Viktor Prieb

Die Internetromanze

(eine poetische Chatt-Novelle)







«Frag nie, nach wem die Glocke läutet –
sie läutet auch nach dir...

Ernest Hemingway, „For Whom the Bell Tolls“

Nein, Herr! Ich find es dort, wie immer, herzlich schlecht.
Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen,
Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.

Wolfgang von Goethe „Faust“
(Mephistopheles in der Diskussion mit dem Herrn)



Dieses verdammte Internet! Es saugt einen ein wie der Sumpf. Das ist eine Droge! Ich habe es in meinem alten Leben doch geschafft, alle Süchte und Abhängigkeiten zu vermeiden. Sogar die von Menschen. Sogar von mir nah stehenden Menschen... Ich wusste, dass ich mich sehr leicht von all solchen Sachen hinreißen lassen kann... leidenschaftlich und glücksüchtig sein kann. Und dessen bewusst vermied ich immer alle Glückspiele einschließlich sogar der Lottospiele. Alkohol machte mir keine Angst, weil ich es seit meiner Jugend lernte, mit ihm umzugehen... mich nicht in ihn leidenschaftlich zu verlieben...

Mich aber in die Mädchen zu verlieben – dies war das Einziege wovor ich keine Angst hatte. Und verliebte mich. Und genoss diese Droge. Und ich konnte auf meine beliebigen Genüsse verzichtet,.. auf alle Rechte und Freiheiten zu Gunsten meiner Nächsten,.. falls sie es schon so sehr nötig hatten... Aber die einzige, die höchste meiner Freiheiten, ohne die sich es gar nicht zu leben löhnt, - die Freiheit und das Recht darauf, sich zu verlieben, nach eigenen Gefühlen zu leben, sie zu erleben, die Freiheit und das Recht zu leiden... ließ ich für mich unantastbar und konnte sogar meine nächsten Menschen dafür opfern... Und die besten Momente meines Lebens, und meine besten Gedichte sind mit diesen Momenten der Verliebtheit verbunden...

Na ja, mit ihnen hängt allerdings auch die Tatsache zusammen, dass ich seit über zehn Jahren allein lebe und so tue, als ob es mir gefallen würde. Es gefiel mir auch, solange es einen Sinn hatte. Der Sinn bestand darin, dass ich mich verlieben durfte, ohne Angst zu haben jemanden aus meiner nächsten Umgebung, zu verletzen... Ich durfte viel und mit Spaß arbeiten, ohne sich von routinierten Verhältnissen mit mich umgebenden Menschen ablenken zu lassen... mit ihnen zu streiten, wieder Frieden zu schließen – diese menschlichen Verhältnisse zu unterhalten, wie man es nennt... Meinem Wahrheitssinn folgend muss ich dazu aber hinzufügen, dass es kaum noch welche bei mir dadurch geblieben sind...

Ich besitze grundsätzlich kein Handy. Ich brauche es nicht. Es gibt keinen, der nach mir suchen würde, und wenn – habe ich einen Anrufbeantworter. Wenn ich mir die heutige Jugend so anschaue, die auf den Straßen Selbstgespräche führt, in den U-Bahnen mit ihren Handys ununterbrochen rumspielt, steht mir gleich vor Augen der berühmte Affe mit Brillen aus dem bekannten Fabel. Und wenn sie – um Gottes Willen! – jemand anrufen, als eine Fortsetzung solches Spiels, wissen sie einfach nicht mehr, was sie da rein, in dieses Spielzeug, sagen sollen. Das ist eine Katastrophe! Wie degradieren menschliche Verhältnisse bei so einer rasanten Technikentwicklung, an die sich Menschen mit ihren sozialen Verhältnissen nicht mehr zu adaptieren schaffen so, wie es in allen vorherigen Jahrhunderten noch der Fall war.. Wie degradierte das einfache menschliche Seelengespräch, wie es früher noch war.. als es noch keine Handys und sogar nicht bei jedem ein Telefon gab...

Mit dem Internet – das ist etwas anderes. Dachte ich so jedenfalls... Das ist für die Arbeit. Das ist informativ und aufklärend. Und außerdem fand ich ihm eine konkrete Verwendung für meine Zwecke. Mich ärgerten immer schon all diese Redakteure, Rezensenten und Zensoren aller Art, sogar als ich meine wissenschaftlichen Artikel veröffentlichte. Meinen, nach der Uni ersten Artikel schrieb ich so toll literarisch, dass der Rezensent verrückt wurde, und drei Jahre brauchte, um ihn auf den seines Erachtens erforderlichen Standart zu bringen, bevor dieser veröffentlicht wurde. Im Ergebnis war dies ein grau-grausamer „Bericht über die gemachte Arbeit“. Kein Wissenschaftler liest ohnehin so gern fremde Artikel, und ich mochte danach nicht einmal meinen eigenen, ersten und dadurch geliebten Artikel gerne lesen. Wer führt all diese Standarte, Normen, Regeln, Verbote und Genehmigungen ein?.. Woher kommen all diese Rezensenten und Kritiker, die selbst in der Regel weder schreiben, noch etwas fühlen können?..

Also, im Internet kann man auf eigenen Internetseiten alles veröffentlichen, was er will - im Rahmen geltender Gesetze selbstverständlich – ohne Rezensenten, ohne Redakteure, ohne Zensoren und so ähnliches mehr. Ich baute meine wissenschaftliche Internetseite auf und veröffentlichte darauf alles, was ich hatte: meine bereits veröffentlichten und auch noch nicht veröffentlichten Facharbeiten... und habe sogar meine Dienste und meine große Erfahrung als einen zahlungspflichtigen Service für deutsche Hightech-Firmen angeboten. Der Service hat allen gefallen und viele wollen ihn sogar in Anspruch nehmen. Mit dem zahlungspflichtigen ist aber etwas problematischer – die meisten versuchen mich als einen kostenlosen Auskunftsdienst auszunutzen, und rauben mir damit nur die kostenpflichtige Zeit.

Ich hatte ja noch ein Buch-Roman zwischendurch geschrieben. Stolz darauf –jeder wäre es wahrscheinlich – gehe ins Internet nach einem Verlag suchen, der mein Buch gleich veröffentlicht und verkauft, sodass ich endlich reich werde. Ich sag’ ja: das Internet ist eine nützliche Sache – da drin kann man alles schnell verkaufen, schnell kaufen, schnell zurückgeben... Tausende von Verlägen vorhanden. Gucke mir die Vertragsbedingungen für die Annahme und Veröffentlichung eines Buches, der Lektoren und der Beuteverteilung eingeschlossen.

Sei es mit Lektoren drum, die angeblich besser wissen, wie meine Gefühle und Gedanken in meinem Buch besser geschildert werden sollen... Aber die Beuteverteilung! Das ist ja keine Verteilung – das ist purer Raub. Und es geht sogar nicht um Geld oder um ihre oder meine Habgier... Die Sache ist die: Zehn zu neunzig nicht zu meinen Gunsten zu verteilen, ist für mich beleidigend! Denn ein Buch zu schreiben, ist nicht mal eine Arbeit. Das ist so als ein Kind zu gebären... So als ob du es gebärst und ihm lange noch Po abwischst, und ein anderer dann von diesem Kind sein Glück hat. Natürlich klar: Marketing und andere Sachen... Na wäre es wenigstens - nur wegen meiner Gütigkeit - zwanzig für den Verlag und der Rest für mich... Also , es ist mir auch hier klar geworden, dass ich mein Buch lieber kostenlos ins Internet stelle. Es ist ja auch so etwas wie automatischer Marketing. Dachte ich...

Baue meine Literaturseite auf. Lade mein Buch drauf hoch. Irgendwie komisch – ein Buch für die ganze Seite... Lade drauf hoch alles, was meine Feder mal zu Papier brachte: Gedichte, Erzählungen, Publizistiken einschließlich deren über die längst vergessene Perestrojka... So viel Text, dass Google - diese allen bekannte und die mächtigste Suchmaschine der Internetwelt keine Chance hätte meine Seite umzugehen. Der Marketing nach dem Motto „Soldat schläft – die Dienstzeit läuft!“. Drei Jahre, inklusive des einen Semester dauernden Studiums an meiner Uni in Sachen der Internetkunst, gebraucht, bis dies alles fertig gebracht und ins Netz gestellt habe. Und ich dachte mir, jetzt kann ich „schlafen“, im Sinne – meine richtige Arbeit weitermachen.

Eine Doktorarbeit für mein Freund zu schreiben versprach, vor vier Jahren bereits zu schreiben begann, seitdem liegt unbeendet und vernachlässigt. In der Schublade sammelte sich eine Menge unveröffentlichten wissenschaftlichen Ergebnisse. Es drängt schon lange, alles aufzuräumen, einpaar Artikel zu schreiben. Einpaar begann auch schon... Liegen nun unbeendet, seitdem ich für ihre Veröffentlichung meine Internetseite fertig mache. Und dann widme ich mich gänzlich meinen Gedichten, dem Buchschreiben – der zweite Teil meines Romans auch nicht zu Ende geschrieben liegt... – widme mich also meiner Lieblingsbeschäftigung, von der ich mein Leben lang träumte. Die Internetseiten muss man ja auch mit „frischem Blut“ versorgen, damit sie lebhafter werden. Aktualisieren heißt das in der Internetsprache.

So bin ich da rein geraten... Zu sicher gewesen, dass mir weder Drogen- noch sonst irgendeine -sucht mehr passiert. Begann alles mit Statistiken - - wie viele und wer auf meine Seiten gehen- Die Statistiken liefert mir jeden Tag mein Provider, auf den ich dies alles hochgeladen hatte. Jeden Tag fange mit der Überprüfung dieser Statistiken an. Die erste Überraschung gewesen – Google spuckt überhaupt auf meine Seiten: Es sind ungefähr so viele Besucher, wie viele Emails mit Verweisen auf meine Seiten ich an alle sich bei mir während Jahrzehnte gesammelten Emailadressen auf der ganzen Welt abgeschickt hatte. Ändere einpaar Monate lang die Struktur meiner Seiten, Datentyp meiner Dateien und so weiter, und sofort. Google hat meine Bemühungen berücksichtigt, und die Statistiken fingen an, langsam nach oben zu klettern.

