Delila Scorthen

Die Liebe eines Vampirs

Er landete sachte und mucksmäuschenstill auf dem Fensterbrett. Wer ist auch so dumm und lässt das Fenster bei Nacht offen, wenn man in solch einer Gegend wohnt? Er sah sich im Raum des ersten Obergeschosses um, es war dunkel, aber seine Augen waren für die Nacht geschafften. Auf dem Bett in der Ecke lag ein Frau, nach jung aber kein kleines Mädchen mehr. Er konnte es auch riechen. Die könnte er sich schmecken lassen, solch ein Festmahl bekommt man nicht alle Tage. Er sprang vom Fensterbrett und ging auf das Bett zu. Er kam immer näher und näher. Man konnte es riechen, sie war jung, hübsch und rein, wie nur wenige. Langsam beugte er sich über sie und strich ihr mit dem Zeigefinger die vereinzelten, braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ihr Gesicht war weiß, aber doch noch dunkler als das seine. Er beugte sich noch weiter vor, streichelte mit dem Finger über ihren Hals und flüsterte ihr ins Ohr: „Wie naiv du doch bist, das Fenster in der Nacht offen zu lassen.“ Er grinste schelmisch und küsste sein Opfer auf den Mund, sah sie noch mal an und wollte zum Biss ansetzen, als die Kirchturmglocken Mitternacht läuteten. Verschlafen öffnete sie die Augen und sah ihn an. „Nicht nervös, so kurz vor dem Tod?“ „Sollte ich?“, antwortete sie und gähnte. Sein Blick war eiskalt, doch sie hielt ihm stand. Er grinste und sagte: „Warum lässt eine Frau wie du das Fenster offen? In der Nacht!“ „Warum sollte ich es schließen?“ „Dein Herz schlägt nicht schneller, du hast keine Angst! Alle anderen Menschen sterben fast an Herzversagen, wenn sie einen wie mich sehen.“ „Bin ich alle anderen?“ Er sah ihr eine Minute lang tief in die Augen und sagte dann: „Nein, alle anderen schließen ihre Fenster, wenn die Nacht anbricht.“ Sie richtete sich im Bett auf, schob die Bettdecke zur Seite und streckte die Füße zur Bettkante hin heraus. Er stand immer noch vor ihr. Sie sah ihn schräg von der Seite an und hob ihre Hand gegen seine Brust, dann drückte sie ihn ein wenig von sich weg. Eigentlich hätte sie drücken können so viel sie wollte, denn er war viel stärker als sie, doch er ließ sich einfach zurück schieben. Sie stand auf und ging zu ihrem Kleiderschrank. Zog ihr Nachthemd aus und zog sich eine Jeanshose und ein Pullover an. Er war leit irritiert, doch sah sich das Schauspiel amüsiert an. Sie flocht ihre Haar zu einem Zopf, drehte sich um und sagte: „Ich glaube, aus deinem Abendessen wird heute nichts, denn ich hab noch was anderes vor. Oder beiß mich endlich.“ Er grinste spöttisch und amüsiert zugleich. „Was hast du denn vor, dass es wichtiger ist als ein Biss von mir?“ „Das ist immer noch meine Sache. – War schön dich mal kennen zu lernen.