Walter Raasch

Die süße Maus

 

 

Endlich konnte ich den allgegenwärtigen Begriff auch einmal

benutzen, obwohl ich ihn ja beknackt finde.

Was an einer hundlichen 60 Kilo Wuchtbrumme  oder

einem 600 muskulöse Kilogramm schweren Pferd an eine Maus erinnert,

das weiß ich wirklich nicht.

Schon gar nicht an eine süße.

Oder ist es schon das Geburtsrecht einer Maus das Attribut süß zu besitzen,

sozusagen als Vornamen?

S. Maus?

Egal,

jedenfalls hatte ich heute Morgen das Privileg eine echte süße Maus zu sehen und sogar zu retten, was mich im Ansehen der Leser nach vorne bringen sollte.

Es ist früh, ich werde wach weil der Kater im Erdgeschoss quengelt.

Ich taumele die Treppe herunter, der Hund läuft hinter mir her, ich knipse die Kaffee Maschine an, lasse den Wuff in den Garten und frage den Kater der vor meinen

Rattan Bücher Regalen im Flur sitzt, ob er solch einen Kohldampf hatte, dass

er mich wecken musste. Ich schlurfe wieder in die Küche

und stelle dem Kater sein Futter hin.

Der hat aber besseres zu tun als zu fressen

und turnt weiter aufgeregt maunzend vor dem Regal herum.

Alles klar, dann sitzt wieder eine Maus dahinter.

Erst einmal muss ich den Kater aussperren.

Das sollte besser schnell gehen, denn die sonst freundlichste Samtpfote der Welt

schätzt es überhaupt nicht wenn man sie ihres Opfers beraubt.

Auch der Hund muss verbannt werden, denn er ist auch ein Freund eines

kleinen Snacks zwischen den Mahlzeiten.

Alles erledigt, jetzt lasse ich mich auf alle viere nieder und

stelle fest dass man mir über Nacht alle Gelenke gestohlen

und durch widerlich knackende und schmerzende, scheinbar hölzerne

Scharniere ersetzt hat.

Ich schaue unter das Regal wobei ich mir den Nacken verknackse,

nee da ist keine Maus, also krabbele ich herum und sehe dahinter.

Ja, da klemmt sie.

Zwischen der Rückseite des Regals und der Wand.

Eine wirklich „süße Maus“.

Nämlich eine Gelbhalsmaus. Sehr reizend.

Ich ziehe das Regal ein Stück ab,

dabei fällt mir Pugnettis Handbuch der Hunderassen auf den Kopf.

Während ich noch fluche folgt Manolsons H wie Hund.

und trifft genau auf dieselbe Stelle.

Ich beschließe beide Bücher zu verkaufen und

widme mich wieder der Maus.

Die rennt vor der Tür zum Vorflur auf und ab.

Ich habe, als alter Mäuse Retter der ich bin,

vorsorglich alle Türen geschlossen, was nicht wirklich

genützt hat, denn jetzt kriecht die Maus unter der Tür zum Vorflur her.

Dem Vestibül.

Einmal im Leben wollte ich das Wort benutzen,

das ist hiermit geschehen und soll nicht wieder vorkommen.

Unglaublich, wo so ein Zwerg durchpasst.

Im Vorflur gibt es nur ein Versteck, die Heizung.

Die rücke etwas ab, zerre mir noch schnell die rechte Schulter,

sehe den Winzling und packe ihn am Schwanz.

Jetzt habe ich die Möglichkeit mir den Knirps genau anzusehen.

Echt niedlich.

Das Mäuschen krabbelt und strampelt und irgendwie

schafft sie es auf meine Hand zu turnen und als Lohn für meine Bemühungen

verbeißt es sich volle Möhre in meinem Daumen.

Ich marschiere mit der Maus am Finger in den Vorgarten, setzte die Hand mit der Maus auf

den Boden,  die sich tatsächlich von meinem Finger verabschiedet und verschwindet.

Ich bin wieder rein gegangen habe mir meinen mittlerweile durchgelaufenen Kaffee

geschnappt und mich ins Wohnzimmer gesetzt, als meine Frau reinkommt und

meint. „Habt ihr schön gespielt? Das Durcheinander räumst Du aber gleich wieder auf!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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