Norbert Wittke

Die dritte Person

 
Aufgrund der Gesundheitsreform hat sich in letzter Zeit bei der
medizinischen Versorgung sehr vieles verändert.  Aber eines ist
bei vielen Ärzten und in Krankenhäusern geblieben, nämlich die
Unart, den Patienten in der dritten Person anzureden.
 
Wie oft habe ich schon gehört: "Wie geht es ihm heute?" oder
"Hat er noch Fieber?" "Hat er heute schon Verdauung gehabt?"
Man kann es x-beliebig fortsetzen. Bei manchen müsste man
glatt annehmen, dass sie früher schon am Hofe gearbeitet haben.
Ich warte deshalb schon immer darauf, dass ein Arzt zu mir
sagt: "Darf ich Eure Durchlaucht Patient heute untersuchen,
aber nur wenn es Ihm gefällt."
 
Ich habe mir vorgenommen bei der nächsten Anrede in dritter
Person werde ich auf die Frage "Wie geht es ihm?" antworten:
"Frage er nicht, sehe er!"
 
Dann gibt es noch die, die einen behandeln, als würde man aus
mehreren Personen bestehen. Wenn ich schon höre: "Jetzt ziehen
wir uns aus." -warte ich darauf, dass der Arzt oder die Kranken-
schwester damit anfängt. Warum sollte ich alleine da so nackig
herum stehen? Zu zweit geht doch alles viel besser. Ja und dann
werden wir noch rektal die Temperatur messen.
 
28.12.2007                      Norbert Wittke

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