Peter Maurer

Glücklich sein/Peter Maurer

Viele Menschen heute sind unglücklich. Man sagt doch:
"Glück kann man sich erkaufen." Zu einem Teil stimmt
das sogar. Es ist ein Unterschied, ob jemand am Rande
des so genannten Existenzminimums leben muss oder
sich alles kaufen kann. Alles? Für mich bedeutet
glücklich sein, wenn ich meinen Körper und meinen
Geist fühle. Dieses Gefühl kann man sich für kein Geld
der Welt erkaufen; man muss es sich selbst
erarbeiten. Glücklich sein: Das kann für viele etwas
anderes bedeuten. Die einen haben ihrem Körper den
Kampf angesagt, sie wollen abnehmen, sei es aus
gesundheitlichen oder ethischen Gründen. Andere
suchen ihr Glück vielleicht noch. Es gibt unzählige
Gründe, nicht glücklich zu sein: Mobbing am Arbeitsplatz,
der Ärger zu Hause mit der eigenen Familie, Alkohol o. Ä.

Ich kann dir diese Probleme nicht abnehmen, aber ich
kann dir zeigen, dass man mit kleinen Veränderungen

in seinem Leben das Glücklichsein besser erleben kann.
Es gibt Leute, die suchen ihr Glück zum Beispiel beim
Schönheitschirurgen. "Herr Doktor, bitte hier auch noch
ein wenig wegschnipseln", kann es lauten. Es gibt schon
Implantate für Männer, so genannte Brustimplantate, damit
man eine beeindruckende Brust vorzeigen kann. Versteh
mich nicht falsch: Ich habe nichts dagegen, wenn
sich jemand einer Schönheitsoperation unterzieht. Vielleicht
mache ich das mit 50 Jahren auch, dann geht es aber
nur um meine Gesichtsfalten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn wir lachen, hat das ebenfalls positive Auswirkungen
auf unser Glück. Wenn du lachst, ist das ein
ausgezeichnetes Gesichtstraining, denn dabei werden sehr viele
Gesichtsmuskeln aktiviert. Auch ein schadenfrohes
Lachen ist gesund, denn es verwandelt
sich nach kurzer Zeit in ein echtes Lachen. Es gibt
so genannte
Lachtherapien, die man besuchen kann. Ich will damit sagen,

dass du heute wegen jedes Problems
eine Therapie oder einen Kurs besuchen kannst. Um
glücklich zu sein, braucht man keinen Psychologen. Ich
lache täglich sehr viel . Manchmal sieht es so aus, als
würde ich eine Person auslachen. Wenn diejenige Person
das so empfindet, ist das jedoch nicht mein Problem.
Oder? Heute ist es in der Regel so, dass man mit einer
"weiß ich Gott einer Gesichtsmiene" herumlaufen sollte.
Ich denke auf jeden Fall so. Früher habe ich auch viel
weniger gelacht. Was hat es gebracht? Nichts. Man
sollte über sich selbst lachen können. Das habe ich gelernt.
Ich nehme mich selbst nicht so ernst (es gibt Ausnahmen).


Ich versuche, es täglich so zu machen. Das
Leben ist ernst genug. Wir lachen heute weniger als
noch vor 20 Jahren. Kinder sind das beste Beispiel, wie
man es tun sollte. Ein Kind lacht durchschnittlich 400-mal
am Tag, ein Erwachsener gerade 15-mal. Dem muss
man wohl nichts mehr hinzufügen. Glücklich heisst doch auch,
dass man in diesem Moment, wo man sich gerade
befindet, achtsam ist. Das heißt, man sollte den Augen-
blick genießen, jetzt heute dieser Tag, diese Stunde.
Auch für mich ist es manchmal sehr schwer, dies durchzuführen.
Wir haben von Kindheit an gelernt, uns Ziele zu setzen, auf
Jahre vorauszuplanen. Im Grunde genommen ist das
falsch. Aber bei unserem Wohlstand, Perfektionismus
und unseren Qualitätsansprüchen können wir gar nicht so
denken. Wir denken anders: "Wenn wir sitzen, dann stehen
wir schon, wenn wir laufen, dann sind wir schon am Ziel."
Man kann das noch weiter ausschmücken. Wenn wir essen,
dann sind wir schon fertig. Ist es nicht so? Es sollte
so sein: "Wenn wir sitzen, dann sitzen wir, wenn wir stehen,
dann stehen wir, wenn wir laufen, dann laufen wir
und wenn wir essen, dann essen wir eben!" Du sagst ja
auch nicht: "Wenn ich liebe, dann bin ich schon fertig."


