Conny Kirsten
last woman standing II
Ihr Arm brannte immer noch und die Situation hatte sich nicht verbessert, im Gegenteil: Aus den Augenwinkeln sah sie eine Gestalt in schwarzer Kleidung von rechts hinten zu ihr herüberrobben. Sie versuchte, ihre kleine Mauser aus dem Halfter am Bein zu ziehen, aber ihr Arm spielte einfach nicht mit. Fuck! Es musste doch irgendwie gehen.
Sie biss wütend die Zähne zusammen und beschloss, erstmal eine Salve ihrer Pump hinter das zerbrochene Schaufenster abzugeben. Sie hörte lautes Schreien und musste trotz Schmerzen grinsen.
It´s Showtime! Schnell ließ sie sich auf den Rücken fallen und richtete die Pump auf die Gestalt über ihr. Sie blickte in das gutmütige Gesicht ihres blöden Exmannes.
Er schaute kopfschüttelnd auf sie herab, Besorgnis in seinen Augen. Sie seufzte genervt und schlug leicht mit dem Kolben der Pump gegen seinen Knöchel. Runter!
Schließlich ballerten die Russen erstmal auf alles, was sich bewegte und fragten nachher, warum und wieso.
Er kniete sich neben sie und wollte ihren Arm untersuchen, sie fauchte und bedeutete, ihr die Mauser zu geben. Jetzt lachte er das erste Mal und zog eine Automatik aus seiner Jacke. Sie staunte und lachte dann ebenfalls. Was für ein prima Nigga. Für einen Weißen gar nicht mal so übel. Bis auf den Sex. Sie verzog das Gesicht leicht säuerlich, denn sie hatte schon lange keinen Hautkontakt mit irgendeinem Kerl gehabt. Dafür war später vielleicht noch Zeit.
Das ausgebrannte Auto roch nach verkohltem Gummi und sie merkte, wie sehr das Adrenalin in ihrem Kreislauf pochte.
Dabei hatte der Tag doch so gut angefangen. Eigentlich sollte sie auf jetzt auf dem Weg zum Airport sein, einiges an Kohle in ihrer Tasche und zumindestens einen Becher Kaffee mit viel Milch und Zucker im Magen. Schwarzer Kaffee war nur für alle anderen Bitches. Pah!
Und sie lag hier in diesem stinkenden Müllhaufen mit einem Loch im Arm und eine Menge lethaler Wut im Bauch.
Ihr Ex fasste sie beruhigend an ihrer unverletzten Schulter, fasst hätte sie ihm den Ellenbogen in die Seite gerammt, aber wenn sie ehrlich war, es war einer der wenigen Tage, an denen sie froh war, dass er in ihrer Nähe war.
Er zeigte mit einem kurzen Kopfnicken auf ein schwarzes Auto am anderen Ende der Straße, an dem ein riesiger Schwarzer lehnte, im Mundwinkel einen Zigarillo und in einer Hand einen BigMac, wie ihr rebellierender Magen sofort erkannte. Sie grinste, der Tag würde doch nicht so schlecht enden. Vielleicht!
Sie gab einige Salven in den verrotteten Shop und machte, dass sie zu dem schwarzen Gti kam. Geduckt schlich sie die Straße hinunter. Schließlich konnte ihr Ex ihr ruhig mal den Rückweg sichern.
Sie wurde mit einem Augenaufschlag aus schönen schwarzen Augen begrüßt.
Gib bloß nich so an, Alter!
Sie grinste, als hinter ihr ein paar Schüsse fielen, die sie nicht einmal zum Umschauen bewegten.
Hi Honey, spielst du wieder mit bösen Jungs?
Nee, euch lasse ich lieber in Ruhe - bis nächstes Jahr!
Grinsend ließ sie sich umarmen, einer der wenigen Kerls, die das überlebten.
Mädel, Mädel, du brauchst deinen Arm noch, deine Reflexe waren schon mal besser.
Gutmütig biss sie ihm in die Lippe.
Mistkerl!
Ihr Ex traf bei ihnen ein und zusammen stiegen sie ins Auto. So langsam brauchte sie einen Doc, der Ärmel ihrer Jacke wurde dunkelrot, wie sie genervt feststellte.
Bones startete den Wagen, drehte am Player und die Musik von Beethoven klang aus den Lautsprechern.
Sie stöhnte laut. Kopfschmerzen brauchte sie nicht auch noch, aber was solls. Dies war freies Geleit zu einem netten Doc, einem Frenchise-Unternehmen und vielleicht einer Flasche Teq. Golden.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.07.2007.
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Die Autorin:
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Bücher unserer Autoren:
von Gerhild Decker
Die Autorin versteht es, mit Worten Stimmungsbilder zu malen und den Leser an der eigenen Begeisterung am Land zwischen Meer und Bodden teilhaben zu lassen. In ihren mit liebevoller Hand niedergeschriebenen Gedichten und Geschichten kommen auch Ahrenshooper Impressionen nicht zu kurz. Bereits nach wenigen Seiten glaubt man, den kühlen Seewind selbst wahrzunehmen, das Rauschen der Wellen zu hören, Salzkristalle auf der Zunge zu schmecken und den feuchten Sand unter den Füßen zu spüren. Visuell laden auch die Fotografien der Autorin zu einer Fantasiereise ein, wecken Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer oder lassen voller Wehmut an vergangene Urlaubstage zurückdenken.
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