sehr er mir fehlte...

 

Wie sollte ich das alles morgen meinen Freunden erklären? Ich durfte doch nicht mehr mit ihnen reden...! Ich hatte alles verloren. Nur für Olif. War er das wert? Tausend Gedanken gleichzeitig rasten durch meinen Kopf, als ich kurz alleine war. Draußen dunkelte es schon. Mondlicht strahlte zum Fenster rein. Nervös, durch die Vorfreude auf meine erste Nacht, rutschte ich auf dem Stuhl herum.

„Es geht los..!", teilte Olif mir mit, als er neu geschminkt zu mir kam.

Ich nickte nur.

Anziehen musste ich nichts mehr, hatte ich schon vor einer halben Stunde. Er öffnete die Haustür und gab den Blick auf die verwüstete, unheimliche Umgebung frei. Dann ergriff er meine Hand und teleportierte uns nach Hause. Ähm – nach Borna meine ich. Auf dem Marktplatz fanden wir uns wieder. Ich wollte in eine Richtung laufen, als er mich plötzlich an sich zog. Unsere Gesichter waren nah aneinander. Er flüsterte.

„Wenn du willst, können wir erst mal hier bleiben. Hier kann uns niemand stören. Die anderen sind ganz weit weg und ich hab so ein Verlangen nach dir...!"

Ich erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuss, ließ mich von ihm zu seine Bank geleiten. Wir sanken hinab. Ich überließ ihm die Kontrolle über unsere Handlungen. Als er mein Obergewand ausziehen wollte, wurde mir das Ganze aber dann noch zu viel. Ich schob seine Hände an ihren alten Platz zurück.

„Hey, du kannst nicht jedes Mal unsere Gesetze brechen!", schloss Olif mit bösem Blick.

Ich konnte seine Augen in diesem Zustand nicht ertragen, gab nach und achtete nicht mehr auf meine Wüsche...

 

Olif setzte sich neben mich und sah die Tränenspur auf meiner Wange.

„Hab ich dir weh getan?", fragte er fast besorgt.

Ich nickte, konnte nicht reden. Er küsste meine Tränen weg, die im Mondlicht glitzerten.

„Ich fühl mich mies...!", sagte ich mit matter Stimme.

Geschockt, überwältigt.

„Tut mir leid, das kommt nie wieder vor...! Ehrlich...!", versprach er.

„Das hältst du doch nicht ein, du befolgst die Regeln...!", presste ich hervor.

Er widersprach nicht mehr, sondern nahm mich in seine starken Arme, gegen die ich mich nie wehren könnte.

„Los, wir machen einen drauf!", schlug er vor und zog mich nach oben.

Meine Beine zitterten, doch ich blieb stehen. Er griff nach meiner Hand und lief los. Schleifte mich. Ich war so traurig. Hatte ich ihn falsch eingeschätzt? Jetzt war es auch egal. Es war vorbei. Oder doch nicht?

Wir liefen schnell über den Platz. Plötzlich überfiel mich ein schier unglaubliches Gefühl.

Ich war Frei!

Ich spürte neues Leben in meinen Adern. Mein Herz schlug laut. In der Nacht konnte ich tun und lassen, was ich will. Niemand bemerkt mich. Keiner...

 

Unwillkürlich schreckte ich auf und sah mich um. Ich lag im Bett. Mit Olif. Er war ebenfalls wach. Vor dem Fenster erblickte ich die blutrote Sonne der Schattenwelt. Alles war in Ordnung. Ich legte mich zurück.

„Aufwachen...!", drang seine Stimme an mein Ohr.

Wir mussten in die Universität. Eigentlich hätte ich noch nicht schlafen dürfen. Ich war noch müde genug.

Wir teleportierten uns schnell in die Einrichtung. Im Klassenzimmer waren fast alle Plätze besetzt, ein paar dunkle Gestalten dösten schon vor sich hin. Wir nahmen platz, in der ersten Reihe.

Neben uns fiel mir eine hübsche Frau mit blonden Haaren auf. Sie hatte den Kopf auf ihre Arme gelegt und sah in meine Richtung. Ihre blaugrünen Augen leuchteten mich an. Sie lächelte, ich grinste unsicher zurück. Mein Herz begann schneller zu schlagen. Dann sprach sie. Ich erschrak.

„Olif, stellst du mir deine Freundin mal vor?"

Ihre Stimme war zu tief, um weiblich zu sein. Es war also ein Mann, um die zwanzig Jahre alt. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich bekam Gänsehaut. Seine Stimme...! Beruhigend, einfühlsam.

The Moment of our love...?

Er klang so nett. Und sah gut aus. Zwar eine Frau, aber ich konnte den Blick nicht abwenden. Eine gefärbte Strähne hing in seinem Gesicht. Verdecke eine Hälfte seines rechten Auges.

„Klar Jonne. Das ist Niakyd. ..!", sagte Olif und legte den Arm um mich.

Am liebsten hätte ich ihn weggestoßen...

Jonne. Klang nach einem finnischen Namen. Ich bekam erst keinen Ton heraus. Dann riss ich mich zusammen.

„Ich bin heute zum ersten Mal...!", wollte ich zugeben, aber Olif fuhr mich scharf an.

„Du hast zu reden, wenn ich es dir erlaube!"

Er holte mit der Hand aus, ich kauerte mich auf dem Stuhl zusammen und hatte unendlich viel Angst. Bitte, lieber Gott, mach, dass er einmal nett zu mir ist...! Im letzten Moment entschied er sich anders und ließ seine Hand wieder sinken.

„Entschuldigung...!", murmelte ich leise.

Er schüttelte den Kopf.

„Schlaf jetzt!"

Ich gehorchte, legte mich mit dem Oberkörper auf den Tisch und schloss die Augen.

Vielleicht wusste ich jetzt, was Liebe ist...!? ...Jonne...

 

Ich wachte langsam auf, spürte Olifs schweren Arm auf meiner Schulter. In diesem Moment öffneten sich auch Jonnes Augen. Wir blickten uns lange an, bis ich mich traute, etwas zu flüstern.

„Seid ihr befreundet?"

Er nickte leicht.

„Aber nicht so eng. Ich hab hier nicht viele Leute auf meiner Seite. Bin erst seit einem Monat dabei. Genau wie Olif...!"

„Und hast du einen Partner?", wollte ich wissen.

„Nein...!"

„Das ist aber schade...!", sagte ich und wir lächelten uns an.

Dann aber sah Jonne an mir vorbei. Er wirkte geschockt. Ich drehte meinen Kopf in Olifs Richtung. Er war aufgestanden und sah wütend aus. Dann holte er aus. Und diesmal schlug er zu. Seine Faust traf hart meinen Kiefer. Er war nicht gebrochen, schmerzte jedoch höllisch. Ich landete auf dem Boden. Olif beugte sich über mich und hob die Hand ein drittes Mal.

„Lass sie doch!", rief Jonne, hielt seine Hand fest.

Tränen traten in meine Augen. Ich stand auf und rannte aus dem Raum, hinaus in den Gang. Jemand schrie hinter mir her.

„Komm zurück!!!"

Doch ich wollte nicht. Ich hastete in die Mädchentoilette...

 

Dort wusch ich mein Gesicht und sah mich im Spiegel an. Meine Wange zierte ein großer blauer Fleck. Ich berührte ihn leicht, zuckte vor Schmerz zurück. Ich hörte, wie die Tür geöffnet wurde. Hastig schaute ich mich nach einem Versteck um. Doch es war nur Jonne, der mir gefolgt war. Er trat zu mir.

„Alles okay?", fragte er mit seiner sanften Stimme.

Ich nickte verbittert.

„Hat dich Olif schon mal geschlagen?"

Ich schüttelte den Kopf.

„Aber er hat mich einmal vergewaltigt...!", ergänzte ich, bevor mich der Mut verließ.

Jonne senkte den Kopf. Er legte den Arm vorsichtig um mich. Ich drückte mich an ihn.

„Wenn ich dein Freund wäre, würde ich mich nicht an die Gesetze halten. Ich würde so was niemals machen...!", deutete er an.

Ich sah uns im Spiegel an. Er war ein Stück größer als ich. Hatte die Arme von hinten um mich gelegt. Sie – er sah schön aus. Ich sah genauer hin, betrachtete seine Lippen, auf die er zartrosa Lipgloss aufgetragen hatte. Sie öffneten sich leicht.

„Nach den Regeln muss man mit seinem Partner für immer zusammen sein...!"

Er ließ locker.

„Nein, bitte, lass mich nicht los!", bat ich.

Just lett me love you...

I will lern to love you right…!

Er schüttelte den Kopf.

„Ich möchte nicht, dass Olif dir noch mehr weh tut...!"

Mit diesen Worten ging Jonne aus dem Raum...

 

Zur Hofpause ging ich neben Olif her, der sich mal wieder bei mir entschuldigt hatte. Jetzt konnte ich ihm aber nicht mehr vertrauen. Er log immer. Das wusste ich nun. Wenn ich mit jemandem reden würde, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen, hätte ich eine sitzen.

Wir traten auf den Hof. Aus Gewohnheit wäre ich fast zu Stiffina gegangen. Das durfte ich nicht mehr. Was war mir überhaupt noch erlaubt...?

