Die Schlacht ist zu Ende, die rauchenden Ruinen der Schwarzen Festung im dunklen Gebirge sind das letzte Zeugnis für das Ende der Ära eines gefürchteten Fürsten. Jahrelang waren er und seine Getreuen durch die umliegenden Lande gezogen, willkürlich raubend, mordend und brennend.
Eigentlich war ich nur ein kleiner Landbesitzer gewesen,
obwohl Landbesetzer besser gewählt wäre. Der eigentliche Besitzer war einem
Raubzug des Fürsten und seiner verkommenen Kumpane zum Opfer gefallen. Erdolcht
aus dem einfach Grund, dass sein Gesicht einem Berittenen der Raubritter nicht
gefallen hatte. Ich war der erste Mensch gewesen, der die Leiche um ihren
Besitz erleichtert hatte. Ringe und Gold wechselten schnell wieder den
Besitzer, nur das Land blieb mein Eigen.
Beinahe fünf Jahre lebte ich wie die Made im Speck. Meine
vier Kleinbauern versorgten mich gut, und mein kleiner Besitz war zu unwichtig
als dass irgendein Halsabschneider sich dafür interessiert hätte.
Ein paar Banditen, Halsabschneider und sonstige Halunken
lagerten bestimmt in den Wäldern. Sie blieben aber mir fern, so ließ ich sie
unbehelligt leben.
Nur eines schönen Spätherbsttages stand dann doch dieser
verfluchte Fürst mit seinen Kettenhunden auf meiner Schwelle und verlangte
Unterkunft und Verpflegung für die Nacht, ansonsten würden sie meinen kleinen
Besitz niederbrennen.
Die Hundertschaft ausreichend zu verpflegen erwies sich
schon als schwierig genug, in der Nacht musste ich mit meinen Bediensteten im
Stall übernachten.
Als die Hausbelagerer am Morgen die Eisblumen vom Harnisch
kratzten und ihre Pferde sattelten, atmeten wir schon wieder auf, erst recht
als die Vorhut im Galopp verschwand.
Nur der letzte der Berittenen warf mir zum Abschied eine Fackel
aufs Dach und ritt dann schallend lachend seinen Kameraden hinterher. Das
hässliche Gesicht des Bastards werde ich meinen Lebtag nicht mehr vergessen.
So sah ich an diesem Tag Anfang November meinen Besitz in
Flammen aufgehen. Das Maß war voll, das war der letzte Tropfen gewesen, der das
Fass zum Überlaufen brachte.
Ich nahm mir die stärksten Knechte, meine letzten
Geldreserven und das alte Schwert meines Großvaters und zog aus das Treiben des
Fürsten zu beenden.
Den Nachbarn war es kaum besser ergangen als mir, so wuchs
meine Gefolgschaft schnell an. Bald folgten meiner Gesellschaft einige hundert
Leute – Bauern, Händler, Knechte.
Wir waren nur schlecht bewaffnet, kaum einer wusste zu
kämpfen und vor allem zog der harte Winter herauf.
Der zuletzt eiserne Wille meiner Gefolgschaft schmolz
schnell dahin und Unmut machte sich breit. Der Ruf nach einem neuen Führer
wurde laut, nicht wenige tauschten ihren Hass nur allzu gerne gegen ein Feuer
in einer wärmenden Stube ein.
Verzweifelt bat ich um ein Wunder, und irgendjemand erhörte
mein Flehen.
Der Raubfürst erhob seinen Arm gegen einen, der es wagte
offen Widerstand zu leisten. Der Verwalter einer Stadt verweigerte dem Fürsten
das Recht seine Lande zu betreten, und als der Fürst kurzum mit Getreuen sich gewaltsam
Einlass verschaffen wollte, wartete der Verwalter dem Angreifer mit
ausgebildeten Kämpfern auf. Diese schlugen den Raubritter samt seinen
Begleitern in die Flucht, wobei diese nicht nur ein Pferd zu Schaden ritten.
Als wir davon hörten, lenkte ich meine Begleiter zu dieser
Stadt, in der wir schnell Unterschlupf fanden.
