Walter Raasch

Peinlich 2

Peinlich 2

 

Urzeiten her, da war ich

auf einer Beerdigung.

Die Tante eines Freundes war gestorben.

Sie war total in Ordnung.

Er hatte mehrere Jahre bei ihr gelebt,

während seine Eltern sich ihrer völligen Unfähigkeit hingaben.

Schönes Wetter, viele Freunde, haufenweise Verwandte,

stimmungsvolle Beisetzung.

Es hatte alles prima geklappt.

Jetzt kam nur noch das übliche tränenreiche Kaffeetrinken,

dann hatte ich auch diese Prüfung überstanden.

Aber erst musste ich den Hund aus  dem Auto holen

und eine Runde mit ihm drehen.

 

Als ich im Cafe angekommen war,

konnte ich meine Freunde nicht finden.

Egal, die turnten sicher noch draußen rum.

Ich hatte jetzt Hunger.

Nachtschicht, Studium, Bandprobe, Training

und der Hund brachten mich um eine regelmäßige

Nahrungsaufnahme.

Ich suchte ein freies Plätzchen für mich und den Vierbeiner

und bestellte zwei Stücke Apfelkuchen und viel Kaffee.

Der Kuchen war eindeutig erstligareif.

Also spazierte ich mit meinem Hund zur Kuchentheke

um mir noch ein Stück zu holen.

„Ja wer bist du denn?“

ertönte es hinter mir.

Von oben sah ich auf einen Wust brauner Haare,

die der Stimme nach zu einem weiblichen Wesen gehörten,

welches sich zu meinem Hund hinunterbeugte.

Die Besitzerin dieser unglaublichen Matte richtete

sich auf und fragte:

„ Wie heißt er denn?“

„Blacky,

das ist zwar nicht sonderlich originell,

aber dafür kann er ‚ne Menge.“

Und dann fing ich an mächtig anzugeben.

Ich führte jede Menge Tricks vor,

obwohl der Platz doch recht beengt war,

aber wie sonst sollte ich die stolze Besitzerin zweier Ds beeindrucken.

Als ich mir gerade überlegte was ich zum Apportieren benutzen könnte,

bemerkte ich, dass es ziemlich still in dem Cafe geworden war.

Die ganze Trauergemeinde schien uns anzustarren.

Ich grinste in die Runde, leinte meinen Hund wieder an,

nahm mein Stück Kuchen und fragte ob wir uns zusammen an einen  Tisch setzen sollten.

Haben wir gemacht, ein wenig gequasselt,

bis sie mich fragte ob ich ein Verwandter sei.

„Nee,“ habe ich gesagt „ich bin mit dem Michael gekommen.

Wo ist der überhaupt.“

Dabei sah ich mich suchend um.

„Welcher Michael ?“

fragte sie

„Na der dessen Tante wir beerdigt haben.“

 Dann fing sie an zu kichern und zu giggeln;

ihr Vergnügen steigerte sich immer mehr bis sie lauthals los lachte.

 

„Wir haben heute meinen Urgroßvater begraben.

Du bist auf de falschen Trauerfeier, die Straße runter ist noch ein Cafe,

bestimmt hättest Du dahin gehen müssen.“

„Es wäre sicher sehr plump, wenn ich

dich jetzt tröstend in den Arm nehmen würde, oder?

Dein armer Urgroßvater. Herzlich Beileid.“

„Er war ein Arsch und Leuteschinder

und ich konnte ihn nicht ausstehen.

Komm ich bringe Dich zu dem anderen Cafe.

Du schuldest mir drei Stücke Kuchen und eine Telefonnummer.“

 

 

.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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