Mea Klein

Blond - ein Fluch 1


Sie war süss, hatte blaue Augen und schon damals volle, rote Lippen, die wundervolle Küsse versprachen.
Schon damals, mit 7 Jahren, war sie einfach bezaubernd. Und ich war neidisch.

Nicht auf ihre Augen, nicht auf ihren Mund und schon gar nicht auf ihre kecke, freche Art. Nein, ich war neidisch auf die Aufmerksamkeit, die ER ihr schenkte. Die er mir schenken sollte.

Dabei war es vorher bestimmt. Ich hätte es damals schon merken müssen, dass ich keine Chance hatte. Nein, ich war keine Coole, deren Vater – echter Amerikaner – ständig die neuesten und angesagtesten Dinge aus Übersee mitbrachte. Nicht ich kannte schon Wochen, wenn nicht sogar Monate, zuvor die Hipsten und beliebtesten Sänger, Songs, Klamotten und Inline-Skates. Ich stand immer nur daneben, tat so, als interessierte er mich nicht.

Aber ALLE interessierten sich doch für Christopher. ALLE fanden ihn süss, charmant und einfach klasse. ALLE. Nicht aber ich. So dacht ich mir. Dass dem nicht so war, fand ich erst heraus, als Sie, diese Möchte-gern-Schönheit, ihn mir wegnahm.


Es war ihr 7 Geburtstag, alle waren da. Der Tag fing eigentlich auch ganz gut an. Nach typischen Geburtstagsspielen, Skaten und Pizzaessen gab es als letztes noch Kino.
Kino...wer sitzt neben wen?
In Gedanken gruppierte ich schon mal die verschiedenen Pärchen und kam zufrieden lächelnd zu dem Ergebnis: Ich würde definitv nicht nur neben Christopher sitzen können, sondern sogar müssen. Immerhin waren wir die einzigen, die Sprite tranken und die Getränke wurden doch immer zu zweit geteilt. Niemand sonst trank Sprite.
Konnte also nichts schief gehen. So dachte ich. Und dann? Ja, dann standen wir vor dem Kino, SIE war völlig aufgelöst und dicke Krokodilstränen kullerten über ihr hübsches Puppengesicht. Ihre Eintrittskarte war verschwunden. Zeit, um Geld für eine Neue zu holen gab es nicht mehr, die Vorstellung fing doch in 5 Minuten an. Na toll! Dumme Kuh. Und jetzt? Alle sollten leiden und auf den Film verzichten, wegen IHR? Dem Geburtstagskind? ICH dachte nicht dran. Aber mein Held, mit den tollen blau-grauen Augen, Christopher, der schon.

"Ich verzichte."

"Was willst du denn die ganze Zeit draussen machen?" Das ging doch nicht!

"Werd mir schon irgendwie die Zeit vertreiben." Er zuckte mit der Schulter.

"Find ich echt süss von dir." Meinte SIE!

SIE!
Jetzt war ich wütend. Und enttäuscht. SIE hatte mir alles verdorben. Wegen ihr stand er jetzt draussen und stand sich zwei Stunden die Beine in den Bauch. Sowas Bescheuertes.

Die Vorschau fing an.

"Wir können ihn doch nicht die ganze Zeit draussen stehen lassen." Nervte SIE.

"Und was sollen wir tun?" Fragte ich bissig.

"Einer muss rausgehen, ihm seine Karte geben und wieder rein kommen. Sagt halt, er war kurz auf Toilette oder sich die Beine vertreten. Hab ich auch mal mit meinem Bruder gemacht." Die hatte Nerven...

"Und wer soll raus gehen?" Sowas Idiotisches! "Und wenn das nicht klappt?"

"Klar klappt das, hat ja schon mal geklappt." Das klappte doch nie!

"Wer geht?" -Stille-

Der Film fing an.

"Ich gehe." Ich stand auf und ging nach draussen.

Niemals würde das klappen und wir hätten zwei Stunden für uns, draussen, in der Sonne. Vielleicht könnten wir uns noch ein Eis holen. Nur er und ich. Einfach reden. Allein sein. In mir kribbelte alles.

"Hallo!" War ich Nervös?

"Hi! Was machst du hier?" Er stand lässig an ein Plakat gelehnt.

"Du sollst versuchen mit meiner Karte rein zukommen." Warum war ich so nervös?

"Meinst du, das klappt?" Er runzelte die Stirn.

"Weiss nicht." Niemals!

"Ok, ich versuch's." Und weg war er.

Da stand ich nun. Und jetzt? Gleich würde er wieder kommen. Das klappte doch nie. Das kann gar nicht klappen.

Aber er kam nicht. Und ich? Ich kam nicht rein.

Tja, da stand ich nun und wartete. Wartete, dass der Film vorrüber ging. Spielte mit dem Gedanken nach Hause zu gehen. Nein, ich war kein Feigling. Ich wartete. Den Tränen der Wut und Enttäuschung nahe. Die Dumme, ja das war mal wieder ich.

Irgendwann geht jeder Film zu ende, auch dieser. Und als dann alle nacheinander rauskamen, hielten sie und er Händchen.

"Und, wie war der Film?" Ich hätte heulen können.

"Ganz ok. Hab ihn eh schon in Florida mit meinem Vater gesehen." Ich wollte sie erwürgen.

Locker schlenderten sie an mir vorbei. Taten so, als sei nichts dabei, dass sie durch das Händchen-halten nun ganz offiziell zusammen gingen.

Was fand er nur an ihr? Sie war doch echt blöd. Sie lispelte, hatte Oh-Beine und ein schon damals viel zu energisches Kinn. Ihr Becken versprach gebärfreudig zu werden und mit ihren Segelohren hätte sie Dumbo locker in die Flucht geschlagen. Also, was fand er nur an ihr?

Die Antwort fand ich erst einige Jahre und viele unangenehme Erfahrungen später heraus. So schlicht, einfach und banal: Sie war blond.

Es sind eigentlich 8 Kurzgeschichten zu dem gleichen Thema.

Ich würde mich über Kritik jeder Art von euch freuen, Kritik über meinen Schreibstil, die Geschichten selbst und allem, was euch auffällt, was ihr verbessern würdet.



Mea Klein, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.04.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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