Wir gingen in den hinteren Teil der großen Rasenfläche. In unserer Nähe stand auch Jonne. Ich fing seinen Blick auf, schaute dann jedoch traurig auf den Boden. Was ihm nicht entging.

„Olif, kann ich heute mal bei euch vorbei kommen? Ich hab keine Kerzen mehr. Wenn ihr welche übrig habt, kannst du mir ein paar geben?"

Olif nickte, dann warf er einen Seitenblick auf mich.

„Aber du bleibt nicht lange, oder? Ich hab noch was vor...!"

Seine Umarmung festigte sich und ich wusste, was auf mich zukommen würde. Warum war er nur so zu mir?

Jonne dachte wohl gerade das selbe.

„Ach, komm schon. Wir haben lange keinen Nachmittag mehr miteinander verbracht!"

Olif überlegte. Er zuckte mit den Schultern.

„Okay!"

Mein Herz klopfte schnell. Ich würde IHN später noch sehen...! Still lächelte ich in mich hinein...

 

Als wir ausgeschlafen nach Hause kamen, zog mich mein Freund gleich ins Schlafzimmer. Sollte ich mich wehren? Ich ging in den von Kerzen erleuchteten Raum, ließ mich aufs Bett stoßen.

„Du hast mir versprochen, dass du es nicht mehr machst...!", stammelte ich, in der Hoffnung, etwas damit zu ändern.

„Halt dich einfach an die Regeln, dann haben wir hier ein schönes Leben...!"

...Es tat weh...! Mehr als seine Ohrfeige heute morgen. Mehr als die Tatsache, dass ich meine Familie und Freunde nie wieder sehen würde. Und mehr noch als die Tatsache, dass ich nicht mit Jonne zusammen sein konnte. Warum war ich ein Schatten geworden? Olif bedeutete mir nichts. Mein Herz begann unter seinen Berührungen taub zu werden. Was ist Liebe...? Das bestimmt nicht...

 

Wir lagen nebeneinander, als Jonne im Zimmer erschien. Eine Decke war noch über uns, verdeckte meinen geschundenen Körper. Ich zog mich darunter schnell an, wagte es nicht, IHN anzusehen. Aus Angst, noch mehr Schmerz zu erleiden.

I tried to kill the pain...

But it keeps me in this circle…

Olif war aufgestanden, hatte ein paar schwarze Kerzen aus dem Schubfach neben dem Bett geholt.

„Darf ich gehen?", fragte ich.

Er nickte kurz und widmete sich dann einem Gespräch mit seinem Kumpel. Ich eilte an Jonne vorbei ins Bad. Setzte mich auf den Rand der Wanne und ließ mir Wasser ein. Das würde schon helfen, meinen Sorgen zu entfliehen. Ich zog mich aus und gab mich den Wellen hin, die mich umschlossen, an meiner Haut kitzelten. Hier wirkte mein Leben nur halb so schlimm.

Ich konnte die beiden reden hören, jedoch gedämpft, sodass ich kein Wort verstand. Ich lehnte mich an die kalten Fliesen ... und entspannte mich...

Eine halbe Stunde reichte aus, dann steig ich wieder aus dem Nass. Ich trocknete mich ab, zog mich an.

Später ging ich ins Wohnzimmer, auf dessen Couch Jonne und Olif platz genommen hatten. Die beiden sahen auf, als ich eintrat.

„Komm mal her, Niakyd!", forderte mich mein Partner auf.

Ich setzt mich auf seinen Schoß. Wartete. Schwieg. Er redete weiter.

„Jonne hat mich gerade gefragt, ob er dich für eine Weile entführen darf...!"

Ich ahnte, was entführen bedeuten sollte.

„Eigentlich gehörst du mir, aber weil er ein guter Freund ist, wirst du tun, was er sagt. Verstanden?!"

Ich nickte ergeben.

„Dann geh schon mal ins Schlafzimmer!", wurde ich aufgefordert.

Wie immer gehorchte ich. Was hätte ich auch sonst tun sollen...?

 

Also setzte ich mich aufs Bett und wartete.

Ich hörte, wie sich die Tür öffnete und sah hoch. Jonnes Augen glitzerten mich an. Ich blieb reglos.

„Willst du mich jetzt auch vergewaltigen?", fragte ich ermattet.

Er schüttelte unwirsch den Kopf.

„Natürlich nicht. Aber das ist die einzige Möglichkeit, wie wir Zeit ohne ihn verbringen können. Ich dachte, dir gefällt die Idee...!"

So weiblich er auch aussah, ich spürte Männlichkeit in jedem seiner Worte. Er näherte sich langsam, fast vorsichtig dem Bett. Wir sahen uns tief in die Augen. Er setzte sich neben mich und zögerte.

„Darf ich dich küssen?", wollte er wissen.

Ich grinste, beugte mich zu ihm, um einen ersten Kuss zu empfangen, genoss es, ihn bei mir zu haben. Ich atmete schnell, als unsere Zungen sich berührten. Miteinander spielten. Sich streichelten.

I’ve been waiting all my life...

For this Moment of our love…

With you…!

Unsere Lippen berührten sich hauchzart, flüchtig, trotzdem irgendwie vertraut. Ich sank in seine Arme, lehnte mich gegen seine Brust. Ich schloss entspannt die Augen und hörte, wie sein Herz schlug. Bumm ... bumm...! Mir lag eine Frage auf der Zunge.

„Bist du eigentlich noch männlich?"

Ich deutete auf den unteren Teil seines Körpers. Er sah mich peinlich berührt an.

„Sorry, tut mir leid, ich frag dich so was nicht mehr...!", sagte ich schnell.

„Nein, ist schon in Ordnung. Das wollte nur noch niemand von mir wissen. Ja, ich hab was männliches an mir. Und das will ich auch nicht ändern...!"

Er klang stolz. Anscheinend war er glücklich, nicht vollkommen weiblich zu sein. Mir war es egal.

Ich nahm seine Hand und legte sie auf meinen Bauch. Er schob mein Shirt ein kleines Stück hoch und umkreiste meinen Bauchnabel mit seinem Finger. Ich beugte den Kopf so, dass wir uns wieder küssen konnten. Seine Lippen waren schön fest. Wir dachten nicht an intimere Dinge, legten uns zwar hin, doch kuschelten nur. Ich lag auf Jonne und küsste zärtlich seinen Hals. Mein Mund bewegte sich langsam höher. Dann wieder tiefer. Ich fühlte, wie er Gänsehaut bekam. Als ich mich seinem Ohr näherte, flüsterte ich ihm zu, dass ich ihn liebe. Er antwortete mit einem leidenschaftlichen Kuss...

 

Noch lange lagen wir so da. Küssten und streichelten uns.

„Ich hab Olif hundert Euro gegeben, damit ich die Stunde mit dir verbringen darf...!", erklärte mir Jonne, als die Zeit fast rum war.

I lived only for this moment...

For this moment of our love…!

„So viel bin ich dir wert...?"

„Na klar. Ich glaube, wir sollten uns lieber erst mal voneinander lösen. Nicht, dass er rein kommt und uns so sieht. Ich geh zuerst, okay?"

„Ich möchte nicht, dass du weggehst...!", gestand ich und strich durch Jonnes lange blondgefärbte Haare.

„Ich will dich auch nicht verlassen, aber was sollen wir sonst machen? Wenn Olif das erfährt, verprügelt er dich richtig...!", gab er zu bedenken.

Er stand auf, zog mich mit hoch. Wir umarmten uns fest. Ich vergrub meinen Kopf in seiner Schulter.

„Ich will nicht mit Olif zusammen sein. Und er versteht das nicht. Er tut mir weh...!"

„Ich versuch mal mit Pitraky zu reden. Vielleicht kann ich dich hier raus holen...! Dann könntest du bei mir wohnen...!"

Ich nickte nur, küsste ihn ein letztes Mal innig. Dann ging er weg und Olif trat in den Raum.

„Hast du alles gemacht, was Jonne wollte?", fragte er kühl.

Ich nickte.

„Er hat gesagt, dass er zufrieden mit dir war, also wird er sicher wiederkommen. So können wir gutes Geld machen, meine dunkle Maus...!"

Am liebsten hätte ich ihn angebrüllt... Sollte ich für ihn anschaffen gehen oder was...? ...Niemals...!

 

Am Abend dachte ich nur noch an die kurze Zeit mit Jonne. Konnte ich ihm vertrauen? Woher sollte ich wissen, dass er mich nicht auch später schlecht behandelt?

Olif und ich gingen gegen elf los. Wieder auf den Marktplatz. Diesmal waren überall schwarze Gestalten. Sie standen in Gruppen zusammen, verstanden sich aber alle gut. Olif ging gleich auf verschiedene Leute zu. Er vergaß mich regelrecht.

Ich stand allein da. Überall Schatten um mich herum, aber mein Freund war verschwunden. Ich kannte niemanden hier. Doch, Pitraky stand in meiner Nähe. Aber mit dem durfte ich bestimmt auch nicht reden...

Da fühlte ich auf einmal eine Hand an meiner. Ich drehte mich blitzschnell um.

„Jonne! Erschreck mich doch nicht so!"

Ich war froh, ihn hier zu sehen. Mein Herz überschlug sich fast. Er sagte nicht, zog mich nur hinter sich her. Hinter das Rathaus. Er drängte mich sanft gegen die Wand und wir küssten uns zärtlich. Ich legte meine Hand in seinen Nacken und drückte ihn an mich.

Love is a word an you gave it a name...!

Dann lösten sich seine Lippen von meinen.

„Ich rede gleich mit Pitraky. Wenn alles gut wird, kannst du heute schon zu mir ziehen...!", berichtete er mir.

„ich weiß nicht, was ich von dir halten soll...! Olif war am Anfang genau so nett wie du und dann wurde er immer aufdringlicher...!", gestand ich ihm.

„Bitte vertrau mir, ich will nur dein Bestes! Ich werde nie wie er sein. Das müsstest du doch mittlerweile wissen...!"

Ich starrte zu Boden. Dann nickte ich. Ich musste es einfach versuchen. Schlimmer konnte es sowieso nicht mehr kommen...

 

Ich blieb hinter dem Gebäude stehen, als Jonne mich allein ließ. Konnte ich doch noch glücklich werden...? Ich erinnerte mich an heute morgen. Als ich ihn mit einem Mädchen verwechselt hatte. Glaubt ihr an Liebe auf den ersten Blick? Ich jetzt schon. Immerhin hatte ich dieses unstillbare Verlangen nach ihm, obwohl ich ihn erst einen Tag kannte.

Auf einmal kam Olif um die Ecke gerannt.

„Was soll die Scheiße?", schrie er, „Du gehörst zu mir! ICH hab dich zu uns geholt! ICH hab mich für dich eingesetzt! ICH bin deine Zukunft, das hast du selbst gesagt!"

„DU hast mich vergewaltigt und geschlagen! Soll ich dich dafür lieben? Das kannst du mir nicht aufzwingen!", verteidigte ich mich.

„Du bist jetzt mein Eigentum! Du kannst mich nicht verlassen!"

„Doch, kann sie...!", hörte ich eine bekannte Stimme sprechen.

Wir verstummten, als Pitraky auf uns zu kam.

„Die Gesetze verbieten weiblichen Wesen nicht das sprechen...!"

Ich stutzte. Aha, er hatte also seine eigenen Regeln aufgestellt, weil er eifersüchtig war. Gut zu wissen.

„Ich kann mit Jonne zusammen sein?", wollte ich wissen.

Pitraky nickte streng.

„NEIN!"

Olif stand plötzlich hinter mir, hielt mich von hinten fest. Ich spürte etwas scharfes an meinem Hals.

„Wenn du dich bewegst, bring ich dich um!", drohte er mir leise.

Die Glasscherbe drückte gegen meine Haut. Ich atmete schnell. Seine freie Hand fuhr meinen Körper entlang. Ich sah mich hilflos um. Konnte niemand etwas tun?

„Warum?"

„Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich keiner haben!", stellte er klar.

Wie konnte er nur so unfair sein? Hatte ich nicht das Recht, mein Leben zu gestalten wie ich es wollte?

Der Meister sprach.

„Was du jetzt auch immer tust, du wirst aus der Schattenwelt verbannt. Noch nie hat jemand versucht, unseresgleichen zu töten. Geh, ich kann dich nicht mehr sehen!"

Olifs Griff wurde lockerer, ich riss mich los. Stolperte hastig davon, zu Jonne, der hinter dem Meister stand. Wir fielen uns in die Arme.

You’re with me...!

"Ich – ich liebe … dich…!", sagte er zu mir, als hätte er die Worte noch nie ausgesprochen. Ich konnte wieder lächeln. Ein Wunder war geschehen...

Love is right now...

So don’t close your heart…

 

„Alles wird gut…!", flüsterte Jonne.

„Ich weiß...!"

„Wollen wir noch hier bleiben oder möchtest du weiterziehen...?", fragte er mich.

„Lass uns gehen, irgendwo hin, wo wir allein sein können...!", schlug ich vor.

Er nickte. Wir gingen Händchenhaltend über den Platz. Vorbei an schwarzen Gestalten in langen Gewändern. In eine hell erleuchtete Gasse. Von weitem sahen wir eine Gruppe Schattenmenschen, die um jemanden herum standen.

Als wir näher kamen, schlug einer unserer Leute auf den Mann ein. Ich versuchte, zu erkennen, wer das Opfer war.

„Verdammt, das ist Miraco!", rief ich und rannte auf die Bande zu.

„Was hat er euch getan?", fluchte ich ihnen entgegen.

„Seine bloße Anwesenheit ist Grund genug!", sage mir Einer.

„Der hat hier nichts zu suchen!", schrie ein Anderer.

„Bitte...!", flehte ich, „Er will bestimmt nur zu mir...! Lasst ihn reden!"

Sie sahen auf und traten tatsächlich einen Schritt zurück. Ich half Miraco aufzustehen.

„Danke...!", sagte er mit kühler Stimme, „Ich wollte nur wissen, warum du nicht mehr Zuhause bist. Jetzt weißt ich’s. Erst soll ich dich vor ihnen beschützen und jetzt gehörst du dazu! Toll! Ich verschwinde lieber...! Tschüss!"

Noch ein Freund, den ich verloren hatte. Ein weiterer Fehler in meiner unendlichen Sammlung. Ich weinte innerlich. Nur Jonne war mir geblieben, der mich jetzt sanft weiterführte...

Wir erreichten den großen Spielplatz. Dort setzten wir uns zusammen auf eine Schaukel. Ich war auf seinem Schoß. Seine Finger umschlossen meine. Wir schmiegten uns aneinander. Wie zwei Katzen. Reibung. Uns wurde war in dieser kalten Welt.

„Warum habe ich dich vorher nie auf dem Universitätshof gesehen?", fragte ich ihn.

„Weil ich sonst die Pause durchgeschlafen hab. Es gab keinen Menschen, den ich draußen treffen konnte...!"

„Jetzt hast du ja mich...!", sagte ich.

Wir drängten uns noch stärker aneinander. Jonne legte eine Hand auf mein Bein, streichelte es leicht.

„Ich muss zugeben, als ich dich heute früh gesehen hab, dachte ich wirklich, du wärst eine Frau. Trotzdem habe ich dich angesehen und mich sofort verliebt...!", gestand ich.

„Du hast so traurig ausgesehen. Ich hab die Tränen in deinen Augen betrachtet und war überrascht, dass du dennoch fröhlich gelächelt hast...!"

Ich legte meine Wange an seinen Hals. Fuhr mit den Lippen daran entlang.

„Küss mich...!", hauchte ich.

Prompt wurde mein Wunsch erfüllt. Nichts konnte uns noch trennen. Mein Herz war entflammt im Feuer der Liebe. Überirdische, unvorstellbare Gefühle...

 

„Wollen wir in meine Wohnung gehen?", schlug Jonne vor.

Ich stimmte zu, wir teleportierten uns ins Nichts. In die Dunkelheit mit hell erleuchtendem Mond. Sein Haus war fast wie das von Olif, nur das hier auch noch schwarze Rosen waren. Auf dem Bett, an den Wänden, auf dem Fußboden. Überall. Kerzen bedeckten den Boden in jedem Raum.

Wir ließen uns auf sein Himmelbett fallen, er landete auf mir. Ich sah ihn an. Er legte seinen Kopf auf meine Brust, ließ sich von mir umarmen.

„Es ist schön, so mit dir zusammen zu sein...!", hörte ich ihn sagen, „Ich hab schon angefangen, mir Gedanken zu machen, warum ich ein Schatten geworden war. Ich wollte nicht mehr. Und dann tauchst du im Klassenzimmer auf. Mit Olif. Das dämpfte meine Gefühle sofort wieder. Ich dachte, du liebst ihn. Doch dann schlug er dich und in deinen Augen stand die pure Angst. Ich musste dir helfen! Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass du was für mich empfinden könntest. Weil ich so weiblich aussehe...!"

Ich drückte ihn an mich, streichelte wie am Nachmittag über seine Haare. Jetzt konnte ich einen Teil meiner Geschichte erzählen.

„Ich hatte eine nicht gerade schöne Vergangenheit. Mein Vater hat sich tot getrunken und meine Mutter kannte ihn ersetzen. In der Liebe lief es auch nicht gut. Alle wandten sich von mir ab, Verwandte, Freunde. Dann traf ich Olif. Damals war er noch ein Lichtmensch. Er befreite mich von meinen Hemmungen. Ich knutschte mit ihm rum, als wir uns das zweite mal trafen. Das er zu dem Zeitpunkt bereits ein Schatten war, wusste ich nicht. Die anderen begannen, mich zu verfolgen. Es wurde ein großer Aufstand darum gemacht. Und Olif schob alles auf mich. Jetzt bin ich hier. Aber Olif zeigte schnell sein wahres Gesicht, wurde brutal zu mir, wie du weißt. Ich hatte die Hoffnung aufgegeben, bis ich deine wunderschönen Augen sah. Und du hast mir geholfen, obwohl du mich nicht kennst...!"

Er rutschte ein Stück höher. Wir küssten uns zart, unendlich einfühlsam. Ich streichelte seinen Rücken. Irgendwann legte er sich zurück auf meinen Bauch. Müde war keiner von uns, wir genossen einfach die Nähe und dachten nach...

 

Die Qual hatte endlich ein Ende. Jede Faser meines Körpers war mit ihm verbunden. Es fühlte sich gut an. Mein Herz klopfte wie verrrückt. Ich spielte mit Jonnes Fingern. Umschloss sie mit meinen eigenen.

