Joenna Kirali

Liebe und Verzweiflung 3

 Krish lag am Strand und sah zum Himmel hoch. Die Sonne ging unter und hatte die Wolken in ein leichtes Rosa getaucht. Die Flut hatte eingesetzt und er spürte wie die Wellen um seine Füße schlugen.
Seit dem Tag an Danielles Krankenzimmer kam er oft hierher. Es war der Ort an dem er und Danielle sich früher oft getroffen hatten. An diesem Strand hatte er mit Danielle die schönste Zeit verbracht, denn der Strand war einsam und sie waren hier immer ungestört gewesen. Krish versank in Erinnerungen die ihm wieder zusetzten. Und wieder rannen ihm Tränen die Wangen runter wenn er an Danielle dachte...
Mittlerweile kroch ihm das Wasser den Rücken hoch. Er stand auf und zog sein T-Shirt aus um es auszuwringen. Langsam lief er dann ins Meer hinein, aber nur so tief um sich denn Sand von den Beinen zu waschen. Die Sonne war schon lange untergegangen als er sich auf den Weg nach Hause machte. Er war zu Fuß gekommen, so konnte er sich noch ein bisschen ablenken bevor er u Hause wieder mit Danielle konfrontiert wurde. Zu hause angekommen begrüßte er seine Eltern und verzog sich in sein Zimmer.
Krish wollte nicht erklären wo er gewesen war und noch weniger wollte er wissen, wo seine Eltern gewesen waren, denn er wusste es schon. Er hatte zufällig bei einem Telefonat zwischen seiner Mutter und der Schwester von Danielle gelauscht. Und noch bevor seine Mutter ihn fragen konnte ob er mit ins Krankenhaus zu Danielle mitkommen wollte, war er zum Strand geflüchtet.
Nun lag er in seinem Bett und sah aus den Fenster. Es war eine schöne Nacht, denn die Sterne standen am Himmel und schwaches Licht fiel durch sein Fenster. Kurz darauf war Krish in einem traumlosen Schlaf gefallen...

Im selben Augenblick stand Danielle am Balkon ihres Krankenzimmers und sah gedankenverloren zum Sternenhimmel hoch. Sie dachte nach...seit Tagen tat sie nichts anderes mehr. Irina hatte ihr erzählt was passiert war. Wieso Krish sie nicht besuchen kam und warum er nicht mal anrief.
Sie verstand seinen Schmerz, denn sie hätte an seiner Stelle genau so reagiert. Wenn sie könnte, würde sie ihr jetzt suchen, ihn in die Arme nehmen, ihn küssen und trösten. Sie vermisste ihn so sehr...doch sie war noch sehr schwach, denn schon ein kleiner Spaziergang strengte sie sehr an.
Jemand legte von hinten die Arme um sie und sie brauchte nicht lange um zu begreifen, dass ihre Schwester aus ihrem Tiefschlaf aufgewacht war.
„Woran denkst du, kleines?“fragte Irina.
„Wieso fragst du, wenn du die Antwort schon weißt?“fragte Danielle zurück.
Sie erlaubte sich die Frage, denn Irina konnte schon fast ihre Gedanken lesen. Deshalb überraschte es sie nicht, als ihre Schwester wissend lächelte.
„Mach dir keine Sorgen . Er kommt dich schon noch besuchen!“sagte Irina. „Danielle...der Junge liebt dich...denkst du er hält es noch eine Woche länger ohne dich aus“frage Irina nach kurzen Schweigen.
„Ich weiß dass er mich liebt...zumindest denk ich das...aber er wird nicht kommen...Irina er wird denken dass seine Befürchtungen und Ängste wahr geworden sind. Er ist nicht dumm! Er kann eins und eins zusammenzählen!“
Mit dieser Feststellung brach auch das letzte bisschen Selbstbeherrschung aus Danielle her raus und sie fing an in den Armen ihrer Schwester zu weinen.
Irina versuchte nicht sie zu beruhigen. Sie standen noch eine Weile da, bis Danielles schluchzen leiser wurde.
„Wein ruhig...das wird dir gut tun...Es ist spät, willst du nicht schlafen?“
Irina hatte keine Antwort erwartet und zog Danielle mit sanfter Gewalt ins Zimmer, drückte sie aufs Bett und deckte sie zu. Danielle wehrte sich nicht, denn das Weinen hatte sie angestrengt und sie schlief gleich ein. Irina machte die Balkontür zu, küsste ihre kleine Schwester auf die Stirn und legte sich aufs Nebenbett. Sie betrachtete ihre schlafende Schwester noch eine Weile bevor sie das Licht ausmachte und sich fragte wie diese Geschichte wohl zu Ende gehen würde...

