Nicht unweit von der Macconti-Villa, im vornehmen Viertel von
Lipptown, parkte Black seinen Dienstwagen auf dem Bürgersteig. Wieder
einmal hatte ein Kriminalfall Black in diese Gegend verschlagen.
"Hier wohnte unser Opfer, Doktor Richard Rarx", teilte Bob dem Kommissar mit und dieser stellte den Motor ab.
Beide blickten zu der mächtigen Behausung im französischen Kolonialstil
hinüber, auf die Bob gezeigt hatte. In der Morgendämmerung sah das
Gebäude zwischen den Zypressen richtig unheimlich aus und eine
Gänsehaut durchzog die Haut des Kommissars.
"Große Hütte für einen Mann allein", meinte Black noch, ehe die beiden Polizeibeamten ausstiegen.
Sie überquerten die Auffahrt aus Betonsteinen und Black ließ seinen
Blick über den taubefeuchteten und gepflegten Rasen gleiten. Die ersten
Sonnenstrahlen, die langsam über die umliegenden Hügel kletterten,
ließen das Grün aufblitzen. Zwischen den weißen Säulen der Villa gingen
sie auf die große Eingangstür zu. Bob zog den Haustürschlüssel, den sie
in der Hosentasche des Arztes gefunden hatten hervor, öffnete und beide
betraten das palastähnliche Gebäude.
"Hätten ich doch bloß studiert ...", jammerte Bob leise vor sich hin und schien den Luxus regelrecht in sich aufzusaugen.
"Ich sehe mich unten um, übernimm du den ersten Stock!", befahl Black
und ging auf das große und offen stehende Wohnzimmer mit dem Kamin zu.
Das Opfer hatte ziemlich denselben Geschmack wie Marco Macconti, fand
Black und bestaunte den mit Aktenordnern überfüllten Tisch in der Mitte
des Raumes. Als der Beamte den obersten Ordner mir der Aufschrift
"R-Therapie" aufklappen wollte, hörte er, wie ein Wagen die Auffahrt
hinauffuhr. Der Kommissar ging zu den mit weißen Vorhängen behangenen
Fenstern und blickte hinaus.
Ein auffällig roter Wagen stand jetzt in der Einfahrt und ein junger
Mann in einem maßgeschneiderten Anzug stieg aus. Er ging zielstrebig
auf die Eingangstür zu und Black verließ eilig das Wohnzimmer. Zu
Black's Erstaunen stand der Mann bereits im Flur, mit einem Schlüssel
in der Hand.
"Wer sind Sie?", fragte er überrascht und blieb stehen.
Black hielt dem Mann seine Dienstmarken unter die Nase. Die steigende
Nervosität beim Anblick dieser, konnte der Mann nicht verbergen.
"Ich bin Kommissar Black und Sie?", wollte der Beamte neugierig wissen.
Der junge Mann musste schlucken und ihm wurde sichtlich unwohl. Bob kam
wissbegierig die Treppe herab und zeigte ebenfalls seine Polizeimarke.
Nach dem Erscheinen des zweiten Beamten, konnte man deutlich erkennen
dass der Mann am liebsten Hals über Kopf geflüchtet wäre.
"Ich bin Jonathan Detour von R-Pharma und habe eine Verabredung mit
Doktor Rarx", stellte sich der Mann schließlich vor und fuhr aufgeregt
mit seiner rechten Hand durch seine blonde Mähne.
"Der Doktor wurde vor wenigen Stunden ermordet", informierte Black den Mann.
"Ermordet?", fragte Jonathan erschrocken und stand mit offen stehendem Mund vor den Beamten.
"Darf ich fragen woher Sie den Schlüssel haben?", wollte Black wissen und sah den Schrecken in den Augen von Jonathan.
"Ich habe viel mit Richard zusammengearbeitet. Wir haben da ein Projekt ...", schilderte Jonathan, ehe er innehielt.
"R-Therapie?", fragte der Kommissar etwas leichtfertig.
"Wer hat ihn ermordet?", warf Jonathan nach Sekunden des nichts sagens
ein und schien einen großen Bogen um diese Therapie machen zu wollen.
"Genau das wollen wir herausfinden, Mister Detour", übermittelte Bob dem Mann.
"Ich muss jetzt gehen", sagte Jonathan hastig und drehte sich augenblicklich zur Tür.
Im großen Türrahmen blieb er stehen, kramte etwas aus seiner
Hosentasche hervor und drehte sich dann zu Black um, der ihm mit großen
Schritten gefolgt war. Er hielt eine Visitenkarte in der rechten Hand.
"Ich hätte Sie sowieso darum gebeten", sagte der Kommissar und nahm das eckige Papierstück entgegen.
Mister Detour nickte und verließ eilig das Haus.
– 0 –
37 Mal war auf Rarx mit dem Skalpell eingestochen worden und die
Schlagader am Hals konnte gleich zwei Stiche aufweisen. Das Opfer war
verblutet und die blauen Flecken, die der Gerichtsmediziner am ganzen
Körper verstreut gefunden hatte, deuteten auf eine Prügelei hin. Die
Fingerabdrücke auf der Tatwaffe stimmten mit keinem Abdruck aus der
Verbrecherkartei überein, das hatte George bereits herausgefunden.
Der Doktor hatte die Räume genutzt, die eigentlich an das Museum
vermietet worden waren. Der Direktor des Museums persönlich, hatte den
Kommissar gleich am Vormittag im Polizeihauptquartier aufgesucht und
ihm so manche Fragen beantwortet.
"Er hat ja auch viel Miete gezahlt, wissen Sie", hatte der Direktor des Museums dem Kommissar versichert.
"Und was er in den Räumen getan hat, wissen Sie nicht?", hatte Black nachgehakt.
"Er sagte mir einmal, während einer Partie Golf, dass er dort manchmal
ein Nickerchen halten würde", hatte ihm der Mann versichert.
Ein Nickerchen. Das war wohl das Letzte was der Doktor dort getan
hatte, ging es Black durch den Kopf. Irgend etwas hatte dieser
Pharmakonzern damit zu tun, aber was? R-Therapie?
wird fortgesetzt ...