“ Sie warf sich einen Umhang, den in der Modernenzeit keiner tragen würde, um und verließ das Zimmer. Er lauschte jedem ihrer Schritte, bis sie aus dem Haus gegangen war, dann schaute er ihr aus dem Fenster zu, wie sie in eine Seitengasse einbog, die in die Stadtmitte führte. Er sprang aus dem Fenster und folgte ihr dicht unter den Wolken. Sie  bog in verschiedene Gassen ein, schaute ab und an zurück und bleib manchmal sogar stehen. Einmal verschwand sie kurz in ein Haus, kam aber recht schnell wieder heraus. Als eine andere Person in die Gasse einbog in der sie gerade ging, so versteckte sie sich schnell im Schatten eines Gebäudes um nicht von den Straßenlampen angeleuchtet zu werden, denn dann hätte man sie erkannt. Als sie nach rechts in eine Sackgasse einbog, war er verwirrt, denn er hatte angenommen, dass sie ins Zentrum der Stadt wollte, aber diese Gasse führte zum Wald. Doch der Weg zum Wald wurde durch die Stadtmauer getrennt, also würde sie festsitzen. Sie setzte sich die Kapuze des Umhangs auf und ließ so leise, das kein Mensch sie hören konnte weiter, als sie an die Stadtmauer kam, schaute sie sich noch einmal um, doch es schien, dass keiner ihr folgte. Sie tastete ein paar Steine ab und fand dann den richtigen. Sie drückte ihn leicht nach hinten und es öffnete sich ein kleines Tor, durch das sie hindurch schlüpfte. Hinter ihr schloss es sich wieder. Er war erstaunt, denn er hätte nicht vermutet, das ein Mensch bei Nacht so mutig sei, die Stadt zu verlassen und in den Wald zu gehen, doch bei ihr wusste er nicht recht, ob es Mut oder nur Naivität war. Sie ging weiter in den Wald hinein. Als sie unter dem dichten Blätterdach verschwunden war, konnte er sie nicht mehr sehen, deshalb verließ er sich einfach auf sein gutes Gehör. Er konnte jeden Atemzug hören und auch jedes noch so leise Knacken eines Stockes, der unter ihren Füßen verbrach. Als sie an eine Lichtung kam blieb sie genau in der Mitte stehen, ihr Atem wurde schwächer und sie schloss die Augen. Sie hatte den Umhang nicht abgenommen. Er flog tiefer und landete auf einer Baumspitze. Er schaute ihr zu wie sie da so stand und sich nicht einen Zentimeter bewegte. Als Wind aufkam, wippte ihr Körper im Takt. Der Wind pustete ihr die Kapuze vom Kopf, doch sie machte keine Anstallten sie wieder aufzusetzen. Jede Strähne, die versuchte sich in ihrem Gesicht zu verirren hatte keine Chance, denn der Wind hauchte sie immer wieder fort. Er betrachtete sie weiter und langsam wurde ein Schmunzeln auf seinem Gesicht deutlich. Sie war nicht wie die Menschen, sie hatte irgendetwas Vampir mäßiges. Welche Menschenfrau würde schon bei Nacht das Fenster offen lassen oder gar das Haus oder die Stadt verlassen? Keine, denn alle Menschenfrauen hatten zu viel Angst, denn in der Nacht herrschten Vampire wir er. Am Tag schliefen sie und da brauchten die Menschen keine Angst zu haben, denn nur die wenigsten seiner Art mochten den Tag genau so wie die Nacht. Ihm machte der Tag nichts aus, denn doch kam es selten vor, dass er sich am Tag blicken ließ.