Den restlichen Winter verbrachten wir in der Kaserne und
lernten unsere Waffen zu führen. Warme Betten, regelmäßige und ausreichende
Mahlzeiten und ein kleiner Sold stärkten wieder die Moral, sodass mit dem
ersten Tag des neuen Frühlings beinahe 3.000 Mann gegen den Raubfürsten zogen,
der sich noch immer die Wunden leckte.
Die ersten Zusammenstöße erfolgten immer auf offenem Felde
und verliefen einseitig. Die zahlenmäßig unterlegenen Angreifer zogen sich
immer bald nach ihrem Angriff Hals über Kopf zurück, meist mit beträchtlichen
Verlusten an Mensch und Material.
Das große Finale aber spielte sich an den Hängen des dunklen
Gebirges, am Fuße der Schwarzen Festung, ab. Mühevoll arbeiteten wir uns nach
oben, bis zum letzten Tor der Feste.
In der Schlacht schwang ich mein Schwert tapfer und genau.
Die Berittenen des Fürsten warfen sich in purer Verzweiflung gegen unsere
Flanken. Lange, starke Speere hielten sie jedoch auf Distanz, während unsere
zahlreichen Bogenschützen die Feste in Brand steckten.Wir sahen den Fürst überhastet fliehen und setzten ihm nach.
Dabei kam das Pferd, das ich genommen hatte, ins Straucheln und fiel. Ich
landete hart und verlor das Bewusstsein.
Teil 2 – Der Krieger und der Tod
Nun liege ich da auf dem Schlachtfeld, den Geruch der
brennenden Festung in der Nase und das Stöhnen der Verwundeten im Ohr. Mein
Pferd liegt schwer auf meinen Beinen, mein Arm ist unter einem Soldaten
begraben, der bereits sein Leben ausgehaucht hat.
In der Nähe ziehen Männer mit Bahren und Gnadenbringer
vorbei. Ein schwer verwundetet bittet mit schwacher Stimme um die letzte Ehre.
Sie laden ihn danach auf einen Karren und rollen weiter.
Ich hebe meinen freien Arm um nicht für einen weiteren Toten
gehalten zu werden.
Da tritt ein Mann näher und geht neben mir in die Hocke. Er
liegt mir die Hand auf die Schulter, die sehr knochig ist. Er riecht nach Moder
und Tod.
„Es ist Zeit“, sagt er mit schnarrender Stimme.
„Wozu?“ Meine Stimme ist kratzig und rau.
„Zu gehen. Es ist Zeit.“ Er weißt mit seiner knöchernen Hand
zu meiner Brust und richtet mich etwas auf. Erst jetzt sehe ich die Pfeile, die
darin steckten. Sie waren wohl der Grund für meinen Fall. Die ganze Umgebung
ist damit gespickt, und bei genauerer Betrachtung brachten diese Pfeile auch
dem Mann auf meinem Arm den Tod.
„Heute hast du mir viele gebracht, die es verdient hatten.
Mörder, Diebe, Halsabschneider. Ich respektiere deine Taten, für einen kleinen
Mann eine ansehnliche Leistung. Zu schade, dass der König der Halunken
entkommen ist“, erklärt der Tod und schüttelt dabei den Kopf. Danach rückt er
die Kapuze wieder zurecht und steht auf. „Also, es ist Zeit.“
„Der Fürst ist entkommen?“
„Ja. Nicht weit weg sitzt er im Wald, zittert und bibbert
vor Angst, und hofft dass ihn die Häscher nicht finden. Zu schade“, seufzt der
Tod. „Und jetzt komm, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Es warten noch
viele.“
„Mein Leben gegen das des Fürsten!“, rufe ich verzweifelt.
„Mit mir verhandelt man nicht“, antwortet der Tod.
