Elfie Nadolny

Befana

Anfang Dezember 2004 besuchte eine Italienerin wie so oft ihre deutsche Freundin. Die Deutsche erzählte vom Weihnachtsfest, von den „Heiligen drei Königen“, von den Sternsingern, die am 6 Januar erscheinen und von der Epiphanie, der Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Sie plauderten über das christliche Weihnachtsfest und über Brauchtum. Es war schön. Und nun begann die Sizilianerin von dem Befana-Fest in Italien zu erzählen.
Sie schauten gemeinsam nach, woher das Wort stamme und lasen, es komme von Epifania und es handelte sich ursprünglich um die Benennung eines weiblichen Dämons im italienischen Volksglauben, der einerseits Geschenke bringt, andererseits auch straft und spukt. Während er den guten Kindern Süßigkeiten bringt, bringt er den bösen Kindern Kohle und heute gilt die Befana-Hexe in erster Linie als eine gute Fee, die Geschenke bringe, hieß es dort.
„Ach ja, mir fällt das alles wieder ein“ sprudelte sie los und erzählte eine Legende, die ihr damals dir Großmutter erzählt hatte:
Die Hexe Befana hörte von den Hirten die Botschaft von der Geburt des Christkindes. Und da sah sie einen Stern. „Dem Stern muss ich folgen“, dachte sie, aber sie trödelte noch etwas herum, statt sich gleich aufzumachen. „Der Stern wird mich zum Jesuskind führen“, jubelte sie, es liegt in einer Krippe, das weiß ich ja von den Hirten. „Beeil dich etwas“, mahnten die Hirten. „Auf auf“. Aber Befana musste sich ja noch zurecht machen mit ihrem dunklen Rock, ihrer großen Schürze mit den großen Taschen, Schal, Tuch und ihrem großen Hut. So brach sie etwas zu spät auf und was passierte? Sie verpasste das Jesuskind. „Das kann nicht wahr sein“, dachte sie und seitdem probiert sie es jedes Jahr aufs Neue. Und da sie ja nun nicht weiß, wo sie das Jesuskind findet, macht sie sich jedes Jahr aufs Neue auf. Und nun bringt sie den Kindern Geschenke, die die Geschenke symbolisieren, die damals das Jesuskind bekam. Sie hofft in jedem Jahr, dass eins der Kinder das Jesuskind ist und sie es angemessen beschenken kann.
„Nun, Kinder, hängt am Befana-Abend Strümpfe an den Kamin oder stellt Schuhe hin, damit ich sie füllen kann“, flüstert sie den Kindern zu.
Ihre Kleidung ist mit bunten Flecken versehen und ihre Schuhe haben Löcher. Sie sieht so lustig und freundlich aus, dass die Menschen, die sie sehen, singen:
La Befana vien di notte
con le scarpe tutte rotte
col cappello alla romana
viva viva la Befana!
Die Hexe Befana kommt in der Nacht mit kaputten Schuhen und ihrem Hut alla Romana.
Es lebe die Befana.
So fliegt sie jetzt in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar über die Dächer und huscht durch den Kamin. In ihrem großen Sack hat sie viele Süßigkeiten, aber auch Asche und Kohle ist unten im Sack.
Nun erzählt die Italienerin weiter:
Als wir Kinder waren, stellten wir für die Vecchia, die gute Alte, auf einen Teller eine Mandarine, eine Orange und ein Glas Wein hin, damit sie sich stärken kann.
Wir erklärten uns die Flicken auf dem Rock und die Löcher in den Schuhen mit dem vielen und weiten Reisen.
Am Morgen des 6. Januar sahen wir dann, was Befana uns gebracht hatte: Sie brachte Süßigkeiten und andere Geschenke. Wir bemühten uns, das ganze Jahr brav zu sein, denn wir wussten ja, dass die braven Kinder viele Süßigkeiten bekamen und die unartigen viel Asche und Kohle. Das wollten wir natürlich nicht. So freuten wir uns natürlich auf die Befana, hatten aber auch ein bisschen Angst, dass sie unsere kleinen Unartigkeiten bemerkt hatte.
Befana hinterließ uns so eine Art Echtheitszertifikat. Zum Glück bekamen wir immer nur sehr wenig Kohle, aber darin war der Handabdruck Befanas. Und wir hatten noch einen Beweis, dass sie persönlich da gewesen war: Es waren noch Reste des Essens da, schließlich musste sie sich ja beeilen und nicht auszudenken, wenn sie bei jeder Familie den ganzen Wein getrunken hätte. Dann könnte sie ja im Rausch einige Geschenke vergessen oder vertauschen, ne, besser nicht. Ein Schelm, der nun meint, der Opa hätte den Wein getrunken, weil er an diesem Abend immer besonders lustig war.
Dann erzählte sie weiter, dass es üblich ist, sich am Befana-Fest Karten zu schreiben und einen Scherz zu machen. Aber nun war sie schon viele Jahre in Deutschland und passte sich dem deutschen Brauchtum immer mehr an und wartete auf die Sternsinger. Da ging das Telefon, es war ein Anruf aus Italien und eine Bekannte gratulierte ihr überschwänglich. „Wozu das denn? Ich habe doch gar keinen Geburtstag“, antwortete sie. „Ne, ne, du hast Namenstag », war die Antwort. „Habe ich auch nicht, du täuscht dich.“ „Doch doch“ erklang es fröhlich aus Italien: "Tu sei una befana!" (Du bist doch eine Befana-Hexe). Das muss sie gesagt haben, weil die Italienerin so ein kleiner Schelm ist, nun begriff sie und lachte. Sie lacht immer so schön und ist so lustig und herzlich.
Zum Schluss erzählte sie noch, was ihr die Großmutter später, als sie größer war, erzählt hatte.
Ursprünglich käme der Brauch daher, dass es arme und reiche Kinder gab und an dem besagten Fest sollten die armen Kinder nicht weniger Freude erleben als die reichen Kinder. Also zogen die armen Kinder in ihrer ärmlichen geflickten Kleidung von Haus zu Haus und erhielten Geschenke.
„Und heute“, erzählte sie weiter „trägt man diese Kleidung spaßeshalber zum Lachen und zum Scherzen.
geschrieben im August 2005 zum Geburtstag von Angela Fresta, von der ich diese Informationen habe.

(c) Elfie Nadolny

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