Nadine Hennecke

Place du Tertre


 
 
Die Musik hallte immer noch in ihren Ohren, als Florence Trousseau die Straße betrat. Es war eine laue Sommernacht in Paris und Florence verbrachte wie jeden Freitag ihren Abend im “Le Queen”, einer Ă€ußerst bekannten Diskothek auf den Champs-ElysĂ©es. Langsam verstummte das Dröhnen der Musik und sie vernahm nur noch das Brummen der vorbeirauschenden Autos. Wie immer waren viele Menschen unterwegs, darunter auch hunderte von Touristen, die an ihr vorbeieilten, ohne sie zu registrieren. Sie fotografierten alles, was ihnen vor die Linse kam, um dann schnellen Schrittes weiter Richtung Arc de Triomphe zu marschieren. Florence betrachtete stumm das bunte und hektische Treiben, atmete tief ein und ging dann selbst ein paar Schritte. Sie war noch immer fasziniert von dieser Stadt, obwohl es schon zwei Jahre her war, dass sie ihre Heimatstadt verlassen hatte und es sie nach Paris zog. Geboren und aufgewachsen war sie in Beziers, einer mittelgroßen Stadt im SĂŒden Frankreichs. Sie wollte schon immer nach Paris und damals, als sie gerade 18 Jahre geworden war und ihre Eltern bei einem Autounfall starben, hielt sie nichts mehr in Beziers. Florence hielt inne und setzte sich auf eine der vielen BĂ€nke. Sie schaute herĂŒber zum Grand Palais, einer Ausstellungshalle, deren Renovierungsarbeiten vor kurzem abgeschlossen worden waren und die nun wieder fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich war. Wenn sie sich nicht tĂ€uschte, wurde dieses GebĂ€ude zur Weltausstellung im Jahr 1900 gebaut und noch heute als Ausstellungshalle genutzt.
Ihre Gedanken schweiften wieder zu dem Unfall von damals. Seitdem war sie ganz allein. Sie hatte keine Geschwister und ihre Großeltern waren gestorben, als sie noch ein Baby war. Florence strich sich eine StrĂ€hne ihres braunen gelockten Haares, das sie sorgfĂ€ltig zu einem Zopf gebunden hatte, aus dem Gesicht. TrĂ€nen liefen ĂŒber ihre Wangen. Als damals der Unfall passierte, war sie gerade bei einer Freundin zu Besuch. Sie erinnerte sich noch genau daran, als ihr Handy klingelte und die Polizei ihr die schlimme Botschaft mitteilte. Sie erfuhr, dass ein LKW auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit dem Wagen ihrer Eltern kollidiert war. So schnell sie konnte, packte sie ihre Sachen und fuhr ins Krankenhaus. Doch als sie ankam, war es bereits zu spĂ€t. Ihre Eltern verstarben noch im Krankenwagen. Sie hatte noch nicht einmal die Möglichkeit, sich von ihnen zu verabschieden.
