Bruno Rosetti
Serena
Als Ausgang des 17.Jahrhunderts die Inquisition in den östlichen Ländern wütete wurde nahe Prag eine alleinstehende Frau vor das kirchliche Tribunal gezerrt und der Hexerei bezichtigt sowie dem „geschlechtlichen Umgang“ mit dem Teufel.
Nachbarn hatten sie angezeigt, sie hatten gesehen ,wie sie des nachts laut singend durchs rotglühende Haus tanzte und eine tiefe, fauchende Stimme dazu gehört, die nicht von dieser Welt sein konnte.
Die Frau , Serena, leugnete anfangs jegliche teuflische Verbindung, doch als man ihr die Werkzeuge zeigte, gab sie alles zu und noch mehr, denn sie wollte die Folter nicht ertragen.
So nahm der Prozess einen schnellen Verlauf, die Verbrennung wurde angeordnet und die Ausführung anlässlich des Markttages zwei Wochen später festgelegt.
Die unglückliche Serena lag in einer feuchten Kerkerzelle und betete zu ihrem Schöpfer, dass ihr das drohende Schicksal erspart bliebe, doch die Tage vergingen und mit ihnen die Hoffnung.
Als der fette Kerkerwärter am Abend vor der Hinrichtung die Henkersmahlzeit brachte bestehend aus kalter Hafergrütze und einem Stück zähem Schaffleisch und ihr dazu ein hämisches Lachen schenkte und seinen syphilitischen Schwanz , wie jeden Tag, war es ihr, als habe das Ende schon begonnen und ihre Umgebung, die dicken Kerkermauern und die massiven Gitterstäbe begannen zu wanken und auch der Dickwanst verlor an Kontur und begann, das Essen zu verschütten.
Staub fiel von der Decke, Balken und Steine...es begann das grosse Erdbeben von 1692, das einzige, das nachweislich jemals dort stattgefunden hat, das mehrere Hundert Tote forderte und grosse Teile der Stadt zerstörte.
Serena überlebte, alles um sie herum starb und zerbrach und sie entkam, unverletzt, durchquerte eine berstende Stadt, sah den Schimmel, voll aufgezäumt, als sei er nur für sie bereit und floh ins Gebirge.
Der Schimmel fand seinen Weg alleine, als wüsste er genau wohin es ging.
Serena schloss die Augen, im rasenden Galopp ging es über schmale Bergpfade nahe des gähnenden Abgrunds, aber das Pferd fand mit traumwandlerischen Sicherheit den Weg.
Nahe eines Dorfes, Karr, kam es zu einem Halt, am Himmel zog sich ein Gewitter zusammen und der Schimmel brauchte eine kurze Rast.
Serena glitt aus dem Sattel, fiel auf die Knie und wollte ihrem Schöpfer danken, als der erste Blitz des Unwetters sie traf und auf der Stelle tötete.
Denn es gibt Dinge, die geschehen, so seltsam und abwegig sie auch sein mögen.
Aber es gibt keine Vorsehung und keine Wunder.
Die entstehen nur nachträglich in den Gedanken und Wünschen durch die Fantasie.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.09.2007.
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