Ingrid Grote

ein Freund, was ist das?

Sie hatte sich kurzfristig mit ihm verabredet.

Normalerweise sah man sich alle paar Wochen, und dann wurde fast nur über andere gelästert, aber nicht über persönliche Probleme gesprochen. Es war halt eine gute unaufdringliche und absolute nicht klammernde Freundschaft. Und er war zwar viel jünger als sie, aber das war nie ein Thema gewesen.

Er kam spät, als sie fast schon gehen wollte.

Und dann fing es an zu regnen. Herrgott, musste es in diesem verschissenen Sommer eigentlich immer anfangen zu regnen?

Nachdem sie eine Weile unter den Bäumen gestanden hatten und sie trotzdem ziemlich nass wurden, setzten sie sich in das nach Pommesfett stinkende riesige Café, in dem drei übellaunige Kellner standen und drei gutgelaunte Gäste saßen.

Sie redeten über die Krankheit und das Sterben. Und wie das geht. Nein, sie war nicht selber betroffen, es ging um eine nahe Verwandte von ihr.

Und er erzählte ihr einiges, bei dem sie fast weinen musste. Über die Schmerzen, über Schmerzmittel, über Sterbe-Hospize, und dass man schlecht hineinkommt, wenn man keine Beziehungen hat. Und dass man selber nicht mehr die Kraft hat, so etwas in die Wege zu leiten, also total abhängig ist von anderen Leuten... Und über die Schmerzmittel, die man nicht mehr verlangen kann, weil es nicht mehr geht - über die körperlichen Veränderungen, bis man dann endlich stirbt...

So schlimm ist es?
Es ist beschissen schlimm!
Vielleicht sollte man doch besser Vorsorge treffen. Eine Knarre oder so was.
Ich habe Sachen, die sollen ganz gut wirken.
Würdest du sie mir geben?
Klar doch! Aber wer bringt sich schon um?
Ich habe keine Ahnung, aber ich will nicht so enden!
Ach Gottchen, es muss ja nicht so kommen, und wenn, dann würde ich mich um dich kümmern.
Das würdest du tun?
Klar doch, warum nicht?
Du bist verrückt!

Sie fuhr nach Hause, und es war nicht mehr so schlimm wie vorher.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Ingrid Grote).
Der Beitrag wurde von Ingrid Grote auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Ingrid Grote als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Dicht am Leben von Stefanie Dietz



Begleiten sie Stefanie Dietz auf eine poetische Reise voller bunter Bilder. Mit viel Humor, Gefühl, Herz und Verstand nimmt sie den Leser mit in eine Gedichtwelt, in der man sich wohlfühlt. Mal lustig, mal besinnlich, mal traurig, mal kritisch - so wie das Leben selbst. Ein Lesegenuß der besonderen Art für alle, die Gedichte mögen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Trauriges / Verzweiflung" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Ingrid Grote

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Eben standen sie wieder vor meiner Tür... von Ingrid Grote (Alltag)
Eine Traurige Geschichte von Sina Klette (Trauriges / Verzweiflung)
Wie Du mir,... von Klaus-D. Heid (Leidenschaft)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen