Rolf Kirsch

Herrmann Keruska über Frauen

Sacht doch Herta zu mir: Wat stehsse da immer am Fensta rum un kucks Löcher inne Luft? Hasse nix zu tun?
 
Im Moment hap ich nix zu tun, sach ich und duck mich schomma wech, denn von Herta kommt gezz beschtimmt einen unangenehmen Vorschlach.
 
Un da iser auch schon: Überlech doch ma, watte gezz tun könntes, sachtse.
 
Ich will gezz mal fürn Moment einfach hier nur am Fensta schtehn und rauskucken, sach ich.
 
Aber da is Herta dagegen. Wennde schon nix zu tun hass, dann setz dich dahin un lies ma en gutet Buch, sachtse.
 
Ich hap schon alle Bücher gelesen, die wir ham, sach ich.
 
Dat von Ilse auch? sacht Herta.
 
Dat Buch von Ilse? Wat fürn Buch von Ilse? sach ich.
 
Datse dir geschenkt hat für deinen sexichsten Geburtstag, watte, ich bring dir dat.
 
Ne, sach ich, lass man. Aber Herta rennt schon zum Regal und holt dat Buch von Ilse. Ach dat, sach ich, kenn ich ja noch ganich.
 
Un damit endlich Ruhe is, setz ich mich in Sessel und schlag dat Buch von Ilse auf un tu so als op ich les.
 
Warum nich gleich so? sacht Herta un is wech.
 
Viertelschtunde schpäter kommt Herta und sacht: na wie gefällt et dir?
 
Wat soll mit gefallen? sach ich.
 
Na dat Buch von Ilse, wie gefällt dir dat? sacht Herta.
 
Ganz tollet Buch, sach ich.
 
Dann lies mal wat vor, sacht Herta.
 
Lieber nich, sach ich.
 
Wieso nich? sacht Herta.
 
Lieber nich, sach ich.
 
Schtell dich nich so an, nu mach schon, lies wat vor, sacht Herta.
 
Auf eigene Verantwortunk, sach ich.
 
Von mir aus, sacht Herta, aber nu fank schon an.
 
Na gut, sach ich:
 
Man wird als den Grundfehler des weiblichen Charakters Ungerechtigkeit finden. Er entsteht zunächst aus dem dargelegten Mangel an Vernünftigkeit, wird zudem aber noch dadurch unterstützt, daß sie, als die Schwächeren, von der Natur nicht auf die Kraft, sondern auf die List angewiesen sind; daher ihre instinktartige Verschlagenheit und ihr unvertilgbarer Hang zum Lügen.
 
Als ich aufkuck, is Herta wech un danach hap ich se minnigstens zwei Schtunden nich mehr gesehen un dat Buch von Arthur Schopenhauer, dat mir ihre Freundin Ilse zum Sexichsten geschenkt hat, dat hap ich auch nich mehr gesehn. Un Herta hat lange Zeit den Namen Ilse auch nich mehr in den Mund genommen.
Un wenn ich gezz ma am Fensta schteh und hap nix zu tun, dann darf ich Löcher inne Luft kucken.

...aus dem eBook "Schönen Tach noch", verfügbar bei rolfkirsch.de

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.07.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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