„Du hast doch selber gesagt es sei schade, dass er entkommen
ist. Ich verlange nur etwas Zeit um zu vollenden, was ich begonnen habe.“
Der Tod kratzt sich am Kinn und überlegt laut: „Ich habe
noch viel zu tun. Also gut. Du hast Zeit ihn zu finden, bis ich hier fertig
bin.“
Der Tod verschwindet und im selben Moment beugt sich einer
meiner ersten Begleiter dieses Kreuzzugs über mich. „Dieser hier lebt!“
Sie rollen den Toten von meinem Arm und zerren ihn auf den
Karren. Danach zerren sie das Pferd weg.
„Keine Verletzungen?“, wundert sich der eine. „Etwa einer
von denen, oder ein Drückeberger?“
„Wohl kaum. Er war lange unser Anführer. Er heißt…“
„Ihr da, weitermachen!“, ruft jemand. Die beiden Sammler
helfen mir auf die Beine und verabschieden sich.
Ich laufe zum Lager zurück und melde mich freiwillig zur
Verfolgung des Raubfürsten. Ich bekommen eine frisches Pferd, ein neues Schwert
und eine Karte.
Zusammen mit einem Dutzend anderer Krieger durchkämme ich
dann den Wald. Wir stehen im Rufkontakt und durchsuchen jede Ritze, jedes
Kaninchenloch. Nicht selten schrecken wir ein solches auf. Die Suche bleibt
aber erfolglos, der Reihe nach verschwinden meine Begleiter total enttäuscht.
Da bricht plötzlich mein Bein im Boden ein und ich falle in
ein Erdloch, das mit Ästen und Laub verdeckt war.
In der Ecke sitzt, wie vom Tod beschrieben, der Fürst. Er
strampelt und versucht von mir wegzukommen. Langsam ziehe ich mein Schwert und
hole zum Streich aus.
Der Schlag ist ungeheuer stark, der Fürst will ihn
abblocken, doch meine Klinge zerschmettert seine Waffe und durchtrennt seinen
Unterarm. Das Blut spritzt und er schreit.
Mein zweiter Strich reißt seine Kehle auf, erstickt seine
Schreie. Gurgelnd fällt er nach hinten und stirbt.
Ich höre verhaltenen Applaus durch knochige Hände. Über mir
steht der Tod auf seine Sense gestützt. Neben ihm steht ein schwerer Sack, die
Ausbeute des Tages.
„Gut gemacht. Er hatte mir viele gebracht, doch nun war es
genug.“ Der Tod steigt nach unten und nimmt etwas vom Körper und steckt in den
Sack.
„Also gut. Gehen wir. Es ist Zeit.“
„Aber ich habe dir den Fürst gebracht. Wie vereinbart,
innerhalb der Zeit“, stammle ich.
„Ich musste ja noch herkommen“, antwortet der Tod und deutet
auf sein knochiges Pferd. „Also komm jetzt. Krieg hat seinen Durst für heute
gestillt und gibt einen aus. Pest und Krankheit kommen auch und ich will nicht
der letzte von uns Vier sein.“ Der Tod öffnet seinen Sack. „Hinein mit dir!“
Ich springe aus dem Loch und renne. „Ich habe ihn dir
gebracht! Ich bin frei!“, rufe ich.
„Immer dasselbe mit euch Helden“, jammert der Tod und holt
mit seiner Sense aus.
Meine Schritte werden schwer, die Wunden an der Brust
brechen wieder auf und meine Schienbeine brechen. Die Zeichen der Schlacht.Das Pferd des Todes trabt langsam heran und er steigt ab.
„Immer dasselbe mit euch Helden. Ihr wisst nie, wann es zu Ende ist.“
Dieses Mal entkomme ich seinem Sack nicht.
Vorheriger TitelNächster TitelDie letzte Deutschschularbeit, die ich geschrieben habe. Das Thema war einfach: Tod, mindestens 300 Worte. Das Ergebnis ist wohl nicht ganz was der Lehrer erwartet hat. Inspiriert wurde das ganze durch eine Liedsammlung der Band Subway to Sally (Bannkreis, Hochzeit, Foppt den Dämon, Herzblut und Nord Nord Ost)Nicolai Rosemann, Anmerkung zur Geschichte
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2008.
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