Noch einpaar Monate experimentierte ich rum, indem ich den Charakter von Google und von meinen Besuchern studierte: worauf sie besser reagieren, worauf schlechter, was sie mögen, was sie nicht mögen... Eine feine psychoanalytische Arbeit. Das hat auch etwas gebracht. Und Hauptsache Arbeit... Gerade dieses falsche Gefühl von einer angeblich produktiven Arbeit sorgte dafür, dass meine Wachsamkeit nachließ... So dachte jeder sowjetischer Funktionär - überhaupt jeder Funktionär-Bürokrat denkt so -, dass er arbeitet... Deswegen werden sie auch zu Bürokraten... statt zu arbeiten. Zu etwas ähnlichem bin auch ich geworden, ohne das überhaupt zu merken.

Am Jahresende verstand, dass der Militärprinzip mit dem schlafenden Soldaten und der ablaufenden Dienstzeit in der modernen Welt mit Handys, Computern und dem Internet doch nicht so richtig funktioniert. Fing sogar an, mir nicht nur meine Internetseiten wie das ganze Jahr davor, sondern auch auf die fremde von nebenan zu schielen. Nebenan schießen Internetplattformen, auf denen jeder genauso alles veröffentlichen darf, ohne sich mit dem Design von eigenen Internetseiten zu beschäftigen, wie Pilze aus dem Boden. Verstanden! Ich muss mein Auditorium erweitern. Marketing eben...

Auf einer von solchen www.rockundliebe.de veröffentlichte einpaar Liebesgedichte. In einem Monat kam darauf zu gucken, wer da drauf und was veröffentlicht... Geguckt... Du meine Güte! Dort veröffentlichen Jungen und Mädchen ihre ersten Liebeserfahrungen, und zwar so, wie sie diese untereinander austauschen würden... Nur, sie bauen so ein Stapel aus ihren Sätzen und sind dadurch überzeugt, dass dieser ein Gedicht sein soll... Wo bin ich denn gelandet?! So mache mir noch den Marketing wie ein Clown...

Fand noch eine: www.e-stories.de - die ist anscheinend etwas solider. Veröffentlichte einpaar Gedichte, einpaar Auszüge aus meinem Buch-Roman... Überall setzte natürlich die Verweise auf meine eigenen Seiten... Solange du dort als Neuling auf der ersten Seite oben auf der Autorenliste stehst, liest man dich... sogar viele... manche sogar meine Verweise-Links anklicken und auf meinen Seiten landen... Nach einem Monat bist du von den neuen, haufenweise auf die Plattform strömenden, nach Ruhm und Gloria suchenden Autoren auf der Liste ganz nach unten abgedrängt... mit einer Menge Müll zugeschüttet, und die Anzahl deiner Leser schnellt exponential runter... ein Massengrab für die Gloriasuchenden... Die Zeit diese Plattform zu wechseln.

Da erhielt ich plötzlich eine Einladung zur Veröffentlichung von einer netten Internetplattform www.daskleinelesezimmer.de, die mich auf der „e-stories“ las. Veröffentlichte einpaar Gedichte und Erzählungen... auch mit Verweisen auf eigene Seiten... Dieselbe Geschichte: einpaar Monate lang lasen, manche sogar auf meinen Seiten gewesen... dann voll „zugeladen“... so begraben, dass keine Begräbnis mehr nötig wäre...

Das schlimmste ist, dass es mir jetzt nicht nur die Providerstatistiken von meinen Seiten, sondern auch von all diesen Plattformen abzuschauen gefiel... Es ist also noch mehr von „der Arbeit“ geworden, von der ich mich ursprünglich befreien wollte... Ich stehe jeden Morgen auf und verdamme mich für den gestrigen in den Statistiken verbratenen Tag und schwöre den Computer nicht mehr einzuschalten – keinen Tropfen also ab nun in den Mund zu nehmen... ein Schulheft und einen Kugelschreiber mitzunehmen und in den Park abzuhauen... sich in Gebüsch zu verstecken und Gedichte oder den Roman weiter zu schreiben... ich spucke auf die wissenschaftlichen Artikel!.. ihretwegen muss man wieder in den Computer rein... Während ich mich beschimpfe und beschwöre, ist Computer bereits eingeschaltet und hochgefahren, und ich sitze bereits vor dieser verdammten Kiste, ich – der Statist... Und so jeden Tag... ein Tag nach dem anderen...

Mittlerweile erschienen auch Geldstatistiken im letzten halben Jahr. Es ging ja ursprünglich um den Marketing, um den Verkauf also. Verzweifelt daran, das irgendein Blöder auf meinen zweisprachigen Aufruf auf meinen deutsch-russischen Seiten: „Internetbesucher, denen mein Roman, Prosa, Poesie gefielen sowie meine anderen wissenschaftlichen und sonstigen Arbeiten informativ und von Nutzen waren, dürfen einen freiwilligen Betrag auf mein Konto, Nummer sowieso, überweisen...“ noch reagiert, verstand ich, dass es nur durch die Werbung etwas zu verdienen gibt. So wie es die anderen Menschen und ihre Gesellschaften, und nicht nur im Internet tun.

Schloss eine Partnerschaft mit Google ab und platzierte in Hunderten von Textdateien auf meinen Internetseiten Werbungen von Google. Dieser macht seine Milliarden nicht mit seinem allbekannten Suchfenster, wie vielleicht viele denken, sondern mit Werbungen. Alle wissen sehr gut, dass das Internet ohne Google gar keinen Sinn hätte. Niemand und nie kommt ohne Google auf die Milliarden Seiten im weltweiten Internet auf, denen dieses Internet dann zu dem gleichen Massenfriedhof wird, zu dem für mich die Internetplattformen geworden sind.

Google nutzt seine Macht: Alle Menschen und Firmen verstehen, dass sie ohne Werbungen bei Google nichts Wert sind. Google ist der größte Werbungsverteiler auf der Welt. Und er verteilt sie gerne unter den Internetpublischern, die diese dann auf ihren eigenen Internetseite in die Welt hinaustragen und dafür irgendwelches Geld bei Google kassieren. Welches – kommt ja schon wieder auf die Besucherstatistiken an. Bei mir bringen diese Statistiken - so durchschnittlich - fünf Dollars im Monat. Wenn ich noch zwanzig Jahre lebe (und meine Tante starb fast mit 94), reicht es mir vielleicht für meine Beerdigung. Na bitte! Egal wovon ich spreche, kommen am Ende nur Statistiken und Begräbnisse... wie kann da noch die Rede von Gedichten- und Romanenschreiben sein.

Was bei Google aber besonders gut ist – das ist sein Sonderkonzept für die Werbungen. Mir tat es ohnehin weh, unter oder über jedem meiner Gedichte eine Werbung zu setzen... so ein Unehrlichkeitsgefühl vor dem Gedicht entstand... versuchte sie sogar irgendwo unauffällig zu platzieren... Idiot! Vergaß, dass es dem Hauptsinn jeder Werbung an sich widerspricht. Google’sche Superrechner kämen dann den Inhalt deiner Seiten durch, um herauszufinden also, um was es sich eigentlich da drin handelt, und platzieren die dem Inhalt deiner Seiten entsprechenden Werbungen aus seinem unerschöpflichen und vielseitigen Werbungskessel automatisch auf deinen Seiten... damit sich das Besucherpublikum nicht ärgert, welches nach etwas Bestimmtes sucht und ihm etwas anderes zugeschoben wird... auch für uns, „publischers“, wie ich beruhigend...

Ein Computer ist an sich – im Sinne eines Haufens von Blech und Halbleitern - natürlich blöd, und seine Werbung spiegelt deswegen nicht immer und nicht ganz den Sinn und das Gefühl mancher meiner Seiten wieder... diese werden jedoch auch nicht von jedem lebendigen Menschen verstanden... was will man da noch von einem Computer, wenn er auch noch so super wäre... Beispielweise, auf meinen deutschen Seiten mit Gedichten auf Russisch und auch noch über die Liebe werden immer wieder – auf die für dieses Google-Konzept natürlichste Weise – russische Mädchen für deutsche Alten angeboten...

Langer Rede kurzen Sinn, man will natürlich diese Geldstatistiken jeden Tag sehen, und diese Geldtropfen zählen... Das ist so, wie es früher mit dem Selbstgebrannten gewesen war, als Männer um einen googlenden Kessel herum saßen und mit Spannung edle Tropfen sammelten... natürlich wird man dadurch leidenschaftlich und süchtig, diese Tropfen am besten mehrmals am Tag zu zählen...

Der irgendwann da gewesene Wille lässt noch in seiner Agonie irgendwo ganz inne von sich wissen, kann aber – tief unter den Statistiken, so wie meine Veröffentlichungen auf den Plattformen auch , begraben – nichts mehr ausrichten. Das schlimmste – im Vergleich zum Alkohol, zum Beispiel – ist, dass sich das Gehirn nicht abschaltet, während du im Internet bist... es wird da drin nicht gebraucht und grübelt so ungestört vor sich hin nach... weder das Gehirn, noch die Gefühle werden im Internet gebraucht ... Dachte ich... Und wenn dieses nicht abgeschaltet und nicht gebraucht bleibt, foltert es mich mit allerlei Fragen über so ein Internetleben... Das Leben geht an dir in der Kiste vorbei... keine Zeit mehr raus zu gehen... inzwischen auch nirgendwohin mehr, im Sinne – zu Niemandem... kaum noch irgendwelche Kontakte geblieben. Hier ist es doch wie bei der Militär – aufstehen... hinlegen,.. aufstehen... – hinlegen...
Und die Jahre vergehen...
Es ist ja schon fünf Jahre her, als ich das Buch geschrieben hatte... neun Jahre her, als ich die letzten Liebesgedichte schrieb... die durch meine letzte, in einer Tragödie beendete Verliebtheit geborenen Gedichte... Und das Verhängnisvollste: Ich verstand auf einmal in meiner geistigen Armseeligkeit, dass ich alt geworden bin! Noch nie hatte ich so etwas gefühlt. Wie kann man so etwas fühlen, wenn die Fähigkeit sich zu verlieben und die Fähigkeit Gedichte zu schreiben und zu leiden da sind... und wenn du stechende Schmerzen nicht in irgendwelchen Körperorganen sondern in der Seele verspürst, falls du SIE einen Tag nicht siehst... oder SIE einen Tag lang nichts antwortet...

