Anschi Wiegand

Wo meine Seele Heimat hat - (Nordsee-Urlaub)


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Wenn ich am Meer bin, geht es mir gut. Nicht das Meer mit Sandstrand und lärmenden Touristen, die sich in der Sonne braten, sondern das Meer des Nordens mit Ebbe und Flut, Wind und allen Wettern ist es, das mich immer wieder aufs Neue fasziniert und meine Seele gefangen nimmt…

Ersatzweise setze ich mich ans Rheinufer und schaue mir Schiffe und Sonnenuntergang an, wenn ich Sehnsucht nach Ruhe und Wasser spüre, denn unweit meiner Wohnung fließt der Rhein. Wenn die Sehnsucht jedoch immer stärker wird, dann spüre ich, es ist wieder so weit - ich muss an die Nordsee reisen, dort hin, wo meine Seele ihre Heimat hat!

 

Als meine Kinder noch klein waren, machten wir viele Jahre Urlaub auf einem Bauernhof, 8 km entfernt von der ostfriesischen Nordsee. Oft fuhr ich dann abends zum Meer, mit oder ohne Familie, und genoss es, einfach nur am Strand zu sein und Wind und Wellen anzuschauen - im Hintergrund das Möwengeschrei und vielleicht in weiter Ferne Kinderstimmen. Und wenn es richtig stürmisch war und die Sonnenanbeter längst gegangen, dann liebte ich das Meer noch mehr… nur das Brausen des Windes und ein Gefühl, als könne dieser Wind mich davontragen auf seinen Armen.


 


Und weil meine Sehnsucht mich wieder einmal besonders plagte, überwand ich das Grauen vor einer langen Autofahrt und buchte für den Sommer für mich und  meine kleine Patchwork-Familie erneut einen Nordseeurlaub. Dieses Mal ging es jedoch an die nordfriesische Küste. Neun Jahre Ostfriesland zwischen Emden und Wilhelmshaven hatten mich die Küste lieben gelehrt; nun wollte ich eine andere Region des schönen Nordens erkunden, die ich bei einem Kurzurlaub im vergangen Jahr nur erschnuppern konnte, die mich aber ebenso begeistert hat.

 

So machten wir uns am 28. Juli 2007 von Mainz zu Fünft auf Richtung Husum, wo wir im kleinen Ortsteil Schobüll zwei erholsame Urlaubswochen verbringen wollten. Die Fahrt war anstrengend, denn immer wieder staute sich der Verkehr auf der eigentlich relativ baustellenfreien Autobahn aus unerfindlichen Gründen, was wohl an der Leistung mancher Autos in Relation zu den Kasseler Bergen liegen mochte; jedenfalls benötigten wir statt der geplanten 7-8 fast 10 Stunden für die Anfahrt. Dort wurden wir jedoch belohnt von zwar trübem, aber regenfreiem Himmel und einem hübschen Domizil, das nun für zwei Wochen unser Zuhause sein sollte. Schobüll ist das einzige Dorf an der Küste, das so hoch liegt, dass es keinen Deich benötigt, so dass wir von unserem Ferienhaus auf der Schobüller Anhöhe den  direkten Blick aufs Meer genießen konnten.

Das tat ich von da ab auch bei jeder Gelegenheit - mein Schlafzimmerfenster wirkte wie ein Bilderrahmen mit meinem Lieblingsmotiv in veränderlichen Farben!

 


Für die Kinder war in dem gemütlichen alten Haus ebenfalls das Wohlbefinden gesichert durch einen Fernseher mit Satellitenanschluss und zwei gemütliche Kinderzimmer - und erstaunlicherweise genossen unsere 3 Teenies sogar die allabendlichen Spaziergänge ans Meer. Die Gezeiten sorgten dafür, dass sich uns das Meer und die Sonnenuntergänge in wechselnden fantastischen Farben und Formen zeigten und ich war dankbar für den großen Speicher in meiner Digitalkamera.


 


Obwohl wir in dem kleinen Supermarkt am Ort täglich frische Brötchen und alle nötigen Lebensmittel kaufen konnten, wollten wir natürlich auf einen ausgiebigen Stadtbummel im 3 km entfernten Husum nicht verzichten, wofür wir allerdings nur die weiblichen Teenies begeistern konnten. Die hatten allerdings weniger für die wunderschöne und farbenfrohe Architektur des Hafenstädtchens einen Blick, als für die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten in den vielen Lädchen, die auch manch außergewöhnliches Mitbringsel anboten. Es war für jeden Geschmack etwas dabei.


