Werner Gschwandtner

RC SV. Parallelexistenz. Leseprobe 2

53 Zerstörer der Erde
 
Die Phalanx leuchtete auf. Das Mündungsrohr spie grelles Feuer aus und ein grünlicher Energiestrahl zerstörte den SAC F und das Leben, welches den Flyer steuerte.
Danach hob sich der Kreuzer wieder in die Höhe und verschwand aus dem Sichtfeld des Bildsequenzers. Das Sterben auf Erden ging weiter. Die Trupps überfluteten die Städte und töteten jeden. Ein jeder der sich ihnen in den Weg stellte, oder auch nur zeigte, fand seinen Tod durch die Klauen des Feindes.
Längst schon konnte keiner mehr dem Verlauf folgen. Die Gräueltat war zu schrecklich.
Lleon war mit seinem Latein am Ende. Seine Weisheit und sein Kampfgeist waren paralysiert. Er sah kein Licht mehr am Horizont und Erric konnte in der Mimik L.J.’s erkennen, das Stern mit einem ungewöhnlichen Gedanken spielte. LaChun schwieg, er wagte nicht seinen Waffengefährten diese Überlegung aus zureden. Er schüttelte nur eindringlich und deutlich den Kopf.
Lleon James sah es. Er biss sich auf die Lippen und nahm, langsam und mit einem Ausdruck der Verzweiflung, seinen Waffengurt ab.
„Wir haben verloren“, sagte er trocken und ohne Mut, „uns bleibt nur eine Option um die übrigen Leben der Menschen zu retten. Wir müssen Kapitulieren.“
Erric trat hinter Stern. Ich war längst auf meine Knie gesunken, mein innerstes Revoltierte und ich glaubte mich übergeben zu müssen.
„Wenn du es wirklich für richtig erachtest“, sprach Erric ernst, „dann werden wir die Waffen niederlegen und uns dem Cenydden ergeben. Doch“, und damit versuchte LaChun die Sinnlosigkeit dieser Tat aufzuzeigen, „was meinst du würden wir mit diesem Verrat an den Gefallenen gewinnen?“
Lleon James hielt seinen Gurt kraftlos in den Händen. „Jeder unserer Schritte hat zu einem völlig anderen Ergebnis geführt als beabsichtigt“, L.J. schaute Jan an, dann Erric und schließlich wieder Jan. „Was soll ich tun?“ diese Frage galt allen Anwesenden.
„Wie soll ich den Tod von so vielen sühnen können, oder ihn gar rechtfertigen vor unserem Schöpfer. Wenn wir uns dem Cenydden ergeben, retten wir eventuell die unschuldige Zivilbevölkerung unserer Art. Die Menschen werden überleben und später einmal erneut gegen die Tyrannei angehen können. Ich habe als erster Mann des Widerstandes versagt“, Stern senkte betroffen sein Haupt, „ich bin eben nicht Everett“, sagte er leise, „er hätte es sicherlich nicht so weit kommen lassen.“
Lleon James schaute auf seinen Blaster. Keiner von den anderen sprach etwas. Jeder konnte verstehen welches L.J. plagte. Es war schwer als Anführer immer das Richtige zu tun, das Beste für alle abzuwägen. Doch keiner der Anwesenden stand konform mit Lleons Aussage. Niemand konnte, oder wollte Stern Recht geben, seine Worte bestätigen.
