Peter Kropidlowski

Weihnachten ist doof

Weihnachten ist doof
 
Hoppel hatte es sich in seinem Bau gemütlich gemacht. Draußen schneite es und der Waldboden war mit einer dicken Schicht bedeckt. Kalt war es außerdem. Die Kälte und der Schnee störten Hoppel aber wenig denn Hoppel war ein Schneehase und sein Fell war dick und warm. Er dachte an die Zeit zurück, als er noch eine Familie hatte, Vater, Mutter und drei Brüder. Ei war das eine tolle Zeit gewesen aber die war leider längst vorbei.
Nachdem sein Vater von einem bösen Wolf verschlungen worden war, hatte sich seine Mutter allein um die vier Jungen gekümmert. Seitdem sie im vorigen Jahr einem Jäger zum Opfer gefallen war, mussten die Brüder für sich selbst sorgen. Das war auch kein großes Problem, denn sie waren ja nicht mehr so klein.
Im letzten Frühjahr machten sich Hoppels Brüder dann auf in die große, weite Welt und seitdem war Hoppel allein im Bau. Er lebte sehr zurückgezogen, hatte nicht viele Freunde im Wald. Er schämte sich das Er so ganz alleine war. Die anderen Tiere hatten ihn schon oft eingeladen aber er war nie irgendwo hingegangen, hatte immer seine Einsamkeit der Geselligkeit vorgezogen.
"Morgen ist Weihnachten" dachte Hoppel "das erste Weihnachten das ich alleine verbringen werde. Was wohl meine Brüder machen? Denen ist es wahrscheinlich egal, was aus mir wird. Die haben bestimmt schon alle Familien. Da ist dann für einen Bruder kein Platz mehr. Ach, Weihnachten ist einfach doof, ich wünschte es wäre schon vorbei." Hoppel verließ seinen Bau, um einen kleinen Spaziergang zu machen. Er hüpfte im Wald herum und spielte mit den Schneeflocken. Die ließen sich so leicht aber nicht fangen. Recht bald hatte er keine Lust mehr auf dieses Spiel. Zum Glück hatte er genug Nahrung in seinem Bau denn jetzt etwas zu finden war nahezu unmöglich. Er lief hinunter zum See denn da traf er um diese Tageszeit meistens einen Eisvogel.
Mit dem wechselte er dann immer ein paar Worte und überbrückte damit etwas seine Einsamkeit. Der Eisvogel war aber heute nicht am See und so zog es ihn bald wieder nach Hause in seinen warmen Bau. Bevor er diesen betrat, schüttelte er den Schnee aus seinem Fell, damit drinnen nicht alles nass wurde, und schlüpfte dann schnell hinein. Mittlerweile war es war schon dunkel draußen und Hoppel lauschte auf die Geräusche, die aus dem Wald zu ihm in den Bau drangen. Es waren nicht viele, sodass er sie gut unterscheiden konnte.
Als er hungrig wurde, aß er etwas und legte sich dann nieder, aber er konnte nicht einschlafen. Immer wieder tauchten die Bilder der vergangenen Weihnachtsfeste vor seinen Augen auf und leise Wehmut legte sich um sein Herz. Wie schön war es doch gewesen, als er noch mit seinen Brüdern spielen konnte und die Mutter mit strengem Ton sie ermahnte das Spiel nicht zu übertreiben. Dann der Weihnachtsabend, wo sie alle zusammensaßen und die Mutter sie mit tollen Geschichten verwöhnte. Das Letzte was er dachte bevor Hoppel dann doch endlich einschlief war: >Weihnachten ist doof, ich wünschte es wäre schon vorbei<. Mitten in der Nacht wurde er wach, weil er meinte, ein Geräusch gehört zu haben. Als er sich im Bau umsah, entdeckte er am Eingang ein Licht, das sehr hell zu leuchten schien. Neugierig wie er nun mal war stand er auf und ging vorsichtig auf den Eingang zu.
Mit jedem seiner Schritte wurde das Licht heller und als er den Eingang erreicht hatte und hinausblickte in die dunkle, stille Nacht traute er seinen Augen nicht. Inmitten eines hellen Kreises schwebten seine Eltern und seine Mutter sprach zu ihm: "Hoppel, warum bist du so traurig? Weihnachten ist ein Fest der Freude und nicht doof, wie du immer denkst. Du wirst niemals alleine sein mein Engel, wir wachen allzeit über dich."
"Aber Mutter, Vater, wo kommt ihr her und woher wisst ihr, was ich denke? Sagt mir bitte......." Aber da waren seine Eltern schon verschwunden. Der helle Kreis hatte sich einfach aufgelöst und die Nacht war wieder still und kalt und einsam. Lange musste Hoppel über die Worte der Mutter nachdenken und konnte nicht wieder einschlafen. Er konnte einfach nicht begreifen, wo sie so schnell hergekommen war. War das alles nur ein Traum gewesen und er hatte sich das nur eingebildet? Sicher, genauso musste es sein aber es war ein schöner Traum gewesen denn er hatte seine Eltern noch einmal gesehen. Er schloss die Augen und versuchte an der Stelle weiter zu träumen, wo er eben aufgehört hatte, aber das gelang ihm leider nicht. Als er wieder die Augen aufschlug, war er draußen heller Tag. Hoppel streckte sich und frühstückte erst einmal. Dabei dachte er wieder an seinen Traum aus der vergangenen Nacht aber weit kam er nicht mit seinen Gedanken denn etwas kratzte an seinem Bau. Da, da war es wieder, als ob jemand versuchte durch den schmalen Eingang zu gelangen. Hoffentlich kein Wolf oder ein anderes, hungriges Tier, das ihn verschlingen wollte wie damals seinen Vater.
"Hallo, ist jemand da? Hoppel, komm raus." rief es von draußen. Die Stimme kannte er doch. Hoppel stand auf und ging zum Eingang, immer noch ein wenig Vorsicht walten lassend, weil das Ganze auch ein Trick sein konnte. Alle Vorsicht war vergessen, als er den Kopf aus seinem Bau streckte und sah, wer sich da draußen eingefunden hatte. Es waren all seine Brüder mit ihren Familien und auch einige andere Tiere aus dem Wald die, als sie Hoppel hervor lugen sahen, ein fröhliches Gejohle anstimmten und ihm alle ein frohes Weihnachtsfest wünschten.
Hoppel trat nun vollends aus seiner Höhle heraus und tanzte und sang mit seinen Brüdern und seinen neuen Freunden immer wieder im Kreis herum und sie feierten zusammen ein sehr schönes Weihnachtsfest. Und nun hatte Hoppel seine Meinung geändert, Weihnachten war eben doch nicht doof.
© 2007 by Peter Bochanan

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.11.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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