 


Nach den ersten Tagen, an denen das Wetter recht wechselhaft gewesen war und wir das Meer auch stürmisch erleben konnten, besserte sich das Wetter zur Wochenmitte und mit Verwandten, die das Glück haben, in Schobüll zu leben, unternahmen die Kids erste Versuche im Watt-Waten… Obwohl die vielen zerbrochen Muscheln im Matsch die Füße arg strapazierten, ließen sie sich das Vergnügen nicht nehmen……. und mit der steigenden Flut zum Wochenende hin konnten sie dann sogar im Meer schwimmen. Sie ließen sich auch von der doch recht mäßigen Wassertemperatur nicht abschrecken, die uns „Eltern“ allerdings nicht zu einem Badeversuch im Meer verlocken konnte. Der Onkel konnte gar nicht verstehen, dass wir so „zimperlich“ waren…;-)



Das Wetter blieb uns auch in der zweiten Ferienwoche noch gewogen, als der Wetterbericht bereits allerorten Stürme und Regen ankündigte; nördlich von Hamburg blieb es sonnig und warm! Das Meer war für meinen Geschmack fast ZU friedlich; ich liebe es, wenn mir der Wind um die Ohren braust…

 

Auch einige unerwartete Gäste hatten wir übrigens in unserer Ferienwohnung zu Besuch! Zu erwähnen wäre da unser „Paulchen“, der eines Morgens durch den Garten spazierte und dann zitternd in meiner Hand saß und mich mit großen Froschaugen (oder waren es Krötenaugen?) lieb anschaute, bis ich ihn wieder ins Grüne hüpfen ließ. Wo genau er sein Zuhause hatte, konnten wir jedoch nicht herausfinden, da er sich dann doch bemühte, künftig seine Runde von uns unbemerkt zu machen. Am gleichen Tag seines Erscheinens hatten wir noch einen zweiten Überraschungsbesuch, als im hinteren Garten plötzlich ein niedlicher Hund vor uns stand und uns sehr neugierig betrachtete. Er war sehr zutraulich; wir konnten ihn dann in der Nachbarschaft zuordnen, wo er öfter in der Einfahrt gelegen hatte. Offenbar hat er uns zunächst einige Tage beobachtet und als er merkte, dass wir nun öfter da sind, hat er sich die neuen Nachbarn wohl mal aus der Nähe anschauen wollen. Wir erfuhren einige Tage später, dass unser Gast „Bine“ heißt…..also wohl weiblicher Natur ist…


               


Da England gar nicht weit entfernt ist von Schobüll, machten wir auch einen Ausflug zur Insel Nordstrand, die heutzutage über eine Deichstraße mit dem Auto gut erreichbar ist. Noch vor 100 Jahren gab es keine Landverbindung dort hin. England selbst ist jedoch so winzig, dass wir mit dem Auto gleich durch waren, um in einer Teestube ganz in der Nähe einzukehren, die aber vom Service im Vergleich zum letzten Jahr stark nachgelassen hat. Dafür belohnten wir uns aber mit einem Abstecher auf den Deich und genossen das Meer diesmal auf andere Weise.


                  


Etwa 40 km entfernt von Husum ist der bekannte Badeort St. Peter-Ording. Dort gibt es einen richtigen Sandstrand für badefreudige Urlauber, den wir aber selbst noch nicht ausprobiert haben. Er soll sehr schön sein, aber nur durch einen langen Fußmarsch erreichbar. Wir entschieden uns stattdessen, den Wildtierpark in St. Peter zu besuchen, weil uns der Weg in die Seehundaufzuchtstation in Friedrichskoog zu weit war - und laut Prospekt hatte auch der Wildtierpark ein paar Seehunde aufzuweisen! Die trafen wir dann auch an, allerdings versteckten sie sich vorwiegend unter Wasser und erst, als eine Tierpflegerin mit Fischhappen kam, konnten wir alle 5 Seehunde endlich sehen, darunter auch zwei wenige Wochen alten Heuler. Wir
erhielten aber einen kleinen Rüffel, weil wir uns über die Absperrung bis ganz an den Beckenrand geschmuggelt hatten, was wir jedoch ohne größeren Schaden verkrafteten…;-))


