Hermann Josef Vollmer

Ich liebe Dich für immer

„Du Schuft!“ verfluchte sie ihn, als er das Gespräch beendet hatte und wütend knallte sie den Hörer hin:
"Ich hätte Dich nie heiraten sollen!" enttäuscht liefen Tränen über ihre Wangen. Seit Wochen kam ihr Mann unregelmäßig von der Arbeit, was sie von ihm nicht kannte. Er hat eine Geliebte, da war sie sich sicher. Sie sind heute zwanzig Jahre verheiratet und er hat den Hochzeitstag vergessen. Nein, er liebt mich nicht mehr, wie hätte er sonst "diesen" Tag vergessen können.
„Das werde ich Ihm heim zahlen“, fluchte sie vor sich hin. "Das werde ich ihm nie verzeihen. Wie kannst er mir das antun?"
Mit verweinten Augen ging sie zurück zum Telefon, suchte den Hörer, der heruntergefallen war und  wählte eine Nummer.
„Siebert“, meldet sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung.
„Ich bin es, Deine Schwester!“ sagte sie mit verweinter Stimme.
„Was ist geschehen!“ fragte er und als er sie weinend hörte und keine Antwort bekam, wurde seine Stimme besorgter:
„Moni, sag´ mir was passiert ist!“  
„Dieter... kommt heute Abend... erst später... nach Hause“, brachte sie nur stockend und mit Mühe und Not heraus.  Dann herrschte Stille, nur ihr erschütterndes Schluchzen war zu vernehmen.
„Und das an euerem Hochzeitstag“, erwiderte er mit bedauern.
„Sie Du! Du denkst an den Tag! Und Er...“, jammerte sie.
„Er wird es in seinem Stress vergessen haben“, versuchte er sie zu trösten.
„Meinst Du, Wolfgang?“ fragt sie fast erleichtert.
„Aber sicher, Schwesterherz!“ sagte er überzeugend. „Aber Du bleibst heute Abend nicht zu Hause. Ich hole Dich und Pascal ab und wir feiern „Deinen“ Hochzeitstag. Wenn es sein muss, auch ohne Bräutigam!“
„Ich habe aber keine Lust“, meinte sie.
„Nichts da! Ich komme! Ich lass Dich mit Deinem Sohn nicht alleine zu Hause sitzen. Bis gleich!“ und er legte auf.
 
Gleichgültig holte sie ihre Kleidung aus dem Schrank und ging unter die Dusche, denn jeden Moment musste ihr Sohn kommen. Gut, dass der Junge heute so lange Schule hatte. Er ist genau so sensibel veranlagt wie sie und er soll unter keinen Umständen etwas bemerken. Nur mit dem Frottehandtuch „bekleidet“ schaute sie kurz in den Spiegel, schüttelte den Kopf und sagte zu sich:
„Du siehe ja schrecklich aus!“, setzte sich und begann sich zu schminken.
 
Als sie sich angekleidet hatte und nach unten ins Wohnzimmer gehen wollte, öffnete sich die Haustür und sie hatte die Hoffnung, dass ihr Mann doch früher zurück gekommen ist.
"Hallo, Mama!“ rief ihr Sohn, warf seinen Tornister in die Ecke und „erbeutete“ sich im Kühlschrank einen Joghurt.
„Hast Du Schularbeiten auf?“ fragte sie ihn.
„Nur Mathe! Die kann ich aber Morgen machen“, erklärte er ihr mit vollem Mund.
"Gehe Dich bitte duschen! Onkel Wolfgang kommt uns nachher abholen."
"Oh, Cool! Dann gehen wir doch feiern!“ freute er sich.
„Wieso feiern?“ fragte sie erstaunt.
„Meinst Du, ich wüsste nicht Bescheid!“ rief er, rannte auf sie zu, umarmte und küsste sie:
„Herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag!“
“Du hast daran gedacht?“
„Aber, Mama! Das ist euer zwanzigster! Das ist Super Cool! Andere Ehepaare sind schon seit Jahren wieder geschieden. Aber Ihr...“ Er unterbrach, stürzte auf seine Mutter zu, die sich an der Essecke abstützte.
„Mama, was ist mit Dir?“ fragte er ängstlich.
Sie drückte ihn an sich, küsste Ihn und hatte sich sofort wieder in der Gewalt:
„Es ist nichts!“ antwortete sie ihm kurz. „Ich freue mich, dass Du an den heutigen Tag gedacht hast.“
„Aber Mama! Wie könnte ich eueren Hochzeitstag vergessen!“
„Du nicht, meine Sohn! Du nicht! Aber...“, sie unterbrach den Satz, den sie wollte nicht
schlecht über ihren Mann reden und erst recht nicht vor ihrem Sohn, den sie wusste,
er liebt beide Eltern.
 
Eine Stunde später fuhren sie los, zu einem ihr unbekannten Ziel.
 
Wolfgang hielt an und grinste:
"Wir sind da!  Bitte aussteigen!"
"Du machst wohl Witze, lieber Bruder! Hier nicht!“ sagte sie boshaft. Er lächelte sie mysteriös an, nahm ihre Hand und zog sie aus dem Auto.
"Wenn Du vor zwanzig Jahren hier gefeiert hast, dann kannst Du auch heute hier feiern“,
meinte er sanft, so dass sie ihn nur erstaunt ansah. Er legte behutsam den Arm um ihre Schultern und führte sie in das Restaurant, das von Gästen gefüllt war. Es war muckmäuschenstill als sie den Gastraum durchschritten und auf die große, geschlossene Saaltür zu liefen. Plötzlich blieb Monika wie angewurzelt stehen:
„Bitte Wolfgang! Bitte nicht da hinein!“
Doch die Tür öffnete sich! Hellererleuchtet und prachtvoll lag der Saal vor ihr; hufeisenförmig standen die Tische, gedeckt mit langen weißen Decken, feinsten Porzellan, gefüllten Wein- und Sektgläsern und einigen Leuchtern mit brennenden Kerzen. An der Tafeln saßen die engsten Verwandten und mitten im Raum stand ihr Mann, festlichgekleidet im schwarzen Anzug und mit einem Bund roter Rosen.
"Dieter....", Monika war sprachlos.
"Alles Gute zum zwanzigsten Hochzeitstag", flüsterte er ihr ins Ohr.
"Danke! Dass wünsche ich Dir auch!“ und sie lächelte Ihn überglücklich an. „Und ich hab gedacht, dass Du ihn vergessen hättest.“
Er nahm sie in den Arm, sie küssten sich herzhaft und er gab ihr den Strauß Rosen.
„Für jedes Ehejahr eine“, fügte er hinzu.
Ein Applaus hallte durch den Saal.
"Ich liebe Dich für immer!“ meinte sie.
„Ich liebe Dich auch!“
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.06.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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