"Denn die schlimmste Gewissheit ist neben dir zu stehen und zu wissen, dass du niemlals zu mir gehören wirst."
Mystischer Nebel stahl sich schweigsam durch die leer gefegten Straßen der Stadt.
Eine dunkle Siluette zierte die Umrisse Chicagos.
Der Regen prasselte erbarmungslos auf die Erde, drohte sie in seine Fluten zu ziehen ...
Hier und da wehte eine kalte Brise; erschien ein Pflänzchen, das schüchtern aus dem Asphalt ragte.
Einzig ein Schluchtzen übertönte die Stille der Nacht.
Eine junge Frau lehnte verzweifelt, die Arme fest an ihren Körper geschmiegt und den Blick starr nach vorne gewandt an der steinernen Mauer einer Gasse, bittend, flehend, verbannt in die bitterste Ecke ihres Daseins.
Wie eine verwelckte Blüte, für all jene unsichtbar, die nur nach äußerer Schönheit trachteten.
Eine Träne glitzerte auf ihrer Wange.
Langsam ließ sie sich auf den kalten Boden sinken.
Ein Schwall grenzenlosem Regens prasselte immernoch in einem seltsamen Takt auf die Erde.
Ähnlich wie ihr Herz, dass sich mit Tränen füllte und all jene glücklichen Augenblicke und Gedanken unter
einem Schauer grenzenlosem Schmerzes begrub.
Spuren des schwarzen Maskaras zeichneten sich langsam in jedem einzelnem Zug ihres sonst so makellosen Gesichtes ab.
Sie vermischten sich nach und nach mit dem hellen, feinen Rouge und dem schimmernden Puder...
Ihre dunklen, lockigen Haare hingen nun schlaff und leblos nach unten.
Sie presste die Beine an ihren durchnässten Körper und schabte verzweifelt mit den rot-bemalten Fingernägeln, von denen schon einige Farbe abgesplittert war, am betonierten Boden entlang.
Sie biss sich hilflos auf die schmalen, angerissenen Lippen, um die widerkehrenden Tränen zu unterdrücken.
"Nicht du triffst die Entscheidungen, das Leben trifft sie für dich."
Sie konnte weder schreien, noch weglaufen.
Es schien als hätte sich der Boden unter ihr, tief in ihre Haut, in ihre Seele gebrannt und wollte sie nun hindern einfach loszulassen.
"Menschen sind Egoisten, sie versuchen sich stetig nur selbst glücklich zu machen und merken dabei nicht wie sehr ein anderer darunter leidet."
Viel zu oft hatte sie sich schon an die Vortsellung, an ein Wunschdenken für das perfekte Leben geklammert.
Man gibt einander so viel und bleibt dem anderen nie etwas schuldig.
Doch stattdessen verletzt man sich und verleiht seinem Hass nur mehr und mehr Ausdruck.
Ja sie hatte versucht, sie hatte es wirklich versucht, darüber hinwegzukommen.
Über all die Tränen, das Leid und den Schmerz.
Jeden einzelnen Tag hatte sie gehofft, gebetet, dass es aufhören würde.
Dieses Versteckspiel.
Was ist man denn schon ohne ein erfülltes Leben?
Ein halber Mensch.
Äußerlich erscheint alles so klar, innerlich jedoch ist dieses ' alles ' durcheinander, unkalkulierbar.
"Wir geben uns mit dem zufrieden, das wir bekommen. Aber ist das auch genug?"
Für ein ganzes Leben?
Sie richtete sich auf und blickte gen Himmel.
"Kann ein ganzes Leben denn wirklich ausreichen, um sein Glück zu finden?"
Sie steckte die Hände in die Taschen und durchquerte mit gesenktem Haupt die endlos langen Gassen.
Vorbei an den leeren Umzugskartons, den zersplitterten Bierflaschen, dem dumpfen Geruch
der frisch geteerten Straßen.
Vorbei an ihrem alten Leben.
In der Stadt leuchteten Reklametafeln und erhellten das in Dunkelheit gehüllte Firmament.
Plötzlich, ein leises Surren.
Nein sogar der Teil einer Melodie.
Sie seuftzte, griff nach ihrem Handy.
Auf dem Display blinkte ein kleiner Briefumschlag, ehe er nach dem sechsten Mal die
Nachricht automatisch öffnete.
"Wo bist du?"
Wieder stiegen Tränen in ihre Augen ... und so ließ sie das Handy zurück in ihre Tasche gleiten.
Sie ging noch einpaar Schritte, setzte sich schließlich auf die grauen Treppenstufen vor ihrer Wohnung.
Sie legte den Kopf schief und beobachtete die Wasserpfütze auf dem Gehweg, die sich durch den Regen immer wieder mit Wasser füllte und überschwappte.
Die junge Frau lächelte und schloss die Augen.
" ... Was machst du so spät noch hier draußen?"
"Die Frage ist doch, was machst du hier?"
Ja, damit hatte vor drei Jahren alles angefangen.
Mit einer simplen Frage, ohne jegliche Bedeutung.
Ein kleiner Schlagabtausch,- nichts weiter.
Sie hatte es die ganze Zeit gespürt, Freundschaft, keine Liebe, dass war die Devise.
~ Warum sollte man auch mit Liebe, eine Freundschaft zerstören? ~
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.08.2007.
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