Als Krish erwachte war es schon Mittag. Er fragte sich was ihn geweckt hatte und als er sich zur Seite drehte sah er seine kleine Schwester mit den Fäusten in den Hüften gestemmt an seiner Tür stehen. Krish stöhnte leise und drehte sich auf die andere Seite.
„Mach die Tür zu und lass mich schlafen!“beschwerte sich Krish mit heiserer Stimme. Hinter ihm knallte die Tür zu und er wunderte sich warum es so einfach gewesen war. Er wandte den Kopf zur Tür und sah Lena an seiner Tür gelehnt
„Ich wusste es!“seufzte er und setzte sich auf. „Was willst du?“fragte er und rieb sich die Augen.
„Wissen was mit dir los ist!“antwortete Lena gereizt.
„Was soll schon los sein? Du hast mich geweckt. Bist du jetzt nicht glücklich? Und jetzt geh und spiel mit deinen Puppen!“ Lena wurde rot, was ihr feuerrotes Haar noch betonte.
„Ha-ha. Sag mir lieber was du hast. Seit Tagen gammelst du nur in deinem Zimmer rum, und das räumst du nicht mal auf.“ Sie rümpfte die Nase und sah sich im Zimmer um. Überall lagen Klamotten und Schulzeug verstreut rum.
„Ob und wann ich raus gehe und mein Zimmer aufräume, kann dir doch wohle egal sein!“versetzte Krish ihr gereizt.
„Warum gehst du sie nicht einfach besuchen?“fragte Lena und sah ihn schüchtern an.
Krish starrte seine Schwester an. Er verstand sich gut mit ihr, obwohl er nie mit ihr über Danielle und seine anderen Freundinnen geredet hatte. Doch es hatte den Anschein, dass sogar sie mit ihren 12 Jahren mitbekam wie schlecht es ihm wegen Danielle ging.
„Weil sie mich nicht sehen will!“gab Krish zurück.
„Das stimmt nicht. Als wir sie gestern besucht haben hat sie nach dir gefragt und als sie gesehen hat dass du nicht mitgekommen bist war sie den ganzen Abend sehr niedergeschlagen. Weißt du was sie mir gesagt hat?“ Krish schüttelte den Kopf und war immer noch erstaunt, dass er mit seiner kleinen Schwester darüber sprach.
„Sie sagt, dass sie dich noch ein letztes Mal sehen will, bevor sie nach England zieht...“
Krish schaute auf „WAS?Wann will sie nach England ziehen???“ fragte Krish schockiert.
„In den nächsten drei Tagen...Irina hat die Koffer schon gepackt.“ sagte Lena.
Krish stand auf und zog sich so schnell er konnte an. Lena beobachtete ihn mit hochgezogener Augenbraue.
„Die Feststellung, dass sie für immer wegzieht, hat dich dazu bewegt zu ihr zu gehen?“fragte sie.
„Ach laber net und such meine Schuhe!“ fauchte Krish sie an. Seufzend löste sich Lena von der Tür und machte sich auf die Suche nach den Schuhen, die sich nach einigen Minuten unter dem Bett fand. Als Krish dann die Tür öffnen wollte, zögerte er.
„Auf was wartest du?“ fragte Lena neugierig. Krish sah sie verzweifelt an.
„Ich glaub ich habs mir anders überlegt...was soll ich ihr den sagen?Über was sollen wir reden?“
Lena rollte genervt mit den Augen nahm in bei der Hand und zog ihn Richtung Haustür.
„Dann komm ich eben mit!“sagte sie nur und zog ihn den ganzen Weg über hinter sich her, bis sie – 15 Minuten später – vor Danielles Krankenzimmertür standen. Lena wollte gerade anklopfen als Krish plötzlich ihre Hand festhielt.
„Warte noch kurz!“sagte er und atmete noch einige Male ein und aus und nickte Lena dann zu. Sie musste grinsen. „Den hats ja schlimm erwischt...“dachte sich Lena und klopfte an die Tür. Von Innen hörte man leises gepolter und drauf folgendes Fluchen und die Tür schwang auf. Irina stand mit zerzausten Haaren vor ihnen und machte große Augen als sie Krish bemerkte.