Und lieben will man doch noch so sehr! Weil man noch nicht glauben will, schon verstorben zu sein... ich glaubte daran bereits in meinem Alter von dreißig, von vierzig und sogar von fünfzig Jahren... jedes Mal, als es mir – nach einer meiner nächsten Verliebtheitskatastrophen schien, sie wäre die Letzte... Aber das Gehirn ist immer noch nicht abgeschaltet, weil es nicht verliebt ist... weil es immer noch fähig bleibt, mit einer kalten Grausamkeit zu analysieren und zu resümieren: „Zu wollen ist nicht verboten... verboten ist, all diese Mädchen um dich herum mit deiner alternden Liebe zu belästigen...“

Von wem – von welcher modernen Inquisition – verboten, sagt das Gehirn nicht! Aber als ein irgendwanngewesener Mitglied der Gesellschaft begreifst du auch ohne Gehirn, dass dies von dieser Gesellschaft verboten ist... es ist nicht sittig so... keiner macht so etwas... was sagen Menschen dazu... dieselben andere Menschen... es ist zwar richtig, dass alle Alten an dasselbe denken und dasselbe wollen, aber sie alle haben Angst, so etwas sogar zu äußern, geschweige denn ihre Gefühle zu zeigen... am besten, ein unvolljähriges Mädchen in Russland oder in Taiwan heimlich zu kaufen... beispielsweise durch die Google-Anzeige auf meiner liebespoetischen Internetseite... Präzedenzen in der Geschichte? Wenn interessieren sie! Das ist für große Künstler, die nicht von dieser Welt sind, um sich für sie und nicht für die Spekulationen mit ihren Kunstwerken zu interessieren... und die sind einzelne, um die Regel zu ändern... die Spielregeln... Die Regeln welches Spieles denn? Des Steinigens auf den Straßen unserer durch die tausendjährige, die höchste und die humanste auf der ganzen Welt christliche Kultur zivilisierten Städten?.. Der Begräbnis der noch Lebenden?!!!...

Dieses ganze Durcheinander hilft wenig... Du siehst diese an dir vorbei eilenden Mädchen und begreifst deutlich – sie sind wie hinter einer Glaswand, hinter die sie diese moderne Inquisition für uns Alten hin steckte... in ein Aquarium mit einer großen Überschrift: „Nur gucken! Nicht anfassen!“. Sie selbst ja, durch die humanste Inquisition der Welt erzogen, werden verrückt und werden sehr lange lachen, wenn du ihnen mit deiner Liebe ankommst... Na, ja-a-a... Und wozu brauche ich dann überhaupt noch dies alles... diese verdammte Kiste... dieses verdammte Internet... meine Internetseiten, die in diesem Internetmüllhaufen sowieso durch Milliarden von anderen Seiten voll zugeschüttet und begraben sind... und sogar diese google’schen, selbstgebrannten beleidigend-konzeptuelle Tropfen...

Den Computer in diesem Zustand auszuschalten, bringt auch schon nichts mehr. Alles ist schon sowieso verkokst und verkrustet im Kopf, in der Seele... entweder durch das Internet oder durch das Alter... wer sagt es, dass ein Mensch, der nicht mehr das Recht zu lieben haben kann oder darf, kann noch etwas Anderes machen... Doktorarbeiten schreiben... oder Gedichte... oder Bücher... Alles eine fatale Selbstlüge! Ich kann sowieso nichts mehr... die Ladung verklemmt... auf den Müllhaufen mit mir! Es ist das einzige, was geblieben wäre, in Internetstatistiken zu sterben!..

Grade in diesem Zustand fand mich im Internet meine Schulkameradin... Die Sache war die, ich – meine Seiten bei einem meiner nächsten Male anschauend - fand darauf eine Google-Werbung als ein einfaches Link www.odnoklassniki.ru („Klassenkameraden“)... Auch, wahrscheinlich, nach dem Google-Prinzip: „Wenn schon die russische Schreiberei auf einer deutschen Seite, passt eine russische Internetplattform genau richtig...“

Klicke das Link an, ehe in der heimlichen Hoffnung, einpaar Cent für mich selbst zu bewirken. Dort ist das ganze Russland nach seinen Gebieten, Regionen und Siedlungen-Dörfern zerlegt und aufgelistet. Aus purer Neugier: „Es ist doch nicht möglich, dass meine Dorfschule aus dem tiefstsibirischen Arsch der Welt hier auch präsent ist!“ klettere ich in die Tiefe Sibiriens hinunter... Und sie da!.. sie ist doch auch dabei! Ich – hinein... drin – keiner... melde mich – eher so aus Scherz - als der Erste und gleichzeitig der Letzte an, ohne genauerer zu studieren, was diese Plattform für Möglichkeiten eigentlich sonst so bietet... sich zu Veröffentlichen jedenfalls - gar keine... dann ist es doch klar, dass ich mich anmeldete und vergaß diese Angelegenheit... welche Statistiken denn, wenn ich dort alleine und nicht einmal veröffentlicht.

In einer Woche finde unter meinen Emails eine Nachricht darüber, dass ich dort irgendeine Nachricht hätte... abzuholen – nur den im Text erhältlichen Verweis anzuklicken... ich klicke diesen an... dort – ein Mädchen aus der Klasse ein Jahr tiefer als meine, in die ich fast verliebt war... fast – weil ich mich zu der Zeit in eine andere verliebte... Sie ist zwar – naturgemäß – ein Jahr junger als ich geblieben... trotzdem verspürte ich stark, dass mein Krustenpanzer in der Seele, im Hirn und sonst noch wo zu wackeln und zu knistern begann... Wir fingen einen Briefwechsel an, was ich sonst eigentlich längst abgeschafft hatte – stört nur in der Sache...

Begann auch, die Klassenkameraden-Plattform zu besuchen... gucke – sie hat dort für irgendwelche Zwecke eine Reihe von ihren Fotos ausgestellt... aber es ist doch angenehm diese anzuschauen... was für eine Unterhaltung, wenn man das Gesicht nicht sieht... vergrößerte ein Foto und merkte, dass man das Foto auch benoten soll oder kann oder darf... benotete... und schnell auf meine Seite – meine Fotos zu platzieren. Damit sie wüsste, dass ich auch, ebenfalls naturgemäß, so ein Jahr älter als sie geblieben bin, setzte ein Foto, wo ich – der Opa, mein sehr geliebter Enkelsohn und seine Oma auf meiner Terrasse in einer Gartenschaukel sitzen...

Aber sie brauchte das alles gar nicht... sich als sehr weises Mädchen erwies... und sich sehr in meine Seiten mit Gedichten verliebt... Auf der Statistiklandkarte war Russland ein weißer Fleck – und Deutschland, zum Beispiel, voll mit meine Leser und ihre Städte-Dörfer markierenden Flecken bedeckt, obwohl auf meiner Literaturseite besonders in der Poesie mehr als die Hälfte auf Russisch... Russland dagegen sah internetmäßig wie die Saharawüste aus, in der nur zwei Siedlungsfleckchen: Moskau – so knapp über zehn Menschen und St Petersburg – mal drei, mal vier Besucher. Und da erschien plötzlich Königsberg-Kaliningrad auf dieser Wüstenstatistikkarte... und nicht mit einem, sondern mit jedem Tag mit immer mehreren Besuchern, stieg bis auf dreizehn sogar zeitweilig auf...

Wir näherten uns so gut an, dass ich ihr meinen verkrusteten Zustand geschildert habe... Du darfst ja mit keinem Bekannten, nicht mal mit Freunden, nicht mal mit intellektuellen Freunden über die Altersprobleme reden, die ich oben beschrieb. Aber mit ihr durfte ich es... Und was denken sie!.. Sie schreibt, etwas Ähnliches bei mir bereits geahnt und verdächtigt zu haben, und verordnet ein Rezept gleich oben drauf: „Du sollst dich verlieben!..“... Weises Mädchen, sag ich ja... auch noch mit Humor... mit bösem aber... oder vielleicht doch mit gutem...

Und dann passierte im Internet etwas absolut Unmögliches... In den Mails von „Klassenkameraden“ – eine Nachricht für mich... ich – bereits ein erfahrener „Klassenkamerad“ - klicke, ohne lange zu lesen, den Verweis an, mich unterwegs darein darüber wundernd, wer das denn überhaupt sein könnte, wo wir dort nur zwei auch noch keine richtigen Klassen-, eher Schulkameraden sind... und unterhalten uns schon lange durch normale elektronische Post...

Lande dort... suche nach eine Nachricht... keine vorhanden... stattdessen eine merkwürdige Kombination: links ein ganz junges Mädchen von einer wunderbaren Schönheit - eher von einer wunderbaren Anziehungskraft, denn wer braucht schon eine Schönheit, hinter der keine Seele steckt, die eben so anziehen kann, dann ein Kreis mit einer Eins drin und mein Foto mit dem Enkelsohn... früher oder später begriff ich, dass jemand – und anscheinend gerade dieses Mädchen – dieses meiner Fotos benotet hatte... unter ihrem Foto blinzelt einladend ein Fensterchen-Link... Aber ich brauche ja bereits keine blinzelte Einladung – ich kann bereits meinen Blick von ihr nicht abwenden... klicke das Link an und lande auf der Seite dieser Wundermädchen...

Sie ist 19 Jahre alt – bei „Klassenkameraden“ geben alle – und ich auch mit meinen 56 – ihr Alter an, so dass alle dieses auch gleich sehen können... irgendein für die russische Sprache merkwürdiger Name... noch einige Fotos... Von einem, schwarz-weißen schaute sie mit ihrem etwas zu Seite geneigtem Köpfchen mit so einem für mich nie davor da gewesenen, unmenschlich guten, „keinen lebendig begrabenden“, durchdringenden und frauenüblich – unabhängig von ihrem Alter weisem Blick ganz tief in mich hinein, sodass ich ganz weich geworden bin, und meine ganze Kruste verdampfte!.. ohne Krach und sogar ohne Geraschel... übrigens hörte ich sowieso nichts mehr und sah auch nichts mehr außer Ihr!..

