Rita Bremm-Heffels

Was denn nun?

Mutter ist da. Für drei Monate, wahrscheinlich.
Heute Morgen:

Der Kaffeetisch ist gedeckt. Alles drauf.
Mutter legt Wert auf Ordnung.
Von wegen Mieze‘s Zunge auf der Butter und so.

Deshalb krieche ich schon eine halbe Stunde früher aus der Schlummerfalle.
Dann kann ich in Ruhe meine Zeitung lesen und die Katzen haben eine Schonfrist zum Butter Lecken.
Und ich auch.

Dann erscheint Mutter.

„ Guten Morgen Mutter, was willst du, Brot, Brötchen??“
„ Egal,“
„ Was heißt egal, du mußt doch wissen was du lieber willst.“
„ Ach ich esse alles .“
„ Gut, dann hier, ein Toastbrot.“
„ Müssen die Katzen auf dem Tisch herum hocken?
Du weißt, das kann ich nicht ausstehen.“

„ Ja Mutter, sie müssen. Weil sie’s gewohnt sind. Und sie tun dir nichts.“

„ Ist aber eklig. Husch, runter.“

Verschreckt saust Mimi vom Tisch. Ich koche, das erste Mal für heute.
Mutter mümmelt am Toast herum.
Endlich hat sie ihn unten.
„ Ach weißt du, eigentlich ich esse auch lieber ein Brötchen.“

Dann startet Mutter eine Variante der Frühstücksthemen..
Heute ist ihr Zuhaus dran. Die Themen kreisen, wiederholen sich sporadisch.

„ Hoffentlich gucken die nach Allem. Und schließen die Türen ab.
Und das Wasser im Keller. Es regnet doch.“
„ Mutter, sie werden schon gucken. Wohnen doch selber im Haus.“

„ Ja, aber wenn ich daheim bin, muß ich immer alles machen.“

„ Du mußt nicht, Mutter, du machst.“

„ Sonst macht es ja keiner.“

„ Es kann keiner machen, weil du es schon zuvor machst.
Ehe ein anderer die Möglichkeit hat.“

Jetzt wird sie trotzig, wie immer wenn der Punkt kommt, wo sie mit dem Rücken zur Wand steht.
Und weiß, daß ich recht habe.

„ Schließlich ist es ja immer noch MEIN Haus.“

„ Aber dein Enkel wohnt drin und ist erwachsen. 35 Jahre alt.“

„ Aber er kümmert sich um nichts.“

„ Mutter,“ ich versuche ganz ruhig zu bleiben, zum hundertsten Mal ,
„ er kümmert sich nichts, weil DU dich immer gekümmert hast.
Statt einfach mal Verantwortung abzugeben. Dann müßte er sich kümmern.“

„ Dann fällt das Haus bald zusammen.“

„ Du übertreibst. „

Es ist sinnlos. Ich kenne dieses Thema seit Jahren und die Gespräche sind noch genau so unfruchtbar wie eh und je. Sie sieht es nicht ein.

Also besser schweigen.

„ Warum sagst du nichts? Redest‘s du wieder nicht mehr mit mir?“
Mutter Stimme hat diesen leicht beleidigten Unterton.

„ Mutter, wir haben doch die ganze Zeit geredet. Du kennst meine Meinung.
Wenn wir weiter reden gibt’s Streit.“

Sie schweigt mit diesem besonderen Gesichtsausdruck, den ich schon von meiner Großmutter kenne. Die Lippen zusammen gekniffen, der Blick starr geradeaus.

Kurz darauf steht sie auf, geht ins Bad.
Toilette wird bei Mutter noch groß geschrieben.
Mindestens eine Stunde - Ruhe für mich.
Ich erledige hastig die gewohnten Arbeiten.
Katzenklo, Spülmaschine einräumen, Tisch abwischen, Staub wischen.

Als Mutter frisch gestylt wieder auftaucht ist es 10 Uhr.
Die kleine Disharmonie vom Frühstück scheint vergessen.

„ Was gibt es heute zu Mittag?“ fragt sie.
„ Was möchtest du denn?“
„ Egal“.

„ Fisch, Gemüse, Nudeln, Pizza, alles in der Gefriertruhe. Was soll ich rausnehmen?“
„ Egal, ich esse alles.“

Ich entscheide mich für den Fisch.
Macht zwar mehr Arbeit, ist aber auch mal was anderes.
Und für sie bestimmt gesund.

Mutter stochert drin rum.
„ Was ist,“ frage ich, schmeckt’s dir nicht?“
„ Na, der Fisch ist nicht so ganz mein Geschmack. Gemüse mag ich lieber.“

Ich bin genervt. 12.30 Uhr. Halbzeit.
Die Spülmaschine wird angestellt und ich verziehe mich einen Stock höher ins PC Zimmer.
Etwas Distanz, bis zur zweiten Hälfte. Gott sei Dank ist Platz da.
Ein Trugschluß.
Plötzlich steht Mutter in der Tür.

