Pierre Heinen

Kommissar Black – Der Fall Poker-Vince (I)

Es fiel ein Schuss, irgendwo in dieser finsteren und kühlen Nacht. Aber er fiel nicht alleine. Es fiel ein weiterer Schuss und nach einem Augenblick der Stille, fiel ein angeschossener Mann in den Mikado-Fluss. Er ertrank und keiner hatte es mitbekommen.

Keiner hatte den grünen Wagen gesehen, der auf der Brücke zuvor angehalten hatte. Keiner hatte den Streit mitbekommen, der zwischen den beiden Personen stattgefunden hatte. Und kein menschliches Augenpaar hatte die Pistole gesehen, die die eine Person herausgezogen hatte. Nur die Nacht hatte finster zugeschaut.


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Die Pizzeria von Marga-Mario war gerammelt voll und Black wunderte dies nicht. Hier konnte man die besten Pizzas der Stadt genießen, darüber waren sich auch seine drei Kollegen am Tisch eins. Viel lieber würden die Polizeibeamten noch auf der Terrasse speisen, um, unter anderem von Maria, der hübschen südländischen Kellnerin bedient zu werden, aber ein Plätzchen im Schatten war, bei diesen tropischen Temperaturen draußen, nicht zu verachten.

Eine heftige Diskussion ließ Black von seinem Teller aufblicken. Mario, der Inhaber stand wild gestikulierend hinter dem Tresen und stritt sich mit Roberto, dem Sohn des reichen Marco, dem jede Pizzeria in dieser Stadt gehörte, außer Marios. Black kannte den jungen Italiener nur zu gut und schon oft hatten sich ihre Wege gekreuzt.

Kommissar Black erhob sich, als Roberto aus Versehen einen Teller zu Boden stieß, wischte sich mit seiner Serviette den Mund ab und ging auf die beiden Streithähne zu. Maria war ebenfalls herbeigeeilt und betrachtete die weißen Scherben, die auf dem Boden verteilt lagen. Roberto ging zum Ausgang, blieb aber auf der Schwelle stehen und drehte sich um.

"Auf Wiedersehen!", knurrte der junge Italiener den Pizzabäcker an, blickte noch einmal zu Maria hinüber und verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war, in der Menschenmenge vor dem Restaurant.

Black wischte sich noch einmal mit dem Handrücken über den Mund, ehe er Mario anschaute und mit Blicken nach Antworten suchte, ehe er eine Frage gestellt hatte.

"Was wollte Roberto?", fragte Black.

"Mein Vater schuldet Marco etwas Geld und jetzt da er vermisst wird, hat sich Mario für ihn verbürgt", erklärte Maria dem Kommissar und sah ihn dabei mit ihren rehbraunen Augen an.

Black blickte ihr nun ebenfalls in die Augen. Sie kniete auf dem Boden und hob die größten Teile des zerstörten Tellers auf.

"Ich hab schon davon gehört. Wir halten die Augen offen, keine Sorge wir werden ihn finden", beruhigte sie Black und er versteckte seine böse Vorahnung hinter einem Vorhang des Schweigens.


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Und sie hatten ihn gefunden. Der Bauer, der seine Felder an der Mündung vom Mikado- in den Cookie-Fluss bestellen wollte, hatte ihn gefunden, um genauer zu sein. Roberto lag noch immer am Ufer. Black hatte den Italiener fast nicht wiedererkannt, so unnatürlich sah er aus, so aufgedunsen. An dem toten Körper haftete ein ekelerregender Abwassergeruch und Black's Magen drehte sich langsam um seine eigene Achse. Er stand auf.

"Zwei Schusswunden konnte ich auf den ersten Blick erkennen", informierte ihn der Gerichtsmediziner und kniete sich wieder zur Leiche nieder.

Der Kommissar hatte schon eine Mafiatat vermutet und das hier sah nur zu gut nach so einer aus. Womöglich ging es um Schulden. Vince war für seine Kartenspielerleidenschaft bekannt und Poker-Vince konnte jetzt kein Ass mehr aus dem Ärmel ziehen um sich in letzte Sekunde zu retten, das zumindest, hatte der Mörder erreicht.

Den Tatort zu finden würde nicht leicht werden, immerhin befanden sich viele brach liegenden Industrieruinen entlang des Flusses, welche sich für Taten dieser Art besonders gut eignen würden.

