Rainer Tiemann

Die Pendeltür

Während ich hier sitze, glühende Zigaretten rauche und kühles Bier trinke, denke ich an jene Zeit, als ich noch nicht allein, noch nicht so einsam war.

Ich betrachte erwartungsvoll die quietschende, sich öffnende und wieder schließende Pendeltür, die hin- und herschwankend, stets neue Menschen mit verschiedenen Gesichtern und Haaren, trocken und durchnässt, in diese, meine Welt einschleust. Männer, Frauen, Kinder. Hier bin ich umgeben von ihnen, die mir nichts und doch so viel bedeuten, in meiner Einsamkeit, die trostlos ist, trostlos, weil ich dich vermisse.

Ich schaue auf den Eingang, pendelnd wie mein Leben. Ich schaue auf die Menschen, pendelnd wie ich, wie du. Und ich finde dich doch nicht, weil ich weiß, du kommst nicht. Die Tür lässt dich nicht ein. Jeder ist du, du nicht jeder, das fühle ich. Und ich - sinniere. Sinniere voller Hoffnung, ob du wieder eintreten wirst in diese, meine Welt. Durch die Pendeltür am Eingang, Symbol der unüberwindbaren Grenze oder der Pforte zum Glück?

Doch ich glaube an dich, hoffnungsfroh, während ich hier sitze, allein und einsam, und auf einmal spüre ich - du wirst kommen durch sie wie ein Blitz, der die Grenze zur Pforte macht. Du wirst kommen wie alle Menschen in meine Welt durch die schwingende Pendeltür, den freien Weg in meine, in unsere Welt. Du wirst kommen durch diese Tür, die ich anschaue Tag für Tag und Nacht für Nacht.

RT 2006

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.07.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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