Marianne Knip

Unverhofftes Wiedersehen.

Es war ein so wunderschöner Herbsttag, als Marion durch die Weinberge spazieren ging. Sie liebte die Weinberge, den Blick auf Esslingen und das Neckartal. Immer, wenn sie es sich einrichten konnte und die Zeit es ihr erlaubte, machte sie diese Spaziergänge durch die Weinberge, denn dabei konnte sie immer so herrlich abschalten und entspannen. Marion dachte daran das sie ja in einem Monat Fünfunddreißig Jahre alt würde und irgendwie geriet sie dabei leicht in Panik. Beruflich ist ja alles nach Plan verlaufen, nur ihr Liebesleben ist dabei auf der Strecke geblieben. Marion spürte langsam ihre innere biologische Uhr ticken und der Wunsch nach einen Mann und Kinder wurden langsam immer stärker.
 
***

Sie wanderte weiter nach oben zur Neckarhalde, es war so ruhig hier oben und holt tief Luft. Auf einmal sah sie die kleine alte gut versteckte Bank und alte Erinnerungen kamen mit aller Macht zurück. Marion hatte all die Jahre die wunderschöne Zeit mit ihrem Jugendfreund Hans aus ihren Gedanken verdrängt und nun fiel ihr alles wieder ein, was habe ich damals nur getan, dachte sie.

Abends sind sie und Hans immer hier herauf gekommen und auf der kleinen Bank liebten und küßten sie sich und schworen sich ewige Treue. Mein Gott warum habe ich ihn damals einfach gehen lassen. Mein verdammter, dummer Stolz und mein blöder Dickkopf hatten mir dies eingebrockt, dachte Marion. Wir hatten einen Streit und es ging eigentlich nur um ganz banale Dinge und in meiner Dummheit habe ich zu Hans gesagt, "gehe doch zum Teufel, ich hasse dich und liebe dich nicht mehr". Hans sah mich nur entsetzt und traurig an, "wenn das stimmt", sagte er "sehen wir nie mehr wieder". "Dann geh doch", Hans drehte sich stillschweigend um und ist einfach, ohne ein Wort zu sagen, gegangen. Marion wollte ihn zurück halten und sagen das es nicht stimmt, sie würde ihn doch noch immer lieben, aber der dumme Stolz und ihr Trotzkopf hielten sie zurück, all dies fiel ihr an diesen Platz wieder ein. Marion ging mit feuchten Augen und traurigen Gedanken in ihre Wohnung zurück
 
***

Seit dieser Wanderung in die Weinberge sind ein Paar Monate vergangen und nach einem trostlosen Winter kam endlich der Frühling. Marion dachte daran endlich wieder einmal Urlaub zu machen, denn der Stress bei der Arbeit hat sie müde gemacht und sie brauchte dringend Erholung. Sie überlegte wo sie hinfahren könnte und da fiel ihr auf einmal Hohwacht ein, da war es im Mai noch ziemlich ruhig und erholsam. Marion und ihre Freundin hatten früher dort oft ihren Urlaub verbracht. Sie freute sich schon so darauf wieder unterhalb der Steilküste im Sand zu liegen oder lange Strandspaziergänge zu machen.. Sie überlegte nicht lange und buchte sich ein Zimmer in Hohwacht.

Es war soweit und als es dann von Stuttgart nach Kiel ging und dann weiter mit dem Omnibus nach Hohwacht, wurde Marion immer aufgeregter vor Freude und ihr fielen auch wieder die herrlich großen Rapsfelder entlang der Strecke ein. Als Marion dann endlich in ihre Unterkunft am Sanddornweg ankam, roch sie das Meer und freute sich schon darauf am anderen Tag eine ausgedehnte Wanderung am Strand entlang zu machen.

Als sie dann am anderen Morgen, nach einer herrlich durchschlafener Nacht, aufwachte fühlte sie sich so frei wie schon lange nicht mehr. Nach dem guten Frühstück überlegte sich Marion in welcher Richtung sie eigentlich laufen sollte, Weissenhäuser Strand oder Lippe. Marion entschied sich für den Weg in Richtung Lippe und lief barfuß durch den herrlichen Sand und träumte von vergangenen Zeiten.
Marion achtete nicht wo sie hin lief, denn ihr Blick ging immer wieder zu den sanften Wellen, die an den Strand spülten und machte kurz die Augen zu um die Seeluft tief ein zu atmen. Auf einmal stolperte sie und fiel prompt auf einen Mann der sich in einer Sandkuhle sonnte. Der fauchte sie wütend an "haben sie denn keine Augen im Kopf um auf den Weg zu achten, denn so klein bin ich ja nun auch wieder nicht um übersehen zu werden". Marion konnte sich nicht mehr bewegen, ich träume dachte sie, denn sie erkannte diese Stimme, die sie niemals vergessen konnte. Sie machte die Augen auf und ganz schnell wieder zu und blieb ganz ruhig liegen, dies kann nur ein Traum sein ,denn Hans kann hier gar nicht liegen.

Hans erging es in diesem Moment ebenso, denn als er den Sonnenschutz von den Augen nahm, erkannte er Marion sofort und fragte sich, ob seine Träume ihm wohl einen Streich spielten, denn gerade hatte er an Marion gedacht und nun lag sie auf ihm.

Marion lies ihre Augen geschlossen, denn sie wollte nicht aus diesen wunderschönen Traum aufwachen. Hans zog ganz langsam ihren Kopf zu sich herunter und küsste sie ganz zärtlich und drückte dabei Marion fest an sich. Sie schauten sich nur immer wieder glücklich in die Augen und seine Küsse wurden immer stürmischer. Marion war es als wäre die Zeit stehen geblieben, sie war so glücklich.

Sie redeten viel mit einander und es stellte sich heraus das sie nicht einmal weit von einander wohnten. Marion gestand ihm, "ach Hans ich habe dich damals immer noch geliebt und nur mein verdammter dummer Stolz hat mich daran gehindert um es dir zu sagen, ich wollte dich zurück rufen, aber ich war wie gelähmt". Hans erwiderte, "bei mir war es ja auch nicht anders gewesen, oh Marion wenn dein Herz noch frei ist, lasse ich dich nie wieder los und halte dich für immer fest, Marion liebst du mich noch?".Sie flüsterte glücklich "oh ja Hans ich liebe dich noch immer", er hielt sie fest umschlungen und küsste sie zuerst ganz zärtlich, doch sein Kuss wurde immer leidenschaftlicher und um sie herum versank die Welt.

Da Hans auch erst einen Tag vorher angekommen ist und ebenso wie Marion noch zwei Wochen Urlaub hatte, beschlossen sie die restlichen Tage gemeinsam zu verbringen. Es wurden Traumhaft schöne Tage.

Daheim in Esslingen angekommen machten sie gleich am Abend einen Spaziergang zu ihrer alten kleinen Bank. Hans nahm Marion zärtlich in den Arm und küsste sie und fragte sie, "Marion willst du mich heiraten und für immer mit mir zusammen bleiben" und Marion hat glücklich "Ja" gesagt.

 

 

M.K. ...  24.09.2006

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