Glücklich sein bedeutet für mich auch, dass ich mein Leben
selbst bestimmen kann. Ich war schon mit 22Jahren
selbstständig. Natürlich wusste ich damals noch nicht,
was es heißt, eine eigene Firma erfolgreich zu leiten.
Da entstehen viele Probleme, die man als Angestellter
gar nicht mitbekommt. Das kann frustrierend sein.


Man muss vieles neu lernen von A wie Auftrag einholen
bis Z wie Zahlung. Ich konnte mich noch nie anpassen,
das heißt zum Beispiel Befehle entgegennehmen, täglich
den gleichen Rhythmus haben, eingesperrt in einem
Büro oder Laden, keine Redefreiheit. Das gilt für mich,
andere können da anders empfinden. Wenn du dich bei
deiner Arbeit nicht wohl fühlst, dann kannst du sehr
wahrscheinlich nicht glücklich sein. "Endlich Feierabend" –
so oder ähnlich kann es tönen. Dann solltest du dich
fragen: Was kann ich ändern? Gibt es eine Möglichkeit,
den Arbeitsplatz zu wechseln oder sogar selbstständig
zu werden? Leider sieht die Realität völlig anders
aus. Viele Menschen beugen sich,
ruhig bleiben, keine Widerrede geben. Die Angst, den
Arbeitsplatz zu verlieren, ist zu groß. Das kann einen
auffressen, Selbstzweifel tauchen auf. Die Selbstachtung
kann in den Keller fallen. Da sind wir bei einem ganz


wichtigen Wort angekommen: Selbstachtung. Ich habe in
meinem Leben viel falsch gemacht. Was ich
aber bei meinen früheren Eskapaden nie verloren habe,
das ist die Selbstachtung. Wenn man die eigene
Selbstachtung, also sich selbst achten, ehren verliert,
dann ist man am Leben, innerlich aber tot. Man verliert
dann das eigene ICH. Wie meine ich das? Selbstachtung
fängt am Morgen an, wenn man aufgestanden
ist. Der Körper erwacht, die Atmung wird schneller, der
Blutdruck steigt, unser Körper ist one by (eingeschaltet).


Man geht zuerst in der Regel ins Badezimmer, macht
sich ein wenig frisch, während eventuell schon der Kaffee
durch die Kaffeemaschine läuft. Ich schaue in den
Spiegel. Ich sehe mein Gesicht, es ist noch nicht ganz
wach, aber ich lächle,
rede manchmal mit mir selbst, mache mir Mut.
Selbstachtung heißt für mich den eigenen Körper
zu pflegen. Das habe ich schon früh begriffen.
Ich konnte noch so tief unten sein, aber die äußere Erscheinung,
das Auftreten, der Glaube an sich selbst, dass
man aus diesem Loch herauskommt, das war und ist
wichtig, damit man die eigene Selbstachtung nicht verliert.


Selbstachtung ist auch Selbstsicherheit. Wenn man
unsicher ist, dann ist man nicht sehr überzeugt von sich.
Ich meine nicht überheblich oder arrogant. Man sollte mit
einer gewissen Demut auftreten. Die Erscheinung eines
Menschen ist entscheidend beim ersten Kontakt, den
man hat. Das kann beim Verkaufen eines Produktes
sein oder bei einer Mann/Frau-Annäherung, um sich kennen
zu lernen. Ob man sympathisch erscheint, entscheidet sich in
den ersten 20 Sekunden – entweder kommt man gut oder
schlecht rüber. Man kann viel tun, um die Sympathie eines
Mitmenschen zu gewinnen. Das macht auch glücklich.


Man sollte sich aber zuerst selbst analysieren und
eventuelle Mängel, die man an sich wahrnimmt, beheben.
Wenn man eine gewisse Ausstrahlung verbreitet,
zum Beispiel. Jemand betretet ein Restaurant. Plötzlich
schauen fast alle Gäste auf den hereinkommenden Gast,
das ist die Anziehungskraft des Betreffenden, die
diese Situation ausmacht. Das Gehen, die Körperhaltung,
ein sicheres Auftreten und natürlich ein gepflegtes
Äußeres – das alles ist entscheidend, wie man bei
anderen Menschen ankommt.


Auch die Partnerschaft zweier Menschen – sei es ein
Ehe- oder ein Liebespaar – kann erfüllend sein. Da
wir im 21. Jahrhundert leben und toleranter geworden
sind, meine ich hier mit Partnerschaften natürlich auch
bisexuelle Paare. Es existieren immer noch viele
Vorurteile, die Kirche ist da nicht unschuldig, was
bisexuelle Paare betrifft. Es gibt doch immer noch
Personen, die meinen oder fest der Überzeugung sind,
eine Frau/Frau- oder Mann/Mann-Beziehung sei


abnormal. Sie seien eben anders. Wie anders? Anders
ist nur das Sexualverhalten, sonst nichts. In jedem von
uns stecken im Innersten ein weiblicher und einen
männlichenTeil. Nicht nur Frauen haben Östrogene
(Hormone), auch die Männer produzieren, zwar nur in
geringen Mengen, weibliche Östrogene. Umgekehrt
produzieren die Frauen auch Testosterone (Hormone)
wiederum auch nur in kleinen Mengen, aber es wird produziert.

