Markus Kügle

Schatzi-Mausi & Ich: Das Orale Befriedigen geht weiter ...

Also: Wo waren wir stehen geblieben? Erst am Morgen kehrte ich wieder zurück. Wie ein Büßer. Wie der eine Kerl da, der nach Canossa gegangen ist. Schatzi-Mausi hat mich schon erwartet. Am Küchentisch. „Schnucki, wir müssen reden!“ Das kennen wir ja bereits! Diesmal hat sie sich allerdings sehr müde und sehr traurig angehört. Es schien fast so, als wäre ich in dieser Nacht nicht der einzige gewesen, der kein Auge zugebracht hat.

„Lass´ es sein!“, hat sie gesagt. Gemeint hat sie das Nichtrauchen! Erschöpfte Resignation war in ihrer Stimme zu hören. „Wenn du das Rauchen nicht aufgeben kannst, dann lass´ es sein.“ Ihrer Meinung zufolge wäre das immer noch besser, als heimlich zu rauchen. Sie steht nun mal sehr auf Ehrlichkeit in unserer Beziehung. Tja, was soll man(n) da nur sagen? Einerseits bin ich in diesem Moment am Ziel. Ich habe es geschafft, auf Umwegen, meinen Willen durchzusetzen! Wenn das kein Grund zum Glückseligsein ist ... Ich habe Schatzi-Mausis Absolution und Segen erhalten. Ich darf mir offiziell wieder eine Kippe anstecken. Aber: Andererseits, ... Für welchen Preis habe ich das bekommen? Wir wissen ja: Nichts auf der Welt ist umsonst. (Nur der Tod, doch der kostet bei näherer Überlegung schließlich nicht weniger, als das Leben!) Die Antwort ist einfach: Schatzi-Mausis Bild von mir hat Risse bekommen. Für sie bin ich nun nicht mehr der Mann, der ich einmal für sie war. Ich bin in ihren Augen nunmehr ein Abhängiger. Ein Süchtiger. Ein Sklave des Nikotins. Ein Stiefelknecht des Glimmstengels. Und je mehr ich darüber nachdachte, während ich da herumstand und sie mich so furchtbar enttäuscht ansah ... Je mehr ich mir diese Tatsache bewußt machte, während sie sich abwandte und den Kopf schütttelte, umso mehr wurde mir klar, so glasklar, dass ich auf diese Weise vor meinem Schatzi-Mausi nicht dastehen wollte. Mein Ego hatte einen Knacks bekommen! Komplexe begannen, in meinem Inneren zu wuchern. Sie glaubte nicht, dass ich Manns genug bin, mit der Qualmerei aufzuhören. Sie traute es mir nicht zu. Sie hielt mich insgeheim für einen Versager!! ( So ist es doch!) Sollte ich mich etwa hinstellen lassen, wie eine Memme? Von und vor Schatzi-Mausi?? Nee! Niemals!! Nicht mit mir!! Wie sollte ich mir jemals wieder beim Rasieren im Spiegel ins Gesicht sehen können? Wie sollte ich jemals wieder vor, auf und hinter ihr einen Ständer ausfahren können, wenn ich weiß, dass sie insgeheim denkt, dass ich es nicht bringe???

„Schatzi-Mausi!“, sagte ich. Meine Stimme klang wahnsinnig nach Entschlossenheit. „Es war falsch von mir! Ich habe einen Fehler gemacht!! Gib´ mir eine zweite Chance ...“ Sie sah mich an. Tränen standen ihr in den Augen. Es war sehr emotional.

„Nein ...“, hauchte Schatzi-Mausi. Sie versuchte, meinem festen Blick auszuweichen.
 
„Doch!“, bestimmte ich und zwang sie, mir ins Gesicht zu sehen. Schließlich sollte sie ruhig mitkriegen, wie hart und kraftvoll ich aussehen konnte, wenn ich einen wichtigen Entschluss gefasst hatte. „Diesmal werde ich es schaffen!!“
 
„Oh, Schnucki!!“, schluchzte sie dann und fiel mir in den Arm. Schwer zu sagen, was sie damit zum Ausdruck bringen wollte. Ich hoffe mal, dass sie ganz einfach unheimlich gerührt war von meiner pathetischen Ansprache ...

