Pierre Heinen

Kommissar Black – Die Museumstherapie (I)

Als Black in seinen Dienstwagen gestiegen war, lastete noch immer ein schwerer Mantel aus Müdigkeit auf seinen Schultern. Der Kommissar musste gähnen. Liebend gerne wäre Black wieder zu Sheila ins Bett gekrochen, stattdessen aber wartete eine Leiche im Museum auf den Beamten. Er startete den Wagen.

Das Lipptown-Geschichts-Museum befand sich im Zentrum der Stadt, in der Nähe der St.-Paul-Kirche und des städtischen Krankenhauses. Aufgrund des nicht vorhandenen Verkehrs, um zwei Uhr nachts, gelangte Black nach kurzer Fahrt an sein Ziel.

"Die ersten Beamten die eingetroffen sind hielten das ganze für einen Einbruch", erklärte Bob dem Kommissar, als dieser die Eingangstreppe heraufkam.

Black nickte verschlafen und sah die großen gläsernen Bruchstücke, die verstreut am Eingang lagen. Die große Fensterscheibe neben dem Eingangsportal war zertrümmert worden, das war unschwer zu erkennen. Bob war es auch gewesen, der Black angerufen hatte und ihm, als er noch neben seiner Freundin im Bett lag, Einzelheiten erklären wollte.

"Hallo Bob", begrüßte ihn sein Vorgesetzter gähnend.

"Die Beamten folgten den Spuren bis ins Innere des Museums und fanden hinter einer Tür dann den Ermordeten", berichtete der Beamte eifrig und sah Black an.

Der Kommissar blickte auf den versiegelten Granitboden und sah deutlich die Fußabdrücke.

"Zwei verschiedene Abdrücke", sagte Bob, "an dem Größeren kann man Blut erkennen"

Ein grauhaariger Mann, der wohl in aller Eile bloß einen Mantel über seinen seidenen Schlafanzug geworfen hatte, kam auf die beiden Polizeibeamten zu. Bob drehte sich um.

"Kann ich dann jetzt gehen?", fragte er zaghaft.

"Kein Problem, wir lassen einen Beamten hier", versicherte Bob und der Mann verließ erleichtert das Museum.

Black folgte jetzt ebenfalls, wie seine Kollegen vor einer Stunde, den Spuren und blieb neben dem maßstabsgerechten Modell einer römischen Trireme stehen.

"Das war der stellvertretende Direktor des Museums. Er hat den Alarm gehört und er ist auch der die Polizei verständigt hat", informierte Bob den Kommissar.

"Und es wurde absolut nichts gestohlen?", fragte Black ungläubig und ließ seinen Blick über die Vitrinen huschen.

Bob ging am Kommissar vorbei und bog in den griechischen Saal ein. Black ging hinter ihm her und achtete darauf, nicht auf die Fußspuren zu treten.

"Hinter der Zeusstatue des Phidias haben die Beamten die Tür gefunden", erklärte Bob und schritt über die am Boden liegende Kordel und die verchromten Ständer, die umgestoßen worden waren.

Deutlich konnte man jetzt auch Handabdrücke am Boden erkennen. Hier war wohl einer der "Einbrecher" gestolpert.

"Und hier ist die Tür", sagte Bob, der sich schon hinter dem Thron befand.

Black schaute nach oben und Zeus blickte grimmig auf den Kommissar hinab. Als ob der Gott mit dem Vollbart geahnt hätte, dass Black im nächsten Augenblick die Brust der Siegesgöttin auf der rechten Hand des Zeus begutachten würde.

"Es befinden sich übrigens vier Räume in dieser Abteilung des Krankenhauses", informierte Bob, dessen Stimme schon abgeschwächt in Black's Ohr drang.

"Krankenhaus? Das heißt durch diese Tür gelangt man ins St.-Paul?", wollte der Kommissar wissen und trat jetzt ebenfalls durch die einfache Holztür.

Bob stand im schmalen, schwach beleuchteten Flur und ging, als er Black sah, durch eine weitere Tür. In dem schmalen Raum befand sich bereits der Gerichtsmediziner, gebeugt über die Leiche. Die große Blutlache, die sich um den toten Mann im weißen Kittel befand, war stellenweise von Fußabdrücken verwischt worden.

"Männlich, etwa vierzig Jahre alt, erstochen worden", resümierte der Mediziner seinen Bericht und schaute gähnend zu Black auf.

Bob zeigte mit seinem Kugelschreiber auf ein Skalpell, welches blutverschmiert auf dem gekachelten Boden lag, unweit des Toten.

"Kollege George glaubt Fingerabdrücke auf der Tatwaffe gefunden zu haben und sobald der Fotograf alles im Kasten hat, wird er genauere Untersuchungen vornehmen", schilderte Bob und sah Black an.

Der Kommissar ließ alle Informationen des Falles Revue passieren und verließ den kleinen Raum. Ein weiterer Beamte kam auf ihn zu.

"Ich hab da vorhin was gefunden", teilte dieser mit und Black folgte ihm den schmalen Flur entlang und beide standen vor zwei zellenähnlichen Räumen.

Ein Fäkaliengeruch drang aus den kleinen Zellen, deren Türen offen standen und Black sah im Schein der Glühbirnen in jedem Verlies, einen Nachttopf stehen. Außer diesem möblierte nur noch ein einfaches Bett die Räume. Hier mussten über längere Zeit mindestens zwei Personen eingesperrt worden sein. Und mehr als wahrscheinlich waren es auch die Beiden, die durch das Museum geflüchtet waren. Und hatte einer den Mann im Kittel ermordet? Und wo waren sie jetzt?


wird fortgesetzt ...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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