Der Mond schien sie nun an und es umgab sie ein silberner Glanz, der sie aufleuchten ließ. Es sah seltsam aus, wie sie da so stand und leuchtete, aber es hatte etwas anziehendes für ihn. Als die Wolken sich wieder vor den Mond schoben, öffnete sie wieder die Augen und sah sich um. Er grinste und plötzlich schaute sie genau in seine Richtung, so als hätte sie sein Grinsen hören können. Ihre Augen wurden nun von einer länglichen Popillen von oben nach unten durchzogen. Sie legte den Kopf leicht schräg und sagte: „Warum folgst du mir?“ Er war erstaunt, denn ein Mensch konnte in der Nacht nicht viel sehen und wenn doch, dann nicht, wer genau ihn folgte, doch sie wusste, dass er es war und kein anderer. Er sprang von der Baumspitze und landete einige Meter von ihr entfernt auf dem Boden. „Warum sollte ich dir nicht folgen? Eigentlich bin ich ja in deinem Zimmer gekommen um dich zu beißen, also habe ich auch das Recht dir zu folgen. Ich muss doch wissen, wo mein Abendessen hingeht.“, antwortete er und grinste. „Ich bin nicht mehr dein Abendessen, denn du hättest mich beiße  müssen, jetzt ist es zu spät.“ „Es ist nie zu spät für ein leckeres Essen.“ „Oh, doch.“ „Wieso bist du dir da so sicher?“ Sie zuckte die Schultern und als sie grinste, kam er näher an sie heran und öffnete sein Kiffer. Sein spitzen Zähne waren nur eindeutig zu erkennen. Als er nur noch ein paar Zentimeter von ihr entfernt war, spürte er plötzlich einen stechenden Schmerz zwischen seinen Rippen. Er schaute an sich herab und in seiner Seite steckte ein Dolch, an dem sein Blut hinab ließ. „Wenn du solchen Hunger hast, dann trink dein eigenes Blut!“ Sie wollte den Dolch wieder heraus ziehen, doch er hielt ihn fest. Er war verwundert, eine Pistole hätte er noch verstehen können, aber ein Dolch. Sie drehte sich abrupt um und lief los. Im Laufen holte sie zwei Kurzschwerter, die auf ihrem Rücken gebunden waren, unter ihrem Umhang hervor. Kurzschwerter, die man eigentlich im Mittelalter benutzt hatte, aber nicht in der gegenwärtigen Zeit. Er war leicht verwirrt, denn noch nie hatte sich ein Mensch wehren können und vor allem keine Frau. Er sprang hoch und folgte ihr fliegend durch den Wald. Während des Laufens durchtrennte sie mit den Kurzschwerter Bäume und diese fielen hinter ihr um. Er musste immer wieder den umfallenden Bäumen ausweichen. Es dauerte nicht lange, da hatte er sie fast eingeholt, doch da war auch schon die Stadtmauer. „Es dauert eine Zeit bist du den richtigen Stein findest, du kannst dich auch gleich deinem Schicksal beugen.“ „Das tu ich doch!“ Rief sie lachend und sprang mit einem gewaltigen Satz über die Mauer. Er wollte ihr nicht in die Stadt folgen, deshalb landete er auf der Mauer und sah ihr nach. „Dich krieg ich noch, du Miststück. Schließ besser dein Fenster, denn ich weiß wo du wohnst!“, sagte er und flog davon, denn der Tag würde gleich anbrechen.
 
„Ruft mir die Jäger zusammen!“ „Ja, Lord.“ Der Diener ging und rief alle Jäger zusammen. Nach geraumer Zeit standen zwei duzend Jäger in der Empfangshalle der Burg. Die Burg lag auf einem Berg und die Menschen trauten sich nicht dort her, denn jeder wusste, dass dort die meisten Vampire lebten. Die Fenster waren verdunkelt, denn viele der Jäger konnten den Tag nicht ertragen und erst in einer Stunde würde die Sonne unter gehen. „Wer mir diese Frau lebendig herbei schafft, bekommt eine Belohnung!“, sagte er und zeigte das gezeichnete Bild einer Frau. „Muss es denn lebendig sein?!“, warf einer der Jäger ein. „Ja, es muss lebendig sein!“ Die Jäger nickten und verließen die Empfangshalle. „Lord, aber warum denn lebendig?“ „Keine Sorge, das hat schon seine Richtigkeit.“ Er verließ ebenfalls die Empfangshalle und verschwand in seinem Gemach. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und sah sich den Dolch an. Er war aus Silber und die Klinge war gewellt. Der Handgriff war wie eine Adlerkralle angefertigt worden. Es war ein einzigartiger Dolche.