Glücklich sein heißt auch, dass man jede Person
so akzeptiert, wie sie oder er ist. Das kann manchmal schwierig
sein. Es gibt Leute, die sind einem unsympathisch. Ist
dir das nicht auch schon so ergangen? Mir jedenfalls
schon. Früher hatte ich mehr Probleme. Wenn ich zum
Beispiel auf ein öffentliches Amt gehen musste, also
zu Behörden, sei es nur, um eine Formalität zu erledigen,
wurde ich vorher schon nervös. In mir baute sich
schon eine gewisse Agressivität auf. Warum? Die
Vorurteile, die man gegenüber Behörden, Uniformierten
hat, sind daran schuld, dass viele schon vorher eine gewisse Antipathie


verspüren. Natürlich tragen die soeben Genannten
auch einen Teil dazu bei, sei es, weil sie selbst
Probleme haben und sie dann bei anderen kompensieren
oder einfach ausgedrückt, es mangelt einem an
Selbstbewusstsein. Das macht nicht glücklich. Darum
habe ich mir schon vor vielen Jahren ein Rezept ausgedacht,
wie ich diese Manie loswerden kann. Das geht so:
"Jede Person wird nackt geboren, ohne alles, und jede
Person geht irgend einmal wieder nackt, ohne alles und
wird zu Staub. Eine Person kann reich oder arm sein.
Der Reiche fährt einen Bentley, der Arme einen VW. Der
Reiche trägt teuren Schmuck, hat die teuersten Klamotten
an, der Arme hat gerade mal einen einfachen Ring
am Ringfinger und kauft seine Kleider bei C&A ein. Der
Uniformierte, nehmen wir einen Polizisten, die Frau Doktorin,


der Fabrikant, die berühmte Sängerin haben alle
eines gemeinsam: Sie alle müssen aufs stille Örtchen."
Was will ich damit sagen? Der Mensch umgibt sich
mit einer Hülle. Diese Hülle kann auf viele Menschen einen
gewissen Eindruck hinterlassen. Seien es die Kleider,
der Schmuck, das Ansehen, der Titel, die Stellung,
die jemand hat, o. Ä. All das sind für mich persönlich
nur Hüllen. Hinter dieser Hülle sind alle gleich. Man sollte
schon jedem einen gewissen Respekt entgegenbringen,
aber nicht so, wie es in der Praxis zum großen
Teil gehandhabt wird. Für mich sind heute alle Menschen
gleichwertig, ob ein König oder ein Bettler. Das macht
mich glücklich.



Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Peter Maurer).
Der Beitrag wurde von Peter Maurer auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.07.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Todes-Mais von Torsten Jäger



Zwei Kommissare ermitteln, da der Leiter eines Genmais-Versuchsfeldes tot aufgefunden wird – übersät von Bienenstichen. Zunächst erscheint es wie ein Unfall. Sehr bald wird klar, dass es sich um keinen Unfall handeln kann. Doch auch ein Mord erscheint unerklärlich. Wie sollte man schließlich auch einen Bienenschwarm dazu bringen, einen Menschen zu attackieren? Die Kommissare verschaffen sich einen Überblick über die Lebensweise der Bienen und ermitteln in alle Richtung. Einerseits gibt es da eine Bürgerinitiative, die gegen den Genmais wettert. Andererseits existiert der Bruder des Opfers, der in Brasilien ausgerechnet Flora und Fauna erforscht und über ein nötiges biologisches Hintergrundwissen für die Tat verfügen könnte. Und nicht zuletzt gibt es auch noch die Imker in Bodenheim und Umgebung, die nur schwer Honig mit genverändertem Pollen verkaufen können.

Einer der Kommissare – Kelchbrunner – hadert zudem mit dem Schicksal und wirkt in dem Fall sehr subjektiv. Alles scheint sehr verworren.
Erst als ein zweiter Mensch sterben muss, erkennen die Kommissare, worum es in dem Fall wirklich geht.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Zwischenmenschliches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Peter Maurer

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der Südwestwind der Copacabana von Peter Maurer (Romane)
... und ist vermutlich bewaffnet von Ingo A. Granderath (Zwischenmenschliches)
Blümchen und Bienen von Fritz Lenders (Weisheiten)