 


Insgesamt fanden wir den Tierpark sehr nett, wenn auch die Eintrittspreise nicht niedrig waren für eine ganze Familie, aber dafür war ja Urlaub und eine Pizza oder ein Kinobesuch kostet genauso viel … Dafür lernten wir einige interessante Unterwassertiere kennen, wobei der Axolotl, ein Querzahnmolch, der noch aussieht wie seine Vorfahren vor 350Millionen Jahren, der urigste Vertreter war. Er lebt heute noch in einem See in Mexico.

Auffallend waren im Tierpark auch die vielen Störche, die in großen Gruppen auf einer Wiese herum standen. Offenbar erkannten sie, dass bei uns nichts mehr zu wollen ist und drehten uns den Rücken zu. Sehen wir aber heute eine schwangere Frau, vermuten wir doch immer sehr stark, dass sie im Urlaub in St. Peter-Ording war…

            


 

Unseren vorletzten Urlaubstag an der Nordsee gönnten wir uns ein paar Stunden „kinderfrei“! Während die Mädchen zum chinesischen Mittagessen in Flensburg eingeladen waren (der „Große“ wollte nicht mit), machten wir zu Zweit einen Ausflug ins wunderschöne Holländerstädtchen Friedrichstadt, das nur 15 km von Husum entfernt ist. Es wurde 1621 von Holländern erbaut und besticht durch seine wunderschönen Gassen und Häuser und ist bekannt für die Grachten, mit denen man Rundfahrten auf der Treene machen kann, die durch das Städtchen fließt. Wir verlebten hier bei nochmals herrlichem Sonnenschein einige gemütliche Stunden und konnten sogar auf dem Marktplatz im Freien unser Mittagessen genießen. Als Souvenir nahmen wir uns eine „Friedrichstadter Knutschkugel“ mit nach Hause, deren Charme wir einfach nicht widerstehen konnten…

                            
   
 

Viel zu schnell war unser Urlaub vorbei und wir machten uns traurig wieder auf den langen Heimweg Richtung Süden. Seltsamerweise war immer dann Stau, wenn ICH am Lenkrad saß; da die Staus jedoch stets VOR mir waren, lehne ich jegliche Verantwortung dafür ab…*,) Doch kein Stau kann uns schrecken, kein Weg ist uns zu weit - und im nächsten Jahr fahren wir wieder gen Norden, wo unsre Seele daheim ist…..


 

 

                                                                                                                                                           



© Angela Gabel,  im August 2007




Leider lässt sich der Text nicht in der ursprünglichen Form hier veröffentlichen, darum hat Jörg dankenswerterweise noch einen Adobe-Link zum Original gesetzt. Für die, die Adobe jedoch nicht öffnen können, habe ich ihn dennoch nochmals hier eingesetzt, man möge nachsehen, dass die Bilder deshalb unter und nicht neben den Abschnitten stehen, was optisch leider nicht so schön wirkt...Anschi Wiegand, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Wie das Meer ist unsere Liebe von Anschi Wiegand



Wir alle wünschen uns einen Menschen, der uns liebt, dem wir vertrauen können und der da ist, wenn wir ihn brauchen - und für den auch wir da sein wollen, wenn er uns braucht. Dieser Wunsch scheint für viele unerreichbar, fast schon eine Illusion, doch für manche von uns ist er Wirklichkeit geworden. An dieser Wirklichkeit müssen wir jedoch immer wieder neu arbeiten, damit sie uns erhalten bleibt. Dieses Büchlein soll den Leser mitnehmen auf eine dankbare Gedankenreise, die deutlich macht: es ist möglich, Hand in Hand durchs Leben zu gehen, wenn dies wirklich beide Partner wollen. Es nimmt mit in erlebte Gefühle, die Liebe spürbar werden lassen. Und wenn wir dieses Büchlein weiter geben, ist es ein kleines DANKE an die, denen es mit uns gemeinsam gelungen ist, Liebe Hand in Hand zu erfahren... (Angela Gabel)

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