Und nur noch mein einziger, noch lebendiger, kaum irgendwo in der Brust pulsierender Wunsch da war, in dieser breit aufgeschlagenen, menschlichen und bodenlosen Augen hinein zu tauchen und dort drin zu sterben!.. sich in diesem Ozean der Liebe zu ertrinken, den diese Augen zu verbergen suchten... aber solche Augen können nichts verbergen... auch die in diesem Ozean plätschernde Angst davor nicht, dass irgendeiner diesen Ozean entdeckt, in den hineintaucht und ihr Schmerzen zufügt, und ihr weh tut... In ihren flehenden Augen und in verhaltenem, kaum wahrzunehmendem Lächeln auf ihren in ihrer etwas aufgesprungenen Ausdrücklichkeit und Empfindsamkeit seltenen Lippen, stand eine ganz leise Bitte: „Nur tun sie mir bitte nicht weh...“... deswegen wechselte mein unüberwindlich-verrückter Wunsch, in diese Seele hinein zu tauchen, in Sekundentakt zu dem Wunsch, diese Seele, diese Augen, diese Lippen, dieses Wunder vor jedem Schmerz und vor jedem Leid zu schützen... meinen Atem ganz anzuhalten und sie durchs Flüstern der Gedichte – durch die kein Stäubchen der sogar den einfachen... und sogar den jungen Menschen so viel Leid, Bitterkeit und Schmerz... und Schmerz!.. bringenden Exkrementen menschlicher Seele durchdringt...

Es war mir so, als ob vor mir die Jungfrau Maria selbst erschien, um mich zu retten... ich vergaß sogar, mich in sie in dem üblich-normalen Sinne zu verlieben... Wie kann man sich in die Jungfrau Maria verlieben?.. Dies wäre dieselbe oder der oben beschriebenen ähnliche, vom Christentum und seiner Kirche und ihrer Inquisition verbotene Ketzerei.. Man kann sie nur vergöttern... so vergötterte ich sie auch von dem ersten Augenblick an, als ich sie sah...

Ich verstand auch, warum sie das Foto und auch noch so hoch benotete... Weil dort mein fünfzehnmonatiger Enkelsohn mit einem Engelgesicht oder selbst mit dem Gesicht vom Christus in seiner Kindheit saß und – seine Lippchen aufgeblasen – mit einem Stift vor sich hin stich, als ob er den Vogel – der gleich aus dem Fotoobjektiv rausfliegen sollte – drauf aufzuspießen beabsichtigte... Na wie kann die Jungfrau Maria ihren Sohn verpassen... oder einfach eine Jungfrau – diese Jungfrau – dieses Engelkind verpassen, die Liebe zu dem und er selbst schon längs in ihr schlummern, von Heiligen Geist in ihrem Inneren eingesiedelt... Und das, was um dieses Kind herum war, merkte sie gar nicht... oder es hinderte sie wenigstens nicht daran, auf diesen Engel aufmerksam zu werden und ihn zu benoten...

Wie ein Zombie durch ihre Seite nach unten wandernd, entdeckte ich noch eine Eigenschaft von „Klassenkameraden“– ein Fensterchen mit Überschrift „Forum“, das mir die Möglichkeit bat, gleich ein Kontakt mit dieser Gottheit aufzunehmen... oh Götter, meine kummerfreie olympische Götter!.. stotternd presste ich aus mir in dieses Fensterchen hinein das Einzige, was mir einfiel, um sie von vorne weg vor möglichen Enttäuschungen zu schützen:


Danke für die Note. Leider wachsen sie und werden zu Erwachsenen viel zu schnell – mein Enkelsohn ist bereits fast sieben Jahre alt (14:45)


Geschrieben und schloss gottfürchtig „die Klassenkameraden“... schlich mich in meine Statistiken hinein und fühlte auf einmal so einen Abscheu zu ihnen... wie kann man es!?.. wie kann man so primitiv und blöd leben, während in der Welt – in meiner Welt – noch solche Wunder möglich sind!.. Schloss die Statistiken, fast die Maus dabei zerquetschend, und ging wieder auf „die Klassenkameraden“... und versank... und versank in ihren Augen... und die irgendwann, irgendwo drin abgestorbenen Gedichte begangen in mir bereits zubrodeln... und ich konnte nicht einschlafen... die ganze Nacht lang standen vor mir diese Augen und diese Lippen... Herr Gott! Wann passierte mir so etwas zum letzten Mal?.. aber nie... es gab nirgends dieses „irgendwann“... ich wurde gerade vor meinen eigenen Augen in Wehen geboren...


Es flattert Leidenschaft in mir
Wie ein am Brust erwärmtes Küken
Ich werde schreiben nun zu dir
Meine Sonetten über Glücke.

Um morgen dich damit zu preisn
Mit meinen nachtgeborenen Reimen.
Vielleicht erschein' in dein'n Träumen –
Das wäre mir der beste Preis

Die Nacht entflieht mir ohne Schlaf,
Der Mond mit Schmerz schaut hinein...
Und nur Erinnerung an Deins,
Daran, wie dich am Tage traf!

Ich gebe zu, ich such die Treffen,
Und finde Seelenfreude dran
Ich flattere unter Innendrang
Und bin bereit mich unterwerfen.

Du merkst das nicht, wenn ich -
Von dir erwärmt in den Gefühlen –
Verschwinde wieder voller Fülle
Und reim erneut Sonett für dich!


Die Liebe ist ein Glück,
Die Liebe - Schicksalsschmuck.
Die Liebe ist ein Traum,
Die Liebe - Sonnenraum.

Die Liebe macht zum Gott,
Mit ihr wird nie man tot.
Die Liebe ist das Licht
Unendlichen Gedichts.

Die Liebe bildet Reich,
In dem man himmlisch reich,
Sie schenkt die ganze Welt,
In der man sich verfehlt.

Man ist dort nie allein –
Was darf schon schöner sein!
Die Liebe ist mein Herbst –
Die Liebe bist Du selbst!...



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„Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alle war,
Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar,
Das stolze Licht, das nun der Mutter-Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr strittig macht...“
Wolfgang von Goethe „Faust“
(die Vorstellung von Mephistopheles dem Faust)


"... der Radikale Konstruktivismus ist keine Weltanschauung, die beansprucht,
das endgültige Bild der Welt zu enthüllen und eine Denkweise zu sein,
die helfen soll, mit der prinzipiell unbegreifbaren Welt unserer Erfahrung fertig zu werden,
und die – was vielleicht besonders wichtig ist –
die Verantwortung für alles Tun und Denken dorthin verlegt, wo sie hingehört: in das Individuum nämlich"

Glasersfeld, Ernst von: Radikaler Konstruktivismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp,1997







Ich vergaß. ob es noch Nacht war, oder bereits Morgen... und überhaupt – welcher Wochen und Monatstag heute ist... es war mir endlich so was von egal!.. ich betete nur zu IHM darum, dass die Gottheit mir eine Nachricht von SEINEM und IHREM Himmel nieder schickt, die mich vielleicht zurückbringt... aber wo soll ich den zurück hin?... in meine Statistiken?.. oder erhebt mich vielleicht hinauf wenigstens bis zur Schwelle ihres Himmels...

Ich stand auf, schaltete Computer ein und ging nach seinem viel zu langsamen Hochfahren auf „die Klassenkameraden“... o Gott! Ich glaubte an Dich schon immer, und schwöre Dir jetzt – nach dieser Deinen Gnade zu mir – gleich ab den Morgen in Deine verbrecherische, inquisitorische Kirche zu gehen... In den Mails von „Klassenkameraden“ gab es eine Nachricht darüber, dass diese Göttin, selbst der Himmel zu mir herabstieg und auf „den Klassenkameraden“ eine Nachricht für mich hinterließ!!!!:::



Nicht zu danken nichts zu machen)) Sie wuchsen genauso)) und ich beobachte das gleiche am beispiel meines Neffen) es scheint so, als ob er gerade geboren wäre.. gerade eben... und doch nicht... es ist schon ein jahr vergangen.. und er geht bereits selbst und zu sprechen versucht)) (00:00)



Und das war es... unterhielt sich mit mir kurz und so einfach, und so weise... belehrte mich etwas über die philosophischen Sichten auf das Leben... und ging zurück... in ihren Himmel... und zurückgeblieben war nur ein zarter Ariadnes Faden – ein kleines „Forum“-Fensterchen auf ihrer Seite bei „Klassenkameraden“... ich schlich mit so einer Behutsamkeit um diesen Faden herum, einschätzend, wie könnte ich an diesem Faden ziehen, und mich befürchtend, diesen durch irgendeine unvorsichtige Dummheit zu unterbrechen, und erbrachte endlich, ganz erschöpft, einen Lapsus darein:

Du hast einen deutschen Namen Altmann . Aber so ein Wort im heutigen Deutsch gibt es nicht. Es gibt alter Mann... oder der Alte. Die meisten aus Russland mit solchen Namen sind bereits in Deutschland!
(12:38)


und erstarr in Erwartung einer Reaktion meiner Göttin, meiner Philosophielehrerin... erstarr in Erwartung von Blitz und Donner, der sich aufreißenden Hölle, des sofortigen Verschwindens unter der Erde und der unausweichlichen Steinigung... aber es passierte nichts davon... und nichts kam zurück... den ganzen Diesen Tag... und die ganze Diese Nacht ... Der gerechter Gott! Warum bist Du so widersprüchlich in deiner Güte?! Du lehrst die Liebe!.. Du beglücktest sogar einen Teil von Menschen mit der Fähigkeit zu lieben!.. Aber warum verwandelst Du einen Verliebten Menschen gleich in einen völligen Idioten!.. Ein Jugendlicher, wie Tom Soyer, kann wenigstens versuchen, vor einem Mädchen Kopf zu stehen... oder seine Nachbarin am Klassentisch am Zopf zu ziehen, wenn er noch nicht weißt oder noch nicht wie Erwachsenen lernte, wie man seine Gefühle ausdrückt... und was soll ein alter Idiot tun?.. so ein Blödsinn zu schreiben!.. ganz verrückt geworden... entweder an Statistiken, oder war auch so das ganze Leben lang...

