Pierre Heinen

Kollegenträume

Ich hebe beide Hände, lasse die Tastatur und die Maus los und lehne mich zurück. Ich vernehmen das Klicken von Maustasten und das Klimpern von Tastaturen. Ich lasse meinen Stuhl einmal um seine eigene Achse drehen und dann sehe ich sie alle.

Gustaf N. – Als Rennfahrer würde er sicherlich Pokale gewinnen und mit Schampus auf die jubelnden Zuschauer spritzen, Er würde einen Titel nach dem anderen in seinen Lebenslauf einbrennen und mit Werbeverträgen und Sponsorengeldern sicherlich ein Leben in Saus und Braus führen. – Aber er sitzt neben mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Samantha T. – Sie würde am Liebsten an jedem ihrer Piercings eine Männerzunge spüren. Ihre Lust nach dem Verkehr zwischen Geschlechtern würde sie ausleben wie nie zuvor. Um sich auf andere Gedanken zu bringen würde sie mit ihren Hunden spazieren gehen und auf Konzerten von Superstars als Zuschauerin in der erste Reihe erscheinen. – Aber sie sitzt einige Stühle vor mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Klaus Q. – Als Autor wäre der erste Band seiner Romanserie schon unlängst erschienen und er würde ständig schreiben. Er würde seinen Arbeitsrythmus selbst bestimmen und wäre sein eigener gut verdienender Boß. – Aber er sitzt gegenüber von mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Pablo H. – Er würde den amerikanischen Traum mehr als nur leben, er würde ihn repräsentieren. Mit einem Millionen-Gewinnspiel-Gewinn würde er nach USA auswandern, dem alten Europa den Rücken kehren und mit einem Hummer durch Las Vegas kurven. Er würde in einer prachtvollen Villa wohnen und sein Hollywood-Roboter-Idol öfters besuchen, als seine Mutti ihn. – Aber er sitzt einige Stühle hinter mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Clementine N. – Als Turnerin hätte sie sicherlich schon an einer Olympiade teilgenommen und hätte die Heimatflagge auf dem Siegertreppchen schwingen können. Sie wäre Inhaberin einer Ballett- und Tanzschule und würde den ganzen Tag lang mit Freude trainieren. – Aber sie sitzt einige Stühle hinter mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Robert I. – Er würde liebend gern in einer Pianobar am Flügel sitzen und spielen. Er könnte auf Kreuzfahrten spielen, Weltkonzerte geben, Studioaufnahmen machen und sich wie ein Rockstar durch die Welt musizieren. – Aber er sitzt einige Stühle vor mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Leone Q. – Er wäre nicht mehr nur in seiner Freizeit ein Künstler, sondern er würde sich die Kunst zur Frau nehmen. Er würde malen, kreieren, zeichnen und den Pinsel elegant über weiße Untergründe führen. Gallerien würden um seine Gunst und seine Werke buhlen. – Aber er sitzt einige Stühle hinter mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Victoire T. – Er hätte die Tour de France mehrere Male gewonnen und würde täglich einige Kilometer mit dem Drahtesel hinter sich bringen. Er hätte mehr als nur eine Frau und auch mehr als nur eine Freundin. Er würde viel Zeit im Bett verbringen und davon einen Großteil mit Schlafen. – Aber er sitzt einige Stühle vor mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Alexandra B. – Sie würde Lesen, Lesen, Faulenzen, Lesen und zwischendurch Essen und Trinken. Ihr Tag würde auf der Buchseite beginnen auf welcher sie eingeschlafen war und würde in den Armen eines muskelbepackten Schotten (mit Kilt) enden. – Aber sie sitzt einige Stühle vor mir, arbeitet in demselben Großraumbüro wie ich und weint keine Träne den Träumen nach.

Peter I. – Ebenfalls wäre er ein Autor wie sein vis-à-vis. Er würde Drehbücher für Filme oder für Spielesoftware verfassen. Er hätte sein eigenes Multimedia-Unternehmen und wäre frei. Er könnte all seine Ideen realisieren und in den Tag hineinleben. – Aber ich sitze hier, arbeite in demselben Großraumbüro wie alle anderen und weine ebenfalls nicht meinen Träumen nach.

Vielleicht werden die Träume ja irgendwann Realität. Ich werde dann weinen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.09.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Sobald der Winter vorbei ist, wird der Kampf um die Goldinsel Payla beginnen. Zwei Reiche werden sich gegenüberstehen und die Welt auf Jahre hinaus in ein Schlachtfeld verwandeln ...
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Pierre Heinen, Jahrgang 1979, ist seit frühester Jugend begeistert von Geschichtsbüchern und Verfasser unzähliger Novellen. In Form des zweiteiligen „Payla – Die Goldinsel“ veröffentlicht er seinen Debütroman im Genre Fantasy. Der Autor lebt und arbeitet im Großherzogtum Luxemburg, was in mancher Hinsicht seine fiktive Welt beeinflusst.

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