Andreas Rüdig
Das Butterbrot
Ein Butterbrot! Ein Königreich für ein Butterbrot. Ich hätte jetzt
wirklich liebend gerne ein Butterbrot. Warum packt meine Mutter mir nur
immer Obst, Rohkost und Süßigkeiten ein, wenn sie meinen Schulranzen
packt? Sie weiß doch ganz genau, daß mir insbesondere Obst und Rohkost
zum Hause heraushängen. Ich würde gerne mal was anderes essen.
Mein
Heißhunger auf Butterbrote führte dazu, daß ich mich heute morgen am
Tornister von Bernward vergriff. In unserer ersten Stunde hatten wir
Englisch. Als Bernward den Tornister öffnete, sah ich diverse
Plastikbehälter mit belegten Broten darin. Als dann die große Pause
anbracht und meine Mitschüler nach draußen stürmten, öffnete ich
Bernwards Schulranzen - und beging den Mundraub.
Doch wie soll ich
meine Mutter erziehen, auf daß sie mir Butterbrote schmiert? Genau,
jetzt weiß ich es: Als braver Sohn werde ich ihr selbst die Pausenbrote
schmieren. Ein Zettelchen mit der Aufschrift "Butterbrote für
Coelestian!!" kommt in jeden ihrer Glückskekse. In ihren Kartoffelsalat
werde ich ein wenig Ketchup und große Mengen Senf mischen. Bei den
beiden Berliner Ballen werde ich die Nuß - Nougat - Füllung durch
Pflaumenmus ersetzen. Bei ihren belegten Broten werde ich mir dafür
größere Mühe geben. Ein wenig Butter, 2 Scheiben milden Käase, 1
Scheibe Tomate und eine Scheibe Gurke - und schwupps ist das belegte
Brötchen fertig.
"Oh Coelestin, du bist ein Schatz! Da hast
gesehen, daß ich heute zu alge geschlafen habe. Du hast dir dein
Schulessen selbst gemacht. Und mir auch noch mein Pausenbrot. Ach
Coelestin..."
Coelestin hat mich herausgefordert. Mir einfach so
das Essen für die Mittagspause zu versauen. Morgen werde ich ihm
Plastikessen einpacken.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.12.2007.
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