„ Du, heute müßten wir Haare waschen. Sind schon ganz fettig.“

„ Aber Mutter, wir wollten doch nachher mit dem Hund raus ?“

„ Das geht dann nicht. Wenn ich frische Haare habe gehe ich nicht raus, das weißt du.“

„ Und morgen?“
„ Morgen auch noch nicht.“
„ Wann dann?“
„ Wenn die Haare wieder fettig werden.“

„ Ach so, Mutter. O.K.“ Gegen diese Logik ist nicht anzukommen.
„ Dann waschen wir Haare.“

Um 15 Uhr sitzt Mutter mit ihrem Lockenwickler Kopf im Sessel und ich serviere Cappuccino und ein Stück Kuchen. Wie jeden Mittag. Mutter sieht fern.

Nun blinkt auch noch der verdammte Knopf an der Spülmaschine. Wieder irgendwas nicht in Ordnung.
„ Scheiße,“ sage ich vor mich hin.
„ Hast du was gesagt?“
„ Die Spülmaschine blinkt wieder.“
„ Und nun? Was machst du nun? Das kriegst du doch nie hin? Und für den Handwerker hast du kein
Geld.“

„ I c h w e i ß e s n i c h t, Mutter. Laß mich mal in Ruhe nachdenken.“
Tief durchatmen.

„ Siehst du, so bist du immer. Da interessiere ich mich für ein Problem und du .....“

„ Bitte Mutter.“

Ich entweiche schnell mit meinem Hund. Eine Viertelstunde frische Luft. Alleine. Ohne Fragen,
ohne Erklärungen, ohne negative Voraussagen....

Mutter steht schon an der Türe.
„ Wo warst du solange?“
„ Mutter, das waren gerade mal 15 Minuten.“

„ Mir kam es aber länger vor. Ich sitze hier alleine herum.“

„ Du hättest doch Zeitungen lesen können.“ Kein Kommentar.
Statt dessen:

„ Du mußt mich noch frisieren, das weißt du ja.“


Das Abendbrot läuft nach dem selben Schema ab wie die vorherigen Fütterungszeiten.
Frage- und Antwortspiel.
Brot oder Schwarzbrot?
Wurst oder Käse?
Gurke oder Tomate?
Mutters Antwort: „ Egal.“

Gemeinsam wird der Tag beendet – vor dem Fernseher.

Zur Auswahl:
Jodel - Dodel oder Krimi!

Ich möchte den Krimi sehen.

„ Guck‘ was du willst, mir ist das alles egal.“ Mutter rutscht in ihrem Sessel hin und her.

Der erste Tote, die Kommissarin bemüht sich um Aufklärung, der zweite Mord steht gerade bevor.

„ Ist das ein Durcheinander. Verstehst du das ?“ fragt Mutter
„ Ja, Mutter, aber ich muß aber zuhören.“

„ Dann erklär‘ mir mal ...“
„ Jetzt nicht Mutter, ich versteh dann auch nichts mehr.“

„ Es ist auch wieder so leise.“

„ Lauter geht es nicht, ist schon auf der Scala 30.“

„ Ist ja auch Quatsch der Film. Ich hätte viel lieber Jodel - Dodel geguckt.“

Ende. Aus, Finito.

„ Dann guck‘ Mutter. Stell‘ um in Gottes Namen, und guck was du willst.
Aber bitte, einmal wenn ich dich das nächste Mal frage, sag‘ direkt was du willst.“

Und so endet ein ganz „ normaler „ Tag mit Mutter.

Sie sitzt im riesengroßen Wohnzimmer, guckt Jodel-Dodel, schläft dabei ein, und ich
gucke mit schiefem Hals meinen halb verquasselten Rest Krimi im Bett

Das ist der genaue Ablauf eines Tages.
Ich hatte vorhin einen sooo dicken Hals.
Nun ist mir besser und ich kann sogar ein wenig drüber lachen.
Gruß R.Bremm
Rita Bremm-Heffels, Anmerkung zur Geschichte

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Rita Bremm-Heffels).
Der Beitrag wurde von Rita Bremm-Heffels auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.10.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • R.Bremmgmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Rita Bremm-Heffels als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Sex für Motorradfahrer von Klaus-D. Heid



Warum kann 69 bei 200 gefährlich sein? Was ist der Unterschied zwischen Kawasaki und Kamasutra? Wie kommt man am besten auf 18000 Touren? Was hat ein überfälliger Orgasmus mit kostenlosen Ersatzteilen für eine BMW zu tun? Die Welt der heißen Öfen steckt voller Fragen, auf die Ihnen Klaus-D. Heid und Cartoonistin Regina Vetter amüsant erotische Antworten geben.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (6)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Rita Bremm-Heffels

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Alles Kacke, oder die Konkurrenz schläft nicht. von Rita Bremm-Heffels (Alltag)
Der verbotene Luftballon von Ingrid Drewing (Wahre Geschichten)
...erst wenn die Gehwägelchenzeit anbricht Teil 2 von Karin Schmitz (Liebesgeschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen