Pierre Heinen

Kaffidee

"Breisch!"

Meine Bleistiftspitze bricht vor Aufregung und zerbröselt. Na super, noch ein Entwurf für den Spucknapf! Ich leg das geköpfte Kohlenstoffhölzlein neben die bereits zusammengeknüllten Papierwolken und begebe mich sofort zum Cheftrompeter im Tempel der Demut.

"Da sind Sie ja!"

Nein, was für eine freundliche Begrüßung aber auch. Zumindest könnte er sein vorgekünsteltes Lächeln für ein Mal zu dem offenen Bürofenster hinausbugsieren. Oder ich ihn?

"Ich habe noch immer keine Kaffeemaschine gesehen!"

Im Sekretariat stehen drei davon und mehr als eine Tussi davor. Eine wird ihnen sicher gern zeigen wie das Maschinchen mit dem braunen Auslauf funktioniert.

"Ich bin mit einem Entwurf fast fertig."

Na gut das ist gelogen, aber ich will den heutigen Tag nicht schon wieder aus dem Gedächtnis streichen müssen.

"Ich brauch gute Ideen, sie wissen ja!"

He, ich auch! Nein was für ein Zufall. Wir sollten uns mal zusammen setzen.

"Ich dachte an eine Uhr und eine Laufschrift mit den Wettervorhersagen. Mit dem Internet verbunden ..."

"Was? Ticken Sie noch richtig, Breisch?"

Wenigstens einmal hätte er mich ausreden lassen können ... Und immer dieses Brüllen. Ob der zuhause auch soviel Lärm macht? Ticken sollte die Uhr eigentlich auch nicht ...

"Heute um 4! Ich brauche frische neue Ideen, verstehen Sie?"

Ja, ich Adam. Frisch vom Baum gepflückt. Gut behaart auf dem Weg suchen machen Liebe.

"Kann ich gehen?"

Wie niedlich er nickt mit zugekniffenen Augen.

Ich bin übrigens Jens Breisch. Das mit dem Nachnamen haben sie sich schon wohl gedacht was? Ich arbeite in der Ideen-Abteilung eines Online-Versandhauses und designe Küchenutensilien. Ich bin also verantwortlich wenn ein Knopf schwer erreichbar oder ein Mixer nicht gut in der Hand liegt. Ich bin also der Agent für ... Dinge des Lebens.

Der Geheimagent für den Fall "Die Kaffeemaschine muss neu erfunden werden!". Ein kleiner Flachbildschirm dran? Chromierte Teile? Oh mann und ich trink selbst mal keinen Kaffee.

Endlich wieder in meinem Reich angelangt. Mein Büro. Ein Haufen gelber Klebezettel im Mosaik-Stil an den Trennwänden, ein Papierkorb der kein Papier mehr verdauen will und mein Rechner der fast nie arbeitet und mir immer nur gelangweilt den Bildschirmschoner präsentiert.


"Käffchen?"

Die Regentin der Nachbarinsel, die fette Elke, wäre sicherlich besser geschaffen für das Kaffeemaschinenneuerfinden als ich. Die vier täglichen Pilgerreisen die sie zum Tempel des braunen Flusses unternimmt müssen ja irgendeinen Zweck erfüllen. Womöglich opfern sie dem Gott Lästermaul wieder einmal ein paar unschuldige Menschen.

"Danke! Ich hab zu tun."

Ein Handy integrieren? Kaffee? Gibt es Kaffee mit Sprudel? Milch, Zucker ... eine Maschine mit eingebautem Kalorienzähler? Oder einfach eine neuer Kasten? Eckiger? Farbiger?

Ich hatte doch heute Morgen so einen Idee. Wo ist sie hin? Morgen? Kaffee!

Meine Uhr flüstert mir was von vier. Mein Gott wo ist die Zeit hingerannt?

Jetzt heisst es rennen! ... Entschuldigung ... Ja ich räum das nachher weg!


"Ah, da ist ja der Kollege!"

Ja, der kleine Sklave ist da! Danke für den Freudenempfang!

"Wir fangen dann auch gleich mit dem Herrn Breisch an. Bitte!"

Na gut von mir aus. Augen auf und stehen bleiben!

"Eine Kaffeemaschine, technisch auf dem letzten Stand der Technik mit einem Radiowecker kombiniert! Man stellt sich das Ding neben sein Bett auf den Nachttisch und sobald der Weckruf ertönt, wird man zeitgleich mit einem duftenden Kaffeegeruch geweckt!"

Große Augen. Schweigen der Lämmer? Die Frau vom Chef hebt die Hand.

"Wird das Gerät nicht zu groß?"

Wir sind im Zeitalter der Nanotechnologie, ich bitte sie.

"Nicht größer als eine Kaffeemaschine und nicht kleiner als ein handelsüblicher Radiowecker."

Auf die Antwort war das Fräulein Goldkante wohl nicht gefasst.

"Möchten unsere Kunden denn mit frischem Kaffee geweckt werden?"

Du stellst dir vielleicht Fragen.

"Ich trinke keinen Kaffee."

Dass alle Anwesenden doof kucken können habe ich mir schon immer gedacht.

"Wir werden ein Exemplar anfertigen lassen."

Wow! Der Chef hat gesprochen! Heisst das niemand will meine nicht existierenden anderen Ideen sehen? Super!

"Breisch Sie werden das Ding testen!"

Hallo, ich trinke so etwas nicht!

"Aber ich ..."

Der Blick über die anderen Kollegen. Ja such dir einen anderen aus!

"Fräulein Elke wird sie unterstützen!"

Noch schlimmer kann es ja nicht kommen. Zumindest ist meine Idee nicht im Papierkorb gelandet. Oh wie lieb sie kommt schon auf mich zu.

"Also mein Wecker läutet ja um halb sieben und deiner?"

"Mein Wecker ist ein roter Teufel der mit Kreide auf eine kleine Tafel schreibt. Ein quietschiges Vergnügen!"

Der quietscht so wie du lachst.

"Dann werden wir das wohl lieber bei mir im Bett testen! Ich habe ein Doppelbett!"

Bett? Der Chef hat das mitbekommen! Ups ...

"Sie wollen also in die Rolle des Kunden springen! Das nenne ich Engagement! Weiter so! Ich will den Bericht so schnell wie möglich haben!"

Hilfe!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.01.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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