Bruno Rosetti

Bussard...Maus...aus!

Die vierspurige Schnellstrasse zieht sich wie graues Band durch die fahle Morgenlandschaft.
Es ist ruhig, noch keine Autos, Osterwochenende...abseits der grossen Ferienrouten.
Ein Bussard sitzt direkt neben der Strasse auf einem eigens für ihn aufgestellten Holzgerüst.
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Seit Jahrtausenden jagen Bussarde Kleingetier wie Ratten und Mäuse, verschmähen aber auch kein Aas,
das von anderen Räubern übriggelassen wurde. Mit zunehmender Autodichte im 20. Jahrhundert eröffneten
sich diesen Raubvögeln neue Möglichkeiten des Beutemachens , sie setzten sich auf Bäume und Sträucher
neben die grossen Fernstrassen und warteten auf die von den Autos >erlegten< Tiere, die Zahl nahm
im Laufe der Jahre deutlich zu. Gemeinsam mit Rabenvögeln entwickelten sie nach und nach beträchtliche
Fertigkeiten beim fressen dieser Beute, sie mussten schnell sein, immer wieder ausweichen ,denn die Autos
machten auch vor ihnen nicht halt, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit vorbeirasten.
 
Keine Autos, keine Beute an diesem Morgen für den Bussard, warten ist angesagt.
Da sieht er eine kleine Veränderung , eine Bewegung circa zwanzig Meter weg am Mittelstreifen.
Eine Maus, die sich auf dem schmalen Grünstreifen ihr Nest in das Wurzelwerk eines zerfetzten
Ginsterbusches gebaut hat, steckt vorsichtig die Nase aus dem Loch.
Die Nestlage ist strategisch äusserst günstig, bietet doch die Schnellstrasse zu beiden Seiten einen
beträchtlichen Schutz gegen die natürlichen Feinde wie Fuchs, Dachs, Wiesel.
Nachteilig daran ist lediglich, dass die Maus selbst zur Futtersuche die Strasse überqueren muss um
auf das Kornfeld zu kommen.

Sie sucht sich dazu Auto ruhige Zeiten wie jetzt.
Aber jetzt....jetzt lauert der Bussard.
 
Die Maus wartet, hebt aus ihrem Loch prüfend die Nase nach oben, lauscht mit ihrem feinen Gehör.
Der Bussard hat zwischenzeitlich das Loch und die Maus genau im Visier, er weiss, demnächst kommt
sie raus, das meldet der Instinkt.
Vorsichtig bewegt sich die Maus aus dem Loch, hält sich dicht unter den Büschen, drückt sich an den
Metallfuss der Leitplanke. Sie hebt wieder den Kopf, prüft, lauscht...

Der Bussard ist angespannt wie eine Feder. Der uralte Jagdinstinkt hat die Oberherrschaft über alle
Körperfunktionen übernommen, der scharfe Blick ist starr auf die Kante der Leitplanke gerichtet, hinter
der sich die Maus versteckt, er kann nicht angreifen, im fehlt der Platz, aber der Instinkt meldet, gleich
kommt sie raus, gleich überquert sie die Strasse und dann...
Die Maus hört etwas, einen feinen, hohen Ton, der rasch näher kommt, tiefer wird...sie macht sich bereit,
das ist ihr Signal...der Ton wird lauter, die Frequenz tiefer...und los.

Wie ein brauner Blitz zischt sie aus ihrem Versteck, überquert die eine Spur der Schnellstrasse...
Im selben Augenblick startet der Bussard und setzt zum beschleunigten Sinkflug an, die Augen starr auf
die Maus gerichtet, die dolchscharfen Krallen nach vorne ausgefahren.

Die Maus hat zwischenzeitlich die Mitte der zweiten Spur erreicht, duckt sich zusammen...und bleibt sitzen!
Der Schatten des Bussards ist über ihr, das Spiel ist aus, verloren...
Mit einem dumpfen Schlag explodiert der Bussard in einer Wolke von Federn, als er gegen den Kühlergrill
des Bahnbusses knallt, der wie jeden Morgen pünktlich um 5.30 Uhr Kilometer 33,5 der B 43 zwischen
Dingsda und Baldort passiert.

Wie im Auge eines Sturms sitzt die Maus unter dem Bus, zwischen den Reifen und innerhalb von
Sekundenbruchteilen hat er sie passiert und der Weg zum Kornfeld ist frei.
Dieser Kampf geht nicht jeden Tag so aus, auch die Maus wird irgendwann ihr Waterloo erleben

aber.....

................heute ist sie die Grösste , heute kann sie niemand besiegen...................................................



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.07.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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