„Wir sind beide ziemlich romantisch, oder?", stellte ich fest.

Er nickte nur, genoss weiter meine Berührungen.

„Bin ich dir zu schwer?", fragte er.

„Nein, es ist okay...!"

Mir fiel etwas ein.

„Auch wenn du eine Frau wärst, hätte ich was dir angefangen...!"

„Das ist schön...!"

Ich streichelte seinen Nacken, seine Hals. Bei Olif hätte ich so was nie getan. Ich traute mich, solche Dinge zu sagen und zu machen. Wow, Jonne hatte mich wirklich verzaubert...

Er blickte zu mir auf. Das Kerzenlicht spiegelte sich in seinen Augen. Es brachte sie zum Flackern.

„Ich könnte dich stundenlang ansehen...!", sagte er mir.

Wir hielten Blickkontakt, blinzelten selten. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände, strich über seine wundervollen Lippen. Tränen drohten aus meinen Augen zu fließen.

„Was hast du...?", fragte er erschrocken.

„Ich kann nicht glauben, dass ich Olif entkommen bin! Ich liebe dich so sehr...! Und habe Angst, dich zu verlieren...!"

Er nahm liebevoll eine meiner Hände und liebkoste sie mit seinen Lippen.

„Ich verlass dich niemals...!", versprach er mir.

Immer noch hatten wir intensiven Blickkontakt. In der Dunkelheit waren seine Pupillen leicht geweitet.

„Du bist bildhübsch, wie kannst dich niemand als Partner haben wollen...?", fragte ich.

„Bitte übertreib nicht...!", er sah weg, verlegen zu Boden, „Mich wollte keine, weil ich weiblich aussehe. Nur Männer haben mich angesprochen und die habe ich auch verjagt mit meiner Stimme. Außerdem bin ich nicht schwul!"

„Ich finde deiner Stimme toll!", verkündete ich schnell, „Sie passt zu dir...!"

Jonne blickte aus dem Fenster.

„Sieh mal, es wird Tag!", sagte er.

Die blutrote Sonne ging langsam am Horizont auf. Erste Wolken zogen auf. Mir fiel ein, dass ich hier noch nicht aus dem Fenster gesehen hatte, aber die Landschaft war nicht anders wie vor meinem letzen Zuhause. Ich sah lange nach draußen.

„Du bist doch auch schön! Hast wundervolle Augen...!", fand er.

„Es ist schön, so was aus deinem Mund zu hören...!", erwiderte ich, „Olif hat solche Sachen nie zu mir gesagt...!"

Jonnes Haare schimmerten im einsetzenden Sonnenlicht. Ein paar Strähnen hingen ihm in die Augen und gaben seinem Gesicht einen wilden Ausdruck. Ich müsste grinsen.

„Was?", erfragte er.

„Schon gut, ich hör auf mit lachen...!"

„Nein, ich mag es, wenn du lächelst. Aber warum?"

Ich antwortete nicht. Wollte den Augenblick noch genießen, bis wir aufstehen und in die Realität zurückkehren würden...

 

Die Kerzen waren runtergebrannt, als wir aufstanden. In ein paar Minuten mussten wir zur Uni.

Ich setzte mich auf einen Stuhl in der Küche, während sich Jonne im Bad frisch schminkte. Weil er die Tür dabei aufließ, konnte ich ihm zugucken. Er trug Kajal auf. Bestrich seine Augen mit Glitzerpuder. Malte seine Lippen mit Lipgloss nach.

„Beobachtest du mich?", fragte er und sah in meine Richtung.

Ich nickte lächelnd.

„Darf ich das?"

„Ja, klar. Ich bin’s nur nicht bewohnt...!", sagte er.

Ich hatte mich schon fertig gemacht. Nur den Lidstrich nachgezogen. Mehr sah bei mir übertrieben aus.

Wir erschienen im Klassenzimmer. Ich erwartete, Olif zu begegnen, dann fiel mir ein, dass er verbannt worden war.

Ich setzte mich neben Jonne an den Tisch, wo er gestern noch allein gesessen hatte. Er legte seinen Arm um meine Taille ... und drängte sich an mich. Da hörte ich das Flüstern der Andren.

„War die nicht gestern mit Olif zusammen hier?"

„Ja, der hat sie doch geschlagen!"

„Und jetzt lässt sie Jonne ran, oder was?"

„Vielleicht ist die ja so was wie eine Schlampe, jeder darf mal...!"

Sein Griff verstärkte sich an meiner Hüfte. Anscheinend war er nahe dran wütend zu werden. Wir sahen uns an.

„Aber ich dachte immer, Jonne wäre schwul! Mit so einem Typen hätte ich nie was angefangen...! Was für ein Geschmack!"

Ich schüttelte mit dem Kopf.

„Der hat doch gar keine Schwanz mehr, oder?"

Jonne richtete sich auf.

„Es reicht jetzt langsam mal, okay?", rief er den beiden zu, „Wir hören alles, was ihr sagt. Langsam tun eure Worte uns auch weh!"

„Schon gut Mann, wir hören auf!"

Er legte sich zurück, strich meine Wange hinunter. Schob meine Haare beiseite und gab mit einen leichten Kuss.

Ich gähnte leise.

„Möchtest du schlafen?", flüsterte er.

Ich nickte. Schon fielen mir die Augen zu, nach einem letzten Blick in seine...!

 

Als ich aufwachte, öffnete ich meine Augen nicht sofort. Ich spürte Jonne neben mir atmen. Ein. Aus. Im gleichen Rhythmus wie ich.

Erst jetzt machte ich die Augen auf und sah, wie sich sein Brustkorb unter dem engen Oberteil hob und senkte. Er war so friedlich, ich konnte ihn nicht wecken. Sein Kopf zeigte in meine Richtung. Die lieblichen Lippen waren fest zusammengepresst, die mit Glitter zerzierten Lider geschlossen. Einatmen, ausatmen. Wie konnte man ihn nicht lieben? Wie er da lag, schweigsam und lieb wie ein Engel. Versunken in seiner Traumwelt. Ungestört durch menschliche Sorgen. Was er gerade erlebte im Schlaf...?

Träume einer besseren Welt?

Wie lange hatte ich ihn angeschaut? Ich wusste es nicht mehr. Um mich her wachten andere Schatten auf, wovon er nichts bemerkte. Still lag er weiter auf dem Tisch. Schlief tief und fest. Ungestört. Immun gegen die Bedrohungen, die überall lauerten. Menschen, Gesetze, Gewalt.

Ich streckte die Hand nach ihm aus, berührte seine Wange. Er erwachte schlagartig. Kehrte zurück in diese Welt...

„Tut – tut mir leid...!", stammelte ich und sah betreten auf den Tisch.

Warum hatte ich ihn auch angefasst...? Und seinen Frieden gestört...?

„Nein, irgendwann muss ich ja aufstehen. Ich hab von uns geträumt, von letzter Nacht. Es war wunderschön...!"

„Aber, wir haben doch nichts gemacht...!"

„Deswegen ja...! Einfach nur daliegen und sich genießen. Nichtstun...!"

Aha...! Das fand er also toll. Er hatte recht. Ich ihn meinen Armen zu halten war ein wundervolles Gefühl.

I don’t wanna get away...

‘Cos you’re here with me…

I feel you…!

Wir gingen hinaus auf den Hof. Gleich neben der Eingangstür stand Olif. Allein. Verlassen. Er hatte es verdient...! Ich zog Jonne schnell an ihm vorbei. Wir verkrümelten uns in eine Ecke. Er rückte an mich ran.

„Hoffentlich haben wir bald Schluss...! Ich würde so gern einfach wieder mit dir im Bett liegen...!"

„Wir können uns doch auch hier küssen und streicheln. Oder ist dir das peinlich?"

Er schüttelte energisch den Kopf. Dann beugte er sich vor und gab mir einen sanften Kuss. Er lächelte süß.

Ich dachte, ich müsse in Ohnmacht fallen. Dieses aufrichtige, von Herzen kommende Lächeln. Wo man heute fast nur noch aufegsetzt Mienen sieht. Ich merkte, dass er wirklich glücklich mit mir war...

 

„So fühle ich mich wohl...!", sprach Jonne.

Wir waren Zuhause auf der Couch, hielten einander ganz fest. Ich konnte nicht genau sagen, was mich an ihm mehr fesselte – das hübsche Gesicht, die schimmernden Augen oder das unbekümmerte Lachen. Das blitzartig aufkommende Gefühl, das Herzrasen beim Anblick dieses Mannes, die Atemnot und die wohligen Schauer. Er füllte den Raum aus, zog meine Aufmerksamkeit auf sich, nahm mich mit den leuchtenden Augen und dem zauberhaften Lächeln gefangen, dass ich an nichts anderes mehr denken konnte. Wie hätte ich ihn missachten können...?

Er sah mich mit seinem treuherzigen Blick an, dem ich nicht zu widerstehen vermochte. Er ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Anderen Gedanken schienen nichtig und klein, schier unbedeutend war der Schmerz, den ich wegen meinem Vater noch verspürte.

Jonne hatte seinen Platz in meinem Herzen eingenommen. Niemand sollte versuchen ihn mir weg zu nehmen, den letzten Funken Hoffnung in meinem Leben.