 
Ihre Eltern waren nicht zu Hause, was ihr Glück war. Ihre Eltern waren für vier Wochen in den Urlaub gefahren und sie hatte Schulferien. Die Sonne ging unter und die Nacht brach an. Sie hatte alle Fenster außer das in ihrem Zimmer geschlossen. In ihrem Zimmer jedoch stand kein Möbelstück mehr, sie hat alle in anderen Zimmern des Hauses untergebracht. Auf ihrem Rücken hatte sie die zwei Kurzschwerter und in ihrem Gurt waren noch zwei Dolche. Im Haus hatte sie noch ein paar Dolche versteckt, aber die würde sie höchstwahrscheinlich eh nicht brauchen. Die Dolche hatte ihr ein Freund geschmiedet, dessen Hobby es war mittelalterliche Waffen zu schmieden. In dieser Nacht war der Himmel wolkenleer und die Stadt totenstill. Sie war sich sicher, dass er kommen würde, aber sie wusste nicht wann. Es dauerte nicht lange, da hörte sie auch schon jemanden auf dem Dach landen. Sie richtete sich auf, denn sie hatte in der Ecke gesessen in der das Bett gestanden hatte, und stellte sich vor die Zimmertür. Als jemand auf dem Fensterbrett landete, legte sie ihren Kopf schief und sagt: „Schade, ich habe jemand anderes erwartet, aber du bist mir auch recht.“ „Das werden wir ja sehen!“, antwortete eine Stimme, die leicht heiser klang. Der Vampir sprang vom Fensterbrett und rannte auf sie zu. Sie grinste und rammte ihm eins der Kurzschwerter an die Stelle, wo bei den Menschen das Herz sitzt. „Und tschüs! Schön dich kennen gelernt zu haben.“ Bei diesen Worten zerfiel der Vampir zu Staub, doch der zweite Vampir stand auch schon im Zimmer. „Ich hoffe, dass du bei deinem Tod nicht so viel Dreck machst!“, sagte sie und nahm sich das zweite Kurzschwert in die andere Hand. Der Vampir kam näher und sie ließ beide Schwerter auf seinen Hals zu rasen. In dieser Nacht hatten sie um die duzend Vampire besucht und sie hatte jeden zu Staub werden lassen. Der Morgen brach an und sie fing an ihr Zimmer von dem Staub und der Asche zu befreien. Den Tag verbrachte sie bei ihrem guten Freund, dort schlief sie während er am schmieden war. Er hatte sie nie gefragt, wofür sie die Dolche brauchte, denn er wusste, dass sie es ihm nicht sagen würde. Sie würde es ihm nur sagen, wenn sie wollte, dass er es wüsste, ansonsten würde auch betteln und flehen nichts nützen. Er kannte sie und wusste, dass sie auch nicht sagen würde, was mit ihren Augen los war. Er ließ sie einfach schlafen und hoffte darauf, dass sie es ihm irgendwas sagen würde.
 
„Lord, die Jäger haben die Frau noch nicht herbei schaffen können. Sie hat um die ein duzend Jäger getötet und als der Morgen anbrach, mussten die restlichen wieder zurück kommen.“ Er nickte nur und starte weiter den Dolch an. „Sag den restlichen Jägern, dass sie sich in Gruppen teilen und mit mehreren angreifen sollen, alleine hat es wohl keinen Sinn.“ Der Diener verließ das Zimmer und ließ ihn allein zurück. Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür wieder und eine Vampirdame stand im Zimmer. „Na, was ist los? Du bläst mal wieder Trübsinn, warum?“ „Es geht um ein Menschenfrau, aber dass ist nicht so wichtig.“ Sie schaute ihn nachdenklich an und sah dann den Dolch. „Woher hast du den?“ „Nichts besonderes.“, antwortete er und starte weiter auf den Dolch. „Der ist wunderschön. Wenn es nichts besonderes ist, kann ich ihn doch sicher haben.“ Sie wollte ihn aus den Reserven locken und dass gelang ihr auch. „Nein, denn kannst du nicht haben!“ „Dann sag mir was los ist.“ „Die Menschenfrau hat ihn mir zwischen die Rippen gerammt! – Das war alles, ich würde jetzt gerne allein sein, Schwester.“ „Soll ich sie dafür umbringen?“ „Nein, ich habe schon Jäger nach ihr geschickt, ich will sie lebendig!“ Die Schwester grinste frech und wollte das Zimmer verlassen. „Warum grinst du?“ „Ach, nur weil da ein nicht vorhandenes Vampirherz schlägt.“ „Raus sofort!“ „Reg dich nicht so auf, war doch nur Spaß.“
„Eine Menschenfrau, die in der heutigen Zeit das Schwertkämpfen beherrscht und keine Angst vor Vampiren hat, dass ist mal was anderes.“, flüsterte er leise vor sich hin.
