Den bildhaft schönen Sonnenuntergang beachtete Kommissar Black
nicht weiter und steuerte seinen Dienstwagen wie schon so oft zuvor
durch das Villenviertel von Lipptown. Mehr als wahrscheinlich steckte
der dicke Huste-Marco mit unter der Decke, ging es Black durch den Kopf
und hielt den Wagen schlagartig an.
Minuten später schlich sich der Kommissar am hohen, mit Hecken
bewachsenen Zaun der Macconti-Villa entlang und fragte sich jetzt schon
zum wievielten Mal, ob dies eine gute Idee wäre. Eine illegale Idee war
es auf jeden Fall.
Mit einem Sprung haftete der muskulöse Beamte am schwarz lackierten
Zaun und mit einem zweiten Ruck landete er auf dem gemähten Rasen der
Villa. Black legte sich flach auf den Boden und verharrte in der
Position. Niemand war zu sehen und nur die langen Schatten der Gebäude
lagen mit Black auf dem Rasen. Jetzt oder nie. Der Kommissar sprintete
zum Haus hinüber und versteckte sich in der offenstehenden Garage
hinter der Villa.
Es war finster und Black musste sich tastend zwischen den geparkten
Wagen vorwärts bewegen. Als plötzlich Stimmen vom Haupthaus her zu
hören waren und als diese sich auf die Garage zubewegten, duckte sich
Black und presste sich an einen der Wagen. Dutzende Glühbirnen gingen
an und jetzt erst bemerkte Black dass er sich hinter dem grünen Wagen
versteckt hatte, den er nachmittags gesucht hatte.
Und dann sah der Kommissar Roberto in einem weißen Anzug und neben ihm
Maria in einem hellblauen Kleid. Beide standen vor der Garage und
umarmten sich.
"Morgen, du wirst sehen", beteuerte Roberto und sah Maria in die Augen.
"Das geht zu schnell. Wir haben doch Zeit", sagte Maria und löste sich aus der Umarmung.
"Je eher wir ihm los sind, desto schneller werden wir hier das Sagen
haben", wand Roberto ein, schritt von hinten an sie heran und legte
beide Hände auf ihren Bauch.
Maria drehte sich lächelnd um.
"Ich muss am Montag zum Notar, fährst du mich hin?", fragte sie Roberto zärtlich und drückte ihm einen Kuss auf den Mund.
Roberto lächelte sie ebenfalls an.
"Dann wird meine Freundin für eine Weile mehr Geld besitzen als ich. Wo
möchtest du das Kinderzimmer hinhaben?", fragte er und sah ihr in die
Augen.
"In Marco's Schlafzimmer. Dort hat man den schönsten Ausblick und das
Kind wird morgens von der Sonne geweckt. Sobald der Dicke tot ist werde
ich passende Möbel suchen und eine schöne Wickelkommode", schwärmte
Maria.
"Eben noch ging es dir noch zu schnell und jetzt möchtest du schon Möbel kaufen!", sagte Roberto laut und lachte.
Der Diener kam überraschend und außer Atem auf die Beiden zugerannt.
"Der Herr ist außer sich. Er tobt und ist in der Treppe gestürzt.
Hilfe!", brachte er noch hysterisch heraus, ehe er wieder zum Haus
zurücklief.
Sofort folgte Roberto ihm und Maria ebenso. Black konnte ein Fluchen
hören und machte sich unauffällig ebenfalls auf den Weg zum Haus. Was
war passiert?
Als der Kommissar vorsichtig den hinteren Teil des Hauses betrat,
vernahm er bereits einen heftigen Streit. In der Eingangshalle mussten
sich alle befinden. Black näherte sich durch die Küche und blieb im
Halbdunkel stehen. Er konnte jedes Wort des Streites mitbekommen.
"Es ist kein Gift!", brüllte Roberto und Black konnte hören wie er auf und ab ging.
"Mein eigener Sohn hält mich für so ...", brachte Marco noch heraus, ehe er wieder husten musste.
"Ihr blutet aus dem Mund!", warf der Diener besorgt ein.