Ich beugte mich zu ihm hinüber, um seine traumhaft schönen Lippen mit den meinen zu berühren. Es durchzog mich mit einer brennend heißen Welle dieses Liebesglücks. Ich dachte, nie mehr traurig sein zu können. Wie unschuldig und rein er wirkte, wenn er so in meiner Nähe saß. Ich hatte große Angst, ihn einfach zu verlieren durch die Fehler, die ich jeden Tag beging. Kann jemand, der ein solch feenhaftes Antlitz besaß, meine Worte einfach verzeihen?

Seine Finger strichen über meinen Arm, vorsichtig, als wäre ich aus Glas. Was er wohl über mich dachte?

Er lehnte sich an meine Schulter an, ließ den Blick durch den Raum schweifen. In tiefen Gedanken. Waren sie mir gewidmet? Warum waren viele dieser Fragen noch offen? Würde ich je eine Antwort darauf erhalten?

„Jonne...!", flüsterte ich, „Du hast so was wie mich doch gar nicht verdient...!"

„Sag doch noch so etwas! Niemand versteht mich besser als du. Du bedeutest mir alles! Es vergeht keine Minute, in der ich nicht an deinen Lippen hängen möchte. Bitte glaube mir, ich lebe durch unsere Liebe. Du bist das Elixier des Lebens, ohne dass ich verdurste. Unsere Herzen schlagen im selben Takt. Willst du, dass es aufhört? Dann lass uns zusammen untergehen...!"

Welch treffende Wort er sprach. Wer hätte nur annähernd so viel Gefühl in wenige Sätze packen können? Sollte unsere Liebe auseinander bröckeln wie die Spur Wachs, die das Sigel eines Briefs trägt?

„Ich will dich niemals verlieren. Dein Tod ist auch der meine. Doch wenn ich an Eifersucht sterbe? Wirst du mich wieder beleben?", fragte ich.

„Du hast keinen Grund, eifersüchtig zu sein! All dein Kummer ist unbegründet. Lass uns nicht planen, leben wir unsere Liebe. Du wirst sehen, wie sie von Tag zu Tag wachsen wird. Lass mich dich lieben wie keine Menschen zuvor!"

Ich nickte vorsichtig. Was sagten wir hier nur...?

Wir rückten auf gleiche Höhe. Es war mittlerweile um sechs. Bald würde es dunkeln. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne glitzerten auf seinem Haar.

Wir streichelten unsere Gesichter, küssen uns zärtlicher als vorher. Unsere Finger trafen sich an meinem Bauch. Ich umschloss seine Hand mit meiner. Doch er entwich mir, schob mein Oberteil nach oben. Höher und höher. Ich ließ ich gewähren...

Es war das schönste Erlebnis meines Lebens. Nicht vergleichbar mit den Schmerzen, die mein letzter Freund mir zugefügt hatte. Hoffentlich vertraute ich Jonne nicht zu schnell. Ich hatte jedoch das Gefühl, diesmal einen ehrlichen und guten Menschen gefunden zu haben.

Er trug mein Herz bis ans Ende eines Abgrunds. Nur mit ihm wollte ich fallen. Oder auf die höchsten Wolken schweben, höher als jetzt schon. Mein Lebenslauf sollte seinen Namen tragen. Er war alles, was ich besaß und haben wollte. Der einzige, für den es sich zu kämpfen lohnen würde. Ohne ihn war ich unvollständig. All das wurde mir jetzt klar.

Es war egal, was andere über unsere Liebe dachten, denn es gab nur noch uns. Der Rest der Welt ist Nebensache...

Wir machten uns für die Nacht fertig. Zogen andere Sachen an, lange Gewänder. Er etwas weißes, ich bevorzugte schwarz. Make-up nachziehen, schon waren wir fertig.

Der Markt lag verlassen vor uns. Nur wir zwei. In der Nacht. Auf einem großen lichtüberfluteten Platz.

„Ich liebe dich...!", flüsterte ich ihm zu.

„Ich dich noch viel mehr, glaub mir...!", versprach Jonne.

Wir drängten uns aneinander. Er vergrub den Kopf in meiner Schulter.

„Warum willst du mich? Ich wurde doch immer nur betrogen... Woher soll ich wissen, dass du es ehrlich meinst?"

„Du wirst mir vertrauen müssen...!", wisperte ich zurück.

„Du gibst mir alles, was ich mein Leben lang gesucht habe! Zwanzig lange Jahre. Immer verletzt zu werden prägt das Gedächtnis. Ich hoffe, du verzeihst mir für diese Gedanken...!"

Wieder nickte ich.

Wir waren so gleich. Hatte ich mir nicht heute selbst die Frage gestellt, ob er meine bösen Worte verzeihen würde, die ich manchmal sage...?

Ich drückte sein atemberaubend schönes Gesicht leicht nach oben. Sah in deine klaren Augen. Spürte seinen Atem auf meiner Brust. Ich würde ihm noch gerne so vieles sagen, aber ich wusste nicht, wie ich mich ausdrücken sollte. So berührte ich einfach seine heißen Lippen mit meinen Fingerspitzen, um ihn danach sanft zu küssen. Seine Wärme ging auf mich über. Wir verschmolzen in diesem Kuss...

„Schön!"

Eine Stimme durchbrach die Dunkelheit. Olif stand einige Meter von uns entfernt. In seiner Hand, die er uns entgegenstreckte, glänzte bedrohlich eine Pistole.

Mein Atem stockte...

„Schön!!!", wiederholte Olif zornig.

Er drückte auf den Auslöser. Die Zeit schien still zu stehen. Langsam schoss die Kugel auf uns zu. Im letzten Moment warf sich Jonne vor mich.

Ich fühlte einen stechenden Schmerz in meiner Brust.

Blut erschien auf seinem weißen Hemd und breitete sich rasch aus. Auf seinem Gesicht zeigte sich Schmerz. Er griff sich an die Wunde. Olif hatte ihn genau in sein großes Herz getroffen. Eine einsame Träne verließ sein Auge. Die Mundwinkel zuckten leicht, als wolle er lachen. Er fiel in meine Arme.

Ich sah an mir herab und erblickte das Einschussloch. Die Kugel war durch seinen Körper hindurch in meinen gedrungen.

„Warum hast du das getan?", schrie ich Jonne an.

Er lächelte mit gequältem Gesichtsausdruck.

„Ich liebe dich...!"

Die waren die letzten Worte, die ich hörte, bevor er an mir entlang zu Boden sank. Ich setzt mich neben ihn und beobachtete, wie seine Augen glasig wurden. Und trüb. Das Loch in meiner Brust war nichts im Vergleich zu den Schmerzen, die meine Seele litt. Mein Herz zierten zwei Löcher. Das der Kugel und sein Ableben.

Meine Vergangenheit ging noch einmal an meinem geistigen Auge vorbei. Dad, Mum, Stiffina, Miraco, Majajo, Olif ... und die wenigen Stunden mit meinem Jonne...!

Ich nahm ihn wieder in meine Arme, während ich spürt, dass er langsam kalt wurde. Wie ein Leben ohne ihn.

Ich wusste, dass dies das Ende war ... und wurde immer schwächer. Nebel umhüllte uns. Ich bekam kaum noch Luft. Er lag in meinen Armen... Der Blutfleck...! Warum...? Unsere Liebe war so schön. Jetzt wurden wir grausam aus dem Leben gerissen. Wer würde uns schon vermissen...? Wir sollten für immer zusammen sein. Das hatten wir geschafft. Sein Tod ist auch der meine.

„Jonne, warum gehst du eher als ich...? Warte, ich komme...!"

Love is right now...

Right now…

Our love is right now…!

In Liebe gefesselt

 

...Alles war so perfekt...

Oder schien? ...Ich wusste nicht recht, was ich von dem Frieden halten sollte, der uns umgab. Vielleicht wieder nur die alte Skepsis. Die alte Angst davor, verletzt zu werden oder verletzen zu müssen. Man traf mich derzeit häufig in tiefen Gedanken versunken an. In Gedanken bei dir.

Warst du bei mir, wer konnte mir dann irgendwas? Was sollte unsere Liebe stören?

Deine Hand legte sich auf meine Schulter, ich saß neben dir am See. Wolltest wissen, was mit mir los ist. Hattest du mir etwas gesagt und ich hatte nicht zugehört? Ratlos sah ich dich an, blickte in deine klaren leuchtenden Augen. War das nicht das Leben, was ich mir erhoffte?

Ich legte mich neben dich auf die Decke, ließ mich von dir umarmen und spürte deine Wärme. Genoss deine Hände auf meiner halbnackten Haut. Diesmal sagtest du nichts, dass ich noch im Bikini war. Obwohl ich dir ohne besser gefiel. Wir lächelten uns an. Die Sonne schien auf dein Gesicht. Beleuchtete deine glitzernden Augen, wenn du mich ansahst. Wir waren glücklich. Verbunden.

Ich wollte dich nicht los lassen, auch wenn mein Alter gegen uns sprach. Was konnte eine siebzehnjährige von einem so viel älteren Mann wollen..? Aber ich wusste, dass es Liebe war.. Wir hatten im Urlaub schon Pläne geschmiedet, ob wir nicht im nächsten Jahr zusammenziehen wollten. Damit zeigtest du mir die Tiefe deiner Gefühle.