 
Sie öffnete die Augen und sah aus dem Fenster. Es würde gleich wieder dunkel werden. Sie verabschiedete sich und ging schnell nach Hause. Als es dunkel war kamen mehrer Vampire auf einmal in ihr Zimmer und griffen sie an, doch sie werte jeden Angriff ab und tötete wieder eine paar von ihnen. Gegen Mitternacht hatten sie wieder viele Vampire zu Staub werden lassen und die restliche Nacht kam auch keiner mehr. Am Morgen säuberte sie ihr Zimmer und räumte die Möbel wieder ein. Sie war müde und legte sich schlafen. Am Mittag klingelte es an der Tür und als sie öffnete, stand ihr ein Mädchen in ihrem Alter gegenüber. Sie war recht blass und hatte lange blonde Haare. Ihr Augen waren grün und leuchteten voller Freude. „Hallo, ich bin Serafina. Ich bin mit meinen Eltern hier her gezogen und meine Mutter meinte ich soll mich einfach mal vorstellen.“ „Hallo, ich bin Chiara. Komm doch rein.“ Serafina trat ein und Chiara fügte hinzu: „Meine Eltern sind im Urlaub, sonst würde ich sie dir vorstellen. Möchtest du vielleicht was trinken?“ „Ja, gerne. Hast du vielleicht Wasser?“ „Ja, setzt dich, ich hol uns eben welchen.“ Nach kurzer Zeit war Chiara zurück und schenkte ein. Die beiden redeten viel und hatten Spaß. Als Serafina etwas Wasser verschüttete, ging Chiara los und holte einen Lappen. Sie redeten weiter und Serafina sprach Chiara auf ihre Augen an, doch sie wich aus, meinte es wären Kontaktlinsen. Sie tranken und lachten, als Chiara plötzlich schwindelig wurde und umkippte.
 
„Lord, keiner der Jäger... ich meine keiner der Jäger, die übrig geblieben sind, hat es geschafft diese Frau...“ „Ich verstehe. – Wo ist meine Schwester? Sie ist nicht in ihrem Zimmer und auch sonst nirgends!“ „Ich weiß es nicht!“ „Wann hast du sie das letzte Mal gesehen?“ „Da fragte sie mich nach dem Bild von dieser Frau.“ „Sagen sie mir Bescheid, wenn sie wieder da ist.“ Er stöhnte leise und ging zügig in sein Zimmer. Er wartete bis Abends, dann kam der Diener in sein Zimmer und sagte: „Eure Schwester ist wieder zurück. Sie kommt sofort zu euch.“ Er nickte und wartete. Die Schwester betrat das Zimmer und sah den Blick ihres Bruders. „Was ist?“ „Wo warst du?“ Die Schwester zuckte mit den Schultern und fragte: „Was ist eigentlich mit dieser Frau?“ Er grinste und sagte: „Dass würde ich gerne von dir erfahren. Du hast dich bei dem Diener nach dem Bild von ihr erkundigt. Also, wo warst du?“ „Bei der Frau.“ „Ich hoffe, dass du sie nicht umgebracht hast, nur wegen diesem Dolch zwischen meinen Rippen!“ „Nein, hab ich nicht.“ Er seufzt erleichtert auf und schaute sie fragend an. „Sie hat etwas nicht menschliches und sie ist ganz nett. Ihre Augen sind irgendwie faszinierend.“ „Woher weißt du das?“ „Ich hab mit ihr geredet.“ „Du hast was?“ „Auf jeden Fall, sie ist jetzt hier. Ich hab sie hier her geflogen.“ „Wie hast du das denn gemacht?“ „Hab ihr ein Pulver ins Getränk gemischt, dass einen Ohnmächtig macht. Ich hab sie mitgebracht. – Sie ist in meinem Zimmer. Der Diener bringt sie gleich hier hin.“ Er nickte und seine Schwester Serafina verließ das Zimmer.
