Pierre Heinen

Live Dabei - Teil IV

IV 
 
Beide blickten auf die zahlreichen Bildschirme und lauschten den Gesprächen der Kandidaten zu. Einige tummelten sich in der Küche, Walter hackte Holz und Karl und Linda packten ihre Koffer aus. Kurz vor acht Uhr stürmte jemand hinein.

„Ein Freund von dem Schriftsteller ist am Telefon und will mit dem Produzent sprechen“, gab er bekannt und reichte dem Regisseur das schnurlose Telefon.

„Ken Everett am Apparat, der Regisseur“, meldete sich dieser.

„Hier spricht Patrick Dunaway. Ist dies ihre Art von Humor, irgendeinen als Karl Wals vorzustellen?“, fragte er angespannt.

„Wieso?“, fragte der verdutzte Regisseur.

„Tun sie doch nicht so unschuldig, der Großklotz von vorhin war nicht Karl Wals. Hundertprozentig nicht! Ich kenne ihn seit ein paar Jahren, mir machen sie nichts vor. Haben sie seine Identität nicht überprüft?“, fragte er, intensiv atmend.

„Ach was! Wer ist es dann? Er hat sich doch als Karl ausgegeben!“, konterte der Regisseur.

„Das müssen sie doch wissen!“, gab der Mann zu bedenken.

„Sind sie sicher?“

„Ich sehe diesen Kerl doch gerade im Fernsehen, wie er seinen Koffer auspackt.“

Der Regisseur verstummte und blickte zu den Schirmen hinüber. Was wenn dieser Typ nicht Karl wäre?

„Sie wissen also auch nicht wo der richtige ist, oder?“, fragte der Mann nervös.

„Bislang nahm ich an, er wäre tausend Meter über mir in einer Berghütte ...“

„Niemand weiß wo er steckt. Er hat sich seit zwei Tagen nicht mehr gemeldet. Er hat zu mir gesagt, er würde sich noch etwas ausspannen wollen, bevor er zu ihnen kommen wollte“

„Was machen wir denn jetzt?“

Der Puls des Regisseurs schoss in die Höhe.

„Brechen sie die Show ab!“, befahl der Mann.

„Jetzt?“

„Ja. Sie belügen doch nur jeden. Karl Wals ist auf jeden Fall nicht bei ihnen.“

„Jetzt geht mir ein Licht auf!“

„Wie?“

„Sie sind einer dieser Moralapostel, die die Menschenwürde verletzt sehen und die Show abschaffen wollen“

„..“

Der Regisseur schaltete das Telefon ab und gab es dem Mann zurück der es gebracht hatte. Er ging zur Bildschirmwand, suchte sich den heraus auf dem dieser Kerl zu sehen war und starrte ihn an. Dieser starrte ebenfalls die Kamera an und grinste, als wüßte er genau, daß er von ihm beobachtet werden würde. Zeitgleich fixierten sie ihre Blicke, als würden sie sich gegenüberstehen.

„Wer sind sie?“, fragte der Produzent leise vor sich hin. Der Schriftsteller wandte den Blick ab und verließ wortlos das Zimmer. Ken verharrte noch einige Sekunden vor dem Schirm, ehe er sich etwas unwohl ebenfalls abwandte. Während einer schaurigen Minute war er zusammengezuckt, bei dem Gedanken daran, einen Falschen da oben zu haben, jemand der sich mit Betrug hineingemogelt hatte.

Kurz nach halb neun saßen alle am gedeckten Tisch.

„Es gibt Fisch, welchen auch immer, Nudeln und Blattsalat. Ich wünsche Guten Appetit!“, kündigte Christina fröhlich an.

Jeder leckte sich bei dem Anblick der gefüllten und dampfenden Schüsseln den Mund. Mit großem Eifer reichte man sie herum.

„Das schmeckt aber lecker“, bemerkte Ben mit vollem Mund.

„Wir sollten uns die Arbeiten aufteilen“, meinte Walter.

„Gleich morgen früh fertigen wir einen Plan an“, fügte Samanta hinzu.

Der Schriftsteller gab keinen Ton von sich. Er schien etwas mit dem Messer zu spielen und machte sich einen Spaß daraus den Fisch in kleine Stücke zu hacken. Walter schaute kurz zum Fenster hinüber. Es war nun fast stockfinster draußen und der Wind peitschte Schneeflocken gegen die Glasscheibe.

„Der Sturm scheint aufzukommen“, sagte er.

„Ich sehe mal nach dem Feuerchen“, gab Walter zu wissen, schließlich hatte er eine Ewigkeit gebraucht um es anzuzünden.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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