Immer noch den Blick zum Grand Palais gerichtet, in dessen Glasdach sich das Licht des Vollmondes spiegelte, erhob sich Florence wieder. Sie musste zurĂŒck zum “Le Queen”, sie musste sich ablenken von den Gedanken an ihre verstorbenen Eltern. Zögernd setzte sie sich in Bewegung. Die Menschenmassen ĂŒberholten sie von hinten. In Gedanken versunken nĂ€herte sie sich langsam der Diskothek. Dort angekommen musterte sie der TĂŒrsteher ein wenig misstrauisch, aber als sie ihm dem Stempel auf dem linken Handgelenk zeigte, gewĂ€hrte er ihr Einlass. Die Musik war laut. Hunderte von Menschen tummelten sich auf der TanzflĂ€che. Florence suchte sich einen Weg zur Bar. Plötzlich packte sie jemand von hinten an der Schulter. Florence drehte sich um und blickte in funkelnd grĂŒne Augen. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf, als sie erkannte, wer da vor ihr stand. Es war CĂ©cile. CĂ©cile war groß, schlank und hatte schwarzes kurzes Haar. “Sie ist ja so hĂŒbsch”, schoss es Florence durch den Kopf. Im nĂ€chsten Moment machte sie sich aber klar, dass CĂ©cile ihre Ex-Freundin war und dass sie es selbst war, die die Beziehung beendet hatte. CĂ©cile war immer noch verrĂŒckt nach ihr, aber Florence war einfach zu sehr verletzt. Sie hatte CĂ©cile gleich damals kennen gelernt, als sie nach Paris kam. Und es war Liebe auf den ersten Blick, fĂŒr Florence zumindest. Aber CĂ©cile hatte das ganze ein wenig anders gesehen und hatte sich auch weiterhin mit anderen Frauen getroffen. Sie hatte eine andere Auffassung von Beziehung und so hatte Florence die Sache recht zĂŒgig beendet. Florence fiel auf, dass CĂ©cile sie immer noch anschaute. Sie lachte und wollte etwas sagen, als Florence sich umdrehte und zĂŒgig davoneilte. Sie hatte keine Lust, mit ihr zu sprechen, und so versuchte sie krampfhaft, ihre beste Freundin CathĂ©rine zu finden. Sie wusste, dass CathĂ©rine jeden Freitag um diese Uhrzeit hier anzutreffen war und so zwĂ€ngte sie sich durch das GewĂŒhl, um die Treppen, die zum Bistro nach oben fĂŒhrten, zu erreichen. Von dort oben wĂŒrde sie den Üb! erblick ĂŒber alles haben und könnte so möglicherweise auch CathĂ©rine finden. Am Fuß der Treppe angelangt drehte sie sich noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass CĂ©cile ihr auch nicht folgte. Doch diese machte anscheinend keine Anstalten. Florence war erleichtert. Vermutlich klebte sie schon wieder an der nĂ€chsten Frau.
Am Bistro angekommen schaute sie suchend zur TanzflĂ€che nach unten, doch sie konnte ihre beste Freundin nirgends ausmachen. Ein wenig genervt griff sie in ihre Tasche, um nach ihren Zigaretten zu suchen. Ja, sie rauchte, und das schon seit geraumer Zeit. Eine schlechte Angewohnheit, aber sie schaffte es nicht, es sich abzugewöhnen. Als sie die Schachtel endlich gefunden hatte, zĂŒndete sie sich eine Zigarette an und beobachtete rauchend weiterhin das GetĂŒmmel auf der TanzflĂ€che. Die Menschen dort unten schiene ihren Spaß zu haben, sie lachten und amĂŒsierten sich. Es machte den Anschein, als ob keiner von ihnen auch nur im Geringsten irgendwelche Sorgen hĂ€tte. Florence dagegen war nie zum Tanzen hergekommen. Sie erhoffte sich neue Bekanntschaften, vielleicht hoffte sie sogar, hier die große Liebe zu finden. Aber bisher hatte sie hier nur CĂ©cile kennen gelernt, und diese Bekanntschaft hĂ€tte sie sich wirklich sparen können. Es schien, als hĂ€tte sie heute auch wieder kein GlĂŒck. Viele der Frauen waren bereits mit anderen Frauen im GesprĂ€ch. Nur Vereinzelte schienen alleine zu sein. Aber sie waren nicht ihr Typ und sie war ohnehin viel zu schĂŒchtern, um einfach so auf jemand unbekanntes zuzugehen. Also gab sie es auf, weiter nach unten in die Menge zu starren. CathĂ©rine wĂŒrde sie in dieser Menschenmasse wahrscheinlich eh nie finden und so beschloss Florence, die Diskothek zu verlassen und sich auf den Heimweg zu machen. Sie machte ihre Zigarette aus und drĂ€ngte sich durch das GewĂŒhl. Ab und zu wurde sie angerempelt, aber das störte sie wenig. Das war hier nicht zu vermeiden.
