Pierre Heinen

Live Dabei - Teil XIII

XIII 
 
„Ist das Paket schon angekommen?“, forschte Bill Moore, der Polizeibeamte, beim Techniker nach, der mit einem fachmännischen Blick den Antrieb im Auge hielt.

Er schaute zu seinem Assistenten hin, der auf einer Leiter stand und der Schmieröl auf die Seile schmierte, um das lärmenden Quietschen zu verringern.

„Noch nicht ganz“, antwortete er schließlich.

„Wie sieht es aus?“, wollte der Produzent wissen, der sich neben den Beamten stellte.

Er packte eine Zigarettenschachtel aus seiner Jackentasche, stellte fest daß sie leer war, zerdrückte sie nervös in den Händen und ließ sie zu Boden fallen.

„Haben sie was zu rauchen?“, fragte er den Techniker.

Dieser schüttelte den Kopf, wühlte in seinen Taschen herum und reichte ihm einen Kaugummi. Der Produzent winkte ab.

„Das Paket ist gleich oben. Reißen sie sich mal zusammen!“

„Ich bin nur etwas aufgeregt. Das frißt mir immer ein Loch in den Bauch!“

„Das müssen sie ja nicht gleich mit Nikotin vollstopfen“, konterte der Beamte.

„Ich bin schließlich für die Personen verantwortlich“, sagte der Produzent.

„Sie hätten jeden überprüfen müssen!“

„Ich weiß, das war mein Fehler und ich bereue ihn zutiefst!“

„Laut meinen Berechnungen müßte die Tasche jetzt angekommen sein“, unterbrach der Techniker die beiden.

„Gut, stoppen sie den Antrieb!“

Das Quietschen hörte urplötzlich auf und die Station verhüllte sich wieder in ein andächtiges Schweigen, umgeben vom tosenden Sturm. Nun standen die vier im Kaminzimmer.

„Was machen wir jetzt?“

„Wir brauchen einen Plan“

„Ihr lockt ihn in einen Hinterhalt und ich schlage zu“, schlug Walter vor und schwang die Axt dynamisch in seinen Händen.

Die Kellertür ging auf und Christina, Elisabeth und Jennifer betraten mit ihren, von Spinnweben und Staub beschmutzten Schlafanzügen den Raum.

„Er ist da unten mit einer Fackel“, berichtete Christina kreideweiß, ging zum Kamin, streckte die Hände dem Feuer entgegen und genoß die Wärme der züngelnden Flammen.

Ben ging auf die Kellertür zu und drehte den Schlüssel im Schloß um. Er winkte Walter zu und beide schoben sie eine Kommode vor die Tür.

„Jetzt haben wir erst einmal Ruhe“, versicherte Walter allen.

„Bestimmt gibt es irgendwo Kerzen“, meinte Linda und machte sich mit Samanta auf die Suche.

Walter legte die Axt auf den Tisch und nahm erleichtert auf der Couch Platz.

„Könnten wir ein Feuerzeug bekommen?“, fragte Christina Ben, „Wir gehen uns umziehen“

Ben händigte ihnen eins aus. Die drei stiegen die Treppe hinauf, etwas erleichtert, aber immer noch blaß und zittrig. Walter legte ein Stück Holz ein.

„Was er jetzt wohl gerade tut?“, fragte Ben und sah zum Feuer hinüber. Walter nahm wieder Platz.

John Smellog hatte in der linken Hand das brennende Stück Holz und in der linken das Küchenmesser. Er war dem Quietschen entgegen gegangen, stand jetzt aber in dem unübersichtlichen und enormen Keller der Bergstation. Er öffnete eine weißlackierte metallenen Doppeltür und stand schließlich auf einer Plattform, von der aus er eine enorme Masse an Mechanik bewundern konnte. Durch eine große Öffnung drang der Schneesturm in den Raum. Erst jetzt erkannte John seinen Aufenthaltsort wieder. Es war die Ankunftshalle der Kabinenseilbahn. Hier kamen früher die schihungrigen Kunden der Station an. Er ging in die Mitte der Halle und blickte ins Tal hinunter, während der Sturm ihm Schnee entgegen wehte. Er konnte Lichter unten im Tal sehen, Trappely.

Ehe er wieder die Halle verließ, fiel sein Blick auf eine gelbe Werkzeugtasche, die am Zugseil taumelte.

Linda und Samanta hatten tatsächlich Kerzen in einem Küchenschrank gefunden, während sich die drei anderen Frauen umgezogen hatten.

„Solange er da unten bleibt, haben wir alles unter Kontrolle“, beruhigte Walter erneut.

Trotzdem schien niemand dieser Ruhe zu vertrauen. Die Ruhe vor dem Sturm?
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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