Ich weiß nicht mehr, wie ich den Rest des Tages und die Nacht, und den ganzen nächsten Tag verbrachte... wahrscheinlich saß ich vor dem Monitor meines Computer und klickte stursinnig das „Abrufen“ meiner Post an, in Erwartung meines Urteils von „Klassenkameraden“... löschte immer und immer wieder den ganzen Müll, der aus der ganzen Welt in meine Kiste reindrängte... das ärgerte... und der Ärger ist der beste Mittel, um überhaupt zu überleben... Bereits fast verrückt durch den Kampf mit dieser Spam-Scheiße geworden schaffte ich es knapp noch nach einem der nächsten Abrufen, die Nachricht von „Klassenkameraden“ nicht zu löschen darüber, dass... Ich war schneller auf der Plattform, als die Post runtergeladen war:



Danke für so eine ausführliche auskunft) sonnst kenne ich nur die übersetzung) na, ich denke, woher gekommen sind, dort gehen sie jetzt hin) der halbbruder meines opas wurde im krieg in Deutschland vermisst, er war nämlich der echte Altmann) und der opa bekam den namen von seiner mutter, damit die beiden brüder den gleichen namen trugen... so bin ich also keine echte Altmann)
(18:48)



Na, wie kann man so mit 19 Jahren! Ich schrieb zu dieser Schließbarkeit des Kreises – „woher gekommen sind, dort gehen sie jetzt hin..“ einen ganzen Roman, und sie erfasste die ganze Problematik der Deutschen aus Russland in sieben Worten!.. Und plötzlich ist mir so gut auf der Seele... im Herzen im Kopf geworden... und die Inquisition kehrte wieder in ihr Mittelalter zurück... es ist mir so ruhig und wunderbar geworden, dass sogar mein Idiotismus, schlaflose Schwere im Gehirn, Müdigkeit in meinem als ob mit einer Brechstange geschlagenen Körpers verschwanden... und alles leicht und verständlich wurde... und es begann statt dies allen, im Körper, in der Seele und in Kopf zu spielen, zu funken, und brach wie ein Wasserbrunnen aus:



Natürlich bist du keine Altmann! Du bist echte Jungfrau, und all deine Fotos bestätigen dies – man könnte ihr Bild von dir hauen und als Sternbild „Jungfrau“ ausgeben.
Ansonsten, wenn deine Eltern nach Deutschland sowieso nicht wollen, spielt es keine Rolle.
Wie ist der alte Altmann in Deutschland verschwunden: als Soldat (auf wessen Seite?), als Kriegsgefangener, als Flüchtling?
Alles Glücklichste für dich, sieh dich vor vielen Anbeter vor und lies meine Liebesgedichte auf der Internetseite www.literatur-viktor-prieb.de - sie sind auch für dich...
(19:02)



vermisst als soldat, kämpfte für Russland, na damals UdSSR... Adolf Altmann hieß er.. danke für so angenehme worte) heutzutage hört man so etwas nicht viel zu oft) (20:09)



Merkwürdig spielte die geschichte mit deutschen Schicksalen – mein Vater war seit september 1944 und bis zu ende in der Waffen-SS an der front als Kanonenfutter und starb in Sibirien...
Wenn sogar DU schöne worte nicht hörst, dann kommt bald das Jüngste Gericht!..
Und ich belästige dich gerade darum, dass ich – nachdem ich dich sah und las – den verrückten und so sehr gewünschten Wunsch Gedichte zu schreiben verspüre - so wie früher und noch vor kurzem... wenn sie kommen, kriegst du sie...
(20:41)



warum das Jüngste Gericht ich will noch etwas leben) alle schönen dinge genießen.. werde auf die gedichte warten
(20:49)



Ein großes Pech ist nicht zu lieben,
Nicht wenig Pech, sich zu verlieben,
Aber nicht das ist doch das Schlimmste –
Viel schlimmer ist aus dieser Kiste,
Falls du die Seele ihr verschenkst,
Und ohne Antwort weiter hängst!..
Pierre de Ronsard

Dass ohne liebe – pures Pech, zurecht Poet,
Aber wie kannst du das Verliebtsein
Auch verdammen und verblitzen
Statt drin genießen Glückmoment!
Du hast das selber nicht verstanden –
Ohne Gefühl von Liebeskummer,
Ohne den tiefer Schmerzen Summer –
Wären die Zeilen nicht entstanden.
Die Liebe ist uneigennützlich,
Und wenn du schon vergibst die Seele,
Dann trink auch Glück aus dieser Quelle
Und suche nicht nach Antwort plötzlich!
Die Antwort hängt nur von dir ab –
Darauf kann ich gleich Gift nehmen –
So lass dein traureges Benehmen
Und träume nicht mehr von dem Grab!
Nur lösche nicht, entflamm sogar
Dein Liebesfeuer ihr im Wege,
Und sie verbrennt sich deinetwegen
In diesem Feuer, mein Roger!
(20:54)




schön und sehr gefühlsvoll) und ich konnte nie gedichte schreiben( (20:58)




In meinen armseligen Räumen
Steh’n Knospen aufgesperrte Rosen –
Die Zeugen von Gefühlestosen,
Im Nu zu zweit erlebten Träumen!


Dem Tourismus – die Zeit,

Dem Leid – Ewigkeit.
Die Erfahrung, sie heilt
Unbekümmertheit.


Wie schön war unser Aufenthalt:

Der Nächte kurze Augenblicke,
Deine begeist’rungsvollen Blicke...
Und wieder Bahn, und wieder alt.


Mein Leben wie Lethe,
Unzählige Lügen –
Ich bin der Poet
Abgezogener Züge


Es war mal Moskau, jetzt Berlin
Und Knospen aufgesperrte Rosen...
Die Tränen unerzählten Prosa
Und Schmerz Alleinseins bleiben drin.

Mein Zug – abgezogen,
Die Frage verwirrend
In knospigen Wogen
Der rosigen Wirren...
(20:58)



die liebe ist das süßeste und das bitterste gefühl von allen, die es gibt...
(21:02)



du musst sie auch nicht schreiben, deine Gottesgabe – Poeten zu schöpfen:

Durch dich geborene Gedichte –
Ich schicke sie an dich zurück,
Denn ich bin ohne sie verrückt
Vom Feuer meiner Liebesdichte!..

Danke für die zarte Note für die Versen.

Die 500 von „klassenkameraden“ dafür vorgesehenen zeichen sind sogar für ein ganzes gedicht zu wenig.. besuche lieber meine literaturseite – ich hätte mich gefreut, deine meinung zu hören (am besten deine begeisterung)
(21:06)




ich besuche sie unbedingt, ich war schon drauf, nur schaffte es noch nicht, alles zu lesen..
(21:10)



Oh! zu dualismus der liebe ein vor kurzem entstandenes gedicht:


Liebe! Dich gibt's, du bist wie Zeit
Nicht aufhaltsam und so schnelle!
Du bist im Jugend unser Geist,
Im Alter aber - wie die Grelle...
Liebe! Dich gibt's, du bist verletzbar
Und du bist so leichtsinnig leicht!
Mit der Unendlichkeit vergleichbar
Mit Etwas aus dem Sternbereich...
Liebe! Dich gibt's als unvergänglich
Oder so flüchtig wie ein Traum!
Und du verletz'st so unerbärmlich,
Und nicht umsonst verlässt du Raum...
Liebe! Dich gibt's mal viel zu frühe,
Oder verspätest du solide!
Du lässt das Seelenblut versprühen
Oder kannst heilen Invaliden...
Aber es ist schon seltsam, von die über die bitterkeiten der liebe zu hören..
(21:11)



oh ja.. bis zum wehtun richtige worte... na warum denn seltsam.. ich kann mich ja auch irren.. ich wähle nicht den richtigen oder werde von einem falschen gewählt.. das wär’s dann schon.. daher das leiden und die schmerzen... oder unmöglich deinen geliebten weiter zu lieben...
(21:18)
ich warte ab, bis du alles durchliest..
(21:19)



In meinem Leben hatte ich auch zugenüge allerlei tragödien, aber in der Seele und in meinen Gedichten bewahrte ich mich als einen Idealisten.


Was heißt das schon einen Geliebten, einen richtigen, einen falschen zu lieben? Die Liebe ist an sich das Glück, wie ich darüber Pierre de Ronsard schreibe!


Die Liebe hat mit Besitzen nichts zu tun (obwohl man - rein menschlich - so sehr besitzen will, dass er alle – sogar seine GELIEBTE selbst - umbringen kann, wenn sie ihn daran hindern),


die Liebe ist Gottesgabe, ein Zustand, der reinigt, macht zu Poeten, macht dich leicht und erhellend.. Das Objekt der Liebe ist dabei fast zweitrangig, wenn man es so sieht. Wenn du es so anschaust, werde auch ich für dich nicht lächerlich erscheinen
(21:26)

...Ich werde zum Scheinwerfer an deinem Sockel,
Erhelle die Schönheit und deine Seele
Und keine Lüge wird Verse abzocken,
Die nun von mir für dich entstehen

Brauchst du mal eines anderen Liebe –
Gebe ihm alles von mir so ab,
Wie zu Roxane sang seine Lieder
Für einen andren de Bergerac


Man darf wegen jemand, oder wegen eines Fehlers nicht zum zyniker oder pragmatiker werden.


Die Rede ist immer nur von dir selbst – wer du bist, wie du bist. Lass das Jüngste Gericht kommen, wenn Menschen die Seele und das Schöne nicht mehr zu schätzen wissen, lebe du aber weiter, genieß alles. Das ist nicht dein Gericht
(21:33)


der zweite, nicht reingepasste teil dieses reifen Liebeshymnus:


Liebe dich gibt's - wird's immer geben
Wie Auferstehung und den Tod!
Du lässt dich nicht vom Klatsch umgeben
Und reinigst uns wie Gnade Gott's
Liebe! Dich gibt's, und du erwischst,
Sodass du mich zu Sünden treibest!
Nein, deine Kraft noch nicht verwichn -
Ich bin bereit zu allen Leiden...
Liebe! Dich gibt's, du bist wie Bürde -
Ich schleppe dich ohne Verjähren!
Du tastest an unsere Würde...
Na, dann: "Auf Liebe!" meine Herren!


Ich werde dich nicht mehr belästigen.. gedichte soll man in ruhe und mit genuss, und nicht in chatt-Hektik lesen
Gute nacht..
(21:42)



nein, ich werde keineswegs zu einer zynikerin oder pragmatikerin, nein, ich bemühe mich, nach etwas anderes, etwas neues zu suchen... und sie sind für mich nicht lächerlich..
(21:43)



suche vor allem in dir selbst.. und wenn ich für dich nicht lächerlich bin, duze mich – das ist meine Manier, mich mit allen und nicht nur mit dir zu unterhalten – unabhängig von Rang und Namen, und Alter und sofort und so weiter.. Es ist freundschaftlich, verwandschaftlich, demokratisch und menschlich..

Sie ist eine künstliche Distanz für diejenigen, die sich nicht sicher sind, dass sie diese distanz anderswie zurecht erhalten können – ein schlechter Manager z.b.
(21:53)




ich bin per sie mit jedem Erwachsenen, außer vielleicht meinen Eltern.. ich wurde gelehrt, dass es ein zeichen vom Achten wäre aber wenn du es so willst, werde ich dich nicht mehr mit sie ansprechen)

o je, die nacht wird bei mir bestimmt unruhig) wenn sie überhaupt noch sein wird) ich befürchte, sie geht an mir vorbei und es wird gleich morgen gute nacht)
(22:15)



Oh! Das war gerade dein erster poetischer Versuch - mit der nacht..