Mein Herz klopfte, als du dich auf mich legtest hier am See. Auch wenn jeden Moment ein Mensch vorbei kommen konnte. Es war uns egal. Deine Lippen legten sich leicht auf die meinen. Wir küssen uns zart und innig. Meine Zunge bahnte sich einen Weg in deinen Mund. Ich legte deine Hand auf mein Dekolté, wollte, dass du mich dort einfach nur streichelst. Du strichst zwischen meinen Brüsten hindurch. Ganz zärtlich. Ich hörte dich einatmen, wusste, dass es dir gefällt, wenn wir ein langsames Vorspiel machten. Meine Hand legte sich um deine Männlichkeit, meine kalte Hand. Du sahst mich halbschockiert an, lächeltest dann aber. Ich wollte dich nur beruhigen, nachdem meine Brüste schon sichtbare Wirkung gezeigt hatten. Aber dann schoss mir etwas anderes durch den Kopf, ich drückte dich leicht von mir weg. Lächelte noch mehr als vorher.

„Später", flüsterte ich in dein Ohr, griff nach deiner Hand und zog dich nach oben, damit wir uns anziehen konnten. Umarmte dich vorher noch einmal sanft, um deine Wärme in mich aufzunehmen.

Fertig angezogen fragtest du mich, wo ich hin wollte. Nach Hause zu mir, teilte ich dir mit. Wir packten den Rucksack, ich nahm die Decke auf meinen Arm. Händchenhaltend und glücklich liefen wir den Weg zurück zu deinem Auto. Ich setzte mich auf den Sitz genau neben dir, wie immer. Nachdem wir die Holperstraße erfolgreich hinter uns gebracht hatten, konnte ich nach deiner Hand greifen. Sie mit meiner umschließen, dich anlächeln. Nur ab und zu musstest du schalten. Wir fuhren bei Mc Donalds vorbei, kauften jeder einen Schokomilchshake. Bis wir bei mir ankamen, war dieser ausgetrunken. Hastig stiegen wir aus dem Auto, nahmen deinen Rucksack mit in meine Wohnung.

Die Tür schloss sich hinter uns. Unsere Blicke trafen sich, ich nahm dich damit gefangen. Schnell ging ich in mein Zimmer und holte die Handschellen, die ich für uns gekauft, aber noch nie benutzt hatte.

Du wartetest im Wohnzimmer, hattest dich auf das Sofa gesetzt und einen Schluck getrunken vom Mineralwasser, was ich immer für dich kaufte.

„Na...?", sagtest du, als ich im Raum erschien.

Gestikulierend bedeutet ich dir, dass ich mit dir ins Schlafzimmer wollte, versteckte die Handschellen hinter meinem Rücken. Ich setzte mich aufs Bett und wartete auf dich. Wie du langsam angetrottet kamst. Ich rutschte zurück, damit du dich zu mir legen, auf mich legen konntest. Nun erst zeigte ich dir das Fesselwerkzeug, fragte dich, wem wir die anlegen wollten. Du wolltest mich wehrlos sehen, also ließ ich mich von dir fesseln. Rutschte zum Kissen hoch, um es uns bequemer zu machen. Fragend sah ich dich an, doch du wolltest, dass ich nichts sah. Schnell gingst du in mein Zimmer und holtest ein schwarzes Tuch, dass du mir um den Kopf bandest. Dunkelheit schloss mich ein. Ich konzentrierte mich auf die Wärme deines Körpers, die ich noch spürte.

Ich fühlte, wie du mich bis auf den Bikini auszogst, dann den Mund auf meinen Bauch legtest. Du umkreistest meinen Bauchnabel, spieltest mit meinem Piercing dort. Deine Hände schienen überall zu sein, ich genoss es, dich bei mir zu haben. Bald wichst du von mir. Ich hörte, wie Stoff an Haut rieb und erahnte, dass du deine Hose und alles darunter auszogst. Dann legtest du dich auf mich, küsstest mich auf den Mund. Wir vergaßen die Zeit. Kuschelten einfach nur ein wenig, streichelten uns. Oder eher du mich. Ich konnte nur meine Beine nutzen, dich an mich zu pressen.

Ich hörte, wie du leise in mein Ohr keuchtest, deine Hand befand sich wohl an deiner Männlichkeit. Der Gedanke, dass du vor mir knietest, er sich fast vor meinem Gesicht befand, reizte mich. Mein Mund suchte herum, so gut es ging und fand das harte mit der weichen Spitze. Ich hörte dich leise stöhnen. Deine Hände legten sich an meinen Hinterkopf und du bewegtest den Unterkörper von allein, in deinem Rhythmus. Meine Zunge spielte mit deiner Männlichkeit. Ich wollte, dass du fast verrückt wirst. Der Geschmack auf meiner Zunge verriet mir, dass es dir gefiel. Du liefst aus. Wir beide. Die Situation war erotisch..

Bald darauf nahmst du deine Männlichkeit aus meinem Mund und bedecktest mich wieder mit deinem Körper. Wir schmiegten uns aneinander. Du strichst durch meine Haare und schienst wieder in kuscheln verfallen zu wollen, aber das reichte mir nicht mehr. Ich bat dich, mich zu berühren. Wo immer du wollest. Ich fühlte deine Fingerkuppen auf meiner Brust. Oder deinen Mund? Ich wusste es nicht einzuordnen. Du küsstest meine Arme hinauf, die über meinem Kopf gebunden waren. Ich machte mir noch einmal klar, dass ich mich so nicht gegen dich wehren könnte. Und das heizte mich noch mehr auf. Ich könnte die Feuchtigkeit zwischen meinen Beinen merken. Nun flüsterte ich dir zu, dass du doch bitte in mich dringen solltest. Aber du hörtest nicht auf mich. Deine Hand wanderte meinen Körper auf und ab, um sich dann auf meine Weiblichkeit zu legen. Sie zu streicheln. Mich zerfließen zu lassen. Mein Körper spannte sich langsam an und deine Zunge spielte mit meinen Brustwarzen. Nicht mehr lange und ich würde mich nicht länger zurückhalten können. Ich wollte dich in mir haben – jetzt und hier.

..Gleich schon würde es so weit sein. Ich bat, nun endlich in mich zu dringen und diesmal gabst du meiner Bitte nach. Deine Männlichkeit kam in mich. Und ich wollte, dass deine Hand nicht nachhelfen musste. Drückte dich mit den Beinen weiter in mich, bis an eine Stelle, die mir sehr gefiel. Dort verweiltest du kurz und ich konnte mich selbst bewegen. Ich konzentrierte mich nur auf die Bewegungen. Dachte an vorhin, als mein Mund dich verwöhnt hat. Und schon fühlte ich es. Ich versuchte dich zu umarmen, doch es ging nicht. Ich wollte dich küssen, aber du zogst den kopf weg. So musste ich mich dem Zucken beugen, das meinen Körper durchfuhr. Ich stöhnte so leise ich konnte. Aus wenn ich wusste, dass es dich laut nicht gestört hätte. Als das schöne Gefühl langsam vorbei ging, bewegte ich mich immer noch. Jetzt ging es mir nicht mehr um mich. Tief drangst du in mich. Einmal, zweimal. Ich merkte, dass deine Arme zitterten. Hörte nun erst recht nicht auf.

..Du zogst deine Männlichkeit aus mir, als es fast zu spät war. Heiß kamst du auf meinem Bauch. Vergrubst den Kopf in meiner Schulter und hieltst mich fest, was ich nicht konnte. Die Wellen der Lust zogen an uns vorüber. Ich wollte dich sehen, befreite mich mühsam aus den Handschellen mit deiner Hilfe. Zog das schwarze Tuch von meinen Augen und küsste dich dann innig. Ich zog dich wieder auf mich, auch wenn uns dein Samen noch am Bauch klebte. Unwichtig.

Als du dich auf mich legtest, konnte ich deinen schnellen Herzschlag fühlen. Der mich beruhigte. Ich wusste nun, dass der Frieden um uns nicht nur Fassade war. Wir liebten uns. Und ich wollte nie, dass es aufhörte..

Zwei Engel

 

Erinnerst du dich...?

Es war eines Abends, als ich bei dir war. Deine Arbeit war getan, du bist zu mir zurück gekommen. Ich hatte den Wohnzimmertisch mit Kerzen präpariert. Während du an deinem Rechner Bilder bearbeitet hast. Abendbrot gegessen hatten wir schon. Bevor du dich vor mir zurück gezogen hast. Du dachtest, ich würde irgendeins meiner Bücher lesen, die ich so liebte. Stattdessen stand einem romantischen Abend nicht mehr viel im Wege. Außer deine Müdigkeit.

„Können wir das auf morgen verschieben und lieber schlafen gehen?", hast du mich gefragt.

Du hast mich lieb angelächelt, ein Lächeln, das mich mal fast zerfließen lässt und mal in den Wahnsinn treibt. Aber viel Aufwand hatte ich nicht betrieben, ich hatte nichts dagegen. Und bin mit dir in Richtung Schlafzimmer gegangen. War in Gedanken schon bei dem morgigen Abend, wenn ich wieder allein alles vorbereiten konnte. Ich dachte nach, was dir gefallen könnte und was zu übertrieben rüberkommt. Du standest mit dem Rücken zu mir mitten im Raum, ich erblickte die Ansätze deiner Schultermuskeln, die ich gern festhielt in bestimmten Situationen. Ich ließ mich von Erinnerungen durchströmen. Schloss für kurze Zeit die Augen. Die Welt schien still zu stehen, während ich nachdachte...