Jan legte seinen Landsmann die Hand auf die Schulter. Lleon James war ein Mann von stattlicher Figur, doch Wolf überragte Stern noch um mehr als einen ganzen Kopf.
„Deine Führungsqualitäten stehen nicht im Zweifel“, sagte er, „selbst Everett hätte nichts anders durchführen können. Denn immerhin ist er von Domaar ermordet worden. Dich haben die Tenebridden bisher nicht geschafft zu beseitigen. Und das sie es versucht haben, das weißt du ja selber am besten.“
L.J. schwieg. Nun ergriff Erric wieder das Wort. „Es gibt Momente“, begann er, „da glauben wir das ein weitermachen sinnlos geworden ist. Man verliert seine Perspektive und verläuft sich in Trostlosigkeit. Ich selber habe und erlebe im Augenblick eine derartige Situation.“
Lleon James hob sein Antlitz, doch er blieb weiterhin stumm.
„Es ist jetzt etwa ein halbes Jahr her“, setzte der Brite fort, „vielleicht auch etwas mehr, ich traf spielende Kinder und diese wurden wenige Minuten später von Tenebridden grausam ermordet. Die Spinnenfüßler haben sie lebendig verbrannt. Und jetzt“, nun schwieg Erric. Er fühlte wie sehr er Manu liebte. Obgleich er die Thailänderin noch nicht lange kannte, war er bis über beide Ohren in sie verliebt. Ähnlich empfand er für Lleon, keine Liebe, aber eine tiefgründige Freundschaft zu dem Waffengefährten.
„Am Tag als ich Manu kennen lernte, öffnete sich mein Herz für diese Frau. Ich möchte sie nie wieder in meinem Leben missen müssen und daher fühlte sich mein Herz echt miserabel, jetzt wo meine Liebe im Koma liegt. Ungewiss ob sie jemals wieder erwachen wird.“
L.J. nickte. Er fühlte ähnlich wie LaChun. Auch für ihn war ein festes Band der Freundschaft zu Erric entstanden.
„Ich verstehe dich“, Stern packte den Blastergurt entschlossen an, „es wäre falsch nun das Handtuch zu werfen. Eine Kapitulation steht fortan niemals wieder zur Diskussion.“
So gefiel allen Lleon James. Ich versuchte meine Schmerzen unter Kontrolle zu bekommen. Ich empfand die Korrosion tief in meinem inneren, sie versuchte mich nach außen hin zu zerstören. Mühsam rappelte ich mich auf, meine Knie schwankten. Auf zittrigen Beinen schleppte ich mich zu dem SAC F, in dem Manu aufbewahrt wurde. Ich blickte zerknirscht auf die bewusstlose Frau nieder. Alles was für meinen Erfolg wichtig gewesen war, hatte sich nun in unendliche Ferne begeben. Auch wenn Plangemäß die Erde durch den Cenydden zerstört werden würde, solange Manu Rank in ihrem Koma lag, solange war mein Numen gescheitert.
Ich nahm meinen Sensoromat auf und aktivierte das Gerät. Neben der Funktion Scannen, vermochte es auch Bilder zu übertragen. Ich hinterlegte den Apparat im Cockpit des Flyers und modifizierte ihn auf eine Zerfallsrate von exakt 24. irdischer Stunde. Danach würde sich der Sensoromat selbst vernichten.
 