Das letzte noch als Gutenachtlied (ich war schon mal weg, nachdem du wegwarst, dann aber wiedergekommen)

Foltert euch nicht in der Stille,
Und nicht in Missgeschick verharren
Über umsonst verlebte Jahren –
Sie kommen noch voll von Idylle!

Sie kommen, habt mein Wort darauf,
Ihr werdet dann wiedergeboren,
Wenn Schicksal klopft an eurem Tore,
Und ihr erlebt der Liebe Taufe!

Die Nichtigkeit eur'r früheren Sorgen
Erlebt ihr dann im Liebesrausch,
Und sie vergehen wie schwerer
Traum Im Liebesstrahl an jedem Morgen!


Wenn ich nicht einschlafe, schreibe ich die ganze nacht durch gedichte für dich (22:20)



du wurdest richtig damit gelehrt und es geht nicht um die Achtung) es geht darum, dass die erwachsenen angeblich immer höher als kinder stehen, und kinder sollen dieses mit „sie“ anerkennen) und nun bist du selbst eine erwachsene, und nun geht es um volle Gleichheit von menschen, von dir mit den allen anderen sowie von allen anderen mit dir.. und hier gibt es keine vereinbarungen und vereinbarte zeichen.


Und es ist eigentlich nicht nötig zu schlafen – die nacht besucht dich sowieso, kommt zu dir, wühlt dich um, kuschelt dich, erholt dich und spuckt dich erst dann zurück in den morgen in den Alltag..


Siehst du.. wir haben bereits zusammen ein kleines gedicht der nacht geschrieben, das zu einer ganzen Poem erweitert werden kann – so unerschöpflich und geheimvoll ist DIE NACHT..
Trotzdem, falls du doch schläfst - schlaf gut..
(22:31)




ja, erwachsen zu sein ist so angenehm, wie auch schwierig. Warum sollst du nicht schlafen.. du hast mich mit emotionen schon voll gefüttert und ich bin dem dankbar, auf dich wartet wahrscheinlich deine frau..
(23:15)



lebe allein.. vor einpaar jahren ließ mich scheiden, kinder wurden erwachsen, die familie - in dem geliebten sinne - zerfiel, ich wollte nicht so tun, als ob alles in ordnung gewesen wäre und begann weiter selbst zu leben) die enkelkinder binden verwandschaftlich.. ansonsten leben alle selbstständig, wer schreibt gedichte, wer gebärt kinder - jedem das seine..


nicht ich dich mit emotionen aufgeladen, du bist selbst eine pure Emotion.


Nicht zu schlaffen ist immer mit dem im verliebten Zustand durch die Nachtstadt rumspazieren verbundenUnd so ein (sogenanntes weißes) gedicht gibt es auch:


Ich trage dich in mir mit behutsamer Zärtlichkeit
Die ganze Stadt mit Zärtlichkeit gefüllt
Und nichts fehlt mehr, nur noch dich weiter fühlen.
(23:32)



verzeih, wollte dich nicht ans traurige erinnern. Oh, wenn es die Liebe wäre, alles viel banaler.. jetzt schreibe Aufgabenlösungen... dann wäre es noch nicht schlecht, mich zur klausur vorzubereiten...
(23:34)



das ist nicht traurig – das war meine entscheidung und sie war richtig) viele bleiben nach dem Erwachsenwerden ihrer kinder beieinander aus der angst allein zu bleiben.. das ist unehrlich.. man soll mit der Liebe und nicht mit der angst leben

vielleicht kann ich dir helfen mit deiner klausur.. schick mir die aufgaben rüber..
(23:40)



auch richtig gesagt) ach ne, dank) kannst du nicht) schreibe alles per hand) also kannst du nicht
(23:43)



schade, sonst kann ich ziemlich viel.. und mag es auch zu helfen



werde dir geistig helfen, verstärkungswellen senden:


Ich gehe.. mit mir beisammen
Und die Stadt, von mir geweckt,
Geht mit mir zusammen
wie ein Kamerad – Knecht..
Alles surrealistisch
und alles so sagenhaft..
Und vor allem du,
die ich in mir trage
behutsam und zärtlich
wie eine Strophe aus der Sage..
Die ganze Stadt davon gefüllt
und nichts fehlt mehr wirklich,
nur noch dich weiter fühlen
und weitertragen
und nicht fallen lassen in Leere,
und nicht zerbrechen,
nicht vertrüben
und nicht vertüdern
deine saubere Kanten..
Dein ganzes Licht einzusaugen -
diese Tropfen von Brillianten -
und zurück ausstrahlen -
in die Seelen und Augen
von Menschen einzutreten,
damit sie suchen nach Gral -
nach nächtliche Städte!..
(23:56)



danke ich mag selbst helfen, aber tue es irgendwie mit der zeit immer seltener, alle selbstständig geworden
(23:58)


zu helfen, genauso wie zu lieben tut vor allem dir selbst gut und macht dicht selbst glücklich) also, das ist in gewissem sinne egoistisch..

aber diejenigen, die sich nicht helfen lassen oder sich nicht lieben lassen, sind noch egoistischer) sie wollen nicht, dass es dir durch diese hilfe gut geht und du glücklich bist..
(00:03)
ja.. so ist es wirklich..
(00:10)



Mit dem Sternbild "Jungfrau"
Diese Nacht mich erwischt -
Julianischem Traum
Kann ich nicht mehr entwisch'n.

Julian'scher Kalender
Macht November zum Juli,
Altgermanische Länder
Zu altrömischer Julja

Ich bin selbst die Antike,
Während sie Afrodite,
Meine Verse erblicken
Die erhabenen Ritter!

Beben wieder die Reime -
Meereswellen am Strande,
Diese Julja-Jungfrau
Meeresschaum entstanden!


Wenn es so weiter geht – bin ich bereit, keine nacht mehr im restlichen leben zu schlafen (ich habe aber auch keine klausuren mehr wie du)
falls es sich nicht schläft – gehen wir zusammen durch die stadt spazieren?.
(00:30)



werde dich nicht mehr ablenken – arbeite..
ich gehe doch einbisschen um die Nachthäuser rum..
dir guten morgen und einen erfolgreichen tag..
(00:41)



ich bin geschmeichelt, ein gedicht und nur für mich).. hm-m.. dies dürfte etwas schwierig sein, mit dem spazieren gehen.. es ist unruhig in der nacht bei uns..
(00:43)


danke gehe auch etwas für mich, umso mehr, dass ich nie in deutschland war..
(00:44)



schade, dass es bei dir unruhig ist) als ich noch durch die moskau spazierte, war es ruhiger.. oder war es mir auch gleichgültig damals.. ruhig war es in russland noch niemals.. deswegen bin ich auch hier – habe es satt mit unruhen und durcheinander..

und bei uns ist es ruhig und schön) ich lade dich auf der stelle nach berlin ein) ich werde dich tag und nacht durch berlin und ganzes deutschland führen, sag nur wann?.

Wo hast du als Königin dein majestätisches Selbstbewusstsein?. Du sollst in Zorn verfallen, falls du an einem tag keins der dir gewidmeten gedichte geschenkt bekommst.. (mit diesem selbstbewusstsein ist man auch gegen fehlern in der liebe besser geschützt)
(00:56)




Ich konnte nicht mehr sitzen.. mich wirbelte in die Luft... Ich saß in einem Zimmer mit dem Mädchen und unterhielt mich mit ihr.. Unterhielt mich so, dass es gar nicht klar war, wer hier älter oder junger ist und wer wen bereichert..

Ich stand von dem Computer auf, ohne ihn auszuschalten, zog mich an und ging raus auf die Straße.. das Wunder setzte sich fort.. gleich hier hinter der Schwelle... Ich sah noch einige durch die nächtliche Stadt schlendernde Passanten, was für meinen spießigen Bezirk – gerade hier wird man gleich gesteinigt – schon ganz ungewöhnlich war... normalerweise ist abends hier bereits gegen zehn Uhr schon „tote Hose“... um die Ecke sah ich eine Uhr und rieb mir die Augen.. sie zeigten anfangs zwölf... in Berlin war es noch kurz nach elf!.. mir wurde fast schwindlig durch so einen plötzlichen Rückfall auf zwei Stunden zurück..

Das Wetter war einfach ein Wwunder.. es nieselte, starke, durchdringende Windstöße griffen in Handvollen diesen kalten Regen und schmissen ihn scharf mir ins Gesicht – es erfrischte... schwarze Bäume glänzten von Feuchtigkeit, und diejenigen von denen, die noch ihre gelb-rot-braunen Blätter beibehielten, warfen diese jetzt ab ebenfalls mir ins Gesicht, hinter den Kragen rein, vor die Füße, was die Pflasterplatten und –steine rutschig und glitschig machte... Und es ging mir supergut – dies alles erleichterte den aufgeregten Kopf.. ich bückte mich, hüllte mich dichter in die Jacke ein und schritt über die jetzt fast leer gewordenen Straße,
wie ein Kapitän über das Deck seines in Sturm geratenes Schiffes.

Aus dem Fenster einer mir bekannten Kneipe fiel gelbes, warmes und gemütliches Licht auf den dunklen Bürgersteig.. ich konnte durch das Fenster meinen bekannten Barkeeper sehen mit einer Zigarette in der Mundwinkel, der seine lange Weile durch langsamen Abtrocknen von frisch gespülten Gläsern mit einem Tuch verkürzte und diese Gläser immer wieder prüfend gegen das Licht betrachtete mit dem Gesicht zu mir.. an der Theke saßen zwei einzelne, halbschläfrige Spätbesucher.. Eigentlich hätte ich an diesem Abend hier ruhig als der dritte sitzen können.. wie auch viele trostlosen Abende davor.. die Füße trugen mich bereits reflexiv zu der Eingangstür der Kneipe...

Und auf einmal verspürte ich, wie unpassend für mich an diesem Abend dieses Zeittodschlagen und die Lebensverkürzung ist... diese kalte Bitterkeit des Bieres... diese Leere in der verrauch-stinkenden Atmosphäre und in jedem da drin Sitzenden.. Ich war so was von überfüllt, dass es in mir gar keinen Platz war für einen einzigen Schluck Bier.. für einen einzigen Atemzug dieser Atmosphäre... meine Göttin darein zu schleppen!.. lästerlicher als das wäre es schwierig auszudenken.. und ich marschierte weiter an der Tür dieser stickigen und armseligen Kneipe vorbei.. durch den mich umspülenden und abkühlenden Regen..