„Hi“begrüßte Krish sie schüchtern. Aber Irina lächelte nur und statt einer Antwort zog sie ihn rein, schubste ihn und schloss hinter sich die Tür.....von außen!
„Na toll! Jetzt bin ich ganz allein!“ dachte er sich. Er sah sich im Zimmer um, doch keine Spur von Danielle. Doch dann bemerkte er eine schmale Balkon Tür in der hinteren Ecke des Zimmers...sie stand offen. Er trat zwischen den Rahmen und sah Danielle draußen stehen. Der Anblick tat ihm weh und trieb ihm wieder Tränen in die Augen. Danielle hatte ein weißes Nachthemd an, das ihr früher wohl gepasst hatte, denn nur war es zu groß, denn sie hatte abgenommen, ja fast war sie abgemagert. Ihre Haare fielen offen bis zu den Hüften herab und ihre schwarzen Locken standen hier und da ab. Sie war auch blass geworden und sie schien zu frieren. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Er nahm seine Jacke ab, trat leise näher und legte ihr die Jacke um die Schultern. Erschreckt drehte sie sich um und ihre großen braunen Augen füllten sich mit Tränen als sie Krish erkannte. Sie fiel ihm in die Arme und fing an leise zu weinen. Krish lege die Arme ums sie und blinzelte seine Tränen aus den Augen.
„Ich bin so froh dass es dir gut geht.“ sagte er heiser.
„Es tut mir Leid!“ brachte Danielle unter ihren Schluchzern hervor.
„Was tut dir Leid?“ fragte Krish obwohl er die Antwort schon wusste.
„Alles! Es tut mir Leid das ich dich so verletzt habe! Bitte verlass mich nicht. Bleib bei mir!“flehte Danielle schluchzend.
„Ich würde dich nie freiwillig verlassen...Aber was ist mit dir? Wolltest du nicht nach England ziehen?“ fragte Krish.
Nun schaute Danielle ihn erstaunt an und einzelne Tränen liefen ihr die Wangen runter.
„Nach England?Ich? Von wem hast du das?“ fragte Danielle sich wundernd.
„Na von...“ doch Krish könnte er sich Ohrfeigen dass er dieser kleinen Ratte so vertraut hatte.
„Ach egal, vergiss es!“sagte er. Er konnte es Lena nicht übel nehmen, er war ihr auch irgendwie dankbar. Krish sah runter zu Danielle und lächelte sie an. Es tat so gut sie wieder im Arm zuhalten. Er beugte sich runter und küsste sie erst auf die Stirn, dann auf die Nase und dann auf den Mund und als hätte er es nicht anders erwartet, öffneten sich ihre Lippen unter seinen und sie erwiderte den Kuss, der zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss wurde.
Als sie sich wieder von einander lösten bemerkten sie Irina und Lena an der Tür stehen. Irina zwinkerte ihnen schelmisch zu und Lena ahmte ihren Kuss nach und kicherte.
Danielle wurde rot und vergrub ihr Gesicht in Krish´s Brust.
„Mit dir hab ich noch ein Hühnchen zu rupfen!“ sagte Krish drohend zu Lena. Doch sie streckte ihm die Zunge raus und versteckte sich hinter Irina.

Eine Woche später fühlte sich Danielle stark genug um längere Spaziergänge zu machen. Sie und Krish verbrachten den ganzen Tag am Strand wo sie lange miteinander sprachen...danach lagen sie noch lange allein am Strand und beobachteten den Sonnenuntergang...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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