54
 
Lleon James Stern hatte durch die Worte seiner Gefährten sein Selbstvertrauen wieder erlangt. Er sah nun wieder das Ziel direkt vor sich und dieser Richtungspunkt hieß „Freiheit für die Erde“, „Freiheit für die Menschheit“.
Erric hatte angeregt das man sich für diesen Tag, der längst dabei war auszulaufen, zur Ruhe begeben wollte. LaChun selber wollte die Nacht bei Manu im SAC F verbringen.
Ronn Ward hatte, mittels primitiver Radiowellen, die Bevölkerung vor dem Massaker der Spinnenfüßler gewarnt. Doch es konnten dem Todeszug der Tenebridden nur etwa 600 Männer, Frauen und Kinder entkommen. Diese Menschen drängten sich nun im Pentagon zusammen und ein jeder rief nach einem Teil seiner Familie. Es gab bei jedem irgendeinen geliebten Menschen, der durch das Massaker der Aggressoren umgekommen war.
 
Der Tag danach. Ein grauer Morgen erwachte am 14. Dezember im Jahre des Herrn 5097. Unruhig und auch von der ungewissen Zukunft geplagt hatte ich die Stunden der Nacht verbracht. So wie Erric, war auch ich im SAC F gewesen. Manu lag noch immer Bewegungslos auf der Trage. LaChun hatte lange mit ihr gesprochen und schließlich auch für sie gebetet.
Dann war er kurz nach Mitternacht in einen leichten Schlaf gefallen. Ich selber konnte keine Ruhe finden. Das „Wie soll es nun weiter gehen?“ beschäftigte mich.
0800 Time counter. Lleon James Stern hatte Erric soeben eine Tasse heißen Kaffees gebracht und sich nach dem befinden von Manu erkundigt, als sich der Bildsequenzer einschaltete. Das Logo des Global News Senders wurde gezeigt und Sanaii De’Prros Fratze erschien auf dem Bildschirm.
„Dieser Kerl ist mir echt zuwider“, knurrte LaChun bitter, „weiß einer von welcher Spezies dieser Mistkerl abstammt?“
Lleon James schüttelte den Kopf. Er trank seinen eigenen Kaffee aus und meinte. „Woher diese Type kommt weiß keiner. Seine Rasse ist unbekannt und es scheint auch nur ihn zu geben. Habe noch keinen anderen seiner Art gesehen.“
„ …bereits hunderte Tode hatte diese aussichtslose Rebellion gekostet“, De’Prro lächelte schmierig wie immer, „deswegen ordnete der großmächtige Cenyd ein eindeutiges Exempel an. Die Menschheit ist ab sofort dazu verdammt in den unendlichen Weiten des Nichts zu vergehen. Alle jene die sich nicht anzupassen vermögen, werden liquidiert.“
Ich hatte mich erhoben. Besser ging es mir nicht, aber ich durfte auf mein Befinden im Moment keine Rücksicht nehmen. Mein Kopf dröhnte, es drehte sich alles um mich und ich biss meine Zähne zusammen. „Muss durchhalten“, dachte ich krampfhaft bei mir, „muss mein Numen beenden.“
„Will der Cenyd noch mehr unschuldige Menschen hinrichten lassen?“ hörte ich Jan Wolf, der soeben zu den anderen Männern hinzukam, sagen. „Weiß dieses Ungeheuer wirklich nicht wann man sich geschlagen geben muss und wann nicht? Die Erde wird sich dem Gesetz des Cenydden niemals beugen. Gestern hat sie es nicht, Morgen wird sie es nicht und in tausend Jahren wird sie es ebenfalls nicht tun.“
De’Prro faselte weiter über den sinnlosen Kampf der Menschheit um ihre fragliche Freiheit und es schien so als versuchte der Nachrichtensprecher Zeit zu gewinnen. Er ließ sich ewig lange über die Sturheit der Menschen  aus, kam jedoch auf keinen schlüssigen Punkt.
„ …der großmächtige Cenyd wird in kürze selber eine letzte Botschaft an die Erde übermitteln“, nun ließ De’Prro endlich die Katze aus dem Sack, „danach beginnt das absolute Ende dieses Planeten. Zum ersten Mal in der Geschichte seiner Herrschaft hat sich der Cenyd zur Zerstörung eines seiner eroberten Welten entschlossen. Sanaii De’Prro für Global News Network.“
„Jetzt flippt dieser Spinnenfüßler aber total aus“, Jan knirschte erbost mit seinen Zähnen, „ich drehe diesem Hund den Hals um und wenn es das Letzte ist was ich in diesem Leben tue.“
Ich war einerseits zufrieden. Die Zerstörung der Erde war notwendig, ich wusste zwar nicht mehr warum, aber ich hatte das Gefühl das es gut war. Eine sehr sarkastische Emotion wenn man den Verlust der irdischen Bevölkerung in betracht zog.
„Wir müssen diesen Planeten verlassen“, sagte Lleon James hart, „die Erde ist dem Untergang geweiht.“ Stern wandte sich an Jan Wolf. „Keine Kraft hier kann das noch verhindern. Uns bleibt nur die Flucht nach vorne. Weg von diesem Felsen, hinaus in die weite Galaxie. Gebe den Männern bescheid sofern sie es nicht schon vernommen haben. Es bleibt uns sicherlich nicht viel Zeit.“
Der Riese hastete stumm davon und Erric wollte sich ebenfalls an den Vorbereitungen beteiligen, aber L.J. hielt den Briten an Arm fest.
„Du bleibst bei Manu“, sagte er, „die Evakuierung des Stützpunktes können wir auch alleine bewerkstelligen. Mach schon mal den Flyer startklar, zusammen mit Jan, Omar und Ronn wirst du die erste Staffel von der Erde fortführen. Ich folge dann mit den restlichen zehn Schiffen.“
Erric wollte das zwar zunächst nicht, aber L.J. blieb dabei. Manu benötige LaChun und ein Mann mehr in dem Getümmel des Aufbruchs machte wirklich keinen Sinn mehr.
Lleon James hatte sich schon zum gehen gewand, als, wie De’Prro es verlauten hatte lassen, das Oberhaupt der Tenebridden auf dem Sichtschirm erschien.
„Schaut ein letztes mal auf eure Welt Menschen“, seine kleinen, schwarzen Augen rollten finster und er blickte boshaft in unser Antlitz. „Ich mache Schluss mit eurer erbärmlichen Existenz. Beende sofort das Fortbestehens eures unbedeutenden Planeten.“
 