Black würde wieder einmal das Mafia-Milieu ordentlich aufmischen müssen, das stand jetzt schon fest. Und auch dieses Mal würde er nicht mehr ruhig schlafen können, besonders nicht, wenn wie beim letzten Mafiafall, mitten in der Nacht öfters das Telefon klingelte und jemand eine Morddrohung gegen ihn aussprechen würde. Dieses Mal würde er die Leitung einfach aus der Mauer stöpseln.
 
 

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Marga-Mario schwitzte, dieses Mal ohne Pizzaofen in Reichweite. Er stand mit den anderen trauernden Familienmitgliedern in Schwarz, auf dem Lipptown-Friedhof, am Grab von Vince. Dies würde die letzte Ruhestätte des jungen Italieners werden. Dicht gedrängt, standen sie alle da, schwitzten und blickten zum Pfarrer hinüber, der seine Predigt hielt. Mario wischte sich mit einem Taschentuch die salzigen Perlen von der Stirn und wünschte sich das Ende dieser Zeremonie herbei.

Auch Black war anwesend und er, wie alle anderen an diesem heißen Samstag auch, schwitzte. Er beobachtete die Anwesenden genau und verlor auch das Umfeld nicht aus dem Auge.

Vince hatte man aus nächster Nähe zweimal in den Bauch geschossen, das stand fest. Und das gebrochene Bein und die vielen blauen Flecken, deuteten daraufhin, dass der Ermordete von irgendwo herunter in die Fluss geschmissen worden war. Aber von wo? Insgesamt gab es sieben Brücken die in Frage kamen. Aber auf keiner fand man einen Hinweis, dass der Mord dort stattgefunden hatte. Darüber hinaus befand sich keine der Brücken auch nur in der Nähe einer Siedlung und es wäre mehr als nur Zufall wenn Zeugen sich melden würden. Besonders nicht, seitdem die Presse den Pizza-Mord mehr als irgendein anderes Thema in diesen Sommermonaten, so breitgetrampelt hatte. Und so tappte die Polizei im Dunkeln.

Black entdeckte einen grünen Wagen, der auf dem Parkplatz beim Südeingang des Friedhofs mit Vollgas davongefahren war, als sich sein Kollege ihm genähert hatte. Black verließ die Trauergemeinschaft unauffällig und machte sich auf dem Weg zu Bob. Der junge Polizeibeamte in zivil kam Black entgegen.

"Er hat die ganze Zeit über mit dem Fernglas zugeschaut!", berichtete der Polizist eifrig und zeigte dem Kommissar seinen kleinen Notizblock auf dem ein Kennzeichen aufgeschrieben worden war.

"Gute Arbeit!", lobte ihn Black und schaute die Straße hinunter.

Drinnen war es heiß und Black klebte förmlich an seinen Kleidern. Er kurbelte alle Fenster hinunter und ließ den Fahrtwind das Innere des Wagens abkühlen. Als Black im Polizeihauptquartier ankam, teilte man ihm den Besitzer des Wagens sofort mit und Black fuhr einige Minuten später eine Auffahrt zu einer mächtigen Villa hinauf.

Black wußte er würde in diesem Fall früher oder später hier ankommen. Marco Macconti hatte seine Finger in vielen dubiosen Geschäften mit im Spiel und auch in diesem Fall war klar dass der mächtige Mafioso mit der Sache zu tun hatte. Dass der grüne Wagen auf seinen Namen angemeldet worden war, beweiste noch gar nichts, aber dennoch war es bislang das einzig Handfeste.

Zwischen den hohen Zypressen parkte Black seinen Wagen, die Kollegen parkten ihren daneben. Zu vier uniformierten Beamten schritten sie zu der prunkvollen Eingangstür und Black läutete. Kurze Zeit später standen sie alle in der Eingangshalle und Marco kam die Treppe hinunter. Er trug einen schwarzen Anzug und er war wie ein Weihnachtsbaum mit Gold geschmückt. Er blieb auf dem drittletzten Absatz stehen und begutachtete die Beamten.

"Ah Black!", sagte er schlussendlich und kam leicht hustend auf den Kommissar zu.

"Marco, was sagt dir ein grüner Wagen mit dem Kennzeichen XZS 642?", fragte Black und schaute dem schwergewichtigen Mann in die Augen.
 
 

wird fortgesetzt ...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.09.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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