Marianne Knip

Die Fahrt mit dem Zug.

Als ich abends müde von der Arbeit kam und die Wohnung von meiner Mama betrat, kam mein kleiner Sohn, Fünf Jahre alt, ganz aufgeregt auf mich zu, "Mutti, Mutti Oma hat gesagt wir fahren mit dem Zug". "Langsam mein Schatz, wie kommst du denn darauf und wieso sollen wir mit dem Zug fahren?" In diesen Moment kam meine Mama aus der Küche, "Mama was erzählt mir Tom da, wieso fahren wir mit dem Zug?." Langsam Mariann, zieh erst deine Jacke aus und wir besprechen dies im Wohnzimmer." Zog also meine Jacke aus und hing sie an der Garderobe auf und stellte meine Tasche ab und ging mit meinem aufgeregten Sohn an der Hand ins Wohnzimmer. "So Mama heraus damit, was ist eigentlich los und wohin sollen wir fahren?" "Sag mal Mariann kannst du eine Woche Urlaub nehmen, denn meine Cousine hat uns zu ihrem 60igsten Geburtstag eingeladen und sie würde sich freuen, wenn wir kommen könnten." "Mama ich glaube schon das es geht, werde morgen gleich den Urlaub einreichen. Diesen Urlaub brauche ich dringend, denn in letzter Zeit war es doch sehr stressig.

... Der Urlaub konnte beginnen, mein kleiner Sohn war ganz aufgeregt, schon am Stuttgarter Hauptbahnhof ging es los. "Mutti schau mal so viele Mokolotiven." "Tom, das heißt Lokomotiven" er achtete nicht darauf und wir stiegen ein und er schaute fasziniert aus dem Fenster und sein kleines Mundwerk kam nicht mehr zum Stillstand.

Als der Zug in den Frankfurter Bahnhof einfuhr war er so aufgeregt und presste seine Nase ganz aufgeregt an das Fenster. "Mutti schau mal ganz viele Mokolotiven" "Tom ich sagte doch schon, das heißt Lokomotiven" er reagierte überhaupt nicht darauf und schon ging es wieder los. "Mutti da kommt schon wieder eine Mokolotive." Ganz genervt schaute ich ihn an, denn die Mitreisenden grinsten schon und so sagte ich noch einmal, "Tom, das heißt

Lo ko mo ti ve."

Tom sah mich an und schüttelte den Kopf. "Mutti ich will aber nicht Lokomotive sagen."

Das Lachen von den Mitreisenden im Abteil war bis auf den Bahnsteig zu hören und ich wurde aus Verlegenheit ganz rot und Tom fragte mich, "Mutti warum lachen die denn alle so, kennen die keine Mokolotiven."

Kinder können einen ganz schön in Verlegenheit bringen, nur dies war die kleinste davon, denn die größte kam auf der Rückfahrt.

Nach einer herrlich erholten Woche Urlaub ging es zurück. In unserem Abteil warten wir zu sechst, ich saß rechts, in Fahrtrichtung, mein Sohn saß in der Mitte und neben meinem Sohn am Fenster saß ein Elegant gekleideter Mann mit ernster Mine, mir Gegenüber saß eine junge Frau mit einem ganz tollen Minirock, daneben ein junger Mann und am Fenster meine Mama.

Wir haben uns alle recht gut unterhalten, besonders die junge Frau hat sich dauernd mit meinem Sohn unterhalten und Tom sah sie fasziniert an und wurde auf einmal immer schweigsamer, dann ging alles so schnell.

Kurz vor Frankfurt stand mein Sohn plötzlich auf, stellte sich vor die junge Frau, lupfte kurz ihren Minirock hoch und setzte sich wieder und schaute mich mit großen Augen an. "Mutti sie hat Hose an." Das Gebrüll im Abteil war, glaube ich, im ganzen Zug zu hören. Vor Verlegenheit wusste ich nicht was ich sagen sollte und Tom sah mich vorwurfsvoll an, "Mutti ich wollte doch nur wissen ob unter dem kleinen Rock eine Hose ist"

Dem eleganten, ernsten Mann rannen vor Lachen die Tränen übers Gesicht und sagte dann zu Tom unter Lachen, "Tom du hast nur das gemacht, was ich mir die ganze Zeit auch gefragt hatte" und lachte weiter. Die junge Frau nahm es Gott sei Dank mit Humor und auch ihr liefen die Tränen vor Lachen übers Gesicht.

Am Frankfurter Bahnhof stieg der elegante Mann aus und wurde von mehreren Herren empfangen und auf einmal schallte ein Gebrüll über den Bahnsteig und die Leute schauten nur verwundert über das herzhafte Lachen dieser Herren.

Meine Mama sagte dann, dass es ihre lustigste Fahrt war und sich köstlich über Tom amüsiert hatte, anscheinend war dies nur mir peinlich und alle anderen fanden es sehr lustig.

 

So geschehen im Juni 1972 die Zugfahrt mit meinem Fünfjährigen Sohn von Esslingen nach Eibelshausen und zurück

 

M. K. ... vom 28.11.2006

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