Endlich am Ausgang angekommen drehte sie sich ein letztes Mal um und verließ das GebĂ€ude. Vielleicht hĂ€tte sie nĂ€chstes Mal mehr GlĂŒck. Draußen auf der Straße wehte ein kĂŒhler Wind. Es roch nach Regen. Langsam setzte sie sich in Bewegung und lief Richtung Place de la Concorde. Sie hatte noch einen langen Weg bis zu ihrem Appartement im 18. Arrondissement vor sich. Sie hatte damals eine recht gĂŒnstige Bleibe im Viertel Montmartre gefunden, aber wohl hatte sie sich dort nie richtig gefĂŒhlt. Dort war es abends gefĂ€hrlich fĂŒr eine Frau, aber bis jetzt konnte sie sich einfach nicht aufraffen, ein anderes Appartement zu suchen. Florence bog in die Avenue Matignon ein. Dort war es ein wenig ruhiger, es waren nicht mehr so viele Menschen unterwegs. Da ab einer gewissen Uhrzeit die Metro nicht mehr in alles Stadtteile fuhr, war sie gezwungen, zu laufen. FĂŒr ein Taxi wollte sie das geringe Gehalt, das sie bei FNAC, einer recht bekannten Buchhandlung, bezog, nicht ausgeben. Und so lief sie wie jeden Freitag nach Hause. Zu Fuß waren es circa vier Kilometer. Wenn man sich ein wenig beeilte und nicht bei den vielen schicken ModegeschĂ€ften, die in der Boulevard Haussmann ihren Standort hatten, an den Schaufenstern stehen blieb, war der Weg in gut einer Stunde zu schaffen. Florence strich sich erneut eine HaarstrĂ€hne aus dem Gesicht und lief etwas schneller. Sie erreichte nun den Gare St.- Lazare und bewegte sich in Richtung Rue de Clichy, als sie bemerkte, dass ihr jemand gefolgt war. ZunĂ€chst dachte sie sich nichts, aber als ihr die Person auch in die Rue de Clichy folgte, begann sie, zĂŒgiger zu laufen. Die Schritte von hinten kamen immer nĂ€her. Florence wusste nicht, was sie tun sollte und so wechselte sie die Straßenseite, in der Hoffnung, dass sie sich tĂ€uschte und die Person ihr gar nicht folgte und auf der anderen Straßenseite weiterlaufen wĂŒrde. Sie ging vorbei an den vielen Schaufenstern, dieses Mal, ohne stehen zu bleiben um die vielen tollen Dinge, die es da zu sehen gab, zu betrachten. Sie machte sich Gedank! en. “Was soll das?”, dachte sie sich und versuchte, noch schneller zu laufen. Ihr Atem beschleunigte sich, ihr Herz raste. Sie bog in eine kleine Seitenstraße ein und begann zu rennen. Ihre AbsĂ€tze schlugen hart gegen den zementierten Gehsteig. Sie spĂŒrte ein erstickendes GefĂŒhl in der Brust und lief noch schneller, trotz der stechenden Schmerzen in der linken Seite, als triebe sie der Teufel persönlich voran. Immer weiter, vorbei an einer Sackgasse, wo der LĂ€rm ihrer FĂŒĂŸe irgendetwas Kleines, Lebendiges aufschreckte. Sie fragte sich immer noch, was diese Person von ihr wollen und wie sie sie abschĂŒtteln könnte. Florence war nun in der Rue Blanche angekommen. Taumelnd rang sie nach Luft, blieb stehen und blickte hinter sich, konnte jedoch niemanden sehen. Sich fragend, welcher Weg wohl der kĂŒrzeste war, beschloss sie, nach links zu gehen. Dies war nicht mehr ihr Heimweg Hier war sie noch nie gewesen, aber sie wusste, dass sie auf dem richtigen Weg sein musste, da das GelĂ€nde bereits anzusteigen begann und ihr Ziel der Butte Montmartre, der einzige HĂŒgel in Paris, war. Und so lief sie weiter.