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Der Cenyd machte nun also wirklich ernst. Ich erlebte eine gewaltige Flut von Empfindungen, auch Sensus, wie es in der pralanischen Sprache hieß. Doch ich konnte nicht zuordnen ob diese Gefühle etwas gutes, oder gar das aus für mein Numen bedeutete.
Errics Herz pochte wild. Er war außer sich vor Empörung und hatte eiligst den Flyer zum Start vorbereitet. Das Interfaceterminal stand unter Energie und auch die Systeme des SAC F’s waren online. Danach war LaChun an seine geliebte Manu heran getreten. Er nahm die zarte Hand der Thailänderin in die seine und flüsterte sanft in ihr Ohr.
„Auch wenn wir nun wie es aussieht unseren Ursprung für immer verlieren werden“, Erric massierte die dünnen Finger ihrer Hand zärtlich, „dich möchte ich nicht auch verlieren. Du bist das einzige was mich in dieser grausamen Welt der Knechtschaft nunmehr am Leben hält. Du bist es, deren mein Herz für alle Zeiten gehört. Ich liebe dich und hoffe das du meine Empfindung ein wenig mit mir teilen kannst.“
Erric hatte Tränen in den Augen. Er konnte seinen Schmerz über die Leblosigkeit seiner Manu nicht mehr kontrollieren. Es brach einfach aus ihm heraus und er weinte hilflos auf. Es dauerte einige Minuten bis LaChun sich wieder gefangen hatte und ich wollte seiner Gefühlsbekundung der Thailänderin gegenüber nicht beiwohnen.
Es war an der Zeit das Feld zu räumen, meine weiteren Beobachtungen konnte ich auch über meinen Handcomputer führen, der verborgene Sensoromat würde alles Zeitgenau übertragen. Auf leisen Sohlen, von qualvollen Schmerzen gepeinigt, schlich ich mich von Bord des Flyers und suchte mir einen unauffälligen Weg ins Freie. Unter offenen Himmel wollte ich das Ende des Geschehens verfolgen und auch mein Ende erwarten. Ich sah keinen anderen Weg für mich, keine andere Option als zusammen mit der Erde zu sterben. Ohne Zeitschiff würde ich meinen Planeten und meine Epoche niemals erreichen. Und mit den Menschen in das Unbekannte fliehen? Was würde das für einen Sinn ergeben? Welche Zukunft hatte ich in einer Zeit, wo ich alleine, ohne eines anderen von meiner Spezies existieren musste? Nein, das war kein Posteritas für mich. Immerhin bestand dennoch eine kleine Chance dass mein Numen, mit der Zerstörung der Erde, mit Erfolg abgeschlossen wurde. Manu konnte im laufe der Flucht noch ohne weiteres aus ihrem Koma erwachen. Alles war noch irgendwie offen, alles noch auf die eine oder andere Weise möglich.
 
