Rudolf F.J. Härle

Die anderen drei Könige


Die anderen drei Könige

 

Als die Heiligen drei Könige ihre Reittiere wieder beladen hatten und heimwärts zogen, wurde es ruhig vor dem Stall. Auch die Hirten mit ihren Tieren waren weitergegangen,  um allen Menschen die große, frohe Botschaft von der Geburt des Kindes zu verkünden.

Von den himmlischen Chören blieb nurmehr ein feines, fernes Klingen und die Welt  lag in diffusem  zwielichtig schimmernden Leuchten.

Nur der von Mensch und Tier zertretene Schnee kündete noch von der großen Stunde, in der Himmel und Erde sich getroffen. Ein Kind ward der Menschheit anvertraut.

Der Himmel hat gegeben, -  die Erde hat`s genommen.

 

 

                                                                        (Fund in Pompeii: Magisches Quadrat)

                                                S     A    T     O    R

                                                A    R     E     P    O

                                                T     E    N     E     T

                                                O    P     E    R     A

                                                R   O     T     A     S

 

                        DER SCHÖPFER HÄLT SEINE WERKE AM GEHEN.

 

 

Doch da regte sich noch etwas..................

Drei eigenartige Gestalten nähertem sich dem Stalle von Beth-lam. Und so außergewöhnlich sie einhergingen, so absonderlich waren sie gekleidet.

 

Voraus ging, besser noch, hüpfte und tollte ein Mann in einem Clownskostüm,  einem Narrengewand mit angenähten Glöckchen und sang, pfiff oder summte verklärt vor sich hin, während er auf die Stalltüre zuging, durch die der flackernde Lichtschein eines Feuers aus Ritzen und Astlöchern nach draußen kroch.

 

Dicht hinter ihm schritt ein langer, dünner Mann in wehendem, viel zu großem Gewande, den dunklen Schlapphut tief ins Gesicht gezogen und einem langen, wehenden Schal um den Hals gewunden.

Er hastete, sah sich öfters um, holte ab und an einen kleinen Gegenstand aus den Falten seines Gewandes, hielt ihn gegen das Licht, starrte drauf, um dann eilends weiterzu-hetzen.

 

Diesem folgte endlich ein Dritter, ruhigen Schrittes, leicht gebeugter Gestalt und diese schien im Gegensatz  zum Vorgänger keinerlei Eile zu haben. Sie wirkte zurückhaltend, fast demütig. Der letzte Platz in dieser Besucherreihe schien wie für diese Person ge-schaffen.

 

Als der Clown angeklopft hatte, wurde nach kurzer Zeit die Stalltüre knarrend aufgetan.

Sie  wurden hereingebeten und betraten den schummrigen Raum.

 

Sie grüßten leise die junge Frau, den alten Mann und huldigten dem Kind. Sie wußten zwar nicht, warum sie dies taten, aber sie fühlten, daß dies der Sinn ihres Kommens war.

 

Und sie stellten sich vor:

 

"Ich bin der lustige Clown, ich bin die Fröhlichkeit des Menschen. In schweren Zeiten will ich die Menschen lachen lehren, will sie lachend machen. Sie sollen meine

Fröhlichkeit aufnehmen, das mag ihnen die Herzen wärmen und die Seele fliegend machen.

 

Mein filzernes Flickengewand ist dick und wärmt, denn ohne warme Haut gibt es kein warmes Herz und ohne warmes Herz keine fliegende Seele. Ohne diese drei gibt es keine Fröhlichkeit.

Dieses Gewand will ich dem Kinde schenken, denn in seinem Leben wird es nicht viel Fröhlichkeit sehen und die es sieht, wird es für andere geben."

Und der Clown legte sein buntes Gewand über die Krippe, das Kind in der Krippe aber lachte, freute sich an der Wärme und am Klang der vielen Glöckchen.

Leise trat der Mann in den Hintergrund.

 

Der zweite Mann, der gehetzte trat vor  und sprach: "Man nennt mich die Zeit. Ich messe seit langem die vergangene Zeit. Ich bin daran gewöhnt,daß alle Zeit,

die ich erfaßt und mit meiner Uhr gemessen habe, bereits nicht mehr existiert, über sie braucht man  nicht mehr reden.

Wir mußten uns heute so beeilen, weil wir so spät  dran waren, wir sind eigentlich auch jetzt viel zu spät gekommen, denn alle anderen sind längst fort.

Komisch, ..............seit ich an der Krippe stehe, mißt meine Uhr nicht mehr nur die vergangene, sondern auch die übriggebliebene Zeit. Mir ist plötzlich nicht mehr

eilig, ich glaube, ich habe alle Zeit der Welt.

Die Zeit ist offensichtlich nicht weniger, sie ist geworden."

 

Er griff unter sein Gewand und brachte eine goldene Sanduhr hervor, er sprach: "Liebes Kind, du wirst genannt werden - das Kind zwischen den Zeiten -, denn nach dir wird nichts mehr sein, denn  zuvor.

Die Zeit, die dir die Menschen lassen, wirst du für andere brauchen, für dich selbst wird nicht viel bleiben. Du wirst die dir bemessene Zeit auch noch benutzen wollen, um möglichst viel davon zu verschenken.

So schenke ich dir diese Sanduhr, damit du Zeit messen

kannst, für wen auch immer.

Noch lachst du, wenn du dies goldene Spielzeug in Händen hältst.

Wenn du größer bist, wirst du merken, daß es ein böses

Werkzeug sein kann.

 Verzeih mir dies Geschenk aber du wirst es brauchen, mach das beste daraus."

