Andreas Rüdig

Museum der Deutschen Binnenschiffahrt

Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand. Behauptet zumindest der Volksmund. Die Faszination der Schiffahrt möchte das Museum der Deutschen Binnenschiffart im Duisburger Stadtteil Ruhrort vermitteln.
Untergebracht sind die Räumlichkeiten in einem ehemaligen Jugendstilhallenbad. In den Jahren 1908 bis 1910 gebaut, wurden die Räumlichkeiten bis 1986 als Hallenbad genutzt. Da sich zu dieser Zeit der Betrieb nicht mehr lohne, mußte eine neue Nutzung her. Was also tun? Das Museum gibt es seit 1979; früher war es im ehemaligen Ruhrorter Rathaus untergebracht. Als die Sammlung zu groß war, zog es in das Ruhrorter Hallenbad um.
"Viele Vitrinen," lautet mein erster Eindruck, als ich das ehemalige Herrenbad betrete. Schiffe - vom Einbaum und Floß bis zur Tjalk - und Schiffszubehört - wie etwa Anker oder eine Schiffsglocke - kommen hinzu.
Eher langweilig ist die Art der Präsentation. Gerade einmal gläserne Schautafeln, die von innen heraus beleuchtet werden, sind hier zu sehen. Also verlasse ich das Erdgeschoß und steige die Treppe ins 1. Obergeschoß hinauf.
Doch oh wehe! Auch hier wird der lieblose Gott der Vitrinen und Schautafeln angebetet. Divese Schiffsmodelle und ein wenig Zubehör werden hier - wie im Erdgeschoß - gezeigt. Doch halt - eine kleine Besonderheit ist hier zu bemerken. Ganze 4 (!) Hörstationen gibt es. Sie sollen mir so etwas wie moderne Museumspädagogik vorgaukeln. So hell und freundlich das Herrenbad heute auch gestaltet sein mag, so uninteressant ist es auch. Es wundert mich nicht, daß ich an diesem Freitagvormittag der einzige Besucher bin.
"Zwischen Flaggen und Fahnen besteht ein Unterschied, obgleich nach landläufiger Auffassung unter beiden Begriffen meistens die gleiche Sache verstanden wird.
Während es sich bei der Flagge um ein individuell gestaltetes einzelnes Exemplar handelt, werden Flaggen in vielen Größen und hohen Stückzahlen hergestellt. Die erste Flagge, die auf dem Rhein erschien und ausschließlich Schiffahrtszwecken diente, war die des Rheinoktroi im Jahre 1805. Für die damalige gemeinsame Rheinzollverwaltung wollten Frankreich und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auch eine gemeinsame Flagge schaffen.
Wann die erste Reedereiflagge erscheinen ist, läßt sich nicht genau feststellen. Auf dem Rhein dürfte dies die von der Reederei Matthias Stinnes gewesen sein, deren Flagge sich aus einem rot - weißen Wimpel entwickelt hat.
Mit der Ausdehnung der Schiffahrt und der Gründung neure Reedereiunternehmen wuchs die Zahl der Flaggen. Aus ursprünglich beschränkte Farbkombinationen entstanden anspruchsvoll gestaltete Reedereiflaggen mit Emblemen der Schiffahrt, wie Anker, Glocke, Steuerruder, Dreizack. Damit demonstrierten die Reedereien auch nach außen sichtbar ihre Größe und Bedeutung," ist in dem Flyer zu der Sonderausstellung "Flagge zeigen! Eine Spurensuche nach Schiffahrtsunternehmen und ihren Flaggen" zu lesen. Wirklich überzeugend ist die Sonderausstellung nicht. In einem Nebenraum im 1. Obergeschoß untergebracht, bekomme ich als Besucher zwar viele Fahnen und Flaggen zu sehen. Irgendeine im Gedächtnis bleibende Erklärung wird mir aber nicht geboten.
Also gehe ich weiter ins Frauenbad. Ich nehme dabei den Weg durch das Kellergeschoß. Hier bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es im Innern eines Schiffes aussieht. Wie werden beispielsweise Säcke und Container be- und entladen sowie gelagert? Im Damenbad angekommen wird die Ausstellung - zumindest im Keller - deutlich lustlos. Auch wenn zwei Fernsehfilme zeigen, unter welchen Bedingungen die Binnenschiffer früher arbeiteten, so ist die einzig moderne und vernünftige Präsentation. Ich bekomme hier viele Maschinen zu sehen, die zwar auf Schiffen eingesetzt werden, hier aber nicht erklärt werden. Was soll dieser Unfug?
Im früheren Damenbad entsteht ein Frachtkahn. Oder soll zumindest entstehen. Offensichtlich ist das Stadt als Betreiberin des Museums aber schon vor Jahren das Geld dafür ausgegangen; für mich als Duisburger, der in unregelmäßigen Abständen und nach langen Pausen immer wieder in das Museum geht, sind schon seit Jahren keine Veränderungen zu sehen. Auch heute wird nicht an dem Modell gearbeitet.
Trotz der miserablen Museumspädagogik versprüht das Erdgeschoß noch einen gewissen Charme. Durch viele Fotos und teilweise auch persönliche Erinnerungsstücke wird hier die private Lebenswelt der Binnenschiffer sichtbar. Doch wie soll ich sagen? Für mich ist dieser Teil der Ausstellung noch ausbaufähig.
Ich bedauere es sehr, daß hier keine ansprechende Museumspädagogik vorhanden ist. Aus dem Thema Binnenschiffahrt hätte viel mehr gemacht werden können.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.09.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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