Marianne Knip

Sommer 1961

Es war Samstag und ich hatte mich mit meiner Freundin im Café Filderhof verabredet, um 18.00 Uhr wollten wir uns dort treffen. Da ich etwas zu früh dort war löste ich Kreuzworträtsel, denn dies machte ich mit Begeisterung. War so damit beschäftigt, dass ich gar nicht merkte wie die Zeit verging, als mich plötzlich jemand ansprach und fragte ob er Platz nehmen könnte. Schaute nur kurz hoch und wollte gerade sagen ... nein meine Freundin kommt gleich, aber er sah mich ganz lieb an und ich sagte nur ... bitte, wenn sie unbedingt hier sitzen wollen.

In diesem Moment kam die Bedienung auf mich zu und sagte zu mir, Fräulein Marianne ihre Freundin hat gerade angerufen und lässt sagen sie könnte nicht kommen. Danke Frau J. es ist nett, aber da ich schon hier bin bleibe ich auch noch ein Weilchen und wendete mich wieder meinem Kreuzworträtsel zu. Wurde auf einmal ganz unruhig, denn ich merkte dass ich beobachtet wurde und schaute hoch und genau in seine Augen. Wie verzaubert lächelte ich ihn an und genauso schaute auch er mich an. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns wunderbar.

Schaute ich auf die Uhr und erschrak, denn es war schon 21.30 Uhr. Entschuldigte mich bei ihm und sagte ich muss jetzt ganz schnell gehen, denn sonst bekomme ich Problem mit meinem Papa.

Damals wurde man erst mir21 Jahren Volljährig und dies wurde ich erst im November und ab 22.00 Uhr war für unter 21jährigen Zapfenstreich und man hatte um diese Uhrzeit daheim zu sein. Wenn man nach 22.00 Uhr noch in einer Gaststätte war und wurde von der Sittenpolizei entdeckt, musste man auf die Wache mitkommen und wurde dann von den Eltern abgeholt und das wäre sehr peinlich geworden.

Er fragte ob er mich nach Hause bringen dürfte, denn er sei mit dem Auto hier und ich bräuchte auch keine Angst zu haben. Er brachte mich auch ganz lieb heim und vor der Haustüre fragte er mich ob ich ihn wieder treffen wollte und wo er mich telefonisch erreichen könnte, denn er komme oft nach Stuttgart. Gab ihm die Nummer vom Laden in dem ich als Verkäuferin arbeitete und dann küsste er mich ganz zart und ging.

Eine Woche später erreichte mich ein Anruf und es war ... nennen wir ihn Frank(seinen richtigen Namen würde ich nie verraten), ob ich am Sonntag mit ihm treffen würde und ich sagte begeistert zu. Am Sonntag holte er mich von daheim ab und wir verbrachten eine herrlich Tag miteinander. Beim Abschied sagte er mir dass er am Wochenende wieder in Stuttgart sei und am Sonntag wieder nach Esslingen kommt und mich abholt. Fragte ihn was er denn so beruflich macht und er gab mir zur Antwort, er sei Musiker und komme öfter zum Stuttgarter Sender.

Am Sonntag trafen wir uns und es wurde wieder ein wunderschöner Tag und als er mich beim Abschied küsste, sagte er, ich sollte nicht traurig sein, denn er kann erst wieder in vier Wochen hier sein, denn er sei im Ausland, aber wenn er zurück sei würde er mich sofort anrufen und dann küsste er mich, dieses mal sehr leidenschaftlich.

Es wurden lange vier Wochen für mich und als er dann in der fünften Woche endlich anrief war ich sehr glücklich und er sagte, er würde am Samstag nach Esslingen kommen und das ganze Wochenende für uns haben.

So ging es fast ein Jahr lang. Als wir uns, wieder einmal, nach einer längeren Zeit trafen, fuhren wir ins Remstal und gingen dort in ein Café. Als Frank dort auf die Toilette musste legte er seine Jacke auf die Bank und dabei fiel sein Pass runter, ich hob ihn auf und da ich sehr neugierig war schaute ich rein und erschrak, denn jetzt wusste ich auch warum er öfters so lange weg war, er war ein sehr bekannter Jazzmusiker. Als er zurück kam , sah er meinem Gesicht an dass etwas geschehen war und ich schob ihm nur seinen Pass zu.

Es kam zur Aussprache und dabei sagte er mir, er hätte dies nur auf Rücksicht auf mich gemacht, denn wenn die Presse Wind davon kommen hätte, hätte ich keine ruhige Minute mehr gehabt.

Wir trafen uns auch weiterhin heimlich und gerade diese Heimlichkeiten konnte ich nicht mehr länger aushalten und sagte zu ihm dass es besser ist, wir würden uns nicht mehr treffen.

Er schaute mich traurig an, nahm mich noch einmal in den Arm, küsste mich und dann ging er.

Nach längerer Zeit rief er mich im Laden an und sagte, ich sollte doch bitte gleich das Radio anmachen, denn er hätte beim Sender in Stuttgart ein Interview. Machte darauf hin das Radio an und dann hörte ich ihn auch schon mit dem Moderator sprechen und am Schluss sagte er, er möchte etwas persönliches sagen und dann hörte ich ihn singen und mir liefen die Tränen über das Gesicht.

"By By Mariann, die Zeit mit dir war wunderschön und bin traurig das wir uns nie mehr wiedersehen, lebe wohl und vergiss mich nicht."

Immer wenn seine Musik im Radio erklingt, werde ich an dieses wunderschöne Jahr erinnert.

M.K. ... 06.08.2007

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.10.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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