Rainer Tiemann

Nacht am Meer

Wir wandern durch die laue Sommernacht. Kein Geräusch ist zu vernehmen, nur ab und zu knirscht der weiße Sand unter unseren nackten Füßen. Allein das weite Meer treibt sein sinnloses Spiel, gischtbedeckte Wellen lecken begierig an das heiße Ufer und küssen den dampfenden Sand, der unsere Schritte verschluckt.

Unhörbar umschmeichelt Landstreicher Wind, vom kühlenden Meer kommend, unsere dunklen Gestalten. Dein bunter Rock bläht sich leicht im kosenden Winde und zeigt mir, wie schön, wie jung du bist. Dein blondes Haar ist in ein mildes Licht getaucht, und das fahle Mondlicht verspricht mir, dass du noch viel schöner bist.

Wir schlendern barfuss durch den fahlen Mondenschimmer der lauen Sommernacht, begleitet nur vom raunenden Wind. Du bittest mich um meine Nähe, zärtlich lege ich den Arm um dich und halte dich fest, ganz fest. Wir wandern gemeinsam durch diese herrliche Nacht - und wandern uns müde, ach, so müde. Und dann blickst du dich suchend um, deinen schläfrigen Körper auszuruhen. Ich folge jede deiner grazilen Bewegungen mit meinen Augen, bis du dich endlich setzt. Du lädst mich zu dir ein, und ich komme gerne, fühle mich jedoch so allein.

Der gute Mond hoch oben einsam am dunklen Himmel wandert noch immer. Vielleicht möchte auch er ruhen und ... dann breiten sich dunkle Wolken vor ihm aus. In dieser Nacht soll ich erkennen.

Der Sturm setzt ein und heult wild. Er treibt ein tosendes Meer auf uns zu über den einsamen Strand, rasend verlangend und zwingt uns die unumstößlichen Gesetze der Natur auf.

RT 2006

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.07.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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