Er sagte zum Diener: „Sag allen Vampiren: Wer sie anrührt oder ihr auch nur ein Haar krümmt, bekommt es mit mir zu tun. Und wenn einer es wagt sie gar zu töten, dann wird keiner die nächste Nacht erleben.“ Der Diener nickte und verschwand.
 
Sie wachte langsam wieder auf und hatte ziemliche Kopfschmerzen. Als sie die Augen öffnete, begann die Sonne wieder aufzugehen. Der Raum, indem sie lag, war ihr fremd. Die Gardienen waren vor das Fenster gezogen und die Wände waren nur aus Stein, nicht verputzt. Das Bett in dem sie lag war ein Himmelsbett aus Holz für zwei Personen. Sie richtete sich auf und sah sich um. An einer Wand stand ein Schreibtisch auf dem in einer Halterung ein Dolch stand. Als sie genauer hinsah, erkannte sie, dass es ihr Dolch war. Wo war sie hier? Chiara hörte Schritte auf dem Flur und legte sich schnell wieder hin, so als ob sie immer noch am Schlafen sei. Die Tür öffnete sich und zwei Personen kamen herein. „Ist sie schon wach?“ „Nein, sie schläft immer noch. Wie viel von dem Pulver hast du ihr gegeben?“ „Sie hätte schon lange wach sein müssen, aber vielleicht ist sie nicht mehr ohnmächtig, sondern schläft wirklich. Die letzten Nächte hatte sie ja viel Besuch.“ Chiara kamen die Stimmen bekannt vor. Sie überlegte kurz und dann fiel es ihr ein, die eine Stimme gehörte Serafina. Die andere Stimme kannte sie, konnte sie jedoch nicht zuordnen. „Dann lassen wir sie noch ein bisschen schlafen.“ Serafina und die andere Person verließen wieder das Zimmer. Chiara richtete sich wieder im Bett auf und schaute noch mal durch das Zimmer. Sie stand auf und ging zu dem Schreibtisch. Sie nahm den Dolch aus der Halterung und sah in sich an. Es war kein Blut mehr daran, nichts wies darauf hin, dass es einmal in einem Körper gesteckt hatte, wenn auch in einem Vampir Körper. Sie legte sich wieder ins Bett und platzierte den Dolch dicht neben sich. Sie konnte nicht mehr einschlafen und das wollte sie auch nicht, bevor sie nicht wusste wo sie war. Nach einer Stunde öffnete sich wieder die Tür, eine Person kam näher und diesmal richtete sich Chiara im Bett auf. Sie schaute ihm direkt in die Augen. Ihm, der sie eigentlich beißen wollte, ihm, dem sie den Dolch zwischen die Rippen gerammt hatte. In ihrem Gesicht war deutlich zu lesen, wie verdutz sie war. Er grinste frech und sagte: „Unsere erste Begegnung war ja nicht so toll, also versuch ich’s noch mal. Ich bin Citrian.“ Sie starte ihn ohne ein Wort zu sagen an und griff unter der Decke nach dem Dolch. Als sie ihn fest gepackt hatte, wollte sie etwas sagen, doch da öffnete sich die Tür schon wieder. Serafina kam herein und sagt: „Ist sie schon wach? – Ich glaube das beantwortet die Frage!“ Chiara sah sie an und sagte nur: „Du?“ „Ja, Citrian ist mein Bruder.“ „Also war alles gelogen, was du gesagt hast?“ „Nein, ich ...“ Chiara nickte und sah wieder Citrian an. „Serafina, würdest du bitte raus gehen?