"Einen Arzt!", schrie Marco mit letzter Kraft.
Black musste sehen was vor sich ging und schlich sich aus der Küche in
den Flur. Er konnte Marco sehen, der auf der Treppe lag, gestützt von
seinem Diener. Vor ihm stand Roberto mit einem Fläschchen in der Hand.
Neben ihm Maria, die sich an ihren Freund geklammert hatte.
Der Diener wollte eben zum Telefon laufen, aber Roberto hielt ihn fest
und zielte mit seiner Waffe bedrohlich auf den älteren Mann. Sein Vater
hustete immer heftiger und mehr Blut als zuvor spritzte in seine Hände.
Black klebte förmlich an der Wand schob sich so weit wie nur irgend
möglich an das Geschehen heran.
"Deine Zeit ist gekommen, Vater. Sieh dich an! Es wird Zeit dass ich Befehle erteile!", offenbarte Roberto seinem Vater.
Marco zog abrupt einen Revolver aus seiner Hosentasche und spannte den
Hahn. Maria schrie auf und Roberto zog prompt seine eigene Pistole.
"Diese Fraolo-Schlampe! Sie ist an allem Schuld!", röchelte Marco und zielte auf Maria.
Roberto zog sie schützend hinter seinen Rücken.
"Sie ist keine Schlampe! Meine Freundin hat ihren eigenen Vater aus dem
Weg geräumt und dasselbe werde ich auch tun! Du hast mich immer nur als
kartenspielenden Träumer abgetan und Vince hat Maria über Jahre hinweg
nur ausgenutzt. Zusammen rächen wir uns und zusammen werden wir diese
Stadt regieren!", informierte Roberto seinen Vater ausgiebig.
Black, der inzwischen ebenfalls seine Dienstwaffe gezogen hatte, kam sprunghaft aus dem Flur hervor.
"Die Waffen fallen lassen!", brüllte der Kommissar in die Halle hinein.
Alle Anwesenden drehten sich erschrocken um.
"Ah Black!", brachte Marco noch hervor ehe er wieder husten musste und seine Schmerzen verfluchte.
"Holen Sie einen Arzt und die Polizei!", befahl Black dem Diener, der
zuerst nur verblüfft dastand, ehe er Hals über Kopf loslief.
"Ich könnte aus Notwehr heraus, jetzt einen Einbrecher erschiessen",
kommentierte Roberto Black's Erscheinen und richtete seine Waffe auf
den Kommissar.
"Du warst noch nie gut im bluffen ...", sagte Marco und zielte weiterhin auf seinen Sohn.
Black betrachtete Roberto's Pistole. Sollte Maria ihren eigenen Vater erschossen haben?
"Ich ...", brachte Maria noch heraus, ehe sie ohnmächtig zu Boden glitt.
Roberto senkte seine Pistole und kniete zu ihr nieder.
"Weg mit der Waffe!", schrie Black und näherte sich.
Der junge Italiener legte die Pistole ohne Widerrede auf den kalten
Marmorboden und schob sie dem Kommissar entgegen. Er fuhr Maria
behutsam durchs Haar. Nachdem Black Roberto's Waffe mit einem
Taschentuch am Lauf aufgehoben hatte, lief er zu Marco hinüber. Dieser
röchelte nur noch leise und sah schon mehr tot als lebendig aus.
"... diese Schmerzen!", flüsterte er und sah Black mit großen Augen an.
Der Kommissar versuchte den Revolver aus der Hand des dicken Mannes zu
bekommen, aber dieser ließ die Waffe nicht los. Black stand auf und
drehte sich zu Roberto um. Von weit entfernt, drangen Sirenen in die
Ohren des Kommissar's.
"Welches Gift ist ...", wollte Black den jungen Italiener noch fragen,
aber ein Schuss durchschnitt die Halle und brachte alles zum Schweigen.
Black drehte sich um und sah dem toten Marco Macconti in die weit
aufgerissenen Augen. Bluttropfen zierten jetzt die kalte Treppe und der
Kommissar steckte seine Waffe wieder in den Lederholster.
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ENDE –
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