Ich spürte einen leichten Windhauch, der mich zusammenfahren ließ. Ich war noch in Gedanken vertieft, doch du standest nun vor mir, als ich die Augen öffnete. Ich lächelte dich kurz an, dann trat ich einen Schritt auf dich zu, um nah bei dir zu stehen. Ich lehnte meinen Kopf an deine Schulter und umschlang dich leicht mit meinen Armen. Fühlte kaum deine Hände an meinen Beinen entlang streichen, immer höher. Dann erhob ich meinen Kopf etwas, legte meine Lippen an deinen Hals. Ließ sie langsam daran gleiten. Dein Atem war normal und ich genoss, wie du mich genießen wolltest. Meine Zunge kam ins Spiel und du hieltst die Luft kurz an, als ich zärtlich bis zu deiner Wange wanderte. Doch ich quälte dich nicht weiter, benutzte wieder meine Küsse, um dir meine Liebe zu zeigen. Ich erkundete jeden Zentimeter deiner Haut, die relativ kurzen Barthaare, die ich schon mal länger bei dir gesehen hatte. Mein Mund suchte deinen, fand und vereinigte sich mit deinen Lippen, deiner Zunge. Wir küssten uns innig, als hätten wir uns jahrelang nicht gesehen. Spielend streichelten sich die Zungen, vertaut. Du warst so warm. Ich wollte dich nie mehr loslassen, presste mich noch näher an dich, obwohl das nicht ging. Deine Hände fanden einen Weg unter mein Oberteil. Du streicheltest über meinen Bauchnabel. Ich genoss es, bei dir zu sein, deine Wärme zu spüren.

Plötzlich zogst du mich ein Stück mit, gingst rückwärts Richtung Bett und ließt dich darauf fallen. Überrascht folgte ich dir, blieb aber vor dem Bett stehen. Du zogst an meinem Arm, ich konnte mein Gleichgewicht nicht mehr halten und fiel auf dich. Du lachtest kurz auf, mochtest es, wenn wir auf diese Weise miteinander umgehen. Wieder küsste ich dich. Auf den Mund, am Hals, bis auf die Stirn. Deine Augen waren geschlossen. Doch nun hatte ich andere Ziele. Dein Gesicht reichte mir nicht mehr aus. Ich rutschte ein Stück runter, besah mir deinen nackten Oberkörper. Meine Hände strichen dir über den Bauch und die Brust. Meine Lippen folgten ihnen wie schon zuvor, als wir noch gestanden hatten. Ich umkreiste zart deine Brustwarze, ertastete damit ihre Form und achtete nicht mehr auf deinen Atem oder deine Hände.

Dann drang deine Stimme an mein Ohr.

„Ich muss morgen wieder ganz schön viele Bilder bearbeiten.", berichtetest du mir flüsternd.

Wut stieg in mir auf. Was dachtest du eigentlich, warum ich das hier mache? Damit du dich ablenken lassen konntest von deinen Bildern? Dann hätte ich auch nicht herkommen brauchen. Ich verzog das Gesicht, kämpfte mit mir, dir nicht einfach auf den Brustkorb zu hauen und dir zu sagen, dass du jetzt an mich zu denken hattest. Stattdessen stieg ich runter von dir, legte mich neben dich und bewegte mich nicht mehr. Ich wollte nicht reden. Ich war beleidigt. Du hattest das Falsche gesagt in einem Moment, in dem du nichts machen solltest.

Tränen stiegen in meine Augen, als du dich zu mir gedreht, dich an mich gedrückt und mir eine Hand an den Po gelegt hattest. Ihn gestreichelt hast. Zärtlich liebkost hast mit den Fingerspitzen. Ich konnte nichts tun, ich wollte nicht. Ich war sauer auf dich. Aber du legtest deine Hand auf meine Schulter und drehtest mich mit sanfter Gewalt und einer leisen Bitte zu dir. Ich sah dir in die Augen, schaute bis in deine Seele, wusste, dass du nicht wolltest, dass ich sauer war. Aber es tat so weh. Ich tat nichts, auch wenn du eine Reaktion erwartet hattest. Deine Hand legte sich an meine Wange, all meine Gegenwehr half nicht. Du hieltst meinen Kopf fest und gabst mir einen leichten Kuss. Doch ich erwiderte ihn nicht. Dennoch schloss ich die Augen und genoss deine Zärtlichkeit. Legte nun meine Hand wieder an deinen Hals und gab mich deinen Lippen hin.

Mir fiel ein, dass ich dir noch etwas zeigen wollte, das ich im Internet gefunden und dir ausgedruckt hatte. Ich griff nach meinem Rucksack, den ich bei meiner Ankunft neben das Bett gestellt hatte und zog ein Blatt heraus.

„Das kannst du morgen mal lesen, wenn du Zeit und Lust hast...", schlug ich vor.

Ich wollte dich weiter küssen, du nahmst mir den Zettel aus der Hand und hast dich weggedreht, mit der Bemerkung, dass du das jetzt lesen wolltest und nicht morgen. Der Titel interessierte dich.

Das war zu viel für mich, ich konnte das nicht verkraften, zwei Enttäuschungen an einem Abend. Tief verletzt stand ich auf und lief aus dem Raum. Tränen rannen mir übers Gesicht und ich wollte am liebsten nach Hause fahren, allein sein und weinen.

Ich nahm kaum war, wie du hinter mir hergeeilt kamst. Hörte deine Schritte nicht. Spürte nur deinen Körper an meinem, als du mich an dich zogst, mich drücktest, als ob es kein morgen gäbe. Als ob damit wieder alles okay wäre. Ich bemerkte das Blatt immer noch in deiner Hand. Beleidigt drehte doch den Kopf von dir weg. Alles so sinnlos, dass ich überhaupt hergekommen bin. Dass ich geglaubt hatte, ich würde dir was bedeuten. Du hattest dich zu mir gebeugt, deine Wange an meine gelehnt, versucht, mir etwas ins Ohr zu flüstern.

„Willst du mit mir schlafen?", fragest du sehr leise.

„Mit dir? Jetzt?", wollte ich überrascht wissen.

„Ja, mit mir. Ganz zärtlich...!", sagtest du mir.

Dein Blick war so aufrichtig, kein Lächeln umspielte deine Lippen. Du meintest das ernst. Perplex stand ich da. Noch nie hatte mir jemand gesagt, dass er sanft mit mir schlafen wollte. Sonst machte sich in meinem Kopf immer das Bild eines sich heftig bewegenden Pärchens breit, aber diesmal sah ich vor meinem geistigen Auge mehr kuscheln als Sex. Der Gedanke gefiel mir. Sehr sogar. Und das aus deinem Mund.

Ich hatte nicht bemerkt, dass du schon von mir weggetreten warst, zurück ins Schlafzimmer. Immer noch stutzig ging ich langsam zu dir. Du hattest unter der Decke gewartet, die du leicht für mich angehoben hattest, als ich das Bett erreichte. Ich legte mich neben dich. War leicht aufgeregt, auch wenn dies nicht unser gemeinsames erstes Mal war. Wusste selbst nicht, was mit mir los war. Du hattest uns beide daraufhin zugedeckt, dich an mich gedrückt mit der Decke.

Ein paar Sekunden sind wir einfach so verharrt, dann hatte ich mich zu dir gedreht.

„Bist du nackt, mein Engel?", hatte ich dich leise flüsternd gefragt.

Aber statt einer Antwort bist du nur still liegen geblieben und hast mich gestreichelt. Ich verstand, dass ich es selbst rausfinden durfte, wenn ich denn wollte. Meine Fingerspitzen glitten an deiner Wirbelsäule entlang nach unten, ich fühlte jede Erhebung auf deiner Haut und die Hitze deines Körpers. Mein Kopf grub sich in deine Schulter, so schön war das alles. Mit dir. Deinen Herzschlag an meiner noch mit Stoff bedeckten Brust.

Nicht lange und deine Lippen suchten erneut nach den meinen. Wieder küssten wir uns zart, vertraut, verliebt. Dein Unterkörper presse sich gegen mich. Ich fühlte förmlich dein Begehren. Schon dachte ich, dass es doch keine sehr gefühlvolle Sache werden würde, wenn du schon so Anfängst. Wieder so schnell. Dabei war ich jetzt auf Gefühl eingestellt. Ich ließ mir nichts anmerken, war so was schon gewohnt. Von anderen Partnern.

Dann hattest du dich über mich gebeugt, mich weitergeküsst, dich mit einer Hand neben meinem Kopf angestützt. Deine andere war zärtlich an meinem Körper entlang gestriffen, hatte mir Gänsehaut bereiten wollen, was dir auch gut gelang. Über meinen Bauch, zu den Schenkeln, leicht in Richtung meiner empfindlichsten Stelle, dann wieder nach oben und langsam, sehr langsam über meine Brust. Die ich dir entgegenstreckte, gefangen von deinem Gefühl. Du zogst mir Oberteil und BH behutsam aus. Ich legte meine Arme um deinen Rücken, drückte dich zu mir runter. Ich wollte dich mit Haut und Haaren, liebkosten, knuddeln, vernaschen ... lieben. Mit einer Hand drückte ich deinen Kopf auf meinen. Wollte nicht von deinen Lippen lassen, aber du gingst weg. Du gingst weg von meinem Mund. An meinen Hals. Ich ließ mich fallen, ließ alle Gedanken von mir weggleiten. Nichts anderes zählte, nur du. Die Welt versank um uns herum. Ich konzentrierte mich nur noch auf deinen Mund, der mich hier fast verrückt machte. Wie du leicht saugend an meinen Brustwarzen innegehalten hast und mit ihnen spieltest. Die Hände weiterhin irgendwo an keinem Ort meines Körpers länger als ein paar Minuten.