Es war schon gut so, dass die Straße praktisch leer war) sonst hätte ich über die Menschen gestolpert.. ich war immer noch in meinem Computer drin).. und sprach... sprach... mit ihr).. und las... las... las... ihr Gedichte vor).. und merkte und hörte um mich herum nichts).. Bis mich der Krach des Feuerwerks aus dem Balkon oben über mir und das Geschrei „Happy birthday...“ aufweckten... jemand ist heute noch ein Jahr älter geworden, während ich tausend Jahre junger wurde).. der Ärmste!.. „Alles Gute zum Geburtstag!“ – schrie ich nach oben).. das erwirkte ein freudiges Gelächter und die zu mir herab gehallte Antwort: „Danke!.. dir auch).. einfach so, wenn du auch keinen Geburtstag heute hast!..“ Oh, wenn sie bloß wüssten, was ich heute habe!..

Ich bin schon um einpaar Blocks im Kreise rumspaziert und nährte mich jetzt meinem Haus).. und je näher ich kam, desto schneller wurden meine Schritte).. ich flog fast in meine Wohnung hinein und stürzte mich, meine Jacke unterwegs abreißend, zum Computer).. Mein Gott! Ich wollte sie nicht stören, ich wollte, dass sie einschläft und sich erholt... und verpasste fast eine ganze Stunde meines Lebens mit ihr!!!:::



Na wenn man mit solchen anforderungen zu moskauer jungs kommt... so kann man für immer alleine blieben, verwöhnt sind sie alle)..
o je.. mit wann ist es schwierig.. allein materiell, auch mama lässt mich nicht alleine fahren, der vater übrigens auch nicht)
(01:15)





Habe keine Angst) DU bleibst nie alleine und du bist eine Königin! Wir waren doch einig – man darf nicht mit der angst leben, nur mit der Liebe) und die jungs – sie sind so, wie sie von mädchen gemacht werden..
mach deine jungs)..

und diejenigen, die verwöhnt (wodurch? durch die käufliche oder schnelle liebe?) sind, verdienen es nicht, dich nur noch ein mal anzuschauen!..

und denk bitte nicht, dass es hier ein „antike brocken“ redet) so war es immer mit der Liebe).. immer gab es Königinnen, immer gab es ritter, immer gab es poeten und immer gab es leichte mädchen-flittchen und schwere jungs-abschaum..
Warum schläfst du denn nicht?)
(02:05)




ja.. na erst mal habe ich meine liebe und die baue ich auf).. schlafen.. na jetzt, schreibe nur noch eine aufgabe zu ende, gehe unter die dusche und lege mich ins bett) also in ca. eine stunde
(02:11)




materiell schaffen wir es zusammen)

was mama und papa betrifft, kann ich einerseits einen garantiebrief für sie schreiben, dass ich dich wie meine eigene tochter, die ich sehr liebe, empfangen und zu ihnen zurückschicken werde... andererseits, du bist eine Erwachsene – ich hab es so gesagt und du hast es gesagt...

wie kann man mit 19 jahren angst haben, alleine zu bleiben).. du wählst aus!.. lass dich nicht auswählen wie auf dem wochenmarkt).. ich hatte auch angst für meine töchter, als ich mir hiesige jungs drum herum anschaute).. sie fanden bewundernswert zärtlichen, liebenden und intelligenten kerle, weil ich sie als Königinnen erzog...
(02:14)




ja, hast du recht) aber trotzdem weiß ich immer noch das mutterswort sehr zu schätzen, sie hat mich alleine groß gezogen und wir wohnen mit ihr zu zweit zusammen.. im übrigen habe ich jetzt auch keine möglichkeit, irgendwohin zu fahren.. das studium frist die meiste zeit auf)..
(02:20)



und ich ging eine große runde um meine blocks zu drehen.. ging die leere straße entlang, und plötzlich schossen die Feuerwerkraketen oben von einem balkon hoch, irgenwelche leute schrieen „happy birthday...“).. ich schrie nach oben zurück „alles gut zum geburtstag!..“, und sie mir runter „danke!“).. so unruhig ist es bei uns hier)..


„trug dich in mir behutsam und zärtlich...“ und beruhigte mich einbisschen, aber, zurückgekehrt, guckte wieder in die post rein und fand deine nachricht bei „den klassenkameraden)

..es freut mich, dass du deine Liebe hast)... wenn ich so in deine augen hineinschaue – die vor schmerzen viel angst haben – soll er dich sehr lieben).. anders wäre es unmöglich!.. Schlaf..
(02:22)




in ferien).. wann sind die nächsten - in februar?.. komm mit mama – die einfachste lösung
(02:23)



und mit papa auch, damit es ganz sicher wäre.. gar kein verdacht aufkäme...
du bleibst ja ganz unausgeschlafen!.. ich habe vergessen, dass es bei euch zwei stunden später ist).. und ich quäle dich).. und mich selber auch..
(02:34)



Bald... bald... es ist noch ganz wenig bis zum schlafen geblieben
(2:34)



mal sehen, wie es damit klappt.. aber ich kann nichts garantieren
(02:34)



ich habe ja sowieso parallel noch zu tun – ich muss um 13 uhr zu uni, na vielleicht etwas früher... 5-6 stunden schlafe ich vielleicht noch)
(02:35)




man muss nichts garantieren.. Garantien funktionieren nicht.. auch alleine kannst du jede zeit bleiben..
die beste garantie – das vertrauen und ich bitte dich um dieses vertrauen).. wenn um 13 zu uni, dann kannst du noch ausschlafen...
Danke – du hast mich beruhigt
(02:39)




nicht zu danken
(02:43)




du chattest bereits schlaffend, nach immer kürzere antworten von dir beurteilend..

danke für die mit dir verbrachten, wunderbaren stunden..ich habe dich näher und tiefer kennen gelernt , obwohl man auch auf den fotos ganz tief in deine augen reinschauen kann und eine menge da drin über dich erfahren..

zum x. Mal gute nacht und die farbträume mit stiller musik...
(02:52)




danke.. dir auch gute nacht, ich will nur noch zu ende schreiben und unter die dusche gehen, mich etwas zu erfrischen, sonst kommen schon etwas kopfschmerzen auf)
(02:55)



Und ärgert der mich bis zur Brunst,
Wer – mein Begeistern sonst vermissend –
Will hier begreifen nur Einbisschen
Von ihrem Reiz und Zauberkunst!

Verständnis Dummen nicht gestattet,
Dass dieses Reizbild so unendlich
Mann findet gar nicht unveränd’rlich
Und wird ihm selber zum Gestallter!

Es umso besser wird gerichtet,
Und unbegreiflich für die Laien
Wie diese voll geschärfte Zeilen,
Dass es kreiert wird von den Dich-tern!..
(03:05)




wunderschön).. schluss.. bin weggelaufen) bis zum treffen)
(03:09)



Und wieder kam die Nacht).. aber was für eine!..ich tanzte hüpfend aus dem arbeitszimmer auf meine aus dem schlafzimmer zum hof führende terrasse)..atmete den regen)..rauchte einpaar zigaretten).. atmete nochmals feuchte frost des spätherbstes).. unterhielt mich etwas mit der laterne im hof, die ihres hellen köpfchen mit einem blechhütchen zuzudecken versuchte, lachte über sie, ohne zu verstehen, was sie zu befürchten hat – wird weder nass, noch kann sich erkälten).. blitzte wieder ins arbeitszimmer und schaltete computer wieder ein).. Es erschien mir, dass sie – so wie ich auch - nicht einschlafen kann und sitzt jetzt alleine auf dieser internetplattform).. und ich verliere wieder die wertvollsten sekunden meines lebens mit ihr).. SIE war nicht dort).. schaltete verdammte kiste aus!.. rauchte nochmals).. zog mich aus und legte mich ins bett).. lag blöd lächelnd und zwang mich selbst nicht wie immer zum schlaf, um morgen mit einigermaßen hellem kopf aufzuwachen... Wofür er mir hell).. für statistiken)..


...........................................................................


„In seine Narben hat sie sich verliebt,
und ihm war dieses Mitleid lieb...“

William Shakespeare



Ob ich schlief).. oder nicht schlief – wusste ich nicht).. wahrscheinlich vergas mich kurz).. sprang auf).. guckte auf den wecker – 6 uhr morgens).. im bett weiter zu liegen, war es unmöglich, obwohl ich wusste, dass sie jetzt nicht gestört werden darf).. dass sie um 13 zu uni muss).. dass sie heute klausur hat, deren vorbereitung ich gestern störte).. dass sie sich wenigstens heute bis 13 zu ihr vorbereiten muss..

Habe einen „Kübel“ - wie immer - kaffee gekocht ).. wollte – wie immer – fernseher mit morgennachrichten einschalten).. und wurde wieder von so einer meinen banalität verrückt – welche nachrichten denn können heute noch sein!.. was interessiert mich diese welt, in der die alten lebendig begraben und Königinnen von plebs zertrampelt werden, und dabei noch angst davor haben alleine zu bleiben!.. Zu Hölle mit ihr!.... lass nur sie bleiben!.. und diejenigen, welche sie lieben).. und diejenige, welche sie liebt).. wenn ich auch nicht dazu gehören darf...

Druckte aus dem Computer ihr Foto aus).. hing es vor mir auf).. schenkte mir kaffee ein).. zündete eine zigarre an – mein frühstuck, wie immer, und es passte heute).. und unterhielt).. und unterhielt mich mit ihr weiter, bis den ganzen, inzwischen kalt gewordenen kaffee austrank und die einpaar mal ausgegangene zigarre ausrauchte).. was soll ich machen?.. bis zum abend).. wer hat etwas über den abend gesagt?.. Was bringt mir schon dieser abend?..

Was machen?.. die statistik wäre eine hier gerade ganz passende, dafür ausrechend blöde, nicht ablenkende, das gehirn und die seele nicht belastende Angelegenheit).. aber das ist doch schlimmer, als das gestrige bier, oder heutige nachrichten!..