 

Der gehetzte Mann war mit einem mal sehr ruhig und trat still zurück.

 

Nun trat der dritte Besucher hervor und beugte das Knie vor dem Kind. Er lüftete seine Kapuze und alle sahen  in das blutige und zerschlagene Gesicht des Mannes.

Frische Wunden über alten Narben, blutunterlaufene Augen und schillernde Male in allen Farben, frische und alte.

Je länger der Mann auf das Kind schaute und das Kind auf ihn, war zu erkennen, wie das Bluten aufhörte, wie das Gesicht abschwoll, die milden Züge sich glätteten.

Der Mann sprach leise:

"Ich  bin die LIEBE, man nennt mich auch GÜTE, manchmal BARMHERZIGKEIT.

Jeder kennt mich und sobald  man mich erkennt und weiß, wer ich bin, meint jeder mich schlagen zu müssen.

Jeder, der schwach ist und gerne einmal Macht über andere ausüben möchte, sucht sich  mein Gesicht aus.

Jeder, der gerne einmal ungestraft und ohne Rückantwort, einen anderen so richtig ins Gesicht schlagen möchte, sucht sich mein Gesicht aus. Bei mir kann sich jeder sicher sein, denn Liebe und Güte und Barmherzigkeit schlagen nicht zurück.

Aber was ihr hier seht, das sind nur die oberflächlichen Wunden im Gesicht, sie schmerzen nicht sehr und heilen schnell.

Wer aber mich richtig treffen will, der tritt mir ins Herz, in die Seele. Diese Wunden sieht man natürlich  nicht aber sie heilen schwerer, langsamer und die Narben bleiben oft ewig.

Nur gut, daß Fremde diese empfindlichen Stellen nicht kennen, ihnen bleiben sie verborgen. Sie sind nur denjenigen bekannt, mit denen ich mein Leben, meine Liebe teile, die sich meiner Liebe sicher sein können.

Drum sei allen Menschen ein Übermaß an Liebe gewünscht, jeder brauchts zu seiner Zeit."

 

Weiter sprach er:

"Dir, kleines Kind, schenke ich meine Tränen. Tränen können den harten Stein  schleifen und auch die Wüste zum Blühen bringen."

 

Er dreht sich um und sprach an alle Umstehenden:

 

"Diesem Kind wird alle Fröhlichkeit genommen werden. Es wird sich nur mit dem Leid der Menschheit befassen dürfen.

Die Zeit eines normalen Lebens wird es nicht nutzen dürfen. Die ihm verbleibende Zeit wird von den Menschen stark beschnitten sein.

 

Dieses Kind ist die Liebe Gottes zu den Menschen, es ist die Güte der Menschen untereinander und es wird genannt werden die Barmherzigkeit.

 

Für andere alles zu sein, Liebe, Güte und Barmherzigkeit, das ist nicht Menschenart.

Daß einer besser sein will oder ist, als alle anderen, wird sich die Menschheit nicht bieten lassen.

Sie werden diesen Menschen töten, während er für ihre Seelen betet.

 

Er wird über Palmblätter in Jerusalem einreiten; Die Menschen werden heute rufen:

 " HOSIANNA  ";

Sie werden morgen rufen: " SHELUFLEH "; (kreuzige ihn!)

Er wird den Vater bitten, der bitt`re Kelch möge an ihm vorübergenen und er weiß,

daß er nach jeder Bitte sagen wird  „khe luaidil laqueshwa“, Dein Wille geschehe!

 

Einen rauhen Stamm wird er auf Golgotha  schleppen;  Er wird für die bitten, die ihn quälen;

Er wird am rohen Stamme geben,   - alles was er hat, sein nacktes Leben, seine Liebe, seinen Geist.

 

Er wird auf seine Mutter herabblicken und sie wird sagen: „Fleisch von meinem Fleisch, Herz von meinem Herzen“

 

Als er dies alles gesagt hatte, drehte er sich um und verließ den Stall. Keiner hatte ihn verstanden, ……. MARIA................................ weint.

 

 

 

Hat Euch diese Geschichte gefallen?  Natürlich nicht, denn ihr wolltet eine Weihnachts-geschichte zum Träumen.

 

Ihr wollt sagen können,  - seit dieses Kind geboren wurde,  seit dieser Jesus am Kreuz gestorben ist, seit Jesus auferstanden ist,  - ist alles besser geworden.

 

Ihr wollt sagen können,  - seit ihm sind wir von aller Sünde erlöst.

Ihr wollt sagen können,  - vor Jesus waren wir verloren, aber jetzt sind wir erlöst.

 

Aber ............... -  nichts, aber schon auch garnichts ist besser geworden, niemand  erlöst.

 

Soll  dies alles umsonst gewesen sein ,  - wenn die Geburt überflüssig war,  - der Kreuzestod Jesu unnötig und die Auferstehung nicht wahr sein soll, dann brauchst du  weiter nichts zu tun.

Dann kann die Christenheit so weiterwursteln, wie bisher  und du mit ihr.

 

Wenn du dich damit jedoch nicht zufrieden gibst, dann weine einfach mit Maria, denn täglich ist WEIHNACHT, KARFREITAG und OSTERN und menschlicheres als Tränen haben wir nicht zu geben.

 

Alles, was wir von den Menschen zur Zeit Jesu erwartet hätten, müssen wir heute tun,

für uns Menschen ist h e u t e   Zahltag.

 

Ich wünsche Euch allen und mir selbst ein frohes Dreikönigsfest und für alles, was wir tun oder nicht tun, ...........Gottes Erbarmen.                  

 

Rudolf  F.J. Härle

 

 

 

 

 

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