Die Straßenlaternen spiegelten sich in den Fenstern der leblosen Bauten und tauchten den Weg in ein sanftes Licht, das drohte, von der Finsternis verschlungen zu werden. Es war kein Mensch zu sehen und die meisten RolllĂ€den waren heruntergelassen, alle schienen schon zu schlafen. Florence blickte auf ihre Armbanduhr - es war kurz nach drei Uhr morgens. Erneut hielt sie inne und lauschte. Die Schritte waren verschwunden, niemand schien ihr mehr zu folgen. Langsam drehte sie sich um, um sich zu vergewissern, dass sie tatsĂ€chlich alleine war. Es war niemand zu sehen, nur eine streunende Katze huschte ĂŒber die Straße, blieb kurz stehen und blickte zu Florence herĂŒber. Dann verschwand diese genauso schnell wie sie aufgetaucht war. Florence atmete tief ein, sie musste tief Luft holen, war völlig aus der Puste, ihr Brustkorb schmerzte. Alles um sie herum war still, nur in der Ferne hörte sie die GerĂ€usche der Autos. Ab und zu hupte jemand, dann war da nur noch ein monotones Brummen zu vernehmen. Sie beschloss, weiterzugehen und den Weg zum Place Pigalle zu suchen. Von dort aus wĂŒrde es nicht mehr weit sein und sie wĂ€re fast zu Hause. Sie lief, nicht mehr ganz so schnell wie vorhin, aber mit bestimmten Schritt, immer geradeaus. Vor sich erblickte sie das MusĂ©e de la Vie Romantique und wusste nun, wo sie sich befand. Schnell vergewisserte sie sich ein letztes Mal, ob ihr auch tatsĂ€chlich niemand folgte und bog dann in die Boulevard de Clichy. Noch gut eineinhalb Kilometer, dann wĂ€re sie endlich daheim. Sie freute sich schon auf ihr gemĂŒtliches Bett, denn sie war nun wirklich mĂŒde. So lief sie nördlich, mit dem RĂŒcken zum Moulin Rouge, und erreichte nach kurzer Zeit die Boulevard de Rochechouart. Nach ungefĂ€hr 200 Metern bog sie in eine kleine Gasse ein. Sie kannte die Gegend und wusste, dass dies ein AbkĂŒrzung war.
Erneut dachte sie an die Schritte von vorhin und ihr war wieder ein wenig mulmig zumute. Letztendlich tat sie es jedoch als Spinnerei ab. Sie glaubte, dass ihr Verstand ihr einen Streich gespielt hatte und beschloss, das alles zu vergessen. Ihr Weg fĂŒhrte sie durch unzĂ€hlige kleinere Gassen, deren Dunkelheit so bedrohlich wirkte, dass es den Anschein machte, als wollten sie alles Lebendige verschlingen. Schließlich kam sie auf dem Place du Tertre an. Von dort aus konnte man SacrĂ© CƓ ur sehen, eine Kirche, die sie wie die meisten Pariser einfach nur hĂ€sslich fand. Unweit von dort lag ihr Appartement. Sie verharrte kurz und schaute sich um. Wie leer es nachts hier doch war, wo sich sonst tagsĂŒber an diesem Platz so viele KĂŒnstler und Touristen tummelten. Florence lauschte einen Moment lang den GerĂ€uschen einer milden Sommernacht. Ein kĂŒhler Wind blies ihr durch die Haare und eine StrĂ€hne kitzelte sie an der Nase. Sie öffnete das Haarband und ordnete ihre Locken, dann lauschte sie weiter. Der Geruch von Regen lag immer noch in der Luft und einige Wolken schoben sich durch den Vollmond, als wollten sie die Nacht in gĂ€nzliche Dunkelheit hĂŒllen. Sie griff in ihre Tasche und suchte nach den Zigaretten, fand sie jedoch nicht. Zuerst dachte sie, dass es an der Unordnung in ihrer Tasche liegen mĂŒsste, doch auch nach lĂ€ngerem Suchen konnte sie die Schachtel nicht entdecken. Sie musste sie vorhin in ihrer Eile verloren haben. Oder hatte sie sie etwa in der Diskothek liegen lassen? Sie konnte sich nicht mehr erinnern und fluchte einen Augenblick lang innerlich ĂŒber ihre Zerstreutheit. Eine in der Ferne schlagende Kirchturmuhr riss sie aus ihren Gedanken. Es musste vier Uhr sein. Nun war es wirklich Zeit, schlafen zu gehen.