Setzte mich vor den computer hin).. schaute unser nächtlichen gespräch durch).. von unten nach oben).. von oben nach unten).. dann umgekehrt).. dabei war ich auf einer seite - „ausgehende“ und sie auf der anderen - „eingehende“).. begann unsere zeiten gegenüber zu stellen, um besser zu verstehen, welche antwort zu welcher.. antwort gehörte).. dann machte eine kleine entdeckung und, obwohl unter ihrem foto kein verweis-fensterchen blinzte, das mir sagen könnte, dass SIE auf der plattform ist, schrieb ihr eine nachricht::


<

div" align="center">Guten morgen
Kompliment!.. du hast ein wunderbar ausgeprägtes zeitgefühl).. um 02:11 gesagt, dass du in ein stündchen unter die dusche gehst, und um 03:09 weggelaufen).. das ist deutsch – du bist doch eine echte Altmann...

und ich verlor das zeitgefühl heute gänzlich).. ging als ein glücklicher wie irgendwann vor hundert jahren ins bett).. ob ich schlief oder nicht, weiß ich nicht).. aufgestanden noch glücklicher).. und werde die nächsten hundert jahren auf unseren Treff warten, den du mir in deinem letzten wort doch versprach..

und bis dahin dir für all diese hundert jahre viel liebe, erfolg und glück, glück, glück...
(10:51)



Fand mein gedicht zu IHR).. nicht gleich begriffen, wo das herkommt – alle anderen waren die alten oder auch nicht ganz, und dieses war während der unterhaltung hineingefahren).. kopierte es).. übertrug ins programm zum schreiben von html-internetdateien).. las nochmals durch).. langsam aufsteigende verzweifelung schlich sich zwischen den strophen).. heute nacht war alles bei uns so kindlich einfach!.. lud das sich verdoppelte gedicht auf meine poesie-seite hoch).. schrieb IHR, im voraus wissend, dass ihr fensterchen nicht blinzelt, und es blinzelte auch nicht, eine nachricht::



..dein gedicht wurde durch die nacht zu einem dialog der liebe mit dem zweifell – wie immer – und ich stellte es in meine poesie unter „gedichte-dialoge“...

aber das ist nur dein gedicht).. falls du es nicht magst, dass es von anderen gelesen wird, nehme ich es gleich weg)

warte auf königliche anweisungen!..
(12:07)



O Gott! Wie langsam fließt die zeit!.. mit den statistiken kaum sich hingesetzt – bereits abend).. zog mich an).. ging zur post).. das wetter war ekelhaft).. es nieselte und es langweilte).. der tag war dadurch ganz trüb-grau).. er war langweilig und ekelerregend).. weder der wind, noch regen erfrischten, sondern kühlten bis zu markt und seele)

Der postfach war auch leer).. es ist so, dass ich mir – bevor ich literaturseiten fertig machte –einen postfach zulegte, um die post von meinen künftigen literarischen leser-fans, von meiner alltäglichen post zu trennen).. seitdem gehe regelmäßig zu ihm).. zu leerem).. dafür aber immerhin ein spaziergang)

Schlenderte nach hause).. um mich herum passierten irgendwelche in nasse lappen umwickelte gespenster).. Wenn sie heute nur diese verdammte klausur hat, dann ist es ein akademisches stundenpaar) 13 plus ein stundenpaar ist 16).. warum eigentlich 16? Ein akademisches stundenpaar dauert einundhalb stunden).. egal lass 16 stehen, wenn es sich schon so errechnete).. kam nach hause, schaltete die kiste ein).. mir war das Herz fast rausgesprungen! Ich hatte eine Nachricht!!!:::



Es klappt bei mir nicht immer so mit der Zeiteinschätzung, aber ich geb mir mühe, mag nicht mich zu verspäten, auch nicht wen sich jemand verspätet.
(16:00)



aber warum denn.. lass sie doch lesen.
(16:05)



Hallo. Uni überstanden? Gab’s die Klausur?

Über die Zeit – du bist prima – bei mir gehört es fast zum Hauptprinzip.

Dein Gedicht bleibt. Und was sagst du zu seiner Änderung?
(16:10)



aha gab’s... nicht - wär’s besser... ein horror..

die änderung ist gut) lass es so stehen
(16:36)



schade aber, dass du so viel stress erlebt hast und, wenn es sie heute nicht gegeben hätte, hättest du sie noch vor dir...

für die „guten“ änderungen danke, obwohl sie – wenn man es genauer anschauet – verändern das gedicht in irgendeine andere richtung...

entspann dich nach diesem stress... oder tust du es, indem du mit halbtausend von freunden und freundfreunden bei „den klassenkameraden“ chattest?..

Ich schrieb in meinem Buch zu dem russischen Sprichwort, dass man grenzenlose Seele aufweisen soll, wenn er hundert freunde haben will, denn jeder freund sollte einen teil davon erhalten!..
(17:46)




ne-e) ich habe keinen briefwechsel mit denen, machte grad eben aufgaben. warte auf den jungen mann vom studium, dann entspanne mich auch)
(17:54)




na dann.. dir gute erholung und einen sehr gelungenen, glücklichen abend... bis zum treffen... am besten in berlin...
(18:12)



Und das war’s)... das fensterchen unter IHREM, meinem Lieblingsfoto erlisch).. vielleicht blinzelt es noch nach ihrem rückkehr::::



..ist der abend gelungen?..

wünsche dir auszuschlafen)..

glücklich aufzuwachen)..

und so auch weiterzuleben...


und dein königliches Selbstbewusstsein zu entwickeln – dieses überzeugt besser als alles anderes
(00:59)



Und in der nacht blinzte es auch nicht).. und bis jetzt nicht mehr).. aber ich werde es wissen, wenn sie auf ihrer seite ankommt).. „die klassenkameraden“ lassen nicht nur blinzeln, sondern merken und melden auch die zeit, wann SIE das letzte mal auf ihrer seite war).. und auf meiner auch).. falls sie auf ihr war)

Vielleicht ist ihr was passiert?! Oh, Gott! Beschütze SIE allein wegen deiner verdammten und bösen menschheit, damit diese durch SIE wenigstens einbisschen besser und gütiger wäre!.. gütiger zu kindern und zu alten)

Herr Gott! Danke Dir dafür, dass Du (eine menge unsinniges auf der erde geschaffen, angefangen von für die ausbreitung ihrer grenzen - in der blöden überzeugung, dass diese grenzen und schranken auf dem territorium ihres nachbarn und nicht in ihren köpfen und seelen liegen, - kriege führenden menschen und anschließend diese – egal wo sie liegen: beim nachbarn oder bei menschen in ihren köpfen - menschen trennenden grenzen und schranken) endlich so eine heilige sache wie INTERNET schuf, welches all diese grenzen, egal wo sie liegen, überwindet und mir ermöglicht, mich mit so einem wunderbaren mädchen).. direkt in ihrem zimmer).. zwei tausend kilometer von berlin entfernt).. zu unterhalten und ihr ermöglicht, sich ohne jede angst).. ohne irgendwelche garantiebriefe).. dieselben kilometer von moskau entfernt) in meinem arbeitszimmer).. beide allein).. ohne nachbarn).. ohne wächter).. und ohne schranken).. voll vertrauen) mit mir zu unterhalten). Ohne das Internet unterhielt ich mich noch nie – in meinen millionen von unterhaltungen – so offen).. so zutraulich-vertrauensvoll).. tiefst seelisch).. und mit solcher liebe).. wenigstens meinerseits)

Herr Gott! Danke Dir auch dafür, dass Du so eine tolle technik wie multifunktionelles Handy schuf, mit dem SIE sich bei ihr in der Küche auf dieses Foto aufgenommen hat, durch welches ich mich in SIE verliebt hatte).. denn nur in diesem falle, wo ein mensch sich selber – und nicht seinem gegenüber hinter der kamera stehenden - in die augen schaut, können solche Fotos voller naturellen Kunst entstehen).. auf denen sich dieser mensch gar nicht gezwungen fühlt, sich unwilkürlich nachzubessern, nachzurichten und nachzuposieren).. sondern ganz entspannt und vertraulich – wie wir beide in unserer nächtlichen sitzung – die tiefen seiner augen – die tiefsten tiefe seiner seele aufnimmt)

Her Gott! Danke Dir für das alles, ganz zu schweigen von dem computer selbst, denn ohne den wäre dies alles überhaupt unmöglich und hätte nie stattgefunden)

Ich holte IHR Gesicht).. IHRE Augen).. IHRE Lippen, mit etwas wie bei der Sixtinischen Madonna in den Mundwinkel leicht flatterndem und ängstlichem Lächeln, auf den flachen monitor meines computers).. vergrößerte es auf den ganzen bildschirm).. hing diesen in die heilige ecke meines arbeitszimmers)..

wozu brauche ich noch monitor?.. keine statistiken mehr werde ich mir sowieso anschauen).. und die nachrichten auch nicht).. ich werde SIE anschauen).. mich mit IHR unterhalten).. SIE verehren)—leben mit IHR).. SIE anbeten).. SIE begehren).. und SIE wird mich anschauen, ihren Kopf etwas zu seite neigend).. mir zu hören und mir etwas, ganz leicht, zulächeln).. oder, falls mir wieder irgendein blödsinn ausrutscht, auch über mich lächeln).. so wie SIE es jetzt auch tut).. während ich vor IHR sitze).. schaue SIE an).. und endlich schreibe).. schreibe).. schreibe)

Und sonst – wäre es nicht SIE gewesen – hätte niemand).. und nie).. und nichts von dieser Internetromanze erfahren, die sich womöglich noch im Internet fortsetzt).. wenn wir von unseren nächsten).. von unseren freunden).. von unseren brüdern und schwestern nicht gesteinigt werden).. und wenn das kleine verweis-fensterchen unter IHREM Foto in meiner heiligen Ecke irgendwann zu blinzeln beginnt)))))


Nun bist Du nicht mehr da –
Was bleibt Verliebten dann?
Das Leben im Unglück,
Das Schicksal ohne Schmuck.

Das Leben ohne Träume,
In völlig dunklen Räumen,
Sei nun gebetet Gott
Um den Befreier-Tod.

Löscht sich das Liebeslicht,
Und rettet nur Gedicht.
So plötzlich wird das Reich
Vom Leid und Schmerzen reich.

Zerfällt die ganze Welt,
In der man selbst zerfällt,
In Einsamkeit allein –
Kein Leid darf schlimmer sein.

Doch Botschaft dieses Leids,
Dass mir die Liebe bleibt,
Sie erntet man im Herbst –

Du bist die Ernte selbst!
.............................................................................................



Moskau – Berlin, einer herbstlich-regnerischen Nacht des Jahres 2007


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.11.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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