Ich war auf das flache Dach des Pentagons gestiegen. Von hier aus wollte ich dem Tod ins Auge blicken. Dazu konnte ich nun auch aus den Schichten des Lichts, aus der Verborgenheit, treten.
Ich deaktivierte den implantierten Phasenchip und wurde pulsierend Sichtbar. Mein Befinden befand sich in einem schon fast unerträglichen Bereich. Ich musste meinen schwachen Knochen nachgeben und lies mich an der Mauer des fünfeckigen Gebäudes nieder. Langsam schaltete ich den Kleincomputer ein und das Elektronengehirn suchte die Übertragungssequenz des Sensoromats. Soeben wischte sich Erric die Tränen aus dem Gesicht und er beugte sich tiefer zu Manu nieder.
„Ich weiß nicht ob du mich hören kannst“, sagte er leise, „aber wenn du es eventuell in Betracht ziehen könntest, dann würde ich mich über deine Hand zum ewigen Bund freuen.“
LaChun setzte seine Lippen auf den Mund der Thailänderin und er küsste die junge Frau leidenschaftlich. Mir erschien es als würden sich die zierlichen Finger Manus sachte bewegen. Hatte ich Halluzinationen? Ich wagte nicht zu atmen. Gebannt hafteten meine Augen auf den Verlauf der Dinge.
Erric strich ihr noch einmal über die Wange und setzte sich schließlich in den Pilotenstuhl. Er nahm das Interface auf und schloss sich rasch an die neue Steuerung an.
Die Öffnungen der Zugangsluken wurden frei gesprengt. Das konnte ich auch ohne meine Computertechnik erblicken. Errics SAC F hob sich als erster aus dem Kanal und nach ihm folgten die Schiffe von Jan Wolf, Omar Williams und Ronn Ward.
In der Luft zischte es. Donner erklang und helle Feuerscheine leuchteten am Himmel auf. Der Cenyd hatte den Beschuss auf die Erde befohlen. Die Vernichtung des Planeten hatte begonnen.
Hart schlugen überall die Energiegranaten des Cenydden-Kreuzers ein und mit tosendem Laut explodierten die Geschosse in der Erde dieser Welt.
Ich wusste nicht, welches Ereignis ich zuerst verfolgen sollte. Die waghalsige Flucht der Menschen ins unendliche Universum, oder die geballte Zerstörung der Erde!
Hin und her gerissen versuchte ich alles in mich aufzunehmen. Über den Bildschirm des SAC F’s konnte ich das exorbitante Hologramm des Cenydden erkennen. Er ballte Hasserfühlt seine Klauen und seine kleinen Augen funkelten erregt in rötlicher Farbe.
„Beobachtet das absolute Ende eurer Welt“, herrisch und auch etwas hysterisch erklangen diese Worte des Tenebridden, „beobachtet das Sterben eures Planeten und geht denselben Weg.“
Der Beschleuniger-Beam wurde eingesetzt und man konnte durch das vibrieren der Luft erkennen, das sich die Kruste der Erde allmählich verzog. Die Pole würden schon bald brechen und der flüssige Kern nach außen treten.
Weitere Flyer stoben aus den Kanälen und als letztes folgte Lleon James’ Schiff. Sie versuchten in den toten Winkel einzutauchen und setzten Kurs aus der Gefahrenzone. Den meisten gelang dies auch, doch zwei SAC F’s wurden von den Energiedämpfungspatronen getroffen. Ihre Dynamik wurde restlos abgezogen und die beiden Flyer schmierten rettungslos ab.
Dann wurde auf dem cenyddischen Superkreuzer der Massebeschleuniger aktiviert. Diese Mündung befand sich auf der Unterseite des gewaltigen Schiffes und goldenfarbige Patronen bahnten sich ihren Weg aus den Öffnungen in die Tiefe der berstenden Erde. Ein Grollen schwoll an, der Boden bebte und schließlich detonierten sie im flüssigen Magma des Planetenkerns.
Die Hitze wurde unerträglich, die Übertragung schlechter. Ich konnte fühlen wie sich meine Haut deformierte, sie erwärmte sich zunehmend und ich wusste dass die atomare Strahlung der Cobald-Ladungen mich bereits verseucht hatte. So oder so war ich nun dem Tode geweiht.
Ich schloss kurz meine Augen. Ein letztes Mal betete ich zu Haara, zu meinem Gott. Ich bat den Schöpfer um Verzeihung für mein Versagen und regte an mich in das Caelum, in den Himmel aufzunehmen.
Ich öffnete meine Lider, es fiel mir bereits schwer. Mein Blick war getrübt und ich wischte mir einige Male über die Augen, wollte die Schleier des nahenden Todes beiseite schieben. Noch einmal sah ich auf den Bildschirm meines Computers. Die Sequenz flimmerte, jeden Augenblick konnte die Verbindung zusammenbrechen. Und mit dem letzten Blickkontakt zu Erric LaChuns Schiff, konnte ich die wachen Augen Sue Manuela Chi Ranks, erblicken. Sie waren direkt auf mich gerichtet und blickten lebhaft in ihre Umgebung. Sie versuchte sich aufzurichten, fasste sich an den Kopf und… Da brach endgültig die Verbindung  zusammen. Ich lächelte. Mein Numen, weswegen ich diese Reise ins Unbekannte gewagt hatte, war zu guter letzt doch noch mit Erfolg abgeschlossen worden. Manu lebte, sie war bei Bewusstsein und der Cenyd war dabei die Erde zu zerstören.
„Danke Haara“, flüsterte ich mühsam, „nun kann mein Anima in Frieden aus der Existenz meines Volkes gehen. Ich bin bereit um dir mein Schöpfer gegenüber zutreten.“
Das Erdreich verglühte. Die Atmosphäre unwiederbringlich dematerialisiert. Das Atmen war mir schon lange nicht mehr ohne Sauerstoffmaske möglich. Und auch diese Reserve war bald verbraucht.
Ich konnte kaum noch meine Augen offen halten. Mein Puls wurde langsamer, ich glitt in einen Dämmerzustand und sackte in mich zusammen. Ich fühlte wie sich meine Seele von der Hülle meines Körpers trennte, dann, während die Meere des Planeten verdunsteten und die Landmassen verschwanden, hörte mein Herz auf zuschlagen.
 
 
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.09.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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