Plötzlich, gerade als sich Florence auf den Weg machen wollte, hörte sie einen Laut. Noch bevor sie sich umdrehen konnte, um zu schauen, woher das GerĂ€usch kam, wurde sie von hinten gepackt. Sie versuchte zu schreien, doch jemand presste ihr die Hand auf den Mund und erstickte ihren Schrei zu einem klĂ€glichen Wimmern. Man zog sie in eine der Seitengassen. Ihre Tasche fiel zu Boden. Verzweifelt versuchte Florence, den Angreifer zu treten und zu beißen, sie irgendwie zu wehren, aber es gelang ihr nicht. Die Person war viel stĂ€rker als sie. Als man sie hinter einige MĂŒllcontainer zog und zu Boden drĂŒckte, konnte sie erkennen, dass es sich um einen Mann um die vierzig handelte. Er hatte schwarzes Haar und seine dunklen Augen funkelten sie giftig an. Er murmelte etwas, das Florence in ihrer Angst nicht verstehen konnte. Jedoch wusste sie, dass er ihr drohte. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf, sie wusste nicht, wie ihr geschah und was sie hĂ€tte tun können, um sich aus den FĂ€ngen dieses Monsters zu lösen. Ihre Handgelenke schmerzten. Es schien keinen Ausweg zu geben, denn der Mann hielt sie mit aller Kraft fest. „Der will nicht mein Geld, der will etwas ganz anderes“, schoss es Florence durch den Kopf. Erneut versuchte sie sich zu wehren, er schlug ihr jedoch ins Gesicht. Ihr war klar, dass sie nicht entkommen konnte, dass sie keine Chance hatte, doch sie wollte nicht aufgeben. Sie strampelte mit voller Kraft, die sie im Augenblick der Verzweiflung aufbringen konnte, wand sich, versuchte, sich mit aller Gewalt zu wehren, aber das schien den Mann nicht zu stören. Stattdessen drĂŒckte dieser sie mit seinem vollen Gewicht noch stĂ€rker zu Boden und presste sich an sie. Kurz nahm er seine Hand von ihrem Mund und Florence wollte fragen, was er vorhabe, doch sie tat es nicht, in der Angst, die Antwort bereits zu kennen. Sie schloss ihre Augen und TrĂ€nen begannen zu laufen, als sie glaubte, ein GerĂ€usch zu hören. Sie fasste Hoffnung. Vielleicht wĂŒrde hier jemand vorbeikommen und ihr zu Hilfe eilen, doch nicht! s passie rte, sie war ganz alleine in dieser dunklen Nacht. Der Mann griff ihr unter den Rock und zog an ihrem Slip - Florence schrie innerlich, doch ihre stummen Schreie verhallten in der dunklen Nacht irgendwo in Paris, ohne dass sie jemand hören konnte.
Gebeutelt von den Schmerzen und ĂŒbermannt von einer Hilflosigkeit, die sie zuvor noch nie erlebt hatte, gab sie auf und ließ es geschehen. Die Verzweiflung und die Schmerzen lĂ€hmten sie, ließen sie in eine Besinnungslosigkeit fallen, fraßen sie auf. Sie starb tausend Tode, als ihr Peiniger sie immer und immer wieder erniedrigte. Irgendwann, ihr war nicht bewusst, wie lange sie leiden musste, ließ er endlich von ihr ab und verschwand in der Finsternis. Voller Verzweiflung blieb Florence liegen und die Welt drehte sich einen Moment lang ohne sie. Sie wollte weinen, doch es gelang ihr nicht, schreien, aber sie hatte keine Gewalt ĂŒber ihre StimmbĂ€nder, ĂŒber ihren Körper, der kurz zuvor so brutal und rĂŒcksichtslos benutzt wurde. In ihr herrschte eine gĂ€hnende Leere, sie fĂŒhlte sich unbedeutend und wertlos. So saß sie zusammengekauert da, regungslos und ganz klein, wie ein Nichts, wie jemand, der nicht existierte. Es begann zu regnen.
Die Kirchturmuhr schlug sechs mal und Tag und Nacht balgten miteinander, um zu verschmelzen, bis schließlich einer doch die Oberhand gewinnt.
Florence versuchte endlich, aufzustehen und den Platz des Grauens zu verlassen. Doch sie konnte sich nicht bewegen, spĂŒrte nichts als unendlichen Schmerz und blieb allein in der DĂ€mmerung auf der Straße zurĂŒck.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.06.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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