Pierre Heinen

Live Dabei - Teil XI

XI

Der Beamte gab dem Techniker seine Pistole sowie seine Taschenlampe.

„Was soll das?“, wollte der Produzent wissen und kam auf die beiden zu.

„Eine Hilfe“, erwiderte der Beamte und blickte dem Produzenten in die Augen.

„Was ist, wenn das in die falschen Hände gerät?“, fragte der Moderator kritisch.

„Hoffentlich hat überhaupt noch jemand seine Hände“, meinte der Produzent sarkastisch dazu und entzündete wieder eine Zigarette.

Der Techniker packte die Waffe und die Lampe in die Werkzeugtasche und befestigte diese am Zugseil.

„Hoffentlich bleibt es hängen“

„Das hält schon, keine Sorge“, beruhigte der Techniker und startete den Antrieb.

Kurz darauf ging ein markdurchdringendes Quietschen durch die Halle. Die Mechanik, angetrieben von einem hastig aufgetriebenen Motor, setzte sich langsam in Bewegung. Die Seile fingen an sich zu spannen und die Werkzeugtasche setzte sich in Bewegung.

„Hoffentlich kann der Mann da oben die Verankerungen überprüfen und den richtigen Antrieb anschmeißen“, sagte der Techniker hoffnungsvoll zu den anderen, die um ihn herumstanden.

John hatte seine Hände auf Roger’s blutverschmierter Brust liegen. Ein wunderbar, glücklich und erlösendes Gefühl erfüllte ihn. Er zog die Klinge zwischen den Rippen aus dem Herz und stand auf. Er hatte in der Blutlache um den Körper gekniet und die rötliche Flüssigkeit tropfte auf seine schwarz lackierten Schuhe.

Samanta, Ben, Walter und Linda waren auf den ersten Stock geflüchtet und tasteten sich entlang des Ganges.

„Wer ist dieser Kerl?“, fragte Samanta flüsternd Ben, der vor ihr herging.

„Ein Verrückter. Auf jeden Fall ist es nicht Karl Wals“, antwortete er mit Gewißheit.

„Wir müssen ihn entwaffnen und überwältigen“, schlug Walter vor.

„Und wie?“, fragte ihn Linda.

„Das weiß ich noch nicht“

„Wir brauchen zunächst Licht“

„Vielleicht gibt es irgendwo Kerzen“

Walter blieb stehen.

„In meinem Zimmer hab ich ein Feuerzeug, das wird uns helfen“

„Ich gehe auch meines holen“, sagte Linda „Und ziehe auch was anderes an“

„Das sollten wir alle tun, schließlich werden wir heute Nacht sowieso keinen Schlaf bekommen“

„Da hast du Recht“

Während die einen auf dem ersten Stock sich umzogen und ihre Feuerzeuge suchten, waren die anderen in den Keller geflüchtet. Christina, Jennifer und Elisabeth hatten, sobald sie John in den Kampf mit Roger verwickelt gehört hatten, das Zimmer Hals über Kopf verlassen und waren panikartig den Gang entlang geflüchtet. Hinter einer Tür hatten sie Treppen ertastet, die nach unten führten. Schlußendlich standen sie nun in völliger Dunkelheit in ihren Schlafanzügen im kühlen Keller der Station.

„Was machen wir jetzt?“, flüsterte Christina den beiden Frauen zu.

„Mir ist kalt“, erwiderte Jennifer zitternd.

Sie standen im stockfinsteren Keller, inmitten von Gerümpel. Christina tastete sich vorsichtig voran, sie wollte unterhalb des Kamins kommen, um vielleicht etwas von der Wärme dort abzukommen.

„Hat es Roger geschafft?“, wollte Elisabeth wissen und lauschte. Sie hörte aber nur den Sturm außerhalb der Station und folgte schließlich der vorantastenden Christina. Hintereinander suchte man sich einen Weg, zwischen verstaubten Schränken, modrigen Polstermöbeln, mit Spinnweben und Blechdosen von fraglichem Inhalt gefüllte Regalen. Ohne etwas in der tiefen Finsternis sehen zu können, hatten sie es geschafft.

„Was jetzt?“, wollte Jennifer noch immer zitternd wissen und versuchte durch Reiben der Arme sich etwas aufzuwärmen.

„Ruhe, ich habe etwas gehört“, flüsterte Christina mahnend

Tatsächlich hörte man jetzt das Knarren des hölzernen Fußbodens über ihnen. Blaß sahen sie nach oben. Zwischen einigen Ritzen konnte man die Glut und die Flammen im Kamin erkennen. Jeder hielt den Atem an und starrte nach oben. Das Knarren hatte aufgehört. Nun hörte man zwei aufeinanderfolgende dumpfe Aufschläge. Ein Geräusch, wie wenn ein lebloser Körper über den Fußboden geschleift würde folgte. Es verebbte stetig. Plötzlich fiel ein Blutstropfen von der Decke und landetet auf Jennifer’s linker Wange. Erschrocken und sobald sie durch Schmecken herausgefunden hatte, daß es Blut war, fing sie an zu schreien.

Elisabeth und Christina hatten große Mühe ihr den Mund zuzuhalten. Das Schleifen verstummte sofort und das Knarren der Dielen näherte sich. Während einer kurzen Zeit herrschte erschreckende Stille und nur der Schneesturm draußen kämpfte dagegen an. Schließlich entfernte sich das Knarren wieder, näherte sich diesmal aber der Kellertür. Mit Gewalt wurde sie aufgerissen und jemand kam vorsichtig die Treppen hinunter. Die drei Frauen knieten sich nieder und blickten gebannt in den tiefschwarzen Keller.

John stand auf der letzten Stufe und blickte um sich herum. Irgend jemand mußte hier unten sein, aber wo? Ein furchtbares Quietschen erfüllte die gesamte Station. Ein durch den ganzen Körper gehendes metallisches Quietschen, ein schriller Ton, aufgrund dessen man ungewollt eine Gänsehaut über den Rücken gejagt bekommt. Smellog hielt sich die Ohren zu und ging dem Geräusch entgegen. Die drei Frauen knieten immer noch auf dem Boden, hatten sich zusammengekauert und hielten sich ebenso ihre Ohren zu.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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