Kindermund
Dieses lustige Erlebnis liegt nun schon einige Jahre zurück, lässt uns alle aber immer wieder schmunzeln wenn wir an diesen Urlaub zurückdenken.
Wir hatten uns entschlossen zu Ostern eine kleine Reise in die Schweiz zu unternehmen und bei der Gelegenheit unsere dort wohnenden Freunde zu besuchen.
Telefonisch hatten wir schnell abgeklärt dass die Ferienwohnung für uns frei sein würde, und so wurden schnell die Koffer hervorgeholt und im Rekordtempo gepackt.
Oli, auch mit seinen knapp 3 Jahren immer schon recht reiselustig veranlagt, hatte natürlich sein kleines rotes Köfferchen vollgepackt mit allen Dingen die für ihn so unerhört wichtig schienen.
Da wir beschlossen hatten in den Abendstunden die Reise zu beginnen, waren wir dann auch schon am Ziel angekommen, als der kleine unbändige, energiegeladene Racker voller Tatendrang neugierig sein kleines Näschen an der Autoscheibe plattdrückte und sehen wollte, wer denn da schon auf unser Auto zugelaufen kam.
Mit großer Freude und Hallo wurden wir schon von der Familie mit fünf Kindern erwartet und gleich zu einer deftigen Brotzeit eingeladen.
Die Kinder liefen gleich alle zusammen in den Garten und hatten ihren Spaß an dem kleinen Kerlchen der den größeren Kindern gerne alles nachmachen wollte.
Er fragte denn auch schnell, ob der Osterhase denn auch hier Eier bringen würde wie bei uns zu Hause, und erkundete gleich die nähere Umgebung, wo denn wohl die besten Verstecke sein könnten. So wurden denn schon in den ersten Stunden schöne Pläne gschmiedet was man mit den Kindern und gemeinsam unternehmen könnte, wie das Wetter sich halten würde, und ob man das Glück haben würde hier unten im Tal am See den Frühling zu erleben, mit all der blühendn Pracht rundherum, und zu gleicher Zeit noch dazu die Möglichkeit nutzen zu können oben auf der Frutt, oder auf der Mörli-Alp noch genügend Schnee zum Skilaufen zu finden.
Die Kinder, deren Ohren während der Gespräche immer mehr zu wachsen schienen hätten voller Begeisterung gerne alles auf einmal gemacht, aber das wäre dann wohl ein rechtes Chaos geworden.
Da Christa noch zur Eröffnung der neuen Reithalle und zu ihrer Reitstunde in den Nachbarort wollte der doch einige Kilometer entfernt war, beschlossen wir sie mit dem Auto dort hinzufahren. Strahlender Sonnenschein machte allein die Fahrt nach Stans zu einem reinen Vergnügen - und schnell konnten wir die schöne neue Halle aus hellem Holz gebaut in einer traumhaften Umgebung von weitem erkennen.
Christa sagte dass sie nun in den Stall müsse um das Pferd aus der Box zu holen und zu satteln. Der neugierige kleine Mann wollte natürlich mit. Mit etwas hochachtungsvoller Miene bestaunte er die für ihn riesigen Tiere, die aber aus ihren sanft braunen Augen echt gutmütig auf den kleinen Knirps herabschauten und sich von seinem unaufhörlichen Geschnatter nicht aus der Ruhe bringen ließen.
Aufmerksam verfolgte er alles was Christa machte, und ließ sich alles haarklein erklären, warum denn nun gerade dies und dann das sein müsse. Christa, ein geduldiges, fröhliches Kind an den Umgang mit solchen kleinen Fragegeistern durch die Geschwister gewohnt, beantwortete jede Frage sehr bereitwillig und ernsthaft.
Irgendwann wurde dem Kleinen dann die Vor- Prozedur doch zuviel und er wollte, dass das Pferd nun endlich aus dem Stall nach draußen solle.
Der Wunsch konnte ihm nun auch gleich erfüllt werden; Christa packte das Pferd am Zügel und führte es sorgsam aus der Box über den funklenagelneuen gefliesten Boden, auf den Weg nach draußen.
Plötzlich verstummmte das bis dahin unaufhörlich fragende und staunende Plappermaul, blieb stehen, und starrte wie gebannt auf die sich rhythmisch fortbewegenden Hufe des Pferdes, die auf diesen Fliesen für ihn eine Melodie zu trommeln schienen.
Als sich nach einer Weile die für uns unverständliche Starre in seinem Gesichtchen zu lösen begann, und die kugelrunden vor Erstaunen aufgerissen Augen zu leuchten begannen, klatschte er begeistert in die Hände, strahlte uns alle an, rannte nach draußen und verkündete der großen Reitergemeinde die dort zum Fest versammelt war unerschrocken: Schau mal alle her, das Pferd hat Klottschen an. Mit einem Blick auf seine kleinen Füße wies er mit seinem winzigen kleinen Finger den Blick aller auf seine kleinen Füße und deutete stolz auf seine offenbar recht neuen, knallroten Klottschen und stahlte: Das Pferd hat Klottschen, genau wie ich.
Die versammlte, gutgelaunte Menschenschar brach in ein nicht enden wollendes Gelächer aus und hatte mit Klein-Oli seinen Spaß. Er schaute zwar ein wenig erstaunt, fühlte sich aber offenbar sehr wohl das man ihm so freundlich und immer lächelnd begegnete ob seiner großartigen Entdeckung. Auch bei der Heimkehr erzählte er der Familie und den anderen Kindern voller Begeisterung welche großartige Neuigkeit er dort im neuen Pferdestall herausgefunden hatte.
Ja, seit dem Tag hatte das Pferd für ihn Klottschen an - und wies immer wieder dabei auf seine eigenen. Seine einleuchtende Erklärung und wer kann ihm die widerlegen, war:
„ Ja, nur viel größer und viel, viel lauter.“ Kann man so einer herrlichen Erklärung noch etwas hinzufügen? Wohl kaum - so herrlich ist Kindermund.