Am nächsten Morgen begann das Training für die Rekruten. Ich sah den Ausbildern eine Weile zu, wie sie den Männern die Pferde zuteilten und ritt dann mit Tand zum Westtor hinaus um die Gegend um Donwhang zu sichern. Wir hatten zum Glück nicht viel zu tun. Die Monster kamen nicht nah an die Stadt heran. Es war noch keine Stunde vergangen und wir hatten die Stadt umkreist. „Ich reite noch ein Stück weiter Richtung Süden. Gegen Mittag werde ich zurück sein.“, sagte ich Tand und wendete den Schimmel. „Dort gibt es gefährliche Monster.“, warnte er mich und wendete ebenfalls sein Pferd. Schließlich ritten wir gemeinsam in die Ravine.
Die ersten hundert Meter waren keine Gefahren zu erkennen, doch dann sahen wir in der Ferne die schwebenden Monster, die das Gebirge bewohnten. Sie spuckten Feuer und waren sehr gefährlich. Ich zog meine Pistole und schoss zwei der Monster ab. Doch je weiter wir ritten, desto mehr zeigten sich. Als wir umdrehten, stand ein grauer Wolf vor uns auf dem Weg. Er schien uns gefolgt zu sein. „Vorsicht!“, sagte Tand und legte seine Pistole an. „Nimm die Waffe runter!“, sagte ich und ritt dem Wolf entgegen. Es war jener Wolf, den wir in Hotan gesund gepflegt hatten. Er bewegte sich keinen Millimeter. Hinter mir hörte ich die Hufe von Tands Rappen nervös scharren. Plötzlich stieg mein Hengst und ich brauchte einige Sekunden ihn wieder unter Kontrolle zu bringen. Als ich mich wieder auf den Wolf konzentrieren konnte, stand Tsumi neben ihm. Wolf und Mann hatten dieselben kalten grauen Augen, die auf mich fixiert waren. „Das ist Poison Tooth. Mein Wolfsbruder.“ Die ruhige Stimme des Mannes wiederhallte in dem Gebirge und plötzlich traten auf den Felsvorsprüngen Hunderte von Wölfen ins Licht. Tand und ich schauten überwältigt auf die Masse von schwarzen, grauen, weißen und braunen Leibern. „Vor langer Zeit haben wir uns den Wölfen angeschlossen. Die Menschen aus den Städten nannten uns Wolfsmenschen und dachten wir könnten uns in solche verwandeln. In Wahrheit lebten wir nur mit ihnen und sie halfen uns im Kampf gegen die Dämonen. Als vor gut hundert Jahren die Monster aus China vertrieben worden sind, zogen wir uns in den Wald westlich von Hotan zurück. Immer mehr Wolfsmenschen gingen zurück in die Stadt. Doch einige konnten das Leben mit den Wölfen nicht aufgeben und blieben bei ihnen. Meine Eltern gehörten zu ihnen. Als die Monster wieder Einzug in China hielten, waren wir zu wenige um es mit ihnen aufnehmen zu können. Doch sie erinnerten sich an uns und suchten jede Nacht den Wald heim um uns zu jagen. Viele Wolfsmenschen und unsere Wolfsbrüder wurden getötet. Ich bin der letzte unserer Art und schwor die Rasse der Wolfsmenschen wiederzubeleben. Als du in unseren Wald gekommen bist, habe ich sofort gewusst, dass du für dieses Leben geboren wurdest. Mein Bruder Poison Tooth hat mir dann von deiner Führsorge erzählt und wir beschlossen dir zu folgen. Hier sind wir und bitten dich uns im Kampf gegen die Monster in China zu unterstützen.“ Die Wölfe waren herunter gekommen und bildeten um Tand, Tsumi und mich einen Kreis. Der junge Mann sah mich ruhig an. Auch Tands Augen ruhten auf mir. Egal für was ich mich entscheide, er würde mir folgen und wenn es den Tod bedeutete. „Ich werde mit euch kämpfen! Aber wir werden uns nicht im Wald vor den Menschen in der Stadt verstecken. Wir werden in der Stadt wohnen und jeder der uns im Kampf mit den Monstern helfen will, soll Gelegenheit dazu bekommen.“, als das Echo meiner Stimme von den Bergen dröhnte, hoben die Wölfe ihren Kopf und ein markerschütterndes Geheul durchflutete das Gebirge und brachte die Wände zum vibrieren.
Eine neue Zeit war angekommen. Menschen und Wölfe kämpfen gemeinsam gegen das Böse in China. Und so Gott will, werden wir es gemeinsam besiegen.