“ Serafina nickte und ging. Citrian trat näher ans Bett und Chiara wurde unheimlich. Sie stieß die Decke weg und krabbelte an der anderen Seite des Bettes heraus. Nun war das Bett zwischen ihr und Citrian. „Du hast mich in meinem Zimmer gefragt, ob ich Angst habe und ich habe es vernein. – Jetzt habe ich Angst.“ Sie richtete den Dolch auf Citrian, dieser schaute zum Schreibtisch und sagte: „Es war ein Fehler ihn da liegen zu lassen.“ Chiara nickte nur stumm. Citrian sprang hoch und flog übers Bett auf Chiaras Seite, diese wich bei jedem Schritt den er auf sie zu machte einen zurück. Plötzlich spürte sie die Wand hinter sich und konnte nicht mehr weiter zurück, doch Citrian kam immer näher. Als er dicht vor ihr stand, wollte sie ihm den Dolch entgegenrammen, doch diesmal packte Citrian mühelos ihre Hand und drückte sie über Chiara gegen die Wand. Sie war sich sicher, dass er sie nun beißen würde und schloss die Augen, aber er tat es nicht, sondern drücke sie mit seinem Körper gegen die Wand, so dass sie nicht fliehen konnte und presste seine Lippen gegen ihre. Erst wollte sie es nicht und versuchte sich zu befreien, doch Citrian war viel stärker als sie. Irgendwann fing es an ihr zu gefallen und sie erwiderte den Kuss. Citrian führte ihre Hand in der sie immer noch den Dolch hielt nach unten und sie ließ sie locker. Der Dolch fiel einfach auf dem Boden und Chiara schlang beide Hände um seinen Hals.
Als sie am Abend aufwachte lag sie im Arm vom Citrian. Er war noch am schlafen. Sie stand auf und sah aus dem Fenster. Es war schon dunkel und der Mond ging gerade auf. „Was machst du da?“ Chiara lächelte. „Den Mond betrachten. Es ist Vollmond.“ „Ich möchte dir etwas zeigen.“ „Was denn?“ „Siehst du dann.“ Citrian stand auf und ging zu Chiara. Er hob sie auf seinen Arm, sie erschreckte sich und meinte besorgt: „Ich bin viel zu schwer“ „Du weißt gar nicht was ich alles tragen kann. Und du wiegst ganz bestimmt nicht viel.“ Er öffnete das Fenster und sprang hinaus. Zuerst wollte Chiara aufschreien, aber sie vertraute Citrian, dass er sie nicht fallen lassen würde. Er flog über die Stadt und ermöglichte Chiara einen Ausblick, den sie so schnell nicht vergessen würde. Sie war sprachlos, deshalb küsste sie ihn einfach.
Als sie zurück kamen, fragte Citrian, ob sie ihn heiraten wolle. Sie sagte ja. Vor der Hochzeit machte Citrian sie zu einem Vampir, indem er sie biss und sie danach sein Blut trinken ließ. Das sie von da an ein Vampir war fiel keinem auf, denn sie war schon immer blass gewesen. Die beendete die Schule und lebte solange noch bei ihren Eltern, danach zog sie zu Citrian und lebte zusammen mit ihm glücklich weiter.

Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch, aber ich garantiere für keine Rechtschreibfehler. Ich arbeite an der Fortsetzung, ich hoffe, die gefällt euch dann auch.Delila Scorthen, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.01.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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