KAMPF DER ELENDEN SUCHT:

Du kannst alles erreichen, was du willst. Du musst es nur wirklich wollen. So sieht die Sache aus. Mit Eiserner Willenskraft! Kampf der Sucht. Nieder mit dem Inneren Schweinehund. Und: Ich bin stolz, es sagen zu können. Ich schaffte es!!!! Und es wäre schön gewesen, wenn ich jetzt hätte sagen können, dass die ganze Geschichte hier und an dieser Stelle HAPPY geENDet hätte. Und Schatzi-Mausi mit mir glücklich bis, ... Naja, Ihr wisst ja: Wenn sie nicht gestorben sind, usw. Leider war es nicht so. Sondern anders ...

Die ganze Sache hatte nämlich eine unangenehme Nebenwirkung: Ich wurde nervös. Ich wurde leicht reizbar. Ich wurde, wie es mein Schatzi-Mausi ausgedrückt hatte: „Un-Aus-Steh-Lich!“ Ein „ekelhafter Kotzbrocken“, um noch ein Originalzitat von ihr zu verwenden. Es war mir mit einem Mal tatsächlich möglich, mich über Dinge aufzuregen, die mich bis dahin sonst nur peripher, wenn überhaupt, tangiert hatten. Mit anderen Worten: Dinge, die mir sonst aber sowas von am Arsch vorbei gegangen waren, entwickeln urplötzlich einen komplett anderen, ungleich höheren Stellenwert. Beispiel gefällig? Bitte sehr: Mein Schatzi-Mausi hat, wie viele andere Menschen auch, nun mal so ihre Angewohnheiten. Darunter sind auch ein paar dumme. Eine davon ist dieser verrückte Spleen, abends im Bett, beim Lesen von einem Buch, die Lippen zu bewegen. Sie liest quasi lautlos mit – sehr strange, wenn ihr mich fragt. Das sie sowas macht, ist mir früher nie aufgefallen. Und wohl deshalb hat es mich bis dato auch nicht gestört. Aber das gehörte nun der Vergangenheit an. Ständig hab ich neben ihr, aus den Augenwinkeln gesehen, wie sich ihre Lippen bewegt haben. Das hat mich regelrecht wahnsinnig gemacht. Mich total abgelenkt, von dem, was ich gerade tat. Und auch wenn man bei der Lektüre der BILD-Zeitung nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit braucht (Ich gebe es ja zu!), ein gewisses Mindestmaß sollte schon vorhanden sein. Und das war es nun mal nicht. Worauf alles hinaus gelaufen ist, war die Frage, was man(n) da tun kann. Darüber reden? Vergesst es! Ich hab´s versucht und gebracht hat´s nix. Eine dumme Angewohnheit kann niemandem abgewöhnt werden. Versuch zwecklos. Ich habe es dann vorgezogen, nichts mehr zu sagen und meine BILD in der Küche zu Ende zu lesen. Das hat sie geärgert. Und schwupps hatten wir, infolge einer komplizierten Kette von verschiedensten Ursachen und Wirkungen den schönsten Streit. Zuerst wollte sie wissen, warum ich mich in letzter Zeit so komisch aufführe. Dann, als ich es ihr gesagt habe, wollte sie mir nicht glauben, dass das „der wahre Grund sein soll.“ Das Ende vom Lied: Sie war beleidigt und ich habe auf der Couch im Wohnzimmer genächtigt.
 
Ach, ja und außerdem kam mein Geruchs-und Geschmackssinn verstärkt zurück. Aber das war nicht so toll. Denn so musste ich zu meinem Entsetzen erkennen, dass mein Schatzi-Mausi, die ich bis dahin für eine gute Köchin gehalten hatte, in Wahrheit keine war. Warum? Nun, ja ... Sie ist viel zu großzügig in der Anwendung von Salz und Pfeffer beim Abschmecken der Gerichte. Und hieraus entwickelte sich dann auch schon das nächste Problem.

Ein Konflikt von wahrhaft biblischen Ausmaßen. Denn: Sagt´ mal einer/Eurer Frau, dass Euch ihr Essen nicht schmeckt! Wenn Ihr es noch nicht getan hast, probiert es aus. Ihr werdet unangenehm überrascht sein. Selbst der leiseste Hauch einer kleinsten Kritik („Mein liebes Schatzi-Mausi, könnte es eventuell möglich sein, dass du ein klein wenig zuviel Salz in der Suppe hast?“) kann eine Tragödie entfachen, wogegen die größten Werke Shakespeares, der reinste Dreck sind. („WAS? Sag´ mal spinnst du? Wenn´s dir nicht passt, dann hol´ dir was vom Onkel Döner! Das ist doch wohl die Höhe!! Ich steh´ den ganzen Tag in der Küche und du kannst nur meckern. Du bist doch wohl das Allerletzte!“ ... usw.) Wohl deswegen ist mir eine andere weit verbreitete Nebenwirkung des Nichtrauchens (rapide Gewichtszunahme) erspart geblieben.

Und das war noch längst nicht alles! Negative Schwingungen in der Beziehung wirken sich zweifellos auch aufs Sexualleben aus. Irgendwann war es dann soweit, dass Schatzi-Mausi hinten und vorne keine Lust mehr darauf hatte. Für mich absolut unbegreiflich und überhaupt nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall wurde ich dann zur Abwechslung mal so richtig sauer. Schließlich kann es ja wohl nicht sein, dass man(n) ganze zwei Wochen im Zölibat lebt, obwohl man(n) mit seiner Freundin zusammen wohnt! „Das ist seelische Grausamkeit!!“, habe ich ihr erklärt. Schatzi-Mausi hat dann sehr böse und verletztende Dinge gesagt. So was ähnliches wie:

„Du befriedigst mich einfach nicht mehr!“ Und: „Sex mit einem ekelhaften Kotzbrocken, wie dir, macht mir keinen Spaß!“ Außerdem noch: „Du bist ‚Un-Aus-Steh-Lich‘, da kann ich einfach nicht kommen!“ Hätte Schatzi-Mausi mir mit Anlauf in die Weichteile getreten, es hätte nicht schmerzhafter sein können. Ich war aufs Tiefste in meiner Ehre gekränkt und in meinem Stolz verletzt. Deshalb habe ich ihr eine Szene gemacht. Aber vom Allerfeinsten! Und dann noch eine. Und noch eine. Am Ende war es eine ausgemachte Tragödie, die sie ohne weiteres am Augsburger Stadttheater hätten spielen können. Das Drama hat begonnen mit dem ersten Akt, unter der Szenenüberschrift „Ich bin so enttäuscht von dir!“. Dann hat es sich im zweiten gesteigert zu einem vorwurfsvollen „Wie kannst du nur?“. Und dann einen finalen Abschluß gefunden unter der pathetischen Frage „Wie kann ich dir nur jemals wieder vertrauen?“ Alles sehr theatralisch. Und nicht ohne Wirkung auf sie. Schatzi-Mausi fühlte sich mies. Schäbig. Wie Abschaum. Das Schlechte Gewissen nagte an ihr wie ein bösartiger Tumor – So ist es mir zumindest vorgekommen. Dann nahm sie ihre Schlüssel, ihren Geldbeutel und ging ... Für einen Moment lang dachte ich, sie wäre weg. Hätte mich verlassen. Für immer und immer. Endgültig. Unwiderruflich. Und das war der schlimmste Moment in meinem Leben. Obwohl ich schon eine Menge schlimmer Momente in meinem Leben gehabt hatte. Aber das war, mit Abstand, der schlimmste. Dann kam sie wieder. Kaum zu glauben. Sie kam rein, knallte mir eine Schachtel Zigaretten auf den Tisch und sagte:
 
„Tu´ mir den Gefallen und fang´ wieder an zu rauchen!“ Ich sah sie vorsichtig an. Langsam griff ich nach der Schachtel, zog mir eine Zigarette heraus. Das Verlangen wurde übermenschlich. Meine Hand zitterte. Sollte ich wirklich? Schatzi-Mausi sah mir zu, nickte aufmunternd. Es konnte keinen Zweifel geben. Ich hatte ihren Segen. Die Suche nach einem Feuerzeug gestaltete sich, wie immer schwierig. (Es ist halt einfach nie da. Zumindest nicht, wenn man es braucht. Und wenn doch, dann garantiert nicht da, wo es sein soll.) Aber dann, nachdem diese Hürde genommen wurde: Anzünden. Der erste Zug. Tief inhalieren. Das ist es! Mit einem Mal kehrte die Entspannung zurück in meinen Körper. Ich nahm den Glimmstengel aus dem Mund, drehte ihn zwischen meinen Fingern und lehnte mich zurück. Ah, Blauer Dunst. Die Welt war wieder in Ordnung! Schatzi-Mausi setzte sich zu mir, nahm mir die Kippe aus den Mund und genehmigte sich selbst einen Zug. Danach küssten wir uns ...
 
Und da war er wieder: So ein Moment, in dem ich mein Schatzi-Mausi über alles auf der Welt liebte. Ganz einfach nur, weil sie so ist, wie sie eben ist ...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.01.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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