Und ich spürte deinen warmen Atem an meinem Bauch. Du gingst weiter. Gingst immer tiefer. Deinen Kopf hattest du dann an meinen Oberschenkel. Mit schnellen geschickten Fingern hattest du die drei Knöpfe meiner engen Hose geöffnet. Du erhobst dich von deinem Platz zwischen meinen Beinen und befreitest mich. Die Sachen warfst du einfach achtlos neben das Bett. Wir sahen uns an. Du lächeltest, legtest die Finger an den Rand des letzten Stück Stoffes an meinem Körper. Du wartetest nur auf das leichte Kopfnicken meinerseits, um es von mir zu entfernen. Ich fühlte den Tanga an meinen Beinen hinunter streichen.

Als wir uns ansahen, wie zwei nackte Engel, sah ich ein Glänzen in deinen Augen. Wenn du meinen Körper ansahst. Du atmetest leise aus, als du meine Haut zart berührtest, an meinen Beinen. Dann lehnte sich dein Kopf wieder gegen meinen Oberschenkel und du besahst dir meine empfindlichste Stelle. Die Finger suchend danach ausgestreckt. Du fuhrst mit den Spitzen leicht über den glatten Hügel, dann tiefer, zwischen meine Beine. Ein Schauer durchfuhr mich, als du mich langsam zu massieren begannst. Ganz zärtlich und vorsichtig. Ohne dass ich hinsah, wusste ich, dass sich nun auch dein Mund an diese Stelle bewegen würde, doch ich hielt dich auf. Gab dir mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass ich nicht wollte. Und zog dich zu mir hinauf, die Hand massierte mich weiterhin reizvoll.

Ich streichelte deine Brust, wie du meine. Mit dem Unterschied, dass es mich verrückt machte und du es nur schön fandest. Nach dem, was du schon gemacht hast, und meinen eigenen erotischen Gedanken, wollte ich dich endlich spüren. Bremste mich aber schnell wieder. Nein, ich wollte etwas anderes, bevor ich dich hineinließ. Meine Hand legte sich um deine Männlichkeit und ich beobachtete die Reaktion in deinem Gesicht. Dein Mund öffnete sich, aber kein Laut drang daraus hervor. Es gefiel dir, das wusste ich. Langsam bewegte ich meine Hand auf und ab. Mal stärker, mal schwächer. Schneller, langsamer. Je nachdem, wie sich dein Gesicht verzog. Dann spielte ich mit dir an mir, streichelte mich mit deiner Männlichkeit, was uns beiden gefiel. Hin und Her. Und unser beider Atem wurde schneller, vereinte sich zu einer Lunge. Wir keuchten. Ich drückte dich ein wenig näher zu mir, du glittst ein Stück näher zu meiner Weiblichkeit. Wir küssten uns sanft, als wäre das Wochen, Monate, Jahre her. Sahen uns dabei ab und zu in die Augen.

Wieder hielt ich dich zurück, ich wollte dich anders spüren. Langsam drehte ich mich auf die Seite und ließ dich hinter mich legen. Deine Hände wanderten über meinen Körper, du küsstest meinen Rücken. Mein Unterkörper presste sich gegen deine inzwischen sehr große Männlichkeit, ich spreizte leicht die Beine. Wir sahen uns an und du halfst nach, führtest die Finger an deinen Mund und hast sie angefeuchtet. Danach ihn angefeuchtet. Und hast dich wieder meinem Körper gewidmet.

Ich fühlte dich zwischen meinen Beinen. Merkte deine sanften Stöße, um endlich in mich zu fahren. Nach ein paar Sekunden des probierens hatten wir uns vereint und du hattest mir leise ins Ohr gestöhnt. Es animierte mich, auch ich keuchte leise. Ich drückte mich nach unten gegen deinen Arm, als wir uns langsam zu bewegen begannen. Du lehntest dich etwas zurück, hattest meine Hüfte gefühlvoll berührt, mich dort festgehalten und dich bewegt. Langsam und Zärtlich. Jeder Stoß ein klein wenig tiefer und schöner für uns Zwei. Ab und zu vernahm ich deinen Atem in meinem Nacken, der langsam schneller wurde, wie unsere Bewegungen. Ich drückte mich dir entgegen, lehnte mich ein wenig vor, damit du tiefer in mich dringen konntest. Wir küssten uns über meine Schulter hinweg, wurden immer schneller.

Du hieltst an. Ich wusste, dass du so nicht konntest. Nicht wolltest. Und dass du Angst hattest, auch wenn ich dich immer beruhigte. Ich drehte mich zu dir, doch du hattest dich schon halb erhoben. Wie etwas eher an dem Abend legtest du dich zwischen meine Beine, diesmal drangst du gleich in mich. Langsam und genießend. Ich legte meine Hände an deine Taille, damit ich deine Geschwindigkeit bestimmen konnte, hatte doch so gerne die Oberhand über unsere Taten.

Doch du ließt mich nicht, griffst nach meinen Armen und hieltst sie über meinem Körper fest. Ich war gestreckt und du kamst noch weiter in mich, es gefielt dir, du stöhntest. Wir hatten uns dann geküsst, lange und heiß. Ich ließ mich von dir festhalten, tat so, als wollte ich mich befreien, dabei drückte ich meine Hüfte weiter dir entgegen, mochte deine Stöße, wenn du so tief in mir warst und empfindliche Stellen trafst. Ich wollte dich nicht gehen lassen, auch wenn ich wusste, dass du das bald tun würdest. Dein Unterkörper bewegte sich nun kurz hin und her. Du hattest mühe, dich noch zurückzuhalten, atmetest schon laut. Dein Gesicht spiegelte ebenfalls Erregung wieder. Ich bekam keine Angst. Aber ich lehnte mich gegen deinen Kopf und flüsterte dir ins Ohr.

„Bitte mein Engel, verlass mich nicht, wenn es soweit ist... Bitte... Dieses eine Mal...", formulierte ich meine zwecklose Bitte.

Noch nie hatte ich diese laut ausgesprochen, aus Angst vor deiner Reaktion und weil ich wusste, dass du sie nie erfüllen würdest.

Ich wölbte dir meinen Körper erneut entgegen. Wollte, dass du schneller machst. Du hieltst mich fest, schlangst die Arme um mich und begannst leicht zu Zittern. Eine wunderschöne Reaktion. Ich wollte nicht aufhören, drängte mich dir noch stärker auf, bewegte meine Hüften, küsste deinen Hals und deine Schultern und wartete, was passieren würde. Noch ein paar Stöße, dann wüsste ich, dass es soweit sein würde. Ich drückte dich an mich, meine Brüste berührten deine. Ich hörte dich Stöhnen, nun nicht mehr leise und vorsichtig sondern laut in mein Ohr. Ein Klang, der ein Lächeln auf mein Gesicht zauberte. Und ich spürte dich in mich fließen...

Dieses eine mal warst du nicht aus mir geglitten und hast dich dann deinen Gefühlen hingegeben – nein. Ich war glücklich wie selten zuvor, Freudentränen rannen von meinen Wangen, selbst als du noch die letzten Wogen deiner Lust empfingst. Dann war es vorbei. Ich verstand die Worte nicht, die du sprachst, war überwältigt von deinem mutigen Schritt. Nur langsam wurde mein Verstand wieder klar.

„Habe ich dir wehgetan?", wolltest du erfahren.

Ich konnte nur den Kopf schütteln. Noch immer warst du in mir. Meine Hand ging wie von selbst auf die Reise über meinen Körper, ich streichelte mich zwischen den Beinen, noch mit dir in mir. Wie selbstverständlich saugten deine Lippen an meinen Brüsten, sanft und aufreizend zugleich. Meine Gedanken schweiften zu den letzten Momenten unseres Liebesspiels und ich spürte, wie mein Körper sich anspannte, nicht zitterte wie bei dir. Ich konnte kaum noch atmen, selbst du warst vergessen. Es gab nur noch mich und meine Hand...

Dann sah ich dich an, alles war wieder ganz klar, ein Gefühl durchzog mich von solcher Schönheit, dass ich den Atem anhalten wollte und doch immer Stoßweise ausatmete. Heiße Wellen überfluteten meinen Körper, ich drückte mich gegen dich und zuckte vor mich hin.

Als ich mich beruhigte, lehntest du dich wieder auf eine deiner Hände, um mir mit der anderen über die Stirn zu streicheln und mir die Strähnchen aus dem Gesicht zu wischen. Ich spürte deine Männlichkeit noch immer in mir, fühlte dich aus mir herauslaufen. Aber es kümmerte mich nicht. Nur mit dir hier zu liegen und dich anzulächeln, das war es, was zählte. All diese Gefühle an einem Abend. Und ich war glücklich...

Erinnerst du dich?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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