Frank Hornburg

Ein merkwürdiger Gast

Es war eine verregnete Nacht. Der Donner grollte und die Blitze zuckten. Allan Prantis hatte es sich gerade in seinem Sessel mit einem Buch gemütlich gemacht, als es an der Tür klopfte. Widerwillig seufzend stand er auf, um dem störenden Gast zu öffnen. Draußen stand, durchnässt und frierend, ein alter Freund von Allan. Die schlechte Laune des Hausherren wandelte sich schnell in erfreutes Lächeln und er bat den Gast herein. Der machte es sich am Kamin gemütlich und bedankte sich, nachdem er den nassen Mantel abgelegt hatte. Allan holte zwei Gläser und seinen besten Wein.

 

„Es ist schön, dich nach so langer Zeit wieder zusehen Arthur.“, sagte er erfreut.

 

Der Gast nickte stumm und setzte sich an den Tisch zu Allan, der die Gläser füllte.

 

„Was führt dich zu mir mein Freund?“, wollte Allan wissen.

 

„Ich war zufällig in der Gegend und dachte, ich besuche dich mal.“, erklärte Arthur.

 

Die beiden Männer stießen auf ihr Wiedersehen an und leerten die Gläser mit einem Schluck. Dann holte Allan etwas zu essen aus der Küche und die beiden ließen es sich schmecken. Nach dem Essen setzten sie sich jeder in einen der Sessel. Allan hatte die Gläser erneut voll gegossen. Sie redeten über vergangene Zeiten, als sie noch zusammen zur Schule gegangen waren. Letztendlich kamen sie auch auf das Thema ihrer Gegenwart, bei dem Arthur mit einem Male sehr blass wurde. Auf die Frage, was ihn bedrücke, erzählte er:

 

„Die Firma hat vorgestern pleite gemacht und meine Frau verließ mich deswegen gestern Morgen.“.

 

„Du hattest eine eigene Firma?“, fragte Allan verblüfft. „Davon wusste ich ja nichts.“.

 

„Kurz nach der Schule gründete ich die Spicer Importwerke.“, erklärte Arthur.

 

Allan versicherte seinem Freund sein tiefes Mitgefühl, woraufhin Arthur einen kräftigen Schluck aus seinem Glas nahm. Nachdem sie noch drei Partien Schach gespielt und einige Erinnerungen Revue passieren gelassen haben, sagte Arthur, er wolle nun ins Bett gehen. Er sei sehr müde und müsse früh aufbrechen. Allan ging mit ihm, damit er sein Zimmer fand. Die beiden Freunde sagten sich gute Nacht und verschwanden in ihre Betten.

 

Am nächsten Morgen klopfte Allan sehr zeitig an Arthurs Zimmertür, denn der Freund wollte ja sehr früh aufbrechen. Als er jedoch eintrat, fand er das Zimmer leer vor. Es sah aus, als hätte niemals jemand darin geschlafen. Das Bett war unberührt und im am Abend entzündete Kamin fanden sich keine Spuren eines Feuers. Eine Stunde später saß Allan voller Fragen am Frühstückstisch und sah seine Post durch. Plötzlich klopfte es und Allan öffnete. Ein Freund aus dem Klub stand vor der Tür, den Allan zum Frühstück einlud. Der Gast erzählte ihm, dass Arthur Spicer vorgestern Morgen Selbstmord begannen hatte, nachdem seine Firma Pleite ging und seine Frau ihn verlassen hatte.

 

„Das kann nicht sein Jack.“, sagte Allan fassungslos. „Er war heute Nacht mein Gast.“.

 

„Also seine Exfrau erzählte mir vorgestern, er hätte Selbstmord verübt.“, sagte Jack hartnäckig. „Ich selbst habe die Leiche gesehen und den Bestatter verständigt. Morgen ist die Beerdigung.“.

 

Allan grübelte noch viele Tage darüber nach, warum der Geist seines alten Freundes ihn besucht hatte.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.06.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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