Stephanie Schneider

Die Wölfe - 21. Ein harter Kampf

„Und los!“ Damit wurde der Kampf begonnen. In der Arena waren inzwischen alle Soldaten, die keine Aufgaben zu erledigen hatten und schauten dem Wettkampf zu. Keiner hatte geahnt, dass ihr General im Schussduell besiegt worden war und jeder wollte wissen wer dieser neue Rekrut war, der mich herausforderte. Der Faustkampf war zweifelsohne eine interessante Disziplin, der jeder Soldat gerne nachging, besonders in Gasthäusern nach einigen Flaschen Bier. Hier ging es jedoch nicht um Falschspielen und es galten Regeln. Die Fäuste meines Herausforderers versuchte mit unglaublicher Schnelligkeit meinen Kopf zu treffen. Aber ich war ebenso schnell und konnte gut ausweichen. Es gab 2 Punkte für einen Treffer oberhalb der Schultern. Zwischen Schulter und Gürtel gab es einen Punkt. Unterhalb der Gürtellinie wurde man disqualifiziert. Der Kampf dauerte bereits zehn Minuten und weder Tsumi noch ich hatten einen Treffer beim Gegner erzielt. Es war nicht zu glauben, wie gut dieser Mann war. Ich hatte keine Wahl als auszuweichen und nicht selber Treffer einzustecken. Meine einzige Hoffnung war, dass er müde werden würde. Doch auch nach zwanzig Minuten zeigte er keine Anzeichen von Schwäche. Schließlich änderte ich die Taktik und ließ mich an die Seile drängen. Als ich sie dicht hinter mir vermutete, wich ich einem Schlag seitlich aus und drängte Tsumi gegen die Abgrenzung indem ich offensiv kämpfte. Doch er hatte scheinbar meine Taktik durchschaut und versuchte mich mit dem gleichen Trick wieder an die Seile zu bringen. Mir blieb nichts weiter übrig als in Richtung Mitte des Kreises auszuweichen. Damit waren wir wieder am Anfang. Die Soldaten waren längst nicht mehr bei dem Kampf sondern unterhielten sich und machten Wetten. Es gab keine Zeitbegrenzung für den Kampf, also würde der gewinnen, der mehr Ausdauer besaß. Nachdem ich anfänglich glaubte, dass ich das sein würde, belehrte mich Tsumi eines besseren, der immer noch wie ein junger Hase Hacken schlug um mir auszuweichen und dessen Schläge an Schnelligkeit nicht verloren hatten. Ich hingegen fühlte meine Beine schwer werden und meine Schläge verloren an Zielgenauigkeit und Kraft. Tand stand im Ring und schaute uns gespannt zu. Aber auch ihm schienen die Augenlieder schwerer zu werden. Es war bereits fast eine Stunde vergangen und ich kämpfte nur noch mechanisch. Plötzlich traf mich ein Schlag an der Schulter. Ich war unaufmerksam gewesen und hatte den Hieb nicht kommen sehen. Auch Tand schien erschreckt zu sein, denn es dauerte einige Sekunden bis er sagte: „Punkt für Tsumi. Beide Kämpfer in ihre Ecke.“ Ich bekam etwas Wasser ins Gesicht geträufelt und dann ging es weiter. Meine Beine drohten zu versagen. Als Tsumi direkt vor mir stand und ich auf einen Schlag wartete, fragt der Mann leise: „Kann ich einen Antrag zur Aufnahme als Rekrut stellen, General?“ Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Für mich war er bereits nach dem Schussduell eingestellt, aber ich wusste, dass Tand die Sache anders sehen würde und er mich tatsächlich in wenigstens zwei Disziplinen schlagen musste. Jetzt jedoch war ich nur erleichtert und beendete den Kampf.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.12.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Alle Haiku-Gedichte in "Den Wind jagen" von Heike Gewi sind im Zeitraum von Januar 2008 bis 2012 entstanden und, bis auf einige Ausnahmen, als Beiträge zur World Kigo Database zu verstehen. Betreiberin dieser ungewöhnlichen Datenbank ist Frau Gabi Greve. Mit ihrer Anleitung konnte das Jemen-Saijiki (Yemen-Saijiki) systematisch nach Jahreszeitworten für Bildungszwecke erstellt werden. Dieses Jahr, 2013, hat die Autorin die Beiträge ins Deutsche übersetzt, zusammengefasst und in Buchform gebracht. Bei den Übersetzungsarbeiten hat die Autorin Einheimische befragt und dabei kuriose Antworten wie "Blaue Blume – Gelber Vogel." erhalten. "Den Wind jagen" heißt auch, Dinge zu entdecken, die sich hoffentlich nie ändern. Ein fast unmögliches Unterfangen und doch gelingt es diesen Haikus Momente und zeitlose Gedanken in wenigen Worten einzufangen und nun in dieser Übersetzung auch für deutschsprachige Leser zugänglich zu machen.

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