Hans-Peter Zürcher

Ein stürmischer Augenblick

 
8. Mai 2007
 
Schon den ganzen Tag blies ein stürmischer Wind. Die Wolken am Himmel schienen sich zu jagen, mal mächtig und dunkel, mal weißlich und aufplusternd, ein wildes Spiel, das Bilder an den Himmel zauberte und über die Hausdächer der Stadt und an den Giebelwänden ihr vergängliches Lichtspiel darbot. Zwischendurch immer wieder scheue Blicke der Sonne. Die Luft war sehr mild, eigentlich viel zu mild für den Mai, der Wind und die spärlichen Sonnenstrahlen genügten, die Luft noch mehr aufzuheizen. Das offene Fenster in meinem kleinen Büro schlug ab und zu, denn der freche Wind trieb sein Spiel mit ihm, ja er getraute sich sogar, und dies ungebeten, in mein Kämmerchen einzutreten, um dann ganz verschämt und mit Geheul durch den Türspalt sich im Haus zu verlieren.
 
Im nahe gelegenen Gymnasium schien gerade Pause zu sein, eine Schar übermütige Mädchen stürmte dem Wind gleich den Münsterberg hinunter. Sie scheinen sich zu necken, lachten und schrieen und verloren sich rasch in der Stadt. Zurück blieben nur das Geräusch des Windes und sein Geheul und die Freude, dass ich bald mal Feierabend machen durfte, umso mehr dieser Arbeitstag dem stürmischen Aprilwetter im Mai glich.
 
Meinen Kopf nach vorne geneigt, den Hut streng ins Gesicht gezogen, versuchte ich den Windböen zu trotzen und war dann sehr froh, endlich im Tram sitzen zu können, ohne dass ich mich ständig um meinen Hut bangen musste. Denn der Wind versuchte tatsächlich, mir diesen vom Kopf zu reißen, nur, ich war schneller und konnte ihn jeweils gerade noch festhalten.
 
Das Tram war an diesem Dienstagabend recht gut besetzt. Das war gut so, denn so war es mir möglich Fahrgäste zu beobachten und zu studieren, was mir immer große Freude bereitet. Sehr rasch viel mir schräg gegenüber ein recht hübsches Mädchen auf, das ganz in sich vertieft mit ihrem Handy spielte und mit gekonnter Präzision und Geschwindigkeit SMS einzutippen schien. Immer wieder kurz unterbrechend schaute sie zum Fenster hinaus, träumend und in Gedanken verloren, ja, genau so sah es aus. Jede neu ankommende Nachricht trieb ihr immer wieder eine zarte Röte über ihre jugendlichen Wangen, brachten ihre schönen braunen Augen zum leuchten. Ab und zu huschte ein lächeln über ihr Gesicht, das mich an das Schattenspiel der Wolken auf den Dächern und Giebelwänden erinnerte. Die Aufregung in ihr schien sich ins Unermessliche zu steigern. Ich verlor das Gefühl für die Zeit wie auch für die Tramstationen, unablässig beobachtete ich dieses Mädchen. Nun verlor auch sie die Geduld mit diesem Schreibspiel: „hei, ich bin jetzt bin ich an der Mustermesse..... ja ich hab dich auch sehr lieb.... “, wieder schoss ihr diese zarte Röte ins Gesicht, machte dieses Mädchen noch hübscher dadurch, noch schöner „wo bist du! am Bad. Bahnhof? jetzt bin ich an der Gewerbeschule vorbei, ja steig da aus, ich bin auch gleich dort“. Beim einfahren in die Haltestelle schaute ich gespannt zum Fenster hinaus,  -ob ich wohl ihren Schatz erkennen kann im Gewimmel der vielen wartenden Fahrgäste?-. Inzwischen hat sich das Mädchen an die Türe gestellt, schaute nach draußen in die Menge, eine Hand erhoben an die Scheibe gelegt, mit der anderen Hand hielt sie sich an der Haltestange fest und bewegte ihren Kopf beständig hin und her. Erleichterung schien ihren Körper zu durchströmen, sie winkte kurz und heftig, tänzelte vor Aufregung wie ein Zirkuspferdchen. Ja, jetzt sah ich ihn auch, er winkte wie wild zurück, warf ihr Kusshände zu. Ein eben so schöner Jüngling, passt genau zu diesem hübschen Mädchen. Die Türe war noch nicht ganz offen, schon stürmte das Mädchen aus dem Tram in die Arme ihres Freundes, ja, ihr Freund musste es sein, denn so wie die beiden sich nun küssten und umarmten, ja, stürmischer ging es wirklich nicht.  
 
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