Walter Raasch

Die Neffen

Tachchen.

 

Sie erinnern sich an meinen Freund Kurt und seinen Boxer Harras

von denen ich ihnen erzählt habe?

Ja?

Das ist fein.

Also für den Harras muss ich bald als Zeuge aussagen.

Wollen sie wissen wieso?

Ja dann passen sie mal auf.

Also die Olle vom Kurt, die Sandra, die war zurückgekommen.

Aber das wiederbelebte Familienglück war dem Kurt einfach zu anstrengend.

Der Kurt ist zwar ein unglaublicher Schrank von einem Baum,

aber doch mehr als zwanzig Jahre älter als die Sandra.

Er meinte so ein bisschen Arbeit wäre entspannender als dieses intensive

Ehe Verhältnis.

Deshalb hat er sich einen Halbtagsjob als Nachtwächter auf einem Parkplatz gesucht.

War logisch, dass sie den gleich eingestellt haben.

Der sieht nämlich aus, als wenn er zum Einparken der Kundenfahrzeuge gar

keinen Zündschlüssel brauchen würde, sondern das manuell erledigen könnte.

Und es gab noch einen Pluspunkt, er konnte auch seinen Harras mitnehmen und in den

Mußestunden mit ihm spielen und ihm das Bällchen werfen.

Das war für beide Ehepartner eine gute Lösung.

Die Sandra hatte wieder Zeit für den Besuch von der Verwandtschaft

und der Kurt hatte seine Ruhe auf der Arbeit.

Alles lief wunderbar, doch dann kam der Tag an dem dem Kurt sein Frühstück

nicht bekommen ist.

Ob er das gekochte Ei von letzter Woche doch besser weggeschmissen hätte

oder ob ein Bratrollmops die See zu lange verlassen hatte?

Man weiß es nicht.

Jedenfalls hat er einen richtigen flotten Heinrich bekommen.

Da hat er sich vernünftigerweise gesagt, Kurt ab nach Hause,

erst mal ein bisschen ausruhen und dann isst du dir,

um den Magen zu beruhigen, ein Brötchen mit Fleischwurst und ordentlich Senf.

Er hat sich hurtig auf den Weg gemacht und ist trotz des Stoßverkehrs

zeitig zu Hause angekommen.

Als er in die Wohnung kam hat er dumm geguckt, denn da war auch Stoßverkehr.

Die Sandra hatte Besuch von zwei Neffen bekommen und die hatten es sich im

Schlafzimmer gemütlich gemacht.

Das hat dem Kurt jetzt nicht so gut gefallen.

Er hat den Verwandten ein paar hinter die Löffel gegeben und sie dann

nackend in den Flur gestellt.

Und bei dieser Aktion hat der Harras einem von den beiden Jünglingen in den Arsch gebissen.

Durch den Lärm im Treppenhaus wurde die alte Frau Gischus aus dem Erdgeschoss

neugierig und ist erst einmal gucken gegangen was sich hier eigentlich abspielt.

Als sie die beiden Nackedeis vor der geschlossenen Tür von den Koslowskis stehen sah,

fing sie gleich an zu schreien: „Hilfe, Hilfe, Vergewaltigung.“

Das beschrieb zwar mehr ihre Hoffnung als den Tatbestand, sorgte aber für

ordentlichen Aufruhr in den anderen Etagen.

Die Neffen sind in Panik geraten und auf die Straße gerannt.

Das war auch kein Geniestreich, denn nun standen sie ohne Klamotten und ohne Geld

auf dem Bürgersteig.

Sie haben sich überlegt, erst mal an die Trinkhalle zu gehen.

Das ist verständlich, denn im Ruhrgebiet geht man eigentlich immer erst mal

an die Trinkhalle.

Ja und da kamen die beiden Nacktfrösche an, gerade als ich mit dem Heinz

über die Flaschen von Rot-Weiß gefachsimpelt habe.

Wir haben ziemlich blöde geguckt, weil wann sieht man schon mal

zwei Adams Jünger mit gezückter Waffe?

Außer im Porno, doch nie.

.Ich habe sie höflich angesprochen:

„Was macht ihr denn für eine Kacke? So warm ist das doch noch gar nicht.

Ist das die nächste Hanswurstiade, nach Roller fahren, Nägel in die Fontanelle klopfen

und faltige Plakatwand spielen?

Oder seid ihr so ein bisschen dämlich in der Birne und habt nur vergessen was anzuziehen?“

Meint der dünnere von den beiden.

„Sehr witzig. Können wir bitte einmal telefonieren?“

„Klar“, sagt der Heinz „kein Problem. Wenn du bezahlen kannst.

Wo hast du eigentlich dein Portemonnaie versteckt?

Oder? Nee, lass mal, das will ich lieber gar nicht wissen.“

„Könnten sie uns denn ein Taxi rufen?“

„Klar doch, das mache ich gerne. Wird sicher lustig.

Darf ich die Herren zu einer Cola einladen?“

Als die beiden Stoffel ihre Coca tranken und Heinz telefonierte,

habe ich mir die beiden Strategen genauer angeguckt.

Also der eine hat am Hintern aber ganz schön geblutet.

Ich habe ihn gefragt ob er Probleme mit Hämorrhoiden hätte

und ob ihm vielleicht gerade eine aufgeplatzt ist.

„Nein, das war der widerliche Köter“, hat er geantwortet.

Da habe ich den Heinz angeguckt und der hat genickt und

wir haben wie aus einem Mund gesagt:

„Ihr seid Neffen von der Sandra. Alles klar.“

Und der Heinz meint noch:

„Für Opfer vom Kurt seht ihr aber noch ganz kregel aus.

Wenn ich an den Lackmeier mit dem Porsche denke, au weia.

Ob der schon wieder feste Nahrung zu sich nehmen kann?

Oder der Tennislehrer. Der ist lieber ausgewandert als noch mal

mit Sandras Bällchen zu spielen.“

Da kam auch schon das Taxi.

Der Fahrer kurbelte die Seitenscheibe runter,

guckte die mittlerweile vor Kälte zitternden Adams Jünger an und rief:

„Was, die beiden Schwestern soll ich mitnehmen. Das kannst du vergessen.

Der  Komiker blutet mir ja die ganzen Polster voll. Nee, lass mal.“

Und schwupps war er wieder losgefahren.

Wir haben überlegt was wir machen könnten und kamen auf den Willi.

Der ist auch Taxi Fahrer und ein guter Kumpel.

Also hat der Heinz ihn angerufen, noch zwei Decken und den Werkzeugkasten geholt,

damit sie nicht erfrieren und in ihre Wohnung kommen.

Hat aber leider nichts genützt.

Das nächste Auto das durch die Strasse kam war ein Peterwagen.

Die Tschakkos stiegen aus und stellten sich zu uns und dann sagt der eine

von den beiden Schlaumeiern doch tatsächlich zu den Nacktfröschen:

„Dürfte ich bitte mal ihre Papiere sehen?“

Au Mann.

Ja die Polizisten haben die Neffen dann mitgenommen,

so dass der Willi um eine schöne Fahrt gebracht wurde.

Zwei Wochen später hat der Kurt Post vom Gericht bekommen.

Eine Anzeige gegen Harras wegen Körperverletzung.

Da hat der Kurt gleich Berufung gegen eingelegt und ausgesagt,

dass er selbst dem Neffen in das Hinterteil gebissen hätte.

Er will natürlich nicht, dass sein Hund ins Gefängnis kommt.

Und nun muss ich vor Gericht aussagen.

Und zwar soll ich erklären, dass es bei Raufereien schon immer die übliche

Vorgehensweise vom Kurt war, seine Gegner ein bisschen zu beißen.

Wir hätte ihn schon Maik Thyssen genannt, bevor der Mann überhaupt

bekannt wurde.

Die Sandra hatte der Kurt übrigens später auch vor die Tür gesetzt.

Nackig wie sie war.

Sie hat aber gleich bei dem Knallkopf aus der ersten Etage Asyl gefunden